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Die Sprache der Manipulation

von Irina Held (Autor:in)
Dissertation 292 Seiten

Zusammenfassung

Die Autorin analysiert die moderne italienische Sprache, um die wirksamsten manipulativen sprachlichen Strategien aufzuzeigen. Sie erfasst sowohl theoretische Grundlagen, wie z.B. was Manipulation ist oder wie man mit einem einzigen Wort manipulieren kann, als auch Sprachwandeltheorien und die bekanntesten mani-pulativen Techniken, die bereits in der Sprache etabliert sind. Sie überprüft, ob es Parallelen zur deutschen und zu anderen Sprachen gibt, welche der manipulativen Mittel am erfolgreichsten sind und wie diese einzusetzen sind, um eine Person wirksam zu manipulieren. Der praktische Ansatz ermöglicht, einzelne sprachliche Mittel zu analysieren und miteinander zu vergleichen, sodass diese selbstständig oder in Kombination verwendet werden können.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • 1. Einführung
  • 1.1 Ziele der Arbeit
  • 1.2 Korpus
  • 1.3 Grundlegende Fragen der Forschung
  • 1.4 Methoden der Analyse
  • 1.4.1 Syntaktische Analyse
  • 1.4.2 Semantische Analyse
  • 1.4.3 Pragmatische Analyse
  • 1.4.4 Ausgewählte Forschungsmethoden
  • 1.5 Zusammenfassung
  • 2. Zum Begriff der Manipulation
  • 2.1 Etymologie
  • 2.1.1 Deutschsprachige Definition
  • 2.1.2 Italienischsprachige Definition
  • 2.2 Bedeutungswandel
  • 2.3 Zusammenfassung
  • 3. Forschungen zur Manipulation
  • 3.1 Der Mechanismus der Manipulation: manipulative Techniken
  • 3.1.1 Die Bitten
  • 3.1.1.1 Die Technik „Fuß-in-die-Tür“
  • 3.1.1.2 Die Technik „Tür-vor-den-Kopf-Schlagen“
  • 3.1.1.3 Die Technik „Anködern“
  • 3.1.2 Die Faustregeln
  • 3.1.2.1 Das „shortcuts-Prinzip“
  • 3.1.2.2 Das Kontrastprinzip
  • 3.1.2.3 Assoziationen
  • 3.1.2.4 Die „Imbisstechnik“
  • 3.1.2.5 „Wir“ gegen „sie“
  • 3.1.2.6 Das Knappheitsprinzip
  • 3.2 Das kommunikative Modell
  • 3.3 Studien zur Manipulation in der Sprachwissenschaft
  • 3.4 Zusammenfassung
  • 4. Manipulation und Rhetorik
  • 4.1 Gemeinsamkeiten
  • 4.2 Unterschiede
  • 4.3 Zusammenfassung
  • 5. Manipulationsmittel: Präsuppositionen und Implikaturen
  • 5.1 Lexikalische Präsuppositionen
  • 5.1.1 Verben
  • 5.1.1.1 Faktive Verben
  • 5.1.1.2 Phasenverben
  • 5.1.1.3 Verben des Urteils
  • 5.1.2 Adverbien
  • 5.1.3 Adjektive
  • 5.1.4 Skopusoperatoren
  • 5.1.5 Artikel
  • 5.1.5.1 Definiter Artikel
  • 5.1.5.2 Indefiniter Artikel
  • 5.2 Syntaktische Präsuppositionen
  • 5.2.1 Zweiteilige Argumentationskette
  • 5.2.2 Negation
  • 5.2.3 Negation mit non più
  • 5.2.4 Spaltsatz
  • 5.3 Pragmatische Präsuppositionen
  • 5.4 Zwischenfazit
  • 5.5 Manipulation und Implikatur
  • 5.6 Konversationale Implikaturen
  • 5.7 Modificateurs réalisants und déréalisants
  • 5.8 Konventionale Implikaturen
  • 5.8.1 Konditionalsatz als konventionaler Implikaturmechanismus
  • 5.8.2 Entgegenstellung als konventionaler Implikaturauslöser
  • 5.9 Zusammenfassung
  • 6. Fazit und Ausblick
  • Abbildungsverzeichnis
  • Tabellenverzeichnis
  • Beispielverzeichnis
  • Lexikalische Präsuppositionen
  • Syntaktische Präsuppositionen
  • Pragmatische Präsuppositionen
  • Konversationale Implikaturen
  • Konventionale Implikaturen
  • Entgegenstellung
  • Literaturverzeichnis
  • Korpusmaterialien

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1. Einführung

„Was führt dazu, dass eine Person das tut, was eine andere möchte? Und welche sind die Techniken, die diese Faktoren am effektivsten einsetzen, um jemanden willfährig (compliant) zu machen?“1

Auf diese Frage geht Cialdini in seiner Studie Psychologie des Überzeugens (1997) ein, in der er versucht, die Manipulierbarkeit eines Menschen zu erforschen. Dass Menschen manipulierbar sind, wurde bereits durch zahlreiche sprachwissenschaftliche sowie psychologische Studien nachgewiesen. Es bleibt allerdings die Frage offen, wie sie am besten zu manipulieren sind.

Das vorliegende Forschungsvorhaben widmet sich dementsprechend dem Thema Manipulation. Der Fokus der Betrachtung liegt auf manipulativen sprachlichen Mitteln, welcher sich die italienische geschriebene Gegenwartssprache bedient. Hierbei ist zu präzisieren, was unter Manipulation verstanden wird. Die Manipulation ist eine bedeutende Komponente unserer alltäglichen Lebenswelt mit einer langen Geschichte. Bei Betrachtung der repräsentativsten Wörterbücher der modernen Sprache finden sich zum Teil sich voneinander fundamental unterscheidende Definitionen dieses Terminus, wie in Kap. 2 ausführlich erörtert wird. Um einen umfangreicheren Überblick in die linguistische Manipulationsforschung zu ermöglichen, werden nicht nur die italienischen, sondern auch die deutschen Lexikografen in Betracht gezogen und der Begriff manipolazione/Manipulation wird in beiden Sprachräumen untersucht. Durch diese kontrastive Darstellung werden erhebliche Unterschiede zwischen beiden Sprachen veranschaulicht, was zu einer detaillierten und präzisen Konzipierung der Manipulation im italienischen Sprachraum beitragen wird. Im deutschsprachigen Raum wird Manipulation beispielsweise als eine eindeutig negative Handlung konzipiert, wohingegen im Italienischen die neutrale Bedeutung prävaliert. Zuerst wird der deutschsprachige Raum vorgestellt, da die vorliegende Studie in dieser Sprache verfasst ist, und dann der italienische, der die Untersuchungen des Begriffs abschließt.

In der vorliegenden Studie wird Manipulation als eine Handlung betrachtet und mithilfe eines theoretischen Instrumentariums analysiert, das ermöglicht, ←11 | 12→diese Dimension der Manipulation hervorzuheben. Ein solches Instrumentarium bietet die Theorie der Framesemantik. Hierbei muss klargestellt werden, dass eine manipulative Handlung in dieser Forschung weder negativ noch positiv bewertet wird: Sie wird ausschließlich als eine kommunikative Strategie betrachtet, die ein Manipulator benutzt, um den Manipulierten zu einer bestimmten Handlung zu führen. Der Begriff Strategie wird in der Sprachwissenschaft oft in Bezug auf Sprachgebrauch oder Handlungstheorie benutzt, dabei weichen verschiedene Definitionen dieses Begriffs teilweise jedoch weit auseinander. Für die vorliegende Abhandlung wird folgende Definition angenommen:

„Kommunikationsstrategie sind kognitive und/oder interaktive Verfahren, die situativ in der Kommunikation eingesetzt oder neu entwickelt werden, um ein bestimmtes kommunikatives Ziel zu erreichen.“2

So wird Manipulation als ein Verfahren zum Erreichen eines kommunikativen Ziels betrachten. Es muss ebenfalls darauf hingewiesen werden, dass sich diese Studie auf die geschriebene Sprache konzentriert und Beispiele aus Presseartikeln aus dem Zeitraum 2010–2017 und ausgewählten literarischen Texten untersucht.

Im nächsten Unterkapitel werden Ziele der Forschung dargestellt sowie die Schritte präzisiert, die zur Erreichung der gesetzten Ziele dienen werden.

1.1 Ziele der Arbeit

Der erste wichtige Schritt der vorliegenden Abhandlung ist es, Manipulation als Begriff zu definieren, sie aus einer neutralen Sicht zu erforschen und ihre Mechanismen zu verstehen. Der erste Teil beinhaltet somit die Erläuterung der Definition und der Etymologie des Begriffs Manipulation durch das Prisma der Framesemantik im deutschen und italienischen Sprachraum, die Analyse der Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Sichtweisen sowie die Erarbeitung einer Definition, die später in der gesamten Studie anzuwenden ist.

Im nächsten Schritt werden der Stand der modernen Manipulationsforschung und die gängigsten manipulativen Mittel vorgestellt, die bereits von renommierten Sprachwissenschaftlern erforscht wurden. Dabei wird auf die sprachlichen Mechanismen eingegangen, welche schon in mehreren Sprachen als manipulativ beurteilt wurden und deren manipulative Wirkung aufgrund ←12 | 13→des erhöhten Benutzungsgrades allmählich nachlässt. Eines der Ziele der Forschung ist indes, die sprachlichen Mittel zu entdecken, die noch nicht allgemein als manipulativ bekannt sind, jedoch eine manipulative Wirkung besitzen.

Anschließend findet eine empirische korpusbasierte Untersuchung statt; unter anderem werden sprachliche Elemente untersucht, welche eine Präsupposition oder eine Implikatur enthalten; es wird bewiesen, dass eine Präsupposition oder eine Implikatur eine Manipulation auslösen kann und somit zu den manipulativen Mitteln gehört. Der vorliegende Beitrag widmet sich daher primär der Analyse der Manipulation auf der lexikalischen und syntaktischen Ebene; es werden Präsuppositionen und Implikaturen untersucht, um zu veranschaulichen, dass sie zur Manipulation führen. Das Ziel der Arbeit ist, zu beweisen, dass Manipulation nicht ausschließlich negativ zu bewerten ist, weil sie mit Präsuppositionen und neutralen sprachlichen Strukturen (also bestimmten Arten der Verknüpfung vieler sprachlicher Elemente aneinander), verbunden ist und somit lediglich eine der vielen kommunikativen Strategien ist, die weder positiv noch negativ sein kann.

Die Forschung setzt drei Schwerpunkte:

1.Analyse der Definition einer manipulativen Handlung mithilfe von Framesemantik im deutschen und italienischen Sprachraum.

2.Gewinn von Erkenntnissen über die bereits nachgewiesene manipulative Rolle bestimmter lexikalischer und syntaktischer Strukturen; Erarbeitung von lexikalischen und syntaktischen Modellen, die ihre manipulative Funktion in der bisherigen Forschung nachgewiesen haben.

3.Untersuchung der Korpusbeispiele auf ihre Manipulativität anhand der vorhandenen Modelle.

Auf diese Weise soll festgestellt werden, ob bestimmte Strukturen eine Äußerung unabhängig von der Bedeutung der anderen beinhalteten Wörter manipulativ machen können. Zu diesem Zweck soll nach der Wiedergabe des Standes der Manipulationsforschung im Bereich der Sprachwissenschaft eine genaue Analyse der Korpusbeispiele durchgeführt werden. Ferner sollen Kategorien der manipulativen Modelle entwickelt werden, welche die gefundenen Strukturen einschließen und nach ihren Merkmalen sortieren würden. Es sollen somit anhand einer repräsentativen Auswahl der Beispiele möglichst viele unterschiedliche manipulative Strukturen veranschaulicht werden, welche unabhängig von dem Kontext und der Quelle manipulativ sind; die gefundenen Strukturen werden kategorisiert und abschließend nach ihrer Frequenz bewertet.←13 | 14→

1.2 Korpus

Zunächst soll angemerkt werden, dass das Aussuchen des Korpus einer der anspruchsvollsten Teile jeder sprachwissenschaftlichen Forschung ist: Ein Korpus soll einerseits ausreichend repräsentativ sein, damit möglichst viele manipulative Wortarten und Strukturen an Beispielen illustriert werden können, anderseits soll er einen deutlichen Zeitrahmen haben, um der Forschung eine Vollständigkeit und Abgeschlossenheit zu verleihen.

Mit diesen Kriterien wären jedoch nicht alle Voraussetzungen erfüllt: Im Rahmen einer vollständigen Manipulationsforschung muss überprüft werden, ob nicht nur politische, sondern auch Texte anderer Art den Empfänger manipulieren können. Wie es dem heutigen Forschungsstand zu entnehmen ist, konzentrieren sich die meisten Forscher der Manipulation stark auf politische Texte (Interviews, Zeitungsartikel, Presseberichte, Reden usw.). Sehr selten werden diese Grenzen erweitert, indem Beispiele aus nichtpolitischen Artikeln oder sogar aus literarischen Werken analysiert werden. Die vorliegende Abhandlung hat jedoch zum Ziel, herauszufinden, ob eine Manipulation unabhängig von der Textsorte vorkommen kann, ob Autoren der nichtpolitischen Texte ihre Leser genauso manipulieren und ob die Strukturen, die in den politischen Texten manipulativ sein können, diese Rolle auch in den nichtpolitischen Texten spielen können.

Aus diesem Grund muss dementsprechend zuerst das „politische“ Korpus erforscht werden; zu diesem Zweck wurden Artikel aus den italienischen Printmedien herangezogen. Als Kriterium für die Zusammenstellung des Korpus galt der Ruf und die Verbreitung der Zeitungen: Nach Angaben von ADS (Accertamenti Diffusione Stampa) aus dem Jahr 20143 gehören folgende Zeitungen zu den meistverkauften in Italien:

1.La Repubblica

2.Corriere della Sera

3.Il Sole 24 Ore

4.La Stampa

Daher werden die Onlineausgaben dieser Zeitungen als Korpus benutzt. Um die Homogenität des Korpus zu garantieren, wird eine zeitliche Abgrenzung vorgenommen. Als solche Grenze werden die Jahre 2010 bis 2017 vorgeschlagen, da diese Periode der Gegenwart am nächsten liegt und somit den neusten Stand der Entwicklung der italienischen Sprache darstellt.←14 | 15→

Da diese Forschung für ein möglichst breites Publikum relevant sein sollte, müssen Artikel zu den Themen ausgewählt werden, die für die Gesellschaft das größte – unter Umständen sogar ein historisches – Interesse aufweisen. Diesem Kriterium entsprechend sollen keine Themen herangezogen werden, die nur in einem beschränkten Zeitraum als aktuell und interessant gelten können. Besser dazu geeignet, auf Dauer in der Forschung Aufmerksamkeit zu erfahren, sind deswegen nicht einzelnen Themen, Ereignisse und Situationen, sondern ganze Konzepte, also aus der menschlichen Wahrnehmung abstrahierte Vorstellungen, wie Macht, Gerechtigkeit, Freiheit, Schönheit usw. Die Aktualität der Forschung und das Interesse, das diese Forschung beim Leser wecken soll, basiert darauf, dass auch die Themen, die in der Forschung behandelt werden, auf Dauer aktuell und interessant bleiben. So war dementsprechend das Thema Krise oder Finanzkrise für die Zeit, in der sich die Forschung im Anfangsstadium befand, zwar aktuell, es wurde jedoch berechtigterweise befürchtet, dass nach dem Abschluss der Untersuchungen andere Themen im Vordergrund stehen werden, sodass die Studie an Aktualität verliert.

Die Wahl fällt daher darauf, die Verbalisierung des Konzeptes Gerechtigkeit/giustizia zu untersuchen, da die Suche nach Gerechtigkeit ein langer, immerwährender Prozess in der Geschichte der Menschheit ist. Die Rolle der Manipulation bei der Suche nach Gerechtigkeit und Wahrheit ist unbestreitbar, da häufig die Mehrheit der Gesellschaft entscheidet, was gerecht und ungerecht ist; „die Mehrheitsmeinung ist überdies in Gefahr, interessenbedingten Manipulationen zu unterliegen“4. Da im Italienischen unter dem Begriff giustizia nicht nur die Gerechtigkeit, sondern auch Justiz und Rechtsprechung verstanden werden, muss in den entsprechenden Pressequellen nicht nur nach dem Wort giustizia, sondern auch nach ingiustizia, giusto/giusta und den Ableitungen bzw. Antonymen wie ingiustizia, ingiusto gesucht werden. Auf diese Weise wird die Suche verfeinert und in die Endauswahl gelangen nur die Artikel, die tatsächlich dem Thema Gerechtigkeit gewidmet sind oder die oben erwähnten Wörter beinhalten.

Das „nichtpublizistische“ Korpus dieser Arbeit besteht aus modernen italienischen literarischen Werken, damit die Hypothese überprüft werden kann, ob die gefundenen manipulativen Mittel wirklich kontextunabhängig, also auch in den von Massenmedien entfernten Textsorten, ihre manipulative Wirkung behalten, wobei die Auswahl hier offensichtlich auf bestimmte Textsorten ←15 | 16→begrenzt werden musste, um die Homogenität zu garantieren. Es wurde jedoch vorab festgelegt, dass sich auch die literarischen Quellen mit dem Thema der Gerechtigkeit befassen müssen, sodass das ganze Korpus einheitlich gebildet ist.

An dieser Stelle ist die Frage zu beantworten, welche Textsorten und Büchergenres sich am häufigsten mit Gerechtigkeit befassen. Mit großer Sicherheit kann behauptet werden, dass über Gerechtigkeit in den meisten Fällen im Zusammenhang mit einem Verbrechen, d.h. einer Ungerechtigkeit, gesprochen wird; dies führt unumgänglich zum Genre des Kriminalromans: Kriminalgeschichten behandeln ausdrücklich das Thema des Verbrechens und der Suche nach der Gerechtigkeit. In der europäischen Literatur mangelt es nicht an Beispielen bekannter Kriminalgeschichten, so stellt auch die italienische Literatur keine Ausnahme dar, da es hier ausreichend Romane gibt, die direkt dem Thema eines oder mehrerer Verbrechen gewidmet worden sind. Für die vorliegende Forschung werden Il giorno della civetta und Contesto von Leonardo Sciascia (1961 und 1971), La testa perduta di Damasceno Monteiro und Sostiene Pereira von Antonio Tabucchi (1997 und 1994) und Il sogno di volare von Carlo Lucarelli (2013) ausgewählt, wobei ein größerer Zeitraum als bei den journalistischen Texten betrachtet wird, um zu überprüfen, ob die manipulativen Mittel der Gegenwartssprache ihre Wirkung bereits früher erworben haben: In diesen Werken geht es um ein Verbrechen und um mindestens eine Person, die ausdrücklich Gerechtigkeit schaffen will, wodurch das Kriterium zur Auswahl des Korpus erfüllt wird. Um den Suchvorgang in dem Korpus deutlicher und einfacher zu gestalten, wird auf die Biblioteca Italiana Zanichelli5 zugegriffen, die einen Überblick über literarische Texte Italiens in einem großen Zeitraum ermöglicht.

1.3 Grundlegende Fragen der Forschung

In diesem Abschnitt wird darauf abgezielt, die Grundfragen der Forschung zu formulieren, wozu der Stand der Forschung Revue passiert werden soll.

Von manchen Forschern wie beispielsweise von Mackensen (1973) wird die Auffassung vertreten, dass jeder Sprechakt, jeder Kommunikationsakt als ein Akt der Manipulation wahrgenommen werden kann. Ein Kind wird von den Eltern erzogen, indem es manipuliert und durch Manipulation zum korrekten Benehmen gebracht wird. Eine Bitte kann im bestimmten Sinne ebenfalls als ←16 | 17→Manipulation angesehen werden, da sie den Manipulierten schließlich dahin bringt, wo der Manipulator ihn gerne hätte. Bevor die Analyse der Korpusbeispiele begonnen werden kann, muss dementsprechend ein endgültiger Begriff der Manipulation erarbeitet werden, sodass unter Manipulation immer nur ein und dasselbe Konzept verstanden wird.

Biographische Angaben

Irina Held (Autor:in)

Irina Held studierte Sprachwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wo auch ihre Promotion erfolgte. Sie arbeitete als Journalistin und Sprachlehrerin in Russland, Deutschland, Peru und der Schweiz.

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Titel: Die Sprache der Manipulation