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Bundesordnung in der deutschen Geschichte

von Christian Gellinek (Autor:in)
Monographie 188 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Erster Teil: Die Grundlegung für den Zusammenhalt
  • Erstes Kapitel: Einleitung, Ansatz und Methode
  • Ansatz
  • Methode
  • Zweites Kapitel: Die Vor-Deutschen bei der Arbeit
  • In der Natur
  • Land
  • Burgen
  • Ackerbau
  • Klosterkultur
  • Stadtgeschichte
  • Sprache
  • Recht
  • Schriftlichkeit
  • Mündlicher Humor
  • Nachbarschaft
  • Handel
  • Vorbilder
  • Landfrieden
  • Freiheit in der Standesordnung und deren Ausnahmen
  • Zweiter Teil: Die Entwicklung zum Bunde
  • Drittes Kapitel: Die vor-bündische Kulturverbreitung auf bedeutenden Burgen
  • Feste Hohensalzburg
  • Burg Hardegg
  • Trostburg von Wolkenstein
  • Runkelstein
  • Turm zu Nürnberg
  • Marienberg Festung Würzburg
  • Henneburg am Main
  • Rhein Zollburg bei Caub
  • Burg Cochem
  • Burg Eltz
  • Reichsburg Trifels in der Pfalz
  • Burg Hohenzollern
  • Meersburg am Bodensee
  • Habsburg
  • Wartburg
  • Schloss Merseburg in Sachsen
  • Ortenburg in Bautzen
  • Festung Königstein in der Sächsischen Schweiz
  • Reichsburg Falkenstein im Ostharz
  • Frauenstift Quedlinburg
  • Kaiserpfalz Goslar
  • Wallensteins Schloss Friedland
  • Wasserschloss Assen, Westfalen
  • Schloss Karls IV. Tangermünde
  • Wasserschloss Glücksburg
  • Deutschordensschloss Mergentheim
  • Marienburg des Deutschen Ordens
  • Interimsicht
  • Viertes Kapitel: Maßgeblich im Reich wirkende Klöster und Abteien
  • St. Gallen als Idealkloster
  • Wiener Klöster
  • Schottenkloster Wien
  • Minoritenkloster Wien
  • Dominikanerkloster Wien
  • Clarissenkloster Wien
  • Augustinerkloster Wien
  • Stift Kremsmünster
  • Stift Melk
  • Stift Göttweig
  • Benediktbeuern
  • Maria Laach
  • Kölner Klöster
  • Groß St. Martin
  • St. Gereon
  • Kloster Heilig Kreuz
  • Fulda Reichskloster
  • Kloster Lorsch
  • Kloster Corvey
  • St. Michelsberg in Bamberg
  • Kloster Maulbronn
  • Kloster Ottobeuren
  • St. Emmeram Regensburg
  • Inselkloster Reichenau
  • Interimsicht
  • Fünftes Kapitel: Die wichtigsten Städte in ihrer Ausstrahlung auf das Reich
  • Wien
  • Innsbruck
  • Graz
  • Salzburg
  • Aachen
  • Köln
  • Frankfurt am Main
  • Mainz
  • Wiesbaden
  • Nürnberg
  • Würzburg
  • München
  • Stuttgart
  • Konstanz
  • Straßburg
  • Basel
  • Braunschweig
  • Hannover
  • Dortmund
  • Dresden
  • Leipzig
  • Berlin
  • Potsdam
  • Bremen
  • Hamburg
  • Lübeck
  • Rostock
  • Kiel
  • Interimsicht auf diese Städte
  • Dritter Teil: Beiträge im Gründungsraster zum Bundesstaat
  • Sechstes Kapitel: Die einflussreichsten Kaiser, ihre Dynastien und Reichsstädte
  • Karl der Große in Aachen
  • Heinrich I. und Quedlinburg
  • Otto I. in Magdeburg
  • Heinrich II. und Bamberg
  • Heinrich IV. und Speyer
  • Friedrich I. und der <Kyffhäuser>
  • Friedrich II. und Palermo
  • Rudolf I. und Speyer
  • Karl IV. in Prag
  • Joseph II. und Wien
  • Dynastienvergleich
  • Kreativitätsvergleich
  • Schule, Berufsschule, Universitäten und der Erfindergeist
  • Schule
  • Berufsschule
  • Universität
  • Der Erfindergeist
  • Siebtes Kapitel: Fortschritte in Richtung Bundesstaat bis zum Wiener Kongress
  • 1235 Reichsfriedengesetz
  • 1356 Goldene Bulle
  • 1495 Ewiger Landfriede
  • 1495 Reichskammergericht
  • 1555 Augsburger Religionsfriede
  • 1648 Friedenskongresse in Münster und Osnabrück
  • 1781 Toleranzedikt Josephs II.
  • 1795 Sonderfriede zu Basel
  • 1803 Reichsdeputationshauptschluss
  • 1815 Wiener Kongress
  • Achtes Kapitel: 1871 Preußisch-Kleindeutsche Reichskanzlerschaft
  • 1919 Modell Deutschösterreich [Kontrast 1955]
  • Vierter Teil: Zur modernen deutschen Bundesgeschichte
  • Neuntes Kapitel: 1933 Entstellung des Nationalstaats bis 1945 durch einen Österreicher
  • 1949 Westdeutsche Wiederaufrichtung durch das Bonner Grundgesetz
  • Zehntes Kapitel: 1990 Zur Vereinigung der DDR mit der Bundesrepublik
  • Elftes Kapitel: Zusammenfassung: Kontrast der bündischen und der nationalen Elemente
  • Literaturhinweise

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Erster Teil:
Die Grundlegung für den Zusammenhalt

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Erstes Kapitel: Einleitung, Ansatz und Methode

Als erstes muss den Lesern der Titel erklärt werden. Es heißt mit Absicht nicht: Die deutsche Bundes-Ordnung oder Deutschlands Bundes-Geschichte, sondern es geht nur um ein Teilelement dieser deutschen Bundesordnung. Wieso? Gefragt wird hier: siedelten die Deutschen in der Geschichte, die ihre Aufmerksamkeit sicherte oder ihr Verluste zufügte, auf eine bestimmte Weise? Wir betrachten in diesem Versuch die deutschen Menschen weniger als Anwohner, sondern das Land als Kammer und Hüter von vielen Generationen, die ihren Vorfahren nachrückten. Ihre Kontinuität soll sich also nicht nur aus einer Veränderung ihrer Dörfer, Flecken oder Städtchen ergeben haben, sondern durch das Heimisch-Werden oder die Flucht neuer Generationen von sprechenden Familien, die nicht von Natur als Deutsche, sondern zunächst als Überlebenstüchtige galten und weiter zu gelten hätten. Vor-Deutsche wurden zu solchen durch sprachliche, sportliche und religiöse Gruppenerziehung oder Zwänge, die vorbündisch zu ihrem kollektiven Glück oder Pech führen konnten.

Bundesordnung entwickelte sich zwar, aber die betroffenen Menschen verwickelten sich auch in ihrem sich daran anpassendem Aufstreben immer dann, wenn eine Organisationsmacht dahintersteckte. Bundesteilgeschichte entstand primär nicht durch Herrschen, sondern durch Anbauen, meist an Flüssen entlang. Von der nach Osten des späteren Reiches fließenden Donau, bis zur nach Westen fließenden Eider und Wiedau erstreckten sich die äußeren Grenzen. Das rechtsrheinische war dem linksrheinischen Land, das den Großen Fluss umgab, nicht immer friedfertig gesonnen. Der Rhein ist unterirdisch mit der Donau verbunden. Die Oder liegt andrerseits heute endgültig an der polnischen Grenze, dem alten polnischen Lehnwort für Hrain.

Die Bundes-Teilgeschichte beginnt an der < Mutter> Donau, doch dreht sich um den <Vater> Rhein, der aber nicht in den borealen Himmel fließt, sondern sich von Süden nach Norden der Länge nach bewegt. Deutsche Stammessiedlungen haben sich als Hauptrichtung nach Osten ausgedehnt. Auf jedem Atlas wird allerdings eine Gegenrichtung von Norden nach Süden ← 13 | 14 → suggeriert. Die Ausdehnung von Westen nach Osten ist zwar ursprünglich, aber dennoch durch die Epochen verschieden stärker oder schwächer ausgeprägt gewesen. Die Besiedlung in dieser Richtung verlief bis auf das zwanzigste Jahrhundert eher gewaltfrei und folgte meist fürstlicher Anordnung oder Duldung. Ihr Kern lag wegen ihres überlegenen Handwerkszeugs in der willkommenen begleitenden Siedlungskraft. So erklärt sich unser die Ordnung bündisch mittragender Titel.

Ansatz

Es genügt dem Politikwissenschaftler nicht, einsträngig nachzurechnen, Fürsten, Volksstämme oder Schlachten aufzulisten, den Verlust bei der Schlacht an Toten und Verwundeten nachzuzählen, seine Kriegs- und Friedenskasse zu vergleichen, sondern ein lohnender Ansatz verlangt etwas anderes von ihm. Er muss eine andere Herangehensweise verfolgen. Es gilt, um mit Goethe zu sprechen, in die „dunkleren Jahrhunderte der deutschen Geschichte“ einzusteigen und mehr Licht in sie zu werfen. Mancherlei Bewegungen und Tätigkeiten müssen nachgezeichnet werden. Es kommt nach H. Seiffert, Einführung in die Wissenschaftstheorie, C. H. Beck, 2006, I. Band S. 40, dabei auf das „Durchschauen einer Situation“ an. Dies habe als das wirklich Entscheidende zu gelten. Geschichte handele gerade nicht vom Unveränderlichen wie ein Märchen, sondern vom Veränderbaren und Verschiedenartigkeit zu uns. Ein „historisches Bewusstsein liegt vielmehr nur da vor, wo das im Alltag tatsächlich Erlebte als geschichtlich verstanden wird“ (ibidem, S. 61). Dies soll nicht als Quadratur des Kreises gelten.

Methode

In dieser Untersuchung soll eine Begleiterscheinung der Entwicklung neu beleuchtet werden. Zuerst kommt das Streben nach Zusammenleben an die Reihe, dann die Arbeit und die praktizierte Arbeitsteilung, die Bearbeitung der Natur durch den Landbau, die Verfeinerung der Jagdmethoden, und infolgedessen der Ernährung, und schließlich die Bergung der Arbeitsfrüchte in einer Burg und ihren Kellern – und erst danach folgen mit weitem Abstand die politischen Grundlagen einer Vorformung des Deutschtums, die gelegt werden können. Der Abschluss dieser Einteilung trägt Früchte, aber nicht gleich die eines politischen Zusammenlebens, das man in seinen ← 14 | 15 → Endstadien Föderalismus genannt hat. Zuerst muss sich Tüchtigkeit durchsetzen und bewähren. Der Pflug muss die Furche in der richtigen Tiefe zur richtigen Zeit brechen, bevor die Ernte der Saat eingebracht werden und ein der Gesundheit bekömmliches Brot gebacken werden kann. Der Ackerbau setzt eine erfolgreiche Viehzucht voraus. Es geht um Auslese und Schutz, nicht primär um politische Stoßkraft oder um Unterjochung. Ein Austausch bei den Risiken des Überlebens muss der Organisation nach innen und dem Schutz vor Überfällen von außen immer wieder vorausgehen. Balken im Hausbau müssen tragend und feuerfest sein, Stege am Flussufer ständig bleiben. Die Sprache der Altvorderen drückt vor allem das aus, was klärt und hilft. Übernommen vom Nachbarn wird das was nützt, z. B. bei der Entlehnung des Althochdeutschen vom Lateinischen auf dem Gebiet handwerklicher Neuerungen. Die Vermutung, dass viele geistliche Begriffe aus dem christlichen Bereich übernommen werden, erfüllt sich im Althochdeutschen nicht.

Unsere Methode setzt also dort an, wo Zusammenarbeit erfolgversprechend sein konnte und Spuren hinterlassen hat. Die Bezeichnungen unserer Nachbarn für das deutsche Land sind kräftig und farbig, besonders seit Senator Tacitus’ Germania oder der Stammes-Bezeichnung der späteren Franzosen, Allemagne, einer nachbarlichen Stammes-Benamung, während die Eigen-Bezeichnung diet, diutisc unauffällig klingt. <Dem Deutschen Volke> heißt also bis heute eigentlich nur <Dem völkischen Volke>. Deutschland ist daher ursprünglich kein waschechter politischer Begriff, drückt also keine Landnahme aus, sondern eine bündisch umschreibende Erkennungsmarke. Das sei der Schutzschild unserer Herangehensweise vor einer politischen Blöße auf einer Zugbrücke der hier vertretenen Methode. ← 15 | 16 →

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Zusammenfassung

Die Hauptstadtlosigkeit Deutschlands geht mit einer uns eigenen Bundesordnung Hand in Hand, die sich in verschiedenen Epochen auf zentrale Orte, bestimmte Burgen und dem Reiche zugewandte Klöster verteilt in größeren oder kleineren Territorien von Süden und Südwesten ab der Donau bis zur Wiedau, und manchmal nur bis zur Eider. Sie erstreckt sich in nördlicher Richtung, und auch vom Rhein bis zur Oder in östlicher. In dieser Wissensstudie wird die Bundesordnung als mittragendes Element der deutschen Geschichte in ihrer politischen Entwicklung vorgeführt. Die regulären Königswahlen fanden in Frankfurt am Main, die Krönungen ursprünglich in Aachen statt. Manche Orte wandten sich zeitweise dem Deutschen Reich zu, manche für immer von ihm ab. Die bündische Bestimmung wurde auf dem Wiener Kongress von Österreich, Russland, England, Preußen und endlich auch Frankreich durch Talleyrand durchgesetzt. Diese Grundlage erfüllte sich erst im Bonner Grundgesetz.

Biographische Angaben

Christian Gellinek (Autor:in)

Christian Gellinek, emeritierter Professor für Deutsche Philologie, studierte in Göttingen, forschte und lehrte in Yale, Gainesville, an der Brigham Young University und in Münster. Er forschte am Vredes Palais in Den Haag, am Institute of Social and Economic Research (ISER), Memorial University of Newfoundland, St John’s und hielt Gastprofessuren in Basel, Poznań, Utah, Los Angeles, Potsdam und Vechta.

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