Lade Inhalt...

Russisch und Ukrainisch im Wandel

Eine korpusbasierte Untersuchung zur Destandardisierung am Beispiel der Anglisierung in der Werbesprache nach 1985

von Olga Flug (Autor:in)
Dissertation 198 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autoren-/Herausgeberangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • 0. Einleitung
  • 1. Sprachwandel und Destandardisierung
  • 1.1 Sprachwandel im Russischen und Ukrainischen
  • 1.1.1 Theoretische Vorklärungen
  • 1.1.2 Sprachpolitik und Sprachpflege in der Sowjetunion
  • 1.1.3 Emanzipation des Ukrainischen und Wende in Sprachpolitik Russlands
  • 1.2 Destandardisierung und Standardisierung im Russischen und Ukrainischen
  • 1.2.1 Sprachhistorischer Forschungskontext in der Sprachnormentwicklung
  • 1.2.2 Standard vs. Non-Standard: Sprachstabilität in der Sowjetunion
  • 1.2.3 Beginn der Destandardisierung: Entwicklungstendenzen nach 1985
  • 1.2.3.1 Sprachnormentwicklung in Russland
  • 1.2.3.2 Sprachnormentwicklung in der Ukraine
  • 1.2.4 Neuere linguistische Betrachtung der Sprachnorm
  • 2. Anglisierung in der Werbesprache
  • 2.1 Anglisierungstendenzen in Russland und in der Ukraine
  • 2.1.1 Definitorische Anmerkungen zum Anglizismus
  • 2.1.2 Linguistische Reflexion zur Anglisierung im Russischen und Ukrainischen
  • 2.1.3 Die Funktion der Anglisierung in der russischen und ukrainischen Werbesprache
  • 2.1.3.1 Sprachexterne Faktoren
  • 2.1.3.2 Sprachinterne Faktoren
  • 2.2 Werbesprache in Russland und in der Ukraine
  • 2.2.1 Begriff der Werbung
  • 2.2.2 Werbesprache in der Linguistik
  • 2.2.3 Untersuchungsaspekte der Werbesprache
  • 3. Empirische Untersuchung: Anglisierung in der Zeitschriftenwerbung
  • 3.1 Korpus, Methoden und Aufbau der Untersuchung
  • 3.2 Statistische Auswertungsergebnisse
  • 3.2.1 Russischsprachige Zeitschriftenwerbung
  • 3.2.2 Ukrainischsprachige Zeitschriftenwerbung
  • 3.2.3 Komparatistische Analyse der russisch- und ukrainischsprachigen Zeitschriftenwerbung
  • 3.2.4 Untersuchungsergebnisse zu Entwicklungstendenzen der Anglisierung
  • 3.3 Deskription und Analyse der Anglizismen-Integration
  • 3.3.1 Orthografische und graphematische Anglizismen-Integration
  • 3.3.1.1 Russischsprachige Zeitschriftenwerbung
  • 3.3.1.2 Ukrainischsprachige Zeitschriftenwerbung
  • 3.3.1.3 Zusammenfassung: Orthografische und graphematische Anglizismen-Integration
  • 3.3.2 Morphologische Anglizismen-Integration
  • 3.3.2.1 Russischsprachige Zeitschriftenwerbung
  • 3.3.2.2 Ukrainischsprachige Zeitschriftenwerbung
  • 3.3.2.3 Zusammenfassung: Morphologische Anglizismen-Integration
  • 3.3.3 Untersuchungsergebnisse zur Anglizismen-Integration
  • 4. Zusammenfassung der wichtigsten Forschungsergebnisse
  • 5. Schlussbetrachtung und Ausblick
  • Literaturverzeichnis
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Abbildungsverzeichnis
  • Verzeichnis der Tabellen und Diagramme
  • Reihenübersicht

| 11 →

0. Einleitung

Fällt von ungefähr ein fremdes Wort in den Brunnen einer Sprache, so wird es solange darin umgetrieben, bis es ihre Farbe annimmt und seiner fremden Art zum Trotze wie ein heimisches aussieht.

(Jacob Grimm)

Definitorische Anmerkungen

Die Auseinandersetzung mit der Destandardisierung im Rahmen des Sprachwandels im Russischen und Ukrainischen nach 1985 am Beispiel der Anglisierung in der Werbesprache ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Als Anglisierung wird hier der Anglizismengebrauch bezeichnet. Unter Anglizismus wird der Oberbegriff für alle Entlehnungen aus dem britischen und amerikanischen Englisch verstanden. Die dynamischen Prozesse von Destandardisierung des Standards und Standardisierung des Non-Standards werden in der Linguistik als aktuelle Phase der Sprachentwicklung und des Sprachwandels verstanden und bestimmen auch ihre linguistische Erforschung in Russland und in der Ukraine. Der vorliegenden Arbeit liegt das dreistufige pragmatische Sprachwandelkonzept (Schank 1984; Mattheier 1984; Keller 1990, 1991) zugrunde. Daher werden die Sprachwandelprozesse als Mikrowandel, Textsortenwandel und Makrowandel betrachtet. Mit Standard oder Standardsprache wird in der vorliegenden Untersuchung die institutionell kodifizierte und normierte Varietät des Russischen und Ukrainischen bezeichnet. In der russischen und ukrainischen sprachwissenschaftlichen Tradition wird Standardsprache meist als Literatursprache (russ.: литературный язык und ukr.: лiтературна мова) definiert (vgl. Müller/Wingender 2013; Bergmann/Kratochwil 2002). Als Standardisierung oder Standardisierung im weiteren Sinne (i. w. S.) werden hier der „übergreifende Prozess der Veränderung des Standards und (Neu-)Bestimmung des Standards in einem bestimmten Zeitraum“ gesehen. Dies realisiert sich in zwei wesentlichen Teilschritten: Destandardisierung (Normschwankungen, Variantenreichtum) und Standardisierung im engeren Sinne (i. e. S.) (Variantenabbau, Neuordnung der Norm) (Bergmann/Kratochwil: 10f.). Daher wird auch hier die Destandardisierung in Bezug auf die Werbesprache als Normschwankung oder Variantenreichtum bzw. Sprachvariation begriffen, die infolge der Anglisierung die bisher stabile Norm stört. Unter Sprachvariation wird in dieser Arbeit die Variation sprachlicher Strukturen innerhalb einer Sprache (Mikrovariation) ← 11 | 12 → verstanden (vgl. Warditz 2018). Die Termini Variation und Varianten werden in dieser Untersuchung synonym gebraucht.

Sprachsituation in Russland und in der Ukraine

Die nach 1990 eingetretenen drastischen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen im gesamten mittel- und osteuropäischen Raum haben zu einer Veränderung der sprachlichen Situation der russischen und ukrainischen Sprache geführt. Das Russische als ehemalige lingua franca hat teilweise an Bedeutung verloren, während das Ukrainische durch seine postsowjetische Emanzipation aus einer substandardsprachlichen Varietät zur eigenständigen Standardsprache der Ukraine geworden ist. Das Ukrainische erlebt gegenwärtig eine Art Wiedergeburt, die durch die komplexe Geschichte des ukrainischen Staates zu erklären ist (Bergmann/Kratochvil 2002; Zybatow (Hrsg.) 1995, 2000; Duličenko 1994; Bieder 1995; Brycyn 1991; Horbač 1993; Mokienko 2000; Taranenko 2000). Seit Beginn der 90er-Jahre hat das Ukrainische zwar seine eigene nationalsprachliche Entwicklung, steht aber im direkten Kontakt zum nah verwandten Russischen. Und es ist kaum möglich, Geschichte und Zustand der modernen ukrainischen Sprache ohne Rücksicht auf das Russische zu betrachten. Die gegenwärtige Sprachsituation und die Sprachpolitik in der Ukraine sind von der komplexen Geschichte des ukrainischen Staates geprägt, und die Frage nach dem Status von Russisch und Ukrainisch gehört zum gängigen politisch-gesellschaftlichen Diskurs. Das Thema Zweisprachigkeit ist dabei umso wichtiger, da die Ukraine in einen ukrainischsprachigen prowestlichen Westen und einen russischsprachigen prorussischen Osten geteilt ist.

Hinzu kommt der zunehmende englische Spracheinfluss nach der Perestroika. Beide Sprachen – Russisch und Ukrainisch – erfahren durch eine Liberalisierung des Sprachgebrauchs und den aktiven Gebrauch von Fremdwörtern, vor allem von Anglizismen, Veränderungen in ihrem Gebrauch. Die jüngste sprachliche Entwicklung beider Sprachen verläuft zwischen einer „konservativen“ Tendenz in der Sprachpflege, die dem Schutz der traditionellen Sprachnorm gilt und die noch aus sowjetischer Zeit stammt, und einer „revolutionären“ Tendenz zur Spracherneuerung, die nach einer Lockerung und Erweiterung der Sprachnorm sucht (Russisch: Pavlov 2000; Kostomarov 1994; Duličenko 1994; Ferm 1994; Zaretsky 2008; Krongauz 2008; Belikov 2005; Krysin 2007, 2008; Dettmer 2000; Zemskaja (Hrsg.) 1996; Zybatow (Hrsg.) 2000; Ukrainisch: Zybatow (Hrsg.) 2000; Bergmann/Kratochvil 2002; Černiha 2001; Bieder 1995; Brycyn 1991; Horbač 1993; Mokienko 2000; Taranenko 2000). Zur „revolutionären“ Tendenz ← 12 | 13 → in der Sprachentwicklung des Russischen und Ukrainischen in der postsowjetischen Zeit zählt ebenfalls die starke Zunahme der Anglisierung.

Forschungsstand und theoretischer Rahmen

Theoretisch-konzeptionell lässt sich die Arbeit in das aktuelle sprachübergreifende linguistische Paradigma eingliedern, das Sprachwandelprozesse mit Hinblick auf Standardisierung und vor allem Destandardisierung europäischer Sprachen untersucht (vgl. Mattheier, Radtke 1997). Bisher wurden die ukrainischen und russischen Daten in dieses Paradigma nicht einbezogen. Den theoretischen Rahmen der Arbeit bilden das pragmatische Sprachwandelkonzept (Mattheier 1984; Keller 1990, 1991) und insbesondere linguistische Studien zur Destandardisierung in der Slavia nach 1985 (Kosta 1999, Müller / Windender 2013, Warditz 2018).

Der allgemeine Sprachwandel im Russischen wurde bereits in einigen wissenschaftlichen Arbeiten thematisiert (Jachnow (Hrsg.) 1999; Zybatow 1995, 2000; Duličenko 1994, Zemskaja (Hrsg.) 1996; Kostomarov 1994, 1999, 2004; Krysin 2003а, 2003b, 2003c, 2006, 2007, 2008; Sal’nikov 1992; Ferm 1994; Kožina (Hrsg.) 2003 u. a.). Konzepte des Sprachwandels in Russland, der UdSSR und den GUS-Staaten wurden ausführlich bei Kosta (1999a: 954ff.) dargestellt.

Über die Destandardisierung und Standardisierung von Sprachen im Rahmen des Sprachwandels, vor allem westeuropäischer Sprachen, liegen bereits Untersuchungen im linguistischen und soziolinguistischen Bereich vor. Mit Standardisierungs- und Destandardisierungsprozessen wird intensiv vor allem in den soziolinguistischen Werken germanistischer und anglistischer Ausrichtung befasst (vgl. Ammon 2004, Auer 2007, 2010, 2011, 2012, Neuland 2015, Trudgill 2011). Des Weiteren liefern auch die Handbücher von Ammon et al. (2004) die skizzierten Überblicke aktueller Konzepte und Theorien auf dem Gebiet der Sozio- und Varietätenlinguistik.

Die Prozesse von Destandardisierung des Standards und Standardisierung des Non-Standards werden aktuell auch in der slawischen linguistischen Forschungslandschaft thematisiert (vgl. Warditz 2018; Müller/Wingender 2013; van Leeuwen-Turnovcova/Rudolf/Röhrborn 2008; Bergmann/Kratochvil 2002). Zu den neusten Veränderungen in den slavischen Sprachen zählte bisher vor allem der Mikrowandel des Sprachsystems (vgl. Zemskaja 1996, Zybatow 1995, 2000, Mehlhorn 2000, Ermolenko 2000). Absoluten Vorrang hatte der Mikrowandel auf der lexikalischen Ebene, denn es ist genau die Lexik, die sich zu Zeiten großer politischer Veränderungen am stärksten wandelt. Auch der semantische Wandel wird in der aktuellen linguistischen Forschungslandschaft thematisiert. Hingegen liegen für das Ukrainische, das ohnehin bisher in der westlichen ← 13 | 14 → Sprachwissenschaft selten Gegenstand der Forschung war, kaum aussagefähige linguistische Untersuchungen vor. Kaum linguistische Aufmerksamkeit bekam im Russischen und Ukrainischen der Mikrowandel auf der morphologischen Sprachebene und gar nicht am Beispiel der Anglisierung in der Werbesprache nach 1985. Während früher von den Linguisten nur Entlehnungen in die Standardsprachen registriert wurden (vgl. Krysin 1997), wird sich heute immer mehr mit fremdsprachiger Lexik auseinandergesetzt, vor allem Anglizismen in den nichtkodifizierten Subsystemen der einzelnen slawischen Sprachen, z. B. Mediensprache (Ohnheiser, Nicolova, Neščimenko in Zybatow 2000) bzw. Werbesprache. Die Anglizismen-Forschung im Russischen und im Ukrainischen bezog sich bisher primär auf die allgemeine Standardsprache und bestimmte Sachbereiche wie Technik, Sport, Wirtschaft, Rechtswissenschaft, Informatik, Presse etc. (Farion 2000; Zaretsky 2008; Arhipenko 2005; Gudmanjan 2000; Gutyrjak 1999; Kysljuk 2000; Simonjuk 2000; Fedorec’ 2005; Маrinova 2008; Duličenko 1994; Krysin 2008; Rathmayr 2002; Zaretsky 2008; Poljakova 2004). Jedoch wurde bisher weder in der ukrainischen bzw. russischen noch in der westlichen Sprachwissenschaft eine komparatistische Untersuchung zur Anglisierung und Anglizismen-Integration in der russischen und ukrainischen Werbesprache vorgenommen, insbesondere nicht in Bezug auf Destandardisierungsprozesse im Russischen und Ukrainischen nach 1985. Daher soll in dieser Arbeit auch diese Forschungslücke geschlossen werden.

Ziel, Fragestellung und Methoden

Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, die Destandardisierung im Russischen und Ukrainischen nach 1985 am Beispiel der Anglisierung in der Werbesprache zu zeigen. Im Fokus der Untersuchung steht die Anglisierung in der Werbesprache, denn die Anglisierung als eine der Haupttendenzen der gegenwärtigen sprachlichen Entwicklung im Russischen und Ukrainischen kann die Destandardisierungsprozesse bestimmen und zu einer Vielzahl von Varianten bzw. Sprachvariationen führen. Gerade die Anglisierung ist eine besonders zugängliche Quelle für den aktuellen Sprachwandel in der russischen und ukrainischen Sprache. Auch die gegenwärtigen Sprachveränderungsprozesse werden hier deutlich sichtbar.

Die vorgenommene Untersuchung zur Destandardisierung im Russischen und Ukrainischen nach 1985 wird am Bespiel der Werbesprache durchgeführt, weil die Werbesprache nach 1985 mit ihren neuen Entwicklungstendenzen, wie Neubildungen, Interferenzprozessen und vor allem einer zunehmenden Verwendung von Entlehnungen aus dem Englischen, sich als eine neu entstandene ← 14 | 15 → Gattung in den hier untersuchten Sprachen etabliert hat und hinsichtlich der Destandardisierungsprozesse genauso wie die Anglisierung noch unerforscht ist. Die Werbung als eine relativ neue Gattung der oben genannten Sprachen erzeugt laufend lexikalische und grammatische Innovationen. Diese Innovationen entsprechen den Trends der gegenwärtigen Sprachenentwicklung und machen den initiierten Sprachwandelprozess aus. Daher ist die Rolle der Werbung bzw. Werbesprache in den aktuellen Destandardisierungs- und Standardisierungsprozessen von Bedeutung und somit auch Gegenstand der Betrachtung der vorliegenden Untersuchung.

Das Thema der Untersuchung ist besonders für die aktuelle Sprachwandelforschung relevant, weil sich erst zu Beginn des neuen Jahrhunderts, bereits nach etwa zwei Jahrzehnten intensiver Veränderungsprozesse in den untersuchten Sprachen, neue Entwicklungstendenzen in der Sprachentwicklung abzeichnen, die vor allem durch die zunehmende Emanzipation des Ukrainischen nach dem Zerfall der Sowjetunion einen komparatistischen Blick erlauben. Das besondere Interesse der vorliegenden Untersuchung liegt daher im Vergleich dieser einerseits verwandten und andererseits sich durch politische und soziale Situation voneinander separierenden Sprachen. Der vorliegende Beitrag ist insofern von forschungsrelevantem Interesse, weil bisher die Destandardisierung als aktuelle Phase der Sprachentwicklung und des gegenwärtigen Sprachwandels im Russischen und Ukrainischen am Beispiel der Anglisierung in der Werbesprache noch nicht erforscht wurde. Hier wird sichtbar, wie sich die Destandardisierung infolge der Anglisierung in der Werbesprache äußern kann. Neben der zunehmenden Bedeutung der Anglisierung soll die vergleichende Erfassung der Destandardisierung im Russischen und im Ukrainischen nach 1985 eine Erklärungsgrundlage für die Sprachwandelforschung darstellen und auch zu einer Bestandsaufnahme für die aktuelle Normentwicklung in den hier untersuchten Sprachen führen.

Die zugrunde liegende empirisch-komparatistische Untersuchung von Destandardisierung im Russischen und Ukrainischen am Beispiel der Anglisierung in der Werbesprache nach 1985 ist eine korpusbasierte und systemlinguistische Untersuchung. Hier werden folgende empirische Forschungsmethoden angewandt: die quantitative (statistische Datenauswertung) und die qualitative Forschungsmethode (qualitative Inhaltsanalyse). Die Untersuchung hat folgende Vorgehensweise: Zunächst werden die Entwicklungstendenzen der Anglisierung in der russischen und ukrainischen Zeitschriftenwerbung der Jahrgänge 1988, 1998 und 2008 vergleichend erfasst (statistische Datenauswertung). Um die Entwicklungstendenzen der Anglisierung in der russischen und ukrainischen Werbung möglichst objektiv und übersichtlich darstellen zu können, wurde ein ← 15 | 16 → Korpus mit Anzeigenwerbung und Anglizismen aus auflagenstarken sowjetischen, russischen und ukrainischen Zeitschriften der Jahre 1988, 1998 und 2008 erstellt. Die hier untersuchten Jahre stellen Stichproben in drei für die vorliegende Untersuchung wichtigen Sprachentwicklungsphasen des Russischen und Ukrainischen dar. Das Untersuchungsobjekt für die vorliegende Arbeit ist die Zeitschriftenwerbung, da diese, im Gegensatz zur Fernseh- und Radiowerbung, in schriftlicher Form vorliegt. Durch ihre massenhafte Verbreitung in auflagestarken Zeitschriften illustriert sie repräsentativ das aktuelle Sprachbewusstsein und den damit einhergehenden Sprachwandel. Die Gegenüberstellung der Ergebnisse nach Jahren und Sprachen soll zeigen, wie sich die Anglisierung in russischer und ukrainischer Werbung entwickelt und verändert hat und ob diese Entwicklung in beiden Sprachen Anzeichen für eine Destandardisierung aufweist.

Biographische Angaben

Olga Flug (Autor:in)

Olga Flug ist allgemein beeidigte Dolmetscherin und ermächtigte Übersetzerin für Russisch, Ukrainisch, Deutsch und Englisch sowie Dozentin für Deutsch und Russisch als Fremdsprache. Nach ihrem Übersetzungsstudium an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz schloss sie ihre Promotion im Fach Slavische Sprachwissenschaft an der Universität Potsdam mit einer korpusbasierten Arbeit zum Sprachwandel im Russischen und Ukrainischen ab. Ihre wissenschaftlichen Interessen umfassen Sprachwandelforschung, Lexikografie, Kontaktlinguistik und Mehrsprachigkeit (translatorische und linguistische Aspekte), Sprachdidaktik und Interkulturelle Kommunikation.

Zurück

Titel: Russisch und Ukrainisch im Wandel