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Kulturvermittlung und Interkulturalität, ein Deutsch-Französisch-Tunesischer Dialog

Politische, rechtliche und sozio-linguistische Aspekte

von Otmar Seul (Band-Herausgeber:in) Kaïs Slama (Band-Herausgeber:in) Kerstin Peglow (Band-Herausgeber:in)
©2016 Sammelband 322 Seiten

Zusammenfassung

Diskurse und Veröffentlichungen zur Interkulturalität sind heute Legion. Die Versuche, das Phänomen in seiner komplexen Vielfalt zu erfassen, sind kaum mehr überschaubar. Damit wird eine allgemein anerkannte begriffliche Einordnung erschwert. Mit Sicherheit kann nur behauptet werden, dass Interkulturalität ein disziplinenübergreifendes Konzept ist. In dem vorliegenden Sammelband werden weder die Probleme der interkulturellen Kommunikation, noch die Dimensionen und Begrifflichkeiten von Interkulturalität von seinen Herausgebern vorgegeben. Es bleibt den Autoren selbst überlassen, das Phänomen in seiner Komplexität oder auch nur aspektbezogen wahrzunehmen und zu reflektieren. Fünfzehn Jahre nach einer ersten Veranstaltungsreihe der integrierten deutsch-französischen Studiengänge Paris-Nanterre/Potsdam zu den interkulturellen Aspekten der deutsch-französischen Beziehungen sind heute neue gesellschaftliche Entwicklungen und globale Herausforderungen in den Fokus des Interesses gerückt, dem der interdisziplinäre und interkulturelle Rahmen, in dem sich die Autoren dieser Publikation ausgetauscht haben, Rechnung trägt: ein internationales Kolloquium der tunesischen Germanisten an der Universität Monastir zu Kulturvermittlung und Interkulturalität sowie ein Deutsch-Französischer Dialog mit den Maghreb-Ländern in Rechtswissenschaften an der Universität Tunis-El Manar.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Einleitung (Otmar Seul)
  • 1. Interkulturalität als Phänomen politischer Integrationsprozesse
  • 2. Kulturvermittlung im Fremdsprachenunterricht
  • 3. Interkulturelle Kommunikation und Übersetzung
  • 4. Rechtskulturen im Vergleich
  • 1. Teil: Interkulturalität als Phänomen ‚politischer‘ Integrationsprozesse
  • Valeurs culturelles nationales, interdépendances et intégration politique européenne (Patrick Daillier)
  • I. Comment s’articulent les divers ordres juridiques en matière de culture ?
  • A. L’apparente prépondérance des ordres juridiques nationaux
  • B. Une utilisation paradoxale des compétences respectives de l’UE et des États membres
  • II. Comment résoudre les conflits de valeurs entre ordres juridiques pertinents ?
  • A. Les instruments de l’ordre juridique communautaire
  • B. Les instruments de l’ordre juridique international
  • C. Conclusion
  • Bibliographie
  • Europa im Modernisierungsprogramm des tunesischen Reformers Khayreddin (Mounir Fendri)
  • I. Khayreddin als Mittler zwischen der westlichen und islamischen Kultur
  • II. Zum Leben Khayreddins
  • III. Khayreddin als Reformer
  • IV. Rezeption von Khayreddins Reformwerk
  • Bibliographie
  • Die Verweigerung von ‚Interkulturalität‘ durch den religiösen Extremismus: Religion als Leitdiskurs im postrevolutionären Tunesien (Chaouki Kacem)
  • I. Fußball als Leitdiskurs (Alexander Ziem)
  • II. Religion als Leitdiskurs im postrevolutionären Tunesien
  • Bibliographie
  • 2. Teil: Kulturvermittlung im Fremdsprachenunterricht
  • Interkulturelle Kompetenz handlungsorientiert im Fremdsprachenunterricht vermitteln (Catherine Jaeger)
  • Einleitung
  • I. Handlungsorientierung als Schlüsselkonzept: Was versteht man unter einem handlungsorientierten Ansatz?
  • 1. Handlungsorientierung im GER
  • 2. Die Handlungsorientierung und der Begriff der Aufgabe
  • 3. Didaktische Vorteile des handlungsorientierten Ansatzes
  • a) Motivation
  • b) Die soziale Dimension
  • 4. Kompetenzbereiche des GER: von sprachlichen zu interkulturellen Kompetenzen
  • II. Das Interkulturelle und seine Umsetzung in die Praxis des Fremdsprachenunterrichts
  • 1. Interkulturelle Kompetenz und ihre Behandlung im GER
  • a) Die interkulturelle Dimension
  • b) Von der interkulturellen zur mehrkulturellen Dimension
  • c) Zum kulturellen Missverständnis: Sprachliches und interkulturelles Missverständnis
  • 2. Modelle interkultureller Kompetenz
  • a) Die Begriffe „Kultur“ und „Interkultur“
  • b) Begriffsklärung: Interkulturelle Kompetenz
  • III. Handlungsorientierung und interkulturelle Kompetenz im Fremdsprachenunterricht: Vom Auftrag zur Umsetzung
  • 1. Der Auftrag
  • a) Der Begriff der Aufgabe und seine Verwendung für das interkulturelle Lernen
  • b) Beispiele einer aufgabenorientierter Unterrichtsmethode und ihre Anwendung auf interkulturelle Lernziele in der Fremdsprache: die Fallstudie
  • c) Schnittstelle soziokulturelles Wissen und Verhaltenskategorien: ein Spagat zwischen savoir, savoir faire und savoir être
  • 2. Methodisch-didaktische Umsetzung
  • a) Brücken schlagen durch die Nutzung von Fallstudien
  • b) Das Interkulturelle in der Fallstudie
  • c) Praktische Anwendungshinweise
  • Fazit und Ausblick
  • Bibliographie
  • Interkulturelle Bewusstseinsbildung im landes- und kulturkundlich orientierten DaF-Unterricht (Mourad Ben Abderazak)
  • I. Landeskunde im Fokus des Fremdsprachenunterrichtes
  • II. Wechselwirkung zwischen Fremd- und Eigenkultur
  • III. Auseinandersetzung mit der Fremdkultur
  • IV. Sprachlehrer als interkulturelle Vermittler
  • V. Interkulturelles Verständnis
  • VI. Gelebte Interkulturalität (Anwendung der interkulturellen Kompetenz)
  • Bibliographie
  • Interkulturalität als Prozess der Überwindung kultureller Sprachbarrieren: Der Lehrer als ‚Motivierungskraft‘ im Fremdsprachenunterricht (DaF) (Taieb Souissi)
  • Einleitung
  • I. Zur Funktion von Motivation in Lern- und Lehrprozessen
  • II. „Motivation“ als Antriebskraft für den Lernprozess
  • III. „Motivation“ als Hebel zur Überwindung von Misserfolgen
  • Bibliographie
  • Erwerb des Kasus nach Präpositionen durch arabischsprachige Kinder (Zahida Marouani)
  • Einleitung
  • I. Darstellung der empirischen Untersuchung
  • 1. Angaben zu den Probanden1
  • 2. Erhebung der Sprachdaten
  • II. Erwerb der Präpositionen
  • 1. Vorkommenshäufigkeit der Präpositionen
  • 2. Kasuswahl nach Präpositionen
  • a) Kasuswahl nach Präpositionen mit festem Kasus
  • b) Kasuswahl nach Wechselpräpositionen
  • III. Kasuswahl in PPs vs. Kasuswahl in NPs
  • IV. Schlussbetrachtung
  • Bibliographie
  • 3. Teil: Interkulturelle Kommunikation und Übersetzung
  • De la traduction à la communication interculturelle (Jean-René Ladmiral)
  • I. De la traduction…
  • II. …à la communication interculturelle
  • Bibliographie
  • Verbale und non-verbale interkulturelle Kommunikation (Prasannanshu Prasannanshu / Stephanie Rohlfing-Dijoux)
  • I. Einleitung
  • II. Das Mittel
  • III. Schlussbetrachtung
  • Bibliographie
  • Interkulturalität als Ausdruck einer „Poetik der Bewegung“ Dazwischen-Leben und Identitätssuche: Deutschsprachige Migrationsliteratur als Teil der ‚Literaturen ohne festen Wohnsitz‘ (Ottmar Ette) (Karim Khadhraoui)
  • Anhang
  • Interview von Karim Khadhraoui mit Prof. Dr. Ottmar Ette über ‚Literaturen ohne festen Wohnsitz‘ (Potsdam, den 02.06.2010)
  • 1. Wie sind Sie zu dem Begriff ‚Literaturen ohne festen Wohnsitz‘ gekommen?
  • 2. Was halten Sie von dem früher und bis heute noch verwendeten Begriff ‚Migrationsliteratur’? Entspricht diese Bezeichnung dem Konzept und dem Zweck dieser Literatur?
  • 3. Bereits der Titel Ihres Buches lässt mich eine Frage stellen: Weshalb haben Sie die Worte „Zwischen“, „Welten“ und „Schreiben“ zusammengeschrieben?
  • 4. Inwiefern grenzt sich die ‚Literatur ohne festen Wohnsitz‘ von der ‚National- und Weltliteratur‘ ab?
  • 5. In Ihrem Buch haben Sie behauptet, dass der Begriff der ‚Literatur ohne festen Wohnsitz‘ weder mit dem Begriff der ‚Migrationsliteratur‘ noch mit dem der ‚Exilliteratur‘ gleichgesetzt oder in diesen rückübersetzt werden darf. Warum?
  • 6. Könnten wir die deutschsprachige Literatur als eine der verschiedenen Formen der ‚Literaturen ohne festen Wohnsitz‘ verstehen?
  • 7. Worauf zielt der Begriff der „Vektorisierung“ in Ihrem Buch und wie kann er den Bereich der kollektiven Geschichte erfassen?
  • 8. An vielen Stellen Ihres Buches taucht die Figur des Odysseus auf. Welches Zusammenspiel hat diese Figur mit der von Ihnen entwickelten Theorie der ‚Literaturen ohne festen Wohnsitz’? Heißt das, dass es diese Literatur seit Jahrhunderten gegeben hat?
  • 9. Gibt es einen engen Zusammenhang zwischen der ‚Literatur ohne festen Wohnsitz‘ und dem Lebenslauf des berühmten Wissenschaftlers Alexander von Humboldt? Anders gesagt: Könnten wir die AutorInnen dieser Literatur auch als „Menschen des Aufbruchs und des Aufbrechens“ bezeichnen?
  • 10. Könnte die ‚Literatur ohne festen Wohnsitz’, die von SchriftstellerInnen geschrieben wird und deren Situation in der Fremde bzw. in der neuen Heimat darstellt, als Integrationsmedium eingesetzt werden?
  • Bibliographie
  • Literaturübersetzung als Kulturvermittlung? Anna Gavalda’s „Junior“ als Fallstudie (Stephanie Schwerter)
  • I. Einbürgerndes und verfremdendes Übersetzen
  • II. Übersetzung von Kleidungs- und Bildkonnotationen
  • III. Kulturelle Übertragung von Umgangssprache, Adelstitel und Ellipsen
  • IV. Schlussfolgerung
  • Bibliographie
  • Internetseiten:
  • Integrationsprozesse im deutschen Wortschatz am Beispiel der Entlehnung aus dem Französischen (Latifa Jabnoun)
  • I. Einleitung
  • I. Entlehnungsweisen
  • II. Integration französischer Lexeme in das Deutsche
  • 1. Lexikalisch-semantische Integration
  • 2. Phonemische Integration
  • – Vokalismus
  • – Konsonantismus
  • – Wortakzent
  • 3. Graphemische Integration
  • 4. Flexivische Integration
  • 5. Wortbildungsintegration
  • III. Schlussbetrachtung
  • Bibliographie
  • Interkulturelle Kommunikation – die Schlüsselkompetenz des integrierten Deutsch-Französischen Studiengangs für Juristen (Elske Hildebrandt)
  • I. Begriff und Bedeutung
  • II. Sinn und Zweck
  • III. Studium
  • IV. Deutschland und Frankreich
  • a) Begrüßung und Small Talk
  • b) Stellenwert persönlicher Beziehungen
  • c) Echte Kommunikation
  • Bibliographie
  • Langage du droit et traduction juridique (Kerstin Peglow)
  • I. Approche interdisciplinaire
  • 1. Langage du droit et l’enjeu du droit comparé
  • 2. Terminologie juridique et linguistique appliquée
  • II. La communication du droit étranger en pratique
  • 1. Présentation bilingue des termes juridiques dans un contexte
  • 2. Analyse du texte de départ
  • III. Achèvement de la traduction dans la langue d’arrivée
  • 1. Le problème de l’équivalence
  • 2. Les méthodes pour établir l’équivalence
  • Bibliographie
  • 4. Teil: Rechtskulturen im Vergleich
  • Interkulturalität im Arbeitsleben: Beobachtungen zu Arbeitsorganisation und Arbeitsbeziehungen in Deutschland und Frankreich (Otmar Seul)
  • I. Mutterkulturen im Widerstreit: Unternehmenskultur und Selbstverständnis der Beschäftigten (die Thesen von Hans Merkens)
  • II. Managementkultur in Deutschland und Frankreich: Konsenskultur versus Dissenskultur? (Die Thesen von Jacques Pateau)
  • 1. Zum Verhältnis von Arbeitskollektiv und Hierarchie im Entscheidungsprozess
  • 2. Arbeitsorganisation und Arbeitsbeziehungen als Ausdruck historischer Entwicklungen: Einheit und Zentralisierung versus Vielfalt und Dezentralisierung
  • III. Unternehmenskultur und Arbeitnehmerpartizipation: rechtliche Grundmuster des ‚sozialen Dialogs‘ in deutschen und französischen Betrieben – ein Vergleich
  • 1. Die Gewerkschaften unter Modernisierungsdruck
  • 2. Duale Arbeitnehmerinteressenvertretung: rechtliche Grundmuster der betrieblichen Partizipation
  • 3. Reformen zur Stärkung der konsensorientierten Unternehmenskultur in Frankreich (2008-2016)
  • a) Die formale Annäherung an das deutsche Partizipationsmodell?
  • b) Frankreichs Reformen auf dem Prüfstand
  • c) Ausblick
  • Bibliographie
  • Arbeitnehmerpartizipation in deutschen, französischen und tunesischen Unternehmen: ein Vergleich (Kaïs Slama)
  • I. Arbeitnehmerbeteiligung in Deutschland und in Frankreich
  • II. Die Arbeitnehmervertretung im tunesischen Unternehmen: die Reform von 2007
  • III. Schlussfolgerung
  • Bibliographie
  • L’interculturalité dans la pratique du métier d’avocat (Bérénice Alisch)
  • Introduction
  • I. Les atouts du cursus intégré franco-allemand en sciences juridiques
  • II. Le métier d’avocat en France et en Allemagne ou les métiers d’avocat et de Rechtsanwalt ? – quelques observations pratiques
  • III. Brève présentation de la pratique du droit social français pour des groupes d’entreprises allemands
  • Bibliographie
  • Rechtskulturen im Vergleich: Zum Ursprung des Mindestkapitals in der Gesellschaft mit beschränkter Haftung und der Société à responsabilité limitée (Kerstin Peglow)
  • I. Einleitung
  • II. Die aktuellen Regelungen zum Mindestkapital
  • III. Die Entstehung der GmbH
  • IV. Die Entstehung der SARL
  • V. Schlussbetrachtung
  • Bibliographie
  • Der EuGH: Akzeptanzprobleme eines durch das französische Recht geprägten supranationalen Gerichtshofs (Joachim Gruber)
  • I. Einleitung
  • II. Der EuGH und der Einfluss der französischen Rechtskultur
  • III. Eine Besonderheit des EuGH: Die Schlussanträge der Generalanwälte
  • IV. Rechtsprechung des EuGH
  • V. Bewertung der Besonderheiten beim EuGH
  • VI. Abschließende Würdigung
  • Bibliographie
  • Autorenverzeichnis
  • Cultures juridiques et politiques

Valeurs culturelles nationales, interdépendances et intégration politique européenne

Patrick Daillier

Les spécificités culturelles, historiques, juridiques des États sont aujourd’hui mises en question par les phénomènes de mondialisation et de régionalisation. Outre leur rôle dans la banalisation des valeurs liées aux activités économiques, de nombreuses organisations internationales – et pas seulement l’Union européenne – exercent une influence de plus en plus directe sur les ordres juridiques nationaux. Cependant la confrontation des valeurs est à la fois très évolutive et paradoxale : si des garanties juridiques ont été multipliées au bénéfice des États à l’occasion de chaque modification des traités constitutifs de l’Union européenne, ces garanties même lorsqu’elles répondent à des préoccupations légitimes, ne sont que peu exploitées dans la pratique. D’où la conviction d’un « grignotage » incessant des valeurs de la tradition nationale, dans les opinions publiques, alors qu’inversement les pouvoirs de sanction par les organes d’intégration, pour la violation des droits fondamentaux par les gouvernements, ne sont pas souvent mis en œuvre. Même un bilan « immédiat » est donc très aléatoire et ne peut se réduire à une approche juridique. Du moins cette approche a-t-elle le mérite de relativiser les exagérations idéologiques ou politiciennes.

L’analyse en la matière présente de véritables difficultés : l’approche juridique ne peut répondre à toutes les questions et son articulation avec les approches historiques, sociologiques et de science politique n’est pas aisée à décrire. L’extrême actualité nous propose une illustration dramatique de cette confrontation entre valeurs nationales et consensus transnational, à travers le débat sur l’asile territorial à offrir aux réfugiés d’Afrique et du Moyen-Orient.

Il s’agit d’un domaine qui se prête aux controverses politiques les plus extrêmes, au prix de certaines confusions : d’abord, un amalgame des diverses institutions internationales dont le mandat intéresse peu ou prou le domaine culturel, constitutionnel, éducatif notamment, au niveau universel ou régional ; en second lieu, une confusion entre les approches de coopération interétatique, qui reste entre les mains des gouvernements nationaux, et les approches d’intégration transnationale, « communautaires » ; en←43 | 44→ troisième lieu, l’expression contradictoire du regret d’une ambition trop strictement économique pour l’UE et la crainte d’empiétements imprévisibles de sa part sur les spécificités culturelles nationales.

Il est vrai que l’analyse en la matière n’est pas des plus aisées : l’approche juridique ne peut répondre à toutes les questions et son articulation avec les approches historiques, sociologiques et de science politique n’est pas aisée à décrire.

I. Comment s’articulent les divers ordres juridiques en matière de culture ?

A. L’apparente prépondérance des ordres juridiques nationaux

Ceci résulte du jeu du principe de subsidiarité, très en faveur de la compétence normative et opérationnelle des États membres de l’UE – en raison du caractère tardif et très incomplet de l’affirmation d’une politique culturelle commune.

Avant le traité de Maastricht, la Commission ne peut agir que par voie de recommandations (plan d’action culturelle de 1977), de suggestions adressées à des gouvernements réticents. Il faut attendre 1989 pour que soit adoptée une première directive, consacrée à la « Télévision sans frontières », qui peut se justifier par son impact économique (ouverture à la concurrence) et son rattachement à la liberté de circulation des prestations de services. C’est donc seulement un outil, en soi transfrontière par son mode de diffusion, qui peut alimenter l’accès à certaines formes culturelles et d’informations étrangères, au sein de l’UE. Seuls les messages publicitaires – économiques par nature – justifient un contrôle communautaire.1 Est encore rejeté l’appel à l’idée de politique d’intégration culturelle comme une justification à des initiatives communautaires en matière d’immigration.2

Même l’approche du traité de Maastricht, s’il crée les premières bases juridiques d’une compétence communautaire de la culture, reste marquée par les réticences traditionnelles à dépasser les limites de la logique économique : si l’UE doit contribuer à l’épanouissement des cultures des États membres, en mettant en évidence l’héritage culturel commun, ce doit être dans le respect de leur diversité nationale. Or cette diversité culturelle est l’héritage du concept d’exception culturelle avancé dans les négociations commerciales au sein de l’OMC des années 1990 : il s’agissait de protéger les systèmes d’aides publiques des États européens dans les domaines du cinéma et de l’audiovisuel.←44 | 45→

Qu’en est-il après un quart de siècle de pratique de l’UE ? : stricto sensu, la politique communautaire de la culture comporte à la fois des volets économiques et sociaux (développement économique des secteurs culturels, exploitation du potentiel d’emploi du secteur) et des volets d’intégration artistique (promouvoir la création, renforcement de l’appartenance à une communauté européenne, favoriser l’intégration sociale par la généralisation de l’accès à la culture, ainsi que les échanges culturels non commerciaux). Ce qui autorise un rattachement progressif à des concepts plus directement politiques – comme bases juridiques complémentaires – telle la citoyenneté européenne ou l’action extérieure en faveur de la démocratie et des droits de l’homme.

Le champ d’application du principe de subsidiarité étant limité aux politiques communes, les États peuvent être tentés de rattacher une initiative politique ou culturelle au domaine de la coopération politique entre États. Au-delà de l’impact direct du principe de subsidiarité, les États sont en mesure de restreindre les interprétations restrictives de ce principe par des affirmations répétées et des rappels de leur souveraineté en matière culturelle, soit dans les traités constitutifs de l’UE, soit dans des déclarations communes ou unilatérales annexées à ces traités, soit en définissant de manière extensive le champ d’application de l’opting out, soit encore en exigeant une participation très large et même si possible discrétionnaire à la mise en œuvre des actes de politique commune de la culture.

L’ordre juridique communautaire offre ses propres garanties quant au respect des compétences nationales : au moment de l’adhésion à l’UE d’un nouvel État, au titre de sa liberté de négociation (mais bridée par celle des autres États membres) ; mais aussi lors des procédures d’adoption des actes de l’UE (lorsque l’État est en droit de revendiquer le respect de la règle d’unanimité, ou lorsqu’il négocie une marge d’appréciation dans la mise en œuvre des actes de droit dérivé). La jurisprudence communautaire de son côté admet la non-invocabilité du droit communautaire pour des situations purement internes à un État membre, ce qui est souvent le cas pour des valeurs culturelles ou des traditions locales.

Mais d’autres facteurs favorisent une possible base juridique pour une action communautaire en la matière, sans même « contourner » les garde-fous textuels :

des facteurs politiques : le renforcement du rôle du P.E. dans l’élaboration des politiques communes ; la prise de conscience de la dimension « continentale » de certaines menaces (migration irrégulière récemment) ; les pressions émanant d’acteurs non étatiques ; l’orientation donnée à certains fonds (assistance financière) ;

des facteurs juridiques : les dispositions des traités autorisant le Conseil – donc les États membres – à adopter à l’unanimité des←45 | 46→ actes qui ne trouvent pas d’autres fondements dans le traité de base ; la multiplication des domaines où les décisions sont adoptées à la majorité et non plus à l’unanimité ; la possibilité de décisions à géométrie variable (« l’Europe à deux vitesses ») ; jurisprudence admettant qu’une base juridique pertinente en matière culturelle ne s’impose pas si l’aspect culturel – par exemple la diversité linguistique – est accessoire par rapport à l’objectif économique – par exemple industriel – de l’acte communautaire en cause.3

De l’approche initiale de « confrontation » des identités est né le principe « régulateur », le principe de subsidiarité, dans une tentative de conciliation, avec un champ d’application qui a été progressivement généralisé, avec le traité de 1992.4

Mais cette généralisation a renforcé l’ambiguïté de sa fonction : quant à son champ d’application matériel (domaines d’appui, par exemple pour la culture : subsidiarité « renfort » par opposition à « suppléance » : ici la complémentarité justifie une intervention en vue d’une réalisation plus satisfaisante des objectifs nationaux), quant à sa mise en œuvre concrète.

Où se situent les zones de chevauchement ?

Ce qui a alimenté la critique quant à son efficacité : d’où l’émergence d’un nouveau principe, la subsidiarité « inversée ». « Celle-ci se conçoit comme un appel à la modification des exigences européennes afin de les rapprocher davantage des exigences nationales qui constituent très souvent le soubassement des traditions constitutionnelles nationales communes. Fondée sur l’idée que certaines valeurs, chères aux ordres juridiques nationaux, ne sont pas garanties ou ne sont que faiblement prises en compte par l’Union, elle se présente comme un instrument d’incitation de l’Union à l’action ».5 « De ce fait, le domaine des droits fondamentaux et désormais celui de l’identité constitutionnelle constituent ses composantes essentielles ».6←46 | 47→

les secteurs artistiques habituels ne sont pas ceux où la politique communautaire empiète directement sur les compétences nationales (formation et enseignement des arts, respect des bonnes mœurs, définition de la place respective des institutions publiques et privées, etc.). L’UE n’envisage que de compléter et accompagner les stratégies nationales. Tout au plus peut-elle privilégier des manifestations artistiques à portée transnationale.

Par contre, les traditions nationales les plus diverses peuvent être mises en cause en ce qui concerne les régimes politiques, les rapports entre l’Église et l’État, la citoyenneté et les rapports entre opinion publique et administrations (fiscalité, état civil, etc.), l’information de masse (le souci d’un réseau de radiodiffusion « pluraliste » et non commercial peut l’emporter sur une liberté économique fondamentale, par exemple la liberté de circulation des capitaux).7

Les traditions à base ethnique ont un ancrage régionaliste au sein des États membres mais ne trouvent pas encore un relais significatif dans les politiques de l’UE, contrairement à certaines craintes exprimées dans le passé par des gouvernements ; la CEDH peut servir de fondement plus directement exploitable. Mais elles sont contestables, au regard des principes communautaires de liberté de circulation et de non-discrimination.8

B. Une utilisation paradoxale des compétences respectives de l’UE et des États membres

Le non-usage de certaines compétences de l’UE : la courtoisie diplomatique peut faire échec aux risques de condamnation de certains régimes politiques ou de certaines politiques attentatoires aux droits de l’homme ; le Conseil, la Commission et le P.E. peuvent avoir des opinions divergentes sur l’opportunité d’un acte ou d’une décision financière.

Le non-usage des garanties offertes aux ordres nationaux : les États font preuve d’auto-limitation dans l’exercice de leurs droits au sein de l’UE soit par conviction juridique, soit par opportunité.

Les compétences exercées au titre de la coopération interétatique au sein de l’UE : la recherche d’efficacité conduit à des solutions plus intégrées que celles habituelles dans les relations internationales (prise en charge temporaire de l’administration nationale dans les zones de rétablissement de la paix : lutte contre la corruption, justice pénale, rationalisation budgétaire)←47 | 48→

Des solutions à deux vitesses : soit entre États membres (opting out, droit d’asile par exemple), soit entre politiques internes et politique extérieure (interventions dans les situations de conflit et de crises à l’étranger). Mais ces manifestations d’autonomie peuvent être contredites par les gouvernements eux-mêmes, qui renoncent volontairement à leur droit de faire exception à certains actes de l’UE.

Details

Seiten
322
Erscheinungsjahr
2016
ISBN (Paperback)
9782807601338
ISBN (PDF)
9782807601345
ISBN (ePUB)
9782807601352
ISBN (MOBI)
9782807601369
DOI
10.3726/978-2-8076-0134-5
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2016 (Dezember)
Erschienen
Bruxelles, Bern, Berlin, Frankfurt am Main, New York, Oxford, Wien, 2017. 322 S., 8 Abb., 1 Tab.
Produktsicherheit
Peter Lang Group AG

Biographische Angaben

Otmar Seul (Band-Herausgeber:in) Kaïs Slama (Band-Herausgeber:in) Kerstin Peglow (Band-Herausgeber:in)

Dr. Dr. h. c. Otmar Seul, emeritierter Universitätsprofessor, Université Paris-Nanterre, Deutsch-Französischer Studiengang ,Rechtswissenschaften‘, Centre de recherches pluridisciplinaires multilingues (CRPM). Dr. Kaïs Slama, Universitätsdozent (Maître-assistant), Université de Gabès (Tunesien), Institut supérieur des Sciences Humaines, Médenine – Département d’Allemand. Dr. Kerstin Peglow, Universitätsdozentin (Maître de conférences – HDR), Université Paris-Nanterre, Deutsch-Französischer Studiengang ,Rechtswissenschaften‘, Centre de recherches pluridisciplinaires multilingues (CRPM).

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