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Erlebnisse und Tourismus

Ergebnisse der 4. Deidesheimer Gespräche zur Tourismuswissenschaft

by Christian Eilzer (Volume editor) Manfred Dörr (Volume editor) Sylvia Müller (Volume editor)
Thesis 164 Pages

Table Of Content

  • Cover
  • Title
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Erlebnisse und Tourismus am Beispiel von Deidesheim Qualitätstourismus in der Urlaubsregion Deidesheim: 10 Jahre Cittaslow, Nachhaltigkeit und Regionalität – Ein Essay
  • Zur Natur und Messbarkeit von Erlebnissen im Tourismus
  • Was Urlauber toll finden – Empirische Befunde zum Destinationserlebnis
  • Erlebnisse in der Destination als wichtiger Bestandteil im Wettbewerb von Destinationen
  • Erlebnisorientierung im New Urban Tourism – Spurensuche am Beispiel Berlin
  • Erlebnismarketing auf Destinationswebsites
  • Bedeutung der digitalen Erlebbarkeit entlang der Customer Journey von Urlaubsreisenden mit Fokus auf digitale Relevanzen bei der Reiseziel-und Urlaubsthemenentscheidung
  • Kultour – Nachhaltige und grundlegende Strategien für den Erfolg europäischer Kultur auf dem Reisemarkt der Zukunft
  • Creative Space als Basis einzigartiger Reiseerlebnisse
  • Abbildungsverzeichnis
  • Tabellenverzeichnis
  • Autorenverzeichnis

Manfred Dörr

Erlebnisse und Tourismus am Beispiel
von Deidesheim
Qualitätstourismus in der Urlaubsregion
Deidesheim: 10 Jahre Cittaslow, Nachhaltigkeit
und Regionalität – Ein Essay

Es gibt viele Gründe, in den Urlaub zu fahren. Einer davon ist sicherlich der Wunsch, etwas zu erleben – insbesondere etwas zu erleben, was zu Hause nicht oder nur sehr schwer und selten erlebt werden kann. Im Urlaub sollte es möglich sein, und so stellen sich viele Destinationen auch auf diesen Urlaubswunsch ein. Sie bieten ihren Besucherinnen und Besuchern zahlreiche Urlaubserlebnisse an und versuchen so, ihre Gäste- und Übernachtungszahlen zu stabilisieren oder zu steigern. Vielfach geht es auch darum, neue Gäste zu gewinnen. Manchmal versucht man auch durch ein entsprechendes Angebot bestimmte Gästegruppen anzulocken und andere eher fern zu halten.

Deidesheim wirbt mit einer „einmaligen Kombination aus (Wein- ) Kultur, Naturverbundenheit und südländischer Lebensfreude.“ Traditionsbewusstsein und Weltoffenheit sollen dem „anderen Paradies“ an der Deutschen Weinstraße einen einzigartigen Charme verleihen. Sehenswürdigkeiten wie die Altstadt mit der Stadtpfarrkirche St. Ulrich, der Spitalkirche, dem historischen Rathaus, der „Kanne“ (das älteste Gasthaus der Pfalz), dem Gasthaus „Zum Schwanen“ mit dem markanten Erker, dem Deidesheimer Hof und dem Andreasbrunnen auf dem Marktplatz sowie etliche Grünanlagen, der Erlebnisgarten oder die Alla Hopp-Anlage, das Museum für Weinkultur oder auch das Deutsche Film- und Fototechnikmuseum können erlebbar gemacht werden durch Stadt- und Themenführungen oder durch eigene Erkundungen, geleitet mit einer entsprechenden Beschilderung. Mit zwei Alternativrouten für Menschen mit Einschränkungen möchte man künftig die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten auch für behinderte bzw. eingeschränkte Menschen erlebbar machen.

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Bei körperlicher Betätigung (Radfahren, Nordic Walking, Wandern…) kann man eine intakte Kulturlandschaft um die Stadt herum erleben. Waldhütten bieten die Gelegenheit zur Einkehr. Auf dem Premiumwanderweg Pfälzer Weinsteig lassen sich fantastische Ausblicke, malerische Siedlungen und geschichtsträchtige Orte (Heidenlöcher, Burgen etc.) erleben. In den Weinbergen verläuft der Wanderweg Deutsche Weinstraße. Auf diesem Weg ist im Frühling besonders gut zu erleben, wie die Natur förmlich „explodiert“ (Mandelblüte), und im Herbst, wie sich die Natur malerisch und in bunten Farben in den Winter verabschiedet. Dazu gibt es eine entsprechende Infrastruktur mit öffentlichem Personennahverkehr (Bahnlinie, Busverbindungen, Ruftaxi etc.), aber auch mit Fahrradverleih und Reparaturdiensten.

Zahlreiche kulturelle Veranstaltungen, z. B. die Intonation, Kunstausstellungen, Konzerte (Musikherbst) und Theateraufführungen des in Deidesheim ansässigen „Boulevard – Theater“ bieten eine Vielfalt kulturellen Schaffens in einer kleinen Gemeinde. Mit einem Glas Wein lassen sich diese Eindrücke in einer der zahlreichen Gaststätten vertiefen. Wobei wir wieder beim Wein wären, dem zentralen Erlebnis, das man im Urlaubsgebiet Deidesheim genießen kann. Bei Betriebs- und Weinbergsführungen und bei Weinproben erlebt der Gast alles rund um das Kulturgut Wein. Im Museum für Weinkultur können die vielen Beziehungen des Weins mit den unterschiedlichsten kulturellen Bereichen erkundet werden. Auch das geschichtliche Wissen um den Wein kann dabei vertieft werden. Genießen lassen sich der Wein und viele andere regionale Spezialitäten (Obst und Gemüse, Fisch, Fleisch, Bauernbrot, Feigen, Mandeln, Kastanien…) in nahezu 40 Gaststätten und Weinstuben, wobei auch der spezielle Geschmack der Pfalz erlebt werden kann. In gemütlicher Runde lernt man dabei auch die Geselligkeit und den Frohsinn der Pfälzerinnen und Pfälzer kennen.

Bei Wein- und Volksfesten (Geißbockversteigerung, Weinkerwe, Deidesheimer Advent) kann man als Gast südländische Lebensfreude, aber auch Tradition und lebendiges Brauchtum hautnah erleben. Gerade bei der Gestaltung der Feste, vor allem der Weinfeste im Urlaubsgebiet, wird in Deidesheim viel Wert auf Qualität und Authentizität gelegt. Weniger ist dabei oft mehr. So wurden die Ausschank- und Musikzeiten begrenzt, beim Angebot auf Regionalität und bei der Organisation des Festes auf Nachhaltigkeit geachtet (Vermeidung von Plastikgeschirr, Wasserversorgung, Strom aus ökologischer Produktion…).

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Mit dem Tourismus begonnen hat es in Deidesheim so richtig in der Nachkriegszeit. Der Ort musste sich neu aufstellen. Man besann sich damals schon auf die eigenen Potenziale: eine schöne und alte Kulturlandschaft, ein mildes Klima, das das Wachstum von südlichen Pflanzen und Früchten wie Feigen, Zitronen, Mandeln, Kastanien, Kiwis und vielem mehr begünstigte. Zudem wurden diese Früchte, vor allem auch die Trauben, reif und konnten in der Gastronomie entsprechend verarbeitet und den Gästen angeboten werden. Eine damals schon lange Weinhistorie und hohe Weinkultur sorgte zusätzlich für ein gewisses Alleinstellungsmerkmal der Region und der Weinstadt Deidesheim.

So entschied man sich bereits in den 50er- und 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts für Wein und Tourismus als wirtschaftliche Standbeine für die kleine Stadt. Dies wurde den Gästen vermittelt, die schon damals Restaurants mit guter Qualität und regionaler Küche vorfanden. Als dann in den 70er-Jahren und später Hotels und andere Übernachtungsmöglichkeiten gebaut und betrieben wurden, konnte man den Gästen auch gute Übernachtungsmöglichkeiten bieten, was zu längerem Verweilen einlud. Auf Heimatabenden präsentierten sich die örtlichen (Brauchtums- ) Vereine und sorgten bei den Gästen für Unterhaltung. Gleichzeitig vermittelten sie die Mentalität der Pfälzerinnen und Pfälzer mit ihrer sprichwörtlichen Geselligkeit und machten so quasi die Pfalz als Region erlebbar. Musik, Tanz und Kulinarik gehörten ebenso dazu wie Mundartveranstaltungen, Wanderungen, Stadtführungen und „Hüttenzauber“ im Pfälzer Wald. Gleichzeitig schuf man mit der Umwandlung des Schlossgrabens in eine Parkanlage, dem Bau einer Minigolfanlage oder auch einer kleinen Kneipp-Anlage weitere Sehens- und Erlebnismöglichkeiten für Gäste, aber auch für die einheimische Bevölkerung. Auch das älteste Freibad der Pfalz in der Weinlage „Paradiesgarten“ gelegen, war schon früh eine Attraktion. Dies alles und mehr führte auch dazu, dass Deidesheim 1972 das Prädikat „Luftkurort“ erhielt, was für die weitere Entwicklung des „Fremdenverkehrs“, wie es damals noch hieß, von großer Bedeutung war. Gäste kamen oft mit Bussen und Zügen, sie wurden vom Bürgermeister mit einem gefüllten Weinpokal begrüßt und auf humorvolle Weise aufgefordert, Land und Leute mit all ihren Facetten zu erleben und natürlich die hervorragenden Weine zu genießen.

Biographical notes

Christian Eilzer (Volume editor) Manfred Dörr (Volume editor) Sylvia Müller (Volume editor)

Christian Eilzer ist Leitungsreferent im Deutschen Institut für Tourismusforschung (DITF) und Geschäftsführer des Fachbereichs Wirtschaft der Fachhochschule Westküste. Manfred Dörr ist Bürgermeister der Stadt Deidesheim, Präsident der Vereinigung Cittaslow Deutschland und Vizepräsident von Cittaslow International. Sylvia Müller ist Referentin für Kommunikation und Marketing sowie Fachreferentin für Marktforschung im Deutschen Institut für Tourismusforschung (DITF) der Fachhochschule Westküste.

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