Lade Inhalt...

Elemente einer Poetik der Neofantastik. Die Erzählungen von Julio Cortázar

Aus dem Spanischen übersetzt und herausgegeben von Max Wimmer

von Jaime Alazraki (Autor:in) Max Wimmer (Band-Herausgeber:in)
©2018 Monographie 216 Seiten

Zusammenfassung

Mit dieser Übersetzung liegt der Schlüsseltext zur Neofantastik des argentinischen Literaturwissenschaftlers und Cortázar-Spezialisten Jaime Alazraki endlich in deutscher Sprache vor. Die Studie etabliert das Konzept der „Neofantastik" und definiert aus verschiedenen Perspektiven das Fundament ihrer Poetik. Das terminologische Instrumentarium, das in dieser Untersuchung erarbeitet und anhand der Erzählungen Cortázars exemplarisch erprobt wird, bietet die fruchtbare Möglichkeit der konzeptionellen Untergliederung des literarischen Genres der Fantastik in der Literatur des 20. Jahrhunderts. Das Buch veranschaulicht zudem die narrativen Mechanismen und spezifischen Intentionen neofantastischen Erzählens, wodurch eine Abgrenzung der Texte von beispielsweise Kafka, Borges oder Cortázar von der fantastischen Erzähltradition des 19. Jahrhunderts ermöglicht wird.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort
  • Erster Teil
  • I Das Fantastische und das Neofantastische
  • II Ein neues Wirklichkeitspostulat
  • III Die Funktionsweise
  • IV Die Ziele
  • V Das Neofantastische als gnoseologische Alternative
  • VI Die Perspektive der Wissenschaften
  • VII Ein Bild von Chirico
  • VIII Die nicht-euklidische Geometrie und das Neofantastische
  • IX Eine Metapher des Neofantastischen: „Brief an ein Fräulein in Paris“
  • Zweiter Teil
  • I Erzählung und Roman
  • II Existenzialismus
  • III Surrealismus
  • IV Rayuela
  • V Essays
  • VI Zwei Geometrien
  • Dritter Teil
  • I Übersetzung versus Bedeutung
  • II Wie ist „Das besetzte Haus“ gebaut?
  • III „Kopfschmerz“
  • IV „Omnibus“
  • V „Die Pforten des Himmels“
  • VI „Circe“
  • VII „Bestiarium“
  • VIII „Die Ferne“
  • IX Conclusio
  • Zu dieser Übersetzung
  • NachwortFantastik und Neofantastik
  • Literaturverzeichnis
  • Register
  • Reihenübersicht

II Ein neues Wirklichkeitspostulat

Die Ablehnung von Normen und Gesetzen, die unsere Vorstellung von Wirklichkeit auf eindeutige Weise festlegen, ist kein exklusiver Wesenszug der neuen Fantastik, sondern vielmehr ein Charakteristikum der zeitgenössischen Literatur, die

nicht […] eine anerkannte Sprache und übernommene Ideen bestätig[t], sondern die Konventionen der anerkannten Sprache und die gewohnten Muster der Ideenverkettung zerbrechen [will], um eine überraschende Verwendung der Sprache und eine ungewohnte Logik der Bilder vorzuführen, um den Leser einen Informationstyp, eine Interpretationsmöglichkeit, eine Vielfalt von Suggestionen zu vermitteln, die der Bedeutung als Kommunikation einer eindeutigen Botschaft diametral gegenüberstehen.36

Die zeitgenössische Kunst und Wissenschaft konfrontiert

den modernen Menschen mit einem Weltbild […], das nicht mehr den Schemata vergangener, mehr in sich ruhender und gesicherter Epochen entspricht, während auf der anderen Seite die Formeln, mit denen man das, was um uns geschieht, aufhellen könnte, noch nicht bekannt sind.37

Der experimentelle Charakter der zeitgenössischen Kunst ist eine Reaktion auf diese verlorene Sicherheit, er verweist auf die Notwendigkeit, eine Weltanschauung, die von unverrückbaren Axiomen und unanfechtbaren Gesetzen regiert wird, durch ein Weltbild zu ersetzen, das diesen Gesetzen nicht unterworfen ist, sich jedoch näher an der menschlichen Erfahrung weiß, und das, so es überhaupt von bestimmten Normen beherrscht wird, diese nicht preisgibt. Daher die Tendenz zur Mehrdeutigkeit und Unbestimmtheit, daher zwangsläufig ihr Naturell, dem Umberto Eco die Bezeichnung „offenes Kunstwerk“ verliehen hat. Das offene Kunstwerk – oder das ‚Kunstwerk in Bewegung‘ –, so erklärt Eco, versteht sich als

Details

Seiten
216
Erscheinungsjahr
2018
ISBN (Hardcover)
9783631746448
ISBN (PDF)
9783631749203
ISBN (ePUB)
9783631749210
ISBN (MOBI)
9783631749227
DOI
10.3726/b13509
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Mai)
Schlagworte
Fantastiktheorie Das Neofantastische Poetologie Gattungstheorie Genretheorie Literaturtheorie 20. Jahrhundert Lateinamerikanische Literatur Cortázar: Bestiarium (1951)
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2018. 216 S., 3 Tab.
Produktsicherheit
Peter Lang Group AG

Biographische Angaben

Jaime Alazraki (Autor:in) Max Wimmer (Band-Herausgeber:in)

Der argentinische Literaturwissenschaftler Jaime Alazraki galt als Mitbegründer der internationalen Borges-Forschung und zählte zu den weltweit führenden Experten der Forschung zum narrativen Werk Jorge Luis Borges’ und Julio Cortázars. Bis zu seiner Emeritierung war er unter anderem an der Columbia und an der Harvard University tätig. Max Wimmer studierte Germanistik, Komparatistik und Romanistik (Spanisch) an der Ludwig-Maximilians-Universität München und promoviert derzeit an der LMU München zum Thema Neofantastik.

Zurück

Titel: Elemente einer Poetik der Neofantastik. Die Erzählungen von Julio Cortázar