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Ideologiekritik und Wirkungsgeschichte

Ausgewählte Essays

von Michael Dallapiazza (Autor:in)
Monographie 330 Seiten

Zusammenfassung

Dieses Buch versammelt eine Reihe von Essays, die vorrangig in deutscher Literatur Konstellationen nachgehen, in denen sich Fragen der Wirkungsgeschichte mit ideologiekritischen Intentionen der Werke verbinden lassen. Wirkungsgeschichte ist auf die hermeneutische Philosophie Hans-Georg Gadamers bezogen, Ideologiekritik auf die Vorstellung Theodor W. Adornos. Kunstwerke besäßen „ihre Größe einzig daran, daß sie sprechen lassen, was die Ideologie verbirgt". Die Beiträge behandeln sowohl mittelalterliche als auch zeitgenössische Literatur.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Teil I: Mittelalter und frühe Neuzeit
  • 1 Theoderich der Große und das Verschwinden der gotischen Bibel
  • 2 Der Orient im Werk Wolframs von Eschenbach
  • 3 Das Essensmotiv und die Entdeckung der Körperlichkeit in der Literatur des Mittelalters – Drei Beispiele
  • 4 Daz buoch von dem übeln wîbe
  • 5 Ist Oswalds Liedschaffen protomodern? Anmerkungen zu einem heiklen Thema
  • Teil II: Rezeption und Wirkungsgeschichte
  • 6 Ehe- und Frauendiskurse in der frühneuzeitlichen Übersetzungsliteratur. Der Fall Niklas von Wyle
  • 7 Hans Sachs und Boccaccio. Überlegungen zu einer rezeptionsgeschichtlichen Systematik
  • 8 Goethes Spottgedicht Flieh, Täubchen, flieh (1773) und der Beginn der Deutschtümelei
  • 9 „lebe ich noch immer und schon wieder“. Franz Werfels Roman Stern der Ungeborenen
  • 10 Der Bauernkrieg in den Singspielen Yaak Karsunkes und Martin Walsers: Bauernoper und Das Sauspiel
  • 11 Lustige Nibelungen? Feridun Zaimoglus Siegfried-Farce für das deutsche Theater
  • 12 Ulrike Draesner: Nibelungen. Heimsuchung
  • 13 Dante im isländischen Supermarkt
  • Teil III: 20. und 21. Jahrhundert
  • 14 Ich habe kein Wort. Sprache und Krieg im Werk August Stramms
  • 15 Unter heidnisch-katholischem Himmel. Thomas Manns Dialektik der Reformation unter italienischem Blickwinkel
  • 16 Adorno. Aphorismen nach Auschwitz
  • 17 Die Suche nach Heimat in Adornos Noten zur Literatur und in Uwe Johnsons Jahrestagen
  • 18 Gustavs Reise zu den Amazonen. Utopie und Geschlechtergeschichte in Irmtraud Morgners Weltfahrer- Roman
  • 19 Viola Roggenkamps Roman Die Frau im Turm
  • 20 Ulrike Draesners Sieben Sprünge vom Rand der Welt
  • Erstveröffentlichungen
  • Index
  • Series index

cover

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation
in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über
http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Autorenangaben

Michael Dallapiazza ist Professor für deutsche Literatur an der Universität Bologna. Im Zentrum seiner Forschung stehen Höfischer Roman, Spätmittelalterliche Literatur, Literatur des 20. Jahrhunderts, Erzähltheorie und Deutsch-Italienische Literaturbeziehungen.

Über das Buch

Michael Dallapiazza

Ideologiekritik
und Wirkungsgeschichte

Dieses Buch versammelt eine Reihe von Essays, die vorrangig in deutscher Literatur Konstellationen nachgehen, in denen sich Fragen der Wirkungsgeschichte mit ideologiekritischen Intentionen der Werke verbinden lassen. Wirkungsgeschichte ist auf die hermeneutische Philosophie Hans-Georg Gadamers bezogen, Ideologiekritik auf die Vorstellung Theodor W. Adornos. Die Essays behandeln sowohl mittelalterliche als auch zeitgenössische Literatur.

Zitierfähigkeit des eBooks

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Vorwort

Die hier erneut abgedruckten Essays, die mit einer Ausnahme aus dem letzten Jahrzehnt stammen, unter den Begriffen Ideologiekritik und Wirkungsgeschichte herauszugeben, vor allem beide kausal zu verbinden, bedarf einer Erklärung. Wirkungsgeschichte ist eng mit der hermeneutischen Philosophie Hans-Georg Gadamers verbunden und scheint mit dem Paradigmenwechsel der Konstanzer Schule seit den späten sechziger Jahren um Hans Robert Jauß, Wolfgang Iser, Manfred Fuhrmann und Wolfgang Preisendanz, die sich als Gegenbewegung zu hermeneutischen Traditionen in der Literaturwissenschaft verstand, obsolet geworden zu sein. Was früher als Wirkungsgeschichte gesehen wurde, so könnte man salopp formulieren, segelte nun unter der Fahne der Rezeptionsästhetik. Ohne die Verdienste dieser Schule und ihrer großen Wirkung schmälern oder gar Vorstellungen vom Offenen Kunstwerk (Umberto Eco, 1962) zurücknehmen zu wollen ist doch zu konstatieren, dass dort die historische Dimension, die der Überlieferung von Kunstwerken innewohnt, wie auch deren ideologiekritisches Potential nicht immer die erwünschte Aufmerksamkeit findet. „Kunstwerke“, so formulierte Adorno einmal, „haben ihre Größe einzig daran, daß sie sprechen lassen, was die Ideologie verbirgt“ (Rede über Lyrik und Gesellschaft), und dieser von ihm oft variierten und mit Nachdruck vertretenen Vorstellung (die sich, dies nebenbei, durchaus mit Ecos Thesen zum offenen Kunstwerk verträgt), sind die hier versammelten Beiträge verpflichtet. Den eher erwartbaren Terminus Rezeptionsgeschichte hieran zu knüpfen (und damit auf die Konstanzer Diskussionslinien zu verweisen) sollte ausdrücklich vermieden werden, da dieser eben nicht vorrangig auf historische Erfahrung rekurriert. Indem Gadamer den historischen Aspekt des hermeneutischen Problems betont und die Wichtigkeit des Vor-Urteils heraushebt, in dem nämlich die Stärke der Tradition wirke, beharrt er auf einer fortschreitenden historischen Erfahrung, die darin enthalten sei, ohne die das aktuelle Verstehenwollen nicht realisierbar scheine. Auf dem Begriff der Wirkungsgeschichte zu bestehen ermöglicht es auch, den historischen Horizont und den Gegenwartshorizont, wie sie Gadamer sieht, mit einer Art Zukunftshorizont im Prozess des Wirkens zu verbinden, denkt man an Walter Benjamins Konzept vom Unabgegoltenen der Geschichte, welches der Historiker im Eingedenken mit der Vergangenheit zu erkennen vermag, und mit dessen Hilfe das ideologiekritische Potential des Kunstwerks mit seiner Wirkungsgeschichte zu verknüpfen wäre. In der Wahrnehmung der Geschichtlichkeit des Kunstwerks und mit der dort möglicherweise auffindbaren historischen Subjektivität Zukünftiges im Vergangenen wachzurufen, macht aus dem Werk erst eines für uns. Ein Beispiel dafür ist die in den Werken Wolframs von Eschenbach greifbar werdende historische Subjektivität. Heute weiterhin Unabgegoltenes der Geschichte bietet sich dort dem modernen Leser etwa in der dargestellten Fragwürdigkeit christlichen Handelns den Andersgläubigen gegenüber dar (im Willehalm wie auch im Parzival) oder in den unterschiedlichen Entwürfen von Geschlechterbeziehungen in Wolframs gesamtem Werk. Davon handelt der zweite Beitrag. Im Ersten soll ein spätantikes Beispiel eines „Angriffs der Gegenwart auf die übrige Zeit“ (um einen an Benjamin orientierten Titel Alexander Kluges zu benutzen) den Versuch einer ideologisch motivierten damnatio memoriae beschreiben. Das Essensmotiv und die Entdeckung der Körperlichkeit verfolgt an drei Beispielen die Wirkung bestimmter Elemente der höfischen Ideologie des hohen Mittelalters in Werken mit deutlich ironisch-kritischer Distanz. Daz buoch von dem übeln wîbe sowie Der Fall Niklas von Wyle untersuchen unter Fragestellungen der gender-Problematik gezielte Zugriffe auf die Vergangenheit in Geschlechterentwürfen des späteren Mittelalters, was zum Teil auch den Beitrag zu Oswald von Wolkenstein charakterisiert, wo es vor allem aber darum geht, dass das lyrische Ich in Oswalds Gedichten Fremdes und Eigenes in deren engen Beziehungen gegen die Stereotypen seiner Zeit in Anschlag bringt und sich damit ideologiekritisch mit überholten literarischen Traditionslinien auseinandersetzt. Fragen der Boccaccio-Rezeption, vor allem bei Hans Sachs möchten zum einen die Modernität des Decamerone innerhalb der Tendenzen seiner Zeit betonen, vor allem aber die unter lutheranisch-reformatorischen Ideologien erfolgende Zurücknahme dieser Modernität beim deutschen Meistersänger. Goethes Spottgedicht gegen die anakreontische Niedlichkeit richtet sich gegen die beginnende und sich aus dem deutschen Sondermythos speisende Deutschtümelei, die immer stärker in der Literatur der Zeit vernehmbar ist. Der vermeintliche Gründungsmythos um Arminius und die Varusschlacht dienten vor allem reformatorischen Interessen und fand seit den preußischen Kriegen immer stärkere Verbreitung. Franz Werfels Danterezeption von 1945 wie auch die Wiederentdeckung des Bauernkriegs nach 1968 sind Versuche ideologiekritischen Eingedenkens in historisch brisanten Momenten. Beide Beispiele von Nibelungenrezeption wollen unter ideologiekritischen Vorsätzen historische Subjektivität im alten Text aufspüren, was im Falle von Zaimoglu misslingt. Drei Essays zur jüngeren (gesamt-)deutschen Literatur und Geschichte, zu Morgner, Roggenkamp und Draesner und deren ideologiekritischem Ansatz im Eingedenken sind zugleich Beispiele zur Geschichte der Geschlechterentwürfe. Adornos Aphorismen aus den Minima Moralia sind neben ihren weiterhin gültigen Skizzen aus dem beschädigten Leben auch ein Beispiel für ideologische Verzerrungen des Denkens von Adorno selbst in seiner bis heute anhaltenden Rezeption.

Inhaltsverzeichnis

Teil I: Mittelalter und frühe Neuzeit

1 Theoderich der Große und das Verschwinden der gotischen Bibel

2 Der Orient im Werk Wolframs von Eschenbach

3 Das Essensmotiv und die Entdeckung der Körperlichkeit in der Literatur des Mittelalters – Drei Beispiele

4 Daz buoch von dem übeln wîbe

5 Ist Oswalds Liedschaffen protomodern? Anmerkungen zu einem heiklen Thema

Teil II: Rezeption und Wirkungsgeschichte

6 Ehe- und Frauendiskurse in der frühneuzeitlichen Übersetzungsliteratur. Der Fall Niklas von Wyle

7 Hans Sachs und Boccaccio. Überlegungen zu einer rezeptionsgeschichtlichen Systematik

8 Goethes Spottgedicht Flieh, Täubchen, flieh (1773) und der Beginn der Deutschtümelei

9 „lebe ich noch immer und schon wieder“. Franz Werfels Roman Stern der Ungeborenen

10 Der Bauernkrieg in den Singspielen Yaak Karsunkes und Martin Walsers: Bauernoper und Das Sauspiel

11 Lustige Nibelungen? Feridun Zaimoglus Siegfried-Farce für das deutsche Theater

12 Ulrike Draesner: Nibelungen. Heimsuchung

13 Dante im isländischen Supermarkt

Teil III: 20. und 21. Jahrhundert

14 Ich habe kein Wort. Sprache und Krieg im Werk August Stramms

15 Unter heidnisch-katholischem Himmel. Thomas Manns Dialektik der Reformation unter italienischem Blickwinkel

16 Adorno. Aphorismen nach Auschwitz

17 Die Suche nach Heimat in Adornos Noten zur Literatur und in Uwe Johnsons Jahrestagen

18 Gustavs Reise zu den Amazonen. Utopie und Geschlechtergeschichte in Irmtraud Morgners Weltfahrer- Roman

19 Viola Roggenkamps Roman Die Frau im Turm

20 Ulrike Draesners Sieben Sprünge vom Rand der Welt

Erstveröffentlichungen

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1 Theoderich der Große und das Verschwinden der gotischen Bibel

Abstract: Der Beitrag setzt sich mit der Frage auseinander, ob die spärliche Überlieferung der gotischen Bibel mit einer gezielten Vernichtung zu erklären wäre, als Versuch einer damnatio memoriae der gesamten gotisch-arianischen Kultur.

Keywords: Theoderich der Große. Codex Argenteus. Gotenkriege. Justinian I. Bücherverbrennung

auch die Toten werden vor dem Feind, wenn er siegt, nicht sicher sein

Details

Seiten
330
ISBN (PDF)
9783631812259
ISBN (ePUB)
9783631812266
ISBN (MOBI)
9783631812273
ISBN (Hardcover)
9783631801734
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (Mai)
Schlagworte
Deutsche Literatur Mittelalterliche Literatur Zeitgenössische Literatur Historische Dimension des Werks Hermeneutische Philosophie Hans-Georg Gadamer Theodor W. Adorno
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2020. 330 S.

Biographische Angaben

Michael Dallapiazza (Autor:in)

Michael Dallapiazza ist Professor für deutsche Literatur an der Universität Bologna. Zu seinen Forschungsgebieten zählen: Höfischer Roman, Spätmittelalterliche Literatur, Literatur des 20. Jahrhunderts, Erzähltheorie und Deutsch-Italienische Literaturbeziehungen.

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Titel: Ideologiekritik und Wirkungsgeschichte