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Semantische und pragmatische Aspekte der Grammatik

DaF-Übungsgrammatiken im Fokus

von Claudio Di Meola (Band-Herausgeber:in) Daniela Puato (Band-Herausgeber:in)
Sammelband 362 Seiten

Zusammenfassung

Ist Grammatik im modernen DaF-Unterricht wirklich überflüssig oder bestenfalls ein notwendiges Übel? Die AutorInnen der 16 Beiträge dieses Bandes glauben nach wie vor an die didaktische Zentralität der Grammatik, allerdings nicht als rein formbezogenes System, sondern als semantisch-pragmatisches Mittel zur inhaltlichen Differenzierung und Verfolgung bestimmter kommunikativer Ziele.
Nach einem einleitenden Beitrag enthält der Band 15 Fallstudien, die sich mit für DaF-Lernende relevanten Sprachphänomenen befassen. Jede Studie nimmt 24 gängige Übungsgrammatiken (Anfänger und Fortgeschrittene) jeweils kritisch unter die Lupe in Bezug auf semanto-pragmatische Aspekte. Es werden die wissenschaftlich-didaktische Adäquatheit der Regeln und Erklärungen bewertet sowie originelle didaktische Vorschläge erarbeitet.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Vorwort
  • Einleitung
  • Grammatik und Fremdsprachenlernen − Versuch einer Bestandsaufnahme: Dietmar Rösler (Gießen)
  • Fallstudien
  • Adjektiv: Wortbildung: Lorenza Rega (Triest)
  • Attribut: Erweiterte Partizipialattribute: Daniela Puato (Rom)
  • Deixis: Textdeixis: Dorothee Heller (Bergamo)
  • Fragesätze: Giovanni Gobber (Mailand)
  • Funktionsverbgefüge: Fabio Mollica (Mailand)
  • Genus: Personenbezeichnungen: Marina Brambilla (Mailand) / Valentina Crestani (Mailand)
  • Höflichkeit: Claus Ehrhardt (Urbino)
  • Intonation: Manuela Caterina Moroni (Trient)
  • Konjunktiv II: Joachim Gerdes (Genua)
  • Modalverben: Tanja Mortelmans (Antwerpen) / Jarno Willems (Antwerpen)
  • Nachfeld: Hélène Vinckel-Roisin (Paris)
  • Negation: Vincenzo Gannuscio (Modena/Reggio Emilia)
  • Präpositionen I: Räumliche Präpositionen: Elena Bellavia (Potenza)
  • Präpositionen II: Sekundäre Präpositionen: Claudio Di Meola (Rom)
  • Unpersönlichkeit: Antonie Hornung (Modena/Reggio Emilia)
  • Anhang
  • Übungsgrammatiken des Korpus
  • Autorenspiegel
  • Reihenübersicht

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Vorwort

Grammatik hat es in der Fremdsprachendidaktik nicht leicht. Seit der kommunikativen Wende wird in der Sprachlehrforschung die Rolle der Grammatik weitgehend ignoriert, in der Praxis der Sprachvermittlung genießt die Grammatik bei Lehrenden und Lernenden oftmals den zweifelhaften Ruf eines notwendigen Übels.

Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn im Grammatikunterricht das mechanische Lernen von rein formbezogenen Regularitäten im Mittelpunkt steht. Nur zu selten wird hingegen die funktionale Dimension berücksichtigt, das heißt die – alles andere als banale – Frage „Wozu dient eigentlich diese grammatische Kategorie?“ oder auch die weiterführende Frage „Wieso verwende ich in diesem Kontext eine bestimmte grammatische Kategorie und nicht eine andere?“.

Der vorliegende Band befasst sich mit Grammatik im DaF-Unterricht und untersucht relevante Aspekte der deutschen Grammatik unter semantischen und pragmatischen Gesichtspunkten. Der Band versteht sich als ideelle Fortsetzung der Studie Puato/Di Meola DaF-Übungsgrammatiken zwischen Sprachwissenschaft und Didaktik (Frankfurt a.M.: Lang, 2017) in Bezug auf zugrundeliegende Grammatikkonzeption, Korpus der Untersuchung, Analysekategorien und Struktur der Fallstudien. Es wird von einer im weitesten Sinne funktionalen Grammatikkonzeption ausgegangen und die Frage nach der semantischen und pragmatischen Dimension der Grammatik gestellt. Mit anderen Worten wird bezüglich einer bestimmten grammatischen Kategorie oder Struktur der Frage nachgegangen, wie durch deren Verwendung eine inhaltliche Differenzierung erreicht werden kann oder kommunikative Ziele verfolgt werden können.

Es werden die gängigen Übungsgrammatiken für Deutsch als Fremdsprache (sprach)wissenschaftlich unter die Lupe genommen. Übungsgrammatiken haben – wohl bedingt durch den kommunikativen Mainstream – in der einschlägigen Literatur relativ wenig Beachtung gefunden, vor allem im Vergleich zu anderen Typologien von Lehrmaterialien. Dennoch sind Übungsgrammatiken, auch und vor allem in den letzten Jahrzehnten, ein unangefochtener Bestseller: „Klassiker“ werden immer wieder neu aufgelegt, und ständig erscheinen neue Werke. Das reichhaltige Panorama der sich derzeit auf dem Markt befindlichen Übungsgrammatiken bietet für fast jeden etwas: Es gibt Grammatiken für die unterschiedlichen Niveaustufen des Gemeinsamen Europäischen ←7 | 8→Referenzrahmens, Produktions- und Rezeptionsgrammatiken, lehrwerkbezogene und lehrwerkunabhängige Grammatiken, Grammatiken für verschiedene Altersstufen, zur Unterrichtsbegleitung und zum Selbststudium, zur Vorbereitung von Prüfungen sowie theoriebezogene und -neutrale Werke. Zahlreiche Grammatiken sind international ausgerichtet, d.h. auf Deutsch verfasst und für ein international möglichst breites Publikum konzipiert. Ebenso zahlreich sind Grammatiken, die für Lernende einer bestimmten Ausgangssprache geschrieben wurden und somit explizit oder implizit kontrastiv ausgerichtet sind.

Sämtliche Beiträge im vorliegenden Sammelband basieren auf ein und demselben Korpus von 24 gängigen Übungsgrammatiken (vgl. Puato/Di Meola 2017). Es handelt sich um internationale Grammatiken mit einer breit ausgerichteten Konzeption, die keinerlei Beschränkungen bezüglich Ausgangssprache, Alter, Beruf usw. der anvisierten Zielgruppe unterliegen und auf Deutsch geschrieben sind. Hinsichtlich der Niveaustufe nehmen wir eine Grobeinteilung in Anfänger und Fortgeschrittene vor:1

Anfänger

Billina, Anneli / Reimann, Monika (2012). Übungsgrammatik für die Grundstufe. Deutsch als Fremdsprache. A1-B1. Ismaning: Hueber. [= B/R]

Buscha, Anne / Szita, Szilvia (2010). A-Grammatik: Übungsgrammatik Deutsch als Fremdsprache. Sprachniveau A1/A2. Leipzig: Schubert. [= B/S]

Clamer, Friedrich / Heilmann, Erhard G. (2007). Übungsgrammatik für die Grundstufe. Regeln – Listen – Übungen. Niveau A2-B2. Meckenheim: Liebaug-Dartmann. [= C/H]

Fandrych, Christian / Tallowitz, Ulrike (2009). Klipp und Klar. Übungsgrammatik Grundstufe Deutsch. Stuttgart: Klett. [= F/T]

Gottstein-Schramm, Barbara u.a. (2011). Deutsch als Fremdsprache. Grammatik – ganz klar! Übungsgrammatik A1-B1. Ismaning: Hueber. [= G-S]

Hauschild, Alke (2014). Praxis-Grammatik Deutsch als Fremdsprache. Das große Lern- und Übungswerk. Mit extra Online-Übungen. Niveau A2-B2. Stuttgart: Pons. [= H]

Jentsch, Horst (2007). Grammatik zum Üben. Ein Arbeitsbuch mit Regeln und Übungen. Bd. 1 Grundstufe. Köln: Jentsch. [= J]

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Jin, Friederike / Voß, Ute (2013). Deutsch als Fremdsprache Grammatik aktiv. Üben – Hören – Sprechen. A1-B1. Berlin: Cornelsen. [= J/V]

Luscher, Renate (2007). Übungsgrammatik für Anfänger. Deutsch als Fremdsprache. Ismaning: Verlag für Deutsch. [= L]

Reimann, Monika (2010). Grundstufen-Grammatik für Deutsch als Fremdsprache. Erklärungen und Übungen. Ismaning: Hueber. [= Rei]

Rocco, Goranka (2008). Deutsch als Fremdsprache. Übungsgrammatik für Anfänger. Niveau A2. Meckenheim: Liebaug-Dartmann. [= Ro]

Rusch, Paul / Schmitz, Helen (2013). Einfach Grammatik. Übungsgrammatik Deutsch A1 bis B1. München: Klett-Langenscheidt. [= R/S]

Fortgeschrittene

Buscha, Anne / Szita, Szilvia (2011). B-Grammatik. Übungsgrammatik Deutsch als Fremdsprache. Sprachniveau B1/B2. Leipzig: Schubert. [= B/S]

Buscha, Anne / Szita, Szilvia / Raven, Susanne (2013). C-Grammatik. Übungsgrammatik Deutsch als Fremdsprache. Sprachniveau C1/C2. Leipzig: Schubert. [= B/S/R]

Clamer, Friedrich / Heilmann, Erhard G. / Röller, Helmut (2006). Übungsgrammatik für die Mittelstufe. Regeln – Listen – Übungen. Erweiterte Fassung. Niveau C1. Meckenheim: Liebaug-Dartmann. [= C/H/R]

Dreyer, Hilke / Schmitt, Richard (2012). Lehr- und Übungsbuch der deutschen Grammatik. Die Gelbe aktuell. Ismaning: Hueber. [= D/S]

Fandrych, Christian (Hg.) (2012). Klipp und klar. Übungsgrammatik Mittelstufe Deutsch B2/C1. Deutsch als Fremdsprache. Stuttgart: Klett. [= F]

Hall, Karin / Scheiner, Barbara (2014). Übungsgrammatik für die Oberstufe. B2/C2. München: Hueber. [= H/S]

Helbig, Gerhard / Buscha, Joachim (2000). Übungsgrammatik Deutsch. Berlin/München: Langenscheidt. [= H/B]

Hering, Axel / Matussek, Magdalena / Perlmann-Balme, Michaela (2009). Übungsgrammatik für die Mittelstufe. Deutsch als Fremdsprache. B1-C1. Ismaning: Hueber. [= H/M/P]

Jentsch, Horst (2010). Grammatik zum Üben. B1-C1. Köln: Jentsch. [= J]

Rug, Wolfgang / Tomaszewski, Andreas (2009). Grammatik mit Sinn und Verstand. Übungsgrammatik für Mittel- und Oberstufe. Neufassung. München: Klett. [= R/T]

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Schade, Günter (2009). Einführung in die deutsche Sprache der Wissenschaften. Ein Lehrbuch für Ausländer. Berlin: Schmidt. [= S]

Stein-Bassler, Dorothea (2008). Deutsch als Fremdsprache. Lerngrammatik zur Studienvorbereitung. Niveau B2-C1. Meckenheim: Liebaug-Dartmann. [= S-B]

 

Betrachten wir kurz die Niveaustufen der verschiedenen Grammatiken. Anfängergrammatiken beginnen mit einer Niveaustufe A (zumeist A1, selten A2) und enden mit einer Niveaustufe B (zumeist B1, selten B2). Fehlt ein Hinweis auf den Referenzrahmen, so wird die im deutschsprachigen Raum verbreitete Bezeichnung „Grundstufe“ angegeben. Fortgeschrittenen-Grammatiken beginnen in der Regel mit einer Niveaustufe B (zumeist B2) und enden mit einer Niveaustufe C (zumeist C1); seltener sind Grammatiken, die sich auf die Niveaustufe C beschränken. Fehlt der Hinweis auf den Referenzrahmen, so ist fast immer die Bezeichnung „Mittelstufe“ angegeben.

In den verschiedenen Fallstudien des vorliegenden Bandes werden die Übungsgrammatiken des Korpus auf didaktisch und theoretisch relevante Phänomene der Grammatik der deutschen Sprache hin untersucht. Die einzelnen Kapitel sind gleich strukturiert und enthalten jeweils fünf Punkte. Zunächst wird das Phänomen im Überblick dargestellt (Abschnitt 1), dann der Forschungsstand kurz umrissen (Abschnitt 2). Die detaillierte Analyse der Übungsgrammatiken (Abschnitt 3) unterscheidet die beiden Niveaustufen Anfänger und Fortgeschrittene. Im Anschluss erfolgt eine wissenschaftliche und didaktische Wertung der Übungsgrammatiken (Abschnitt 4), wobei unter anderem umrissen wird, in welchem Umfang das Phänomen in den Grammatiken behandelt wird und ob die gelieferten Regeln und Erklärungen adäquat erscheinen. Didaktische Vorschläge zur Behandlung des Themas im DaF-Unterricht (Abschnitt 5) runden das Bild ab.

Der Band beginnt mit einem einleitenden Beitrag von Dietmar Rösler, der der Frage nachgeht, welche Rolle die Grammatik im Fremdsprachenlernen spielt. Es wird umrissen, wie Grammatikvermittlung in der linguistischen und didaktischen Diskussion gesehen wird, wobei besonders der vorherrschende kommunikative Ansatz Berücksichtigung findet. Auch wird die Relevanz von Übungsgrammatiken als Unterrichtsmaterialien näher beleuchtet.

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Es folgen insgesamt 15 Fallstudien zu Themen, die Lernschwierigkeiten darstellen oder als wichtig für Fremdsprachenlernende eingestuft werden.2 Die einzelnen Beiträge sind alphabetisch nach dem jeweils behandelten Phänomen geordnet:

Adjektiv: Wortbildung (Lorenza Rega)

Attribut: Erweiterte Partizipialattribute (Daniela Puato)

Deixis: Textdeixis (Dorothee Heller)

Fragesätze (Giovanni Gobber)

Funktionsverbgefüge (Fabio Mollica)

Genus: Personenbezeichnungen (Marina Brambilla / Valentina Crestani)

Höflichkeit (Claus Ehrhardt)

Intonation (Manuela Caterina Moroni)

Konjunktiv II (Joachim Gerdes)

Modalverben (Tanja Mortelmans / Jarno Willems)

Nachfeld (Hélène Vinckel-Roisin)

Negation (Vincenzo Gannuscio)

Präpositionen I: Räumliche Präpositionen (Elena Bellavia)

Präpositionen II: Sekundäre Präpositionen (Claudio Di Meola)

Unpersönlichkeit (Antonie Hornung)

Lorenza Rega behandelt die Wortbildung des Adjektivs unter Berücksichtigung von Derivation, Komposition und Konversion. Das Augenmerk wird sowohl auf rezeptive wie auch auf kreative Wortbildungskompetenz gerichtet. Im Mittelpunkt der Betrachtungen steht die Semantik der einzelnen Glieder in ihrer Kontextabhängigkeit.

Daniela Puato analysiert erweiterte Partizipialattribute mit Partizip I, Partizip II und Gerundivum. Es wird auf die jeweilige temporal-modale Semantik der verschiedenen Formen eingegangen, auf die allgemeine Funktion der Informationskondensierung partizipialer Attribute sowie auf ihre Rolle bei der Textkonstitution.

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Dorothee Heller setzt sich mit Ausdrucksmitteln auseinander, die zur Leseorientierung im Textraum dienen und dessen Organisation explizit ansprechen. Dabei handelt es sich sowohl um deiktische Ausdrücke im engeren Sinne als auch um verschiedene Adverbien, Partizipien und nominale Gruppen.

Giovanni Gobber untersucht die syntaktischen Realisierungsformen von Fragesätzen − Fragehauptsätzen wie Entscheidungs- und Ergänzungsfragen und Fragenebensätzen − in systematischer Verbindung mit den realisierten Sprechakten, vor allem höfliche Bitte und Aufforderung, aber auch beispielsweise Angebot, Nachfrage und rhetorische Frage.

Fabio Mollica analysiert Funktionsverbgefüge mithilfe des Prototypenkonzepts, wobei die Semantik der Gesamtkonstruktion im Mittelpunkt steht (verschiedene Aktionsarten, Passivierungsfunktion). In die Überlegungen werden auch stilistisch-textuelle Aspekte einbezogen.

Marina Brambilla und Valentina Crestani befassen sich mit dem Genus bei Personenbezeichnungen. Neben dem generischen Maskulinum werden alternative Strategien beleuchtet, vor allem Feminisierungsstrategien wie die Binnenmaiuskel, Doppelbenennungsstrategien, Neutralisierungsstrategien und Inklusionsstrategien unter Verwendung diakritischer Zeichen.

Claus Ehrhardt geht von einem weiten Höflichkeitsbegriff aus, der von gegenseitigen Erwartungen des Sprechers und des Hörers gekennzeichnet ist in Hinsicht auf sprachlich angemessenes Verhalten im jeweiligen sozialen Kontext. Im Mittelpunkt steht das Planen von gesichtswahrenden Handlungen und das Antizipieren von wahrscheinlichen Hörerreaktionen.

Manuela Caterina Moroni hebt die Relevanz der Intonation im Sprachsystem hervor. Auf semantischer Ebene wird die Strukturierung der Informationen in Fokus und Hintergrund behandelt, auf pragmatischer Ebene die Explizierung von kommunikativen Aktivitäten und konversationellen Aufgaben.

Joachim Gerdes befasst sich mit den Funktionen der Irrealität und der Potenzialität des Konjunktiv II in verschiedenen grammatischen Konstruktionen wie beispielsweise irreale Konditional- und Konzessivgefüge. Unter Berücksichtigung der würde-Form und in Kontrast zum Indikativ werden auch stilistische Gebrauchsaspekte einbezogen.

Tanja Mortelmans und Jarno Willems stellen Modalverben in ihrer Polyfunktionalität dar: auf semantischer Ebene in deontischer und in epistemischer Verwendung, auf syntaktischer Ebene als Voll- und Hilfsverb. Auch wird der Gebrauch von Modalverben sowohl im Indikativ als auch im Konjunktiv näher beleuchtet.

Hélène Vinckel-Roisin untersucht satzwertige und nicht-satzwertige Konstituenten an der rechten Satzperipherie sowohl auf strukturell-syntaktischer als auch auf kommunikativ-pragmatischer Ebene, wobei vor allem ←12 | 13→Informationsentflechtung, textuelle Verknüpfung und hervorhebender Nachtrag-Effekt in Betracht gezogen werden.

Vincenzo Gannuscio setzt sich mit einer breiten Auswahl an sprachlichen Mitteln auseinander, die eine negative Modalisierung kodieren: nicht nur die Negationspartikel nicht und der Negativartikel kein, sondern auch Responsive wie nein oder doch, negative koordinative Konnektoren und Quantifikatoren, negative Wortbildungselemente sowie idiomatische Wendungen.

Elena Bellavia befasst sich mit hochgradig polysemen räumlichen Präpositionen. Unter Bezugnahme auf die kognitive Semantik werden die einzelnen Bedeutungsvarianten zueinander in Verbindung gesetzt, besonders periphere nicht-räumliche Präpositionen zu zentralen räumlichen.

Claudio Di Meola wendet sich den sekundären Präpositionen mit Kasus- und Stellungsalternationen zu, die syntaktisch wie semantisch motiviert erschienen. Die Schwankung zwischen den Kasus Dativ und Genitiv betrifft fast alle sekundären Präpositionen, die Alternation zwischen Prä- und Post-Stellung hingegen eine kleine Untergruppe.

Antonie Hornung untersucht unpersönliche Konstruktionen mit besonderem Fokus auf Konstruktionen mit es und man. Neben der Wertung der Übungsgrammatiken werden didaktische Vorschläge erarbeitet, die besonders auf italienischsprachige Lernende ausgerichtet sind.

Insgesamt zeigen diese Studien, dass die ideale Übungsgrammatik nicht existiert und es auch wenig sinnvoll erscheint, ein Ranking der sich auf dem Markt befindlichen Übungsgrammatiken zu erstellen. Je nach berücksichtigtem Phänomen erscheinen die einzelnen Übungsgrammatiken mehr oder weniger gelungen. Es ist zudem zu berücksichtigen, dass eine adäquate grammatische Beschreibung stets je nach Zielgruppe variieren sollte, und zwar nicht nur in Bezug auf Niveaustufe, sondern auch auf sonstige Faktoren wie beispielsweise Alter, Beruf und spezifische Lernziele.

Der vorliegende Band versteht sich als theorie- und praxisorientiert. In erster Linie soll ein Beitrag zur Diskussion über die Rolle von Grammatik im DaF-Unterricht geleistet werden. Darüber hinaus richtet sich der Band an Lehrende und Lernende, die an einem bewussten Umgang mit Grammatik interessiert sind, und enthält Anregungen zu einem wissenschaftlich fundierten, kommunikativ adäquaten und auch interessanten Grammatikunterricht.

Rom, im September 2020

Claudio Di Meola

Biographische Angaben

Claudio Di Meola (Band-Herausgeber:in) Daniela Puato (Band-Herausgeber:in)

Claudio Di Meola ist Professor für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Rom Sapienza. Seine Forschungsgebiete sind Morphosyntax, Semantik und Kognitive Linguistik. Daniela Puato ist Professorin für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Rom Sapienza. Ihre Forschungsgebiete umfassen DaF-Grammatik, Fachsprachen und Kontrastive Linguistik.

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Titel: Semantische und pragmatische Aspekte der Grammatik