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Linguistic Construction of Ethnic Borders

by Peter Rosenberg (Volume editor) Konstanze Jungbluth (Volume editor) Dagna Zinkhahn Rhobodes (Volume editor)
Conference proceedings 261 Pages

Table Of Content

  • Cover
  • Title
  • Copyright
  • About the Editors
  • About the Book
  • This eBook can be cited
  • Table of Contents
  • Abstract
  • Vorwort der Herausgeber
  • Group boundaries and identity
  • Language Choice and Identity in Post-Soviet Armenia
  • Linguistic Strategies of Constructing Durable and Permeable Ethnic Boundaries in a Brazilian Quilombo Community
  • The Cyrillic Script as a Boundary Marker between “Insiders” and “Outsiders”: Metalinguistic Discourse about Script Choices in Slavic-German Bilingual Computer-Mediated Communication
  • Ethnic boundaries and minorities
  • Language and Ethnic Boundaries in Multiethnic Georgia
  • Roma school mediation in Germany – Its Effects and Limitations
  • Labeling difference – On discrimination and the social standing of children fathered by US soldiers during the Vietnam War
  • Linguistic borders – language conflicts. Pleading for recognition of their reality
  • Boundaries and language islands
  • Anything goes? The gains and losses of the constructivist view on ethnicity: Some considerations based on German „language islands“ studies.
  • Linguistic splits along religious lines: The role of language maintenance among Catholics and Lutherans in Texas
  • Gray zones: The fluidity of Wisconsin German language and identification
  • Language borders and discourse
  • Crossing the Border, Closing the Gap: Otherness in Language Use
  • The permeability of language borders on the example of German-Polish language mixing
  • Boundary, a metalinguistic concept at the core of language deformability

Abstract

Social and ethnic borders have proven themselves to be surprisingly long-lived. In nearly all European countries and beyond, border demarcation, exclusion of foreigners and minority conflicts are some of the most persistent challenges for nations and societies.

European nations are becoming more integrated, Russia has a long tradition as a multi-ethnic nation, and the U.S. is considered the prime example of a land of immigration. Nevertheless, migration, ethnic differences and social integration remain a political issue with great potential for social mobilization. Ethnicity clearly outlives any processes of convergence. How can the story of this phenomenon’s “success” be explained? Which linguistic factors play a role in the formation of these borders (especially those drawn along ethnic lines)? What roles do language and language varieties play in the discourse surrounding analyses of social relationships that are deemed legitimate? Which linguistic constructs contribute to the negotiation, establishment and maintenance of ethnic groups and identities? Under which conditions can processes of linguistic convergence, hybrids, or transcultural identities be observed?

The linguistic constructs involved in ethnic borders are the primary focus of this volume, which draws on presentations given by scholars from Europe, South Africa, North and South America during the international conference Linguistic Construction of Social Borders (2013 in Frankfurt/Oder and Słubice).

This complex area of study will investigate the following themes:

Group boundaries and identity

Ethnic boundaries and minorities

Boundaries and language islands

Language borders and discourse

Keywords:

group boundaries, ethnic boundaries, identity, minorities, language islands, language borders, discourse

Schlagworte:

Gruppengrenzen, ethnische Grenzen, Identität, Minderheiten, Sprachinseln, Sprachgrenzen, Diskurs ← 7 | 8 → ← 8 | 9 →

Vorwort der Herausgeber

Ethnische Grenzen erweisen sich als erstaunlich langlebig.

In nahezu allen europäischen Ländern und weit darüber hinaus gehören ethnische Grenzziehungen, Selbst- und Fremdausgrenzung, Minderheitenkonflikte zu den anhaltenden Herausforderungen in Staat und Gesellschaft.

Europa wächst zusammen, Russland hat eine lange Tradition als Vielvölkerstaat, die USA gelten als das klassische Einwanderungsland schlechthin. Dennoch sind Migration, ethnische Unterschiede und soziale Integration ein Politikum von erheblichem Mobilisierungspotenzial. Ethnizität überlebt offenbar alle Konvergenzprozesse. Wie lässt sich die „Erfolgsgeschichte“ dieser Kategorie erklären? Welche sprachlichen Mittel der Konstruktion sozialer – insbesondere ethnischer – Grenzen tragen hierzu bei? Welche Rolle spielen Sprachen und Sprachvarietäten im Diskurs um die als legitim angesehene Deutung gesellschaftlicher Verhältnisse? Welche sprachlichen Konstruktionsmittel sind es, mit denen die Existenz, die Berechtigung und die Aufrechterhaltung sozialer – insbesondere ethnischer – Gruppen ausgehandelt werden? Unter welchen Bedingungen sind sprachliche Konvergenzprozesse sowie hybride und transkulturelle Identitätskonstruktionen zu beobachten? Was unterscheidet einen „europäischen“ von einem „post-sowjetischen“ und jenen von einem US-amerikanischen Blick auf diese Thematik? Und inwieweit erweitern südafrikanische und südamerikanische Perspektiven den Blick auf diese Fragestellung?

Der vorliegende Sammelband enthält Beiträge, die in vier Themenbereiche gegliedert sind.

Das Kapitel Group boundaries and identity ist der Diskussion über die Entstehung von Gruppengrenzziehungen und der Aushandlung von Gruppenidentitäten gewidmet. Stefan Rabanus und Haykanush Barseghyan (Eriwan) verdeutlichten anhand der Ergebnisse von Interviews und Fragebögen, wie durch die Wahl der russischen oder armenischen Sprache die Identität der Sprecher im postsowjetischen Armenien konstruiert wird. Rita Vallentin (Frankfurt/Oder) analysiert sprachliche Mittel zur Herstellung von durablen und permeablen sozialen Grenzen in der Quilombo-Gemeinschaft in Brasilien. Bernhard Brehmer (Greifswald) geht der Frage nach, welche Bedeutung die Wahl der kyrillischen Schrift für die symbolische Konstruktion einer „russischen“ Identität unter slavisch-deutschen bilingualen Jugendlichen hat.

In dem Kapitel Ethnic boundaries and minorities stehen insbesondere die ethnischen Grenzziehungen, Selbst- und Fremdausgrenzung und Minderheitenkonflikte im Mittelpunkt. Gemeinsamer Bezugspunkt ist die Frage, welche sprachlichen Kon ← 9 | 10 → struktionsmittel sind es, mit denen die Existenz, die Berechtigung und die Aufrechterhaltung sozialer – insbesondere ethnischer – Gruppen ausgehandelt werden? Lia Melikishvili and Natia Jalabadze (Tbilisi) beleuchten die Rolle von Sprache in der Etablierung von ethnischen Grenzen im multiethnischen Georgien. Maria Klessmann (Frankfurt/Oder) untersucht Rollenzuschreibungen und Selbstpositionierungen am Beispiel von Roma-Schulmediatoren/innen in Deutschland. Sascha Wölck (Berlin) und Christine Rogers (Dresden) diskutieren die Diskriminierung und den sozialen Status von vietnamesisch-amerikanischen Kriegskindern. Harald Weydt (Frankfurt/Oder) interpretiert Sprachkonflikte als Versuche, die eigene Sprache als dominierend durchzusetzen und damit entscheidende Privilegien für die eigene Gruppe zu erlangen. Er zeigt Verfahren auf, Sprachkonflikte zu neutralisieren.

Das Kapitel Boundaries and language islands ist dem Thema der ethnischen Grenzziehung in deutschen Sprachinseln gewidmet. Peter Rosenberg (Frankfurt/Oder) behandelt die Rolle der sprachlichen Grenzen in der Konstruktion von ethnischer Distinktivität am Beispiel deutscher Sprachinseln in Brasilien und in Russland. Ferner berichtet Hans Boas (Austin) über den Spracherhalt deutscher katholischer und lutheranischer Auswanderer und ihrer Nachfahrern in Texas. Joe Salmons, Samantha Litty und Christine Evans (Madison) zeigen am Beispiel der Entstehung und des Gebrauchs deutscher Varietäten in Wisconsin, wie ehemalige ethnische und regionale Grenzen um- und abgebaut werden.

Der Fokus des letzten Kapitels – Language borders and discourse – liegt auf der interaktiven Aushandlung von Grenzen sowie auf der Analyse der sprachlichen Grenze aus struktureller Perspektive. Konstanze Jungbluth (Frankfurt/Oder) behandelt die Konzepte we und the others in den sozialen Interaktionen und diskutiert die Grenzziehungen zwischen den Dialogpartnern in face-to-face-Konversationen. Dagna Zinkhahn Rhobodes (Frankfurt/Oder) untersucht das Konzept der Permeabilität der sprachlichen Grenzen am Beispiel des Sprachgebrauchs an der deutsch-polnischen Grenze. Der Beitrag von Helena Valentim (Lisboa) fokussiert die Grenze als ein metalinguistisches Konzept.

Die sprachliche Konstruktion ethnischer Grenzen steht im Mittelpunkt des Sammelbandes, der ausgewählte Vorträge der internationalen Tagung Linguistic construction of social borders (2013 in Frankfurt/Oder und Słubice) enthält. Unter diesem Thema versammelte die Tagung in Kooperation mit dem Deutsch-polnischen Forschungsinstitut und dem Viadrina Center B/Orders in Motion Wissenschaftler aus Europa, Südafrika, Nord- und Südamerika aus verschiedenen sprach- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen, die das Thema der „Grenze“ aus soziolinguistischer Perspektive diskutierten. ← 10 | 11 →

Group boundaries and identity

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Stefan Rabanus and Haykanush Barseghyan

(Yerevan)

Language Choice and Identity in Post-Soviet Armenia

Abstract: Der vorliegende Beitrag behandelt Typen von Identitätskonstruktion durch Sprachwahl von Armenisch und Russisch im postsowjetischen Armenien. Für das Selbstverständnis der armenischen Gesellschaft war die eigene Sprache, Schrift und Literatur stets fundamental. Sie hat wesentlich dazu beigetragen, dass das Bewusstsein von der armenischen Nation über die Jahrhunderte einer Geschichte, die von fremder Herrschaft, Vertreibungen bis hin zum Genozid und die Ansiedlung des größten Teils der Armenier im Ausland geprägt war, nicht verlorengegangen ist. Dennoch hat die jahrhundertelang fehlende Eigenstaatlichkeit dazu geführt, dass Armenisch nicht den Status einer vollen ‚Ausbausprache‘ erreichen konnte. Die Zugehörigkeit des Gebiets der heutigen Republik Armenien (Gebiet des Ostarmenischen) zum zaristischen Russland bzw. zur Sowjetunion (1813–1991) hat dazu geführt, dass die russische Sprache zahlreiche gehobene Funktionsdomänen übernommen hat. Mit der Unabhängigkeit der Republik Armenien 1991 wurde das Armenische die einzige offizielle Staatssprache. Der Bilinguismus Armenisch-Russisch ist aber bis heute weit verbreitet. Der vorliegende Beitrag ist eine soziolinguistische Untersuchung (auf der Basis von 37 fragebogengeleiteten Einzelinterviews) zu Spracheinstellungen, Faktoren der Sprachwahl und Sprachgebrauch, in der Antworten auf die folgenden Fragen gegeben werden: 1. Wird das Russische in Armenien als eigene, zweite Sprache Armeniens verstanden? [Nein]. 2. Welche Identitäten werden durch die Wahl des Russischen in Armenien konstruiert (inszenierte und perzipierte Identität)? [Russland-assoziierte Identitäten, hoher Bildungsgrad, bestimmte Berufsgruppen, fortgeschrittenes Alter]. 3. Gibt es Tendenzen und Perspektiven zum Erhalt bzw. zur Weiterentwicklung des Bilinguismus Armenisch-Russisch in Armenien? [Ja].

Schlagworte: Armenisch, Ostarmenisch, Russisch, Bilinguismus, Sprachpolitik, postsowjetische Länder, kulturelle Identität

Keywords: Eastern Armenian, Russian, bilinguism, language politics, post-soviet countries, cultural identity

1.  Historical background

Armenian is the language of an ancient civilization with a great tradition and culture of writing. The Armenian language, script and literature have always been fundamental for the self-image of Armenian society. Armenian has its own script which ← 13 | 14 → was developed at the beginning of the 5th Century by Mesrop Mastoc’, probably on the basis of – or at least in the order of – the Greek alphabet. The Armenian alphabet was designed according to the specific needs of the Armenian language; hence, it maps the phonological oppositions in Armenian more closely than the Latin and Cyrillic alphabet do for the modern European languages. The Armenian language and script has contributed notably to the fact that the consciousness of the Armenian nation has not been lost over the centuries of a history that was marked by foreign rule, displacement, and genocide, reasons for which most of the Armenian people live abroad. Armenian has always been the de-facto main language of everyday life and local self-government of the Armenian settlements in the Middle East. Nevertheless, the age-long lack of statehood has meant that Armenian never reached the status of a full “Ausbausprache” ‘autonomous language’ (in the sense of Heinz Kloss, cf. Haarmann 2005a). Since the territory of today’s Republic of Armenia (the area where Eastern Armenian is spoken) belonged to the Russian Empire and the Soviet Union between 1813 (Treaty of Gulistan) and 1828 (Treaty of Turkmenchay), and 1991 (end of the Soviet Union), Russian took over numerous higher functional domains. These included administrative communication (especially in contacts with the government in Saint Petersburg and Moscow, but also with the neighbouring Caucasian provinces or Soviet Republics: Russian was the lingua franca of interethnic communication in the Soviet Union) and scientific/academic communication. For many scientific fields, the top levels of university education (doctoral and postdoctoral level) were not available in Armenia; hence, the élite largely received their training in Moscow. This élite then preferred Russian in numerous functional domains also within Armenia. It is true that in the 1920s, Lenin’s nationality policy promoted non-Russian national languages in the Soviet Union, and that languages such as Armenian and Georgian, spoken in territories with relatively few Russian native speakers and a strong national élite, benefited in particular from this policy (cf. Pavlenko 2008, p. 6). Nevertheless, Armenian was not codified as the official language of the Armenian Soviet Socialist Republic (cf. Xačimgatryan 1991, p. 113), and Haarmann (2005b, p. 826) points out: “Im öffentlichen Leben hat keine andere Sprache mit dem Russischen zu keiner Zeit ernsthaft rivalisiert. Mit der Festigung des stalinistischen Zentralismus wurde auch der exklusive Status des Russischen als faktische, aber nicht nominell als solche anerkannte Staatssprache zementiert.” (‘In public discourse, Russian had no serious rival at any time. With the fortification of Stalinist centralism, Russian became the de-facto state language, although not officially recognized.’) Weitenberg (2006, p. 1900) adds that “ambitious parents preferred to send their children to the Russian schools”, and not to the Armenian schools. Good command of Russian was often ← 14 | 15 → even the decisive criterion for professional success in Soviet Armenia (cf. Grigoryan/Danielyan 2010, pp. 275, 278). Hence, after 1991 the logic of independence required Armenian as the only officially approved language for all domains (Article 1 of the Language Act of 17 April 1993 [cf. Grigoryan/Danielyan 2010, p. 283; see also § 3], adopted by Article 12, identical text in the Armenian constitutions of 1995 and 2003 [cf. Constitution 2003]: “img” ‘The language of the Republic of Armenia is Armenian.’). The aim of the initially very strict language policy, which Armenia shared with other post-Soviet countries, was the achievement of full ‘ausbau’ status for Armenian. Although Haarmann (2005a, p. 247) attributes remarkable success to such languages as Estonian, Latvian, Armenian or Georgian in their intent to achieve this status, the Armenian authorities changed their language policy a few years later and substituted the initial one-language policy with a more differentiated framework.1 Russian was then allowed to preserve some former domains, for the following reasons:

a)  The old academic élite, with its Russian education and its preference for the Russian language, did not simply disappear in 1991, but continues to occupy important positions in society.

Summary

This volume focuses on the linguistic constructs involved in ethnic borders. Ethnic borders have proven themselves to be surprisingly long-lived: in nearly all European countries and beyond, border demarcation, exclusion of foreigners, and minority conflicts are some of the most persistent challenges for nations and societies. Which linguistic factors play a role in the formation of these borders, especially those drawn along ethnic lines? Which linguistic constructs contribute to the negotiation, establishment and maintenance of ethnic groups and identities? Under which conditions can processes of linguistic convergence, hybrids, or transcultural identities be observed?

Details

Pages
261
ISBN (PDF)
9783653045956
ISBN (ePUB)
9783653982565
ISBN (MOBI)
9783653982558
ISBN (Book)
9783631653777
Language
English
Publication date
2015 (November)
Published
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2015. 261 pp., 3 tables, 26 graphs

Biographical notes

Peter Rosenberg (Volume editor) Konstanze Jungbluth (Volume editor) Dagna Zinkhahn Rhobodes (Volume editor)

Peter Rosenberg is Lecturer, Konstanze Jungbluth is Professor and Dagna Zinkhahn Rhobodes is Postgraduate at the Faculty of Social and Cultural Studies, Viadrina European University in Frankfurt/Oder.

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Title: Linguistic Construction of Ethnic Borders