Ernst-Diskurse. Literarische Ironie-Kritik am Ausgang von Romantik und Postmoderne
Zusammenfassung
Leseprobe
Inhaltsverzeichnis
- Umschlag
- Titelseite
- Impressum
- Widmung
- Inhaltsverzeichnis
- Einleitung (Olaf Koch, Maike Schmidt)
- Literarische Ironie-Kritik am Ausgang der Romantik
- Ironie in Ludwig Tiecks Waldeinsamkeit? (Lars Korten)
- I
- II
- III
- IV
- Ironie und Nicht-Ironie in Heines letztem Gedicht (Jochen Golz)
- Ernst- und Ironie-Diskurse in der Literatur um 1900
- Ironie als Selbstreflexion in der Prosa von Rainer Maria Rilke (Moira Paleari)
- I. Einleitung
- II. Der Rath Horn: Zusammenspiel von überquellendem Pathos und strenger Erzählstruktur
- III. Überbordende Rhetorik: Der Apostel
- IV. Das ‚Florenzer Tagebuch‘: potenzierte Darstellungsweise von Selbstschöpfung
- V. Kampf gegen die Unsagbarkeit: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge
- VI. Ausblick: Ironie als Werkzeug der Selbstreflexivität
- Rudolf Borchardt: Die Ironie des Anti-Ironikers (Peter Sprengel)
- Der triviale Ernst. Zu den Strategien unterhaltend-populären Erzählens am Beispiel der deutschen Literatur über das Jahr 1918 in Posen (Maria Wojtczak)
- I
- II
- III
- Friede H. Kraze: Land im Schatten
- Johannes Staemmler: Lebenserinnerungen eines Posener Pastors (1860–1930)
- Max Kollenscher: Jüdisches aus der deutsch-polnischen Übergangszeit. Posen 1918–1920
- Michael Biebrach: Piroggen und Pistolen
- IV
- Literarische Ernst-Diskurse um 2000
- Die deutschsprachige Gegenwartsliteratur zwischen Formexperiment und Zeitbezug (Uwe Japp)
- I
- II
- III
- IV
- V
- VI
- VII
- VIII
- IX
- X
- XI
- XII
- XIII
- XIV
- XV
- XVI
- XVII
- XVIII
- Aussatz der Seele. Narrative und dogmatische Verschiebungen in Patrick Roths „Christusnovelle“ Riverside (Sabine Doering)
- „Spätestens vom fünfundsechzigsten Lebensjahr an befindet man sich im Widerstand“. Ironischer Ernst oder ernsthafte Ironie bei Gerhard Köpf (Edgar Platen)
- Narrative Ethik als Erinnerungsarbeit. Verbal- und Bildsprache in W. G. Sebalds Austerlitz (Jakob Lothe)
- Überleben unter Tage. Signale aus Kurt Drawerts Roman Ich hielt meinen Schatten für einen anderen und grüßte (Klaus Manger)
- Ironische Schreibweisen am Ausgang der Postmoderne
- „Er startet mit einer Auflage von zweihundertzwanzigtausend Stück“. Zur Ironie ‚gelesener‘ Bücher in der Gegenwartsliteratur (Steffen Martus)
- I. Programmatische und pragmatische Erweiterungen des Literaturbegriffs
- II. Gegenwartsliteratur?
- III. Die Ironie von Sebastian Fitzeks Therapie
- ‚Meta-Ironie‘ in der deutschen Literatur nach der Wende (Marina Potyomina)
- Poetologische Reflexionen in Saša Stanišićs Mo klaut ein surrealistisches Gemälde […] (Maike Schmidt)
- I. Einleitung
- II. Inszeniertes Erzählen – inszenierte Biografien
- III. Relevantes Erzählen
- IV. Fazit
- Das ‚Wuchern‘ der Diegese in Juli Zehs Roman Unterleuten. Ein transmediales Erzählmodell (Olaf Koch)
- I. „Was ist schon ‚relevant‘?“
- II. „Wer spricht hier?“
- III. Unterleuten als transmediales Erzählmodell
- IV. Handlungsanleitung für einen Abstrakten Realismus
- Autorenverzeichnis
Ernst-Diskurse.
Literarische Ironie-Kritik
am Ausgang von Romantik
und Postmoderne
Berlin . Bruxelles . Chennai . Lausanne . New York . Oxford
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Umschlagabbildung: Friedrich Overbeck:
Porträt des Malers Franz Pforr
(ca. 1810), bearbeitet durch Olaf Koch
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) – Projektnummer 389877231.
Publiziert mit Unterstützung des Instituts für Deutsche und Niederländische Philologie der FU Berlin und des Instituts für Neuere Deutsche Literatur und Medien der CAU zu Kiel.
ISSN 1868-954X
ISBN 978-3-631-81780-3 (Print)
ISBN 978-3-631-92355-9 (E-PDF)
ISBN 978-3-631-92356-6 (E-PUB)
DOI 10.3726/b22696
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Diese Publikation wurde begutachtet.
IN MEMORIAM
HEIDE HOLLMER
1959–2022
Inhaltsverzeichnis
Olaf Koch (Kiel), Maike Schmidt (Kiel)
Literarische Ironie-Kritik am Ausgang der Romantik
Ironie in Ludwig Tiecks Waldeinsamkeit?
Ironie und Nicht-Ironie in Heines letztem Gedicht
Ernst- und Ironie-Diskurse in der Literatur um 1900
Ironie als Selbstreflexion in der Prosa von Rainer Maria Rilke
Rudolf Borchardt: Die Ironie des Anti-Ironikers
Literarische Ernst-Diskurse um 2000
Die deutschsprachige Gegenwartsliteratur zwischen Formexperiment und Zeitbezug
Narrative Ethik als Erinnerungsarbeit. Verbal- und Bildsprache in W. G. Sebalds Austerlitz
Ironische Schreibweisen am Ausgang der Postmoderne
Marina Potyomina (Kaliningrad)
‚Meta-Ironie‘ in der deutschen Literatur nach der Wende
Poetologische Reflexionen in Saša Stanišićs Mo klaut ein surrealistisches Gemälde […]
Das ‚Wuchern‘ der Diegese in Juli Zehs Roman Unterleuten. Ein transmediales Erzählmodell
Einleitung
Im allgemeinen ist das wohl die gründlichste Ironie der Ironie, daß man sie doch eben auch überdrüssig wird, wenn sie uns überall und immer wieder geboten wird.
Friedrich Schlegel
Der vorliegende Sammelband geht auf eine internationale Fachkonferenz zurück, die unter dem Titel Ernst-Diskurse. Literarische Ironie-Kritik am Ausgang von Romantik und Postmoderne am 30. September und 1. Oktober 2017 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel anlässlich der Pensionierung von Prof. Dr. Albert Meier stattgefunden hat. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Tagung sowie deren Darstellung sind im Kontext der fachlichen Diskussionen dieser Zeit zu betrachten.
Ihren Ausgangspunkt findet die Themenstellung in der Beobachtung, dass die Poesie der Postmoderne gleich der romantischen Dichtung im Modus der Ironie geschieht und analog zum ‚Ende‘ der Romantik während der späten 1990er Jahre einen „Ernstdiskurs“1 hervorgerufen hat, der wie im Falle der Romantik dem philosophisch/literarischen ‚Realismus‘ Platz verschafft.2 Die namentlich nach 2010 auch außerhalb des deutschen Sprachraums in Philosophie und Literaturwissenschaft geführten Debatten um einen ‚Neuen Realismus‘ bzw. über die Rückkehr von ‚Wirklichkeitsrelevanz‘ der Poesie haben die Frage aufgeworfen, inwiefern Veränderungen bzw. Entwicklungen in der Gegenwartsliteratur wahrzunehmen sind, die sich mit den Kategorien der Postmoderne bzw. des Poststrukturalismus nicht mehr zureichend erfassen lassen. Im Folgenden sollen diese Debatten, die den Referenzpunkt des vorliegenden Sammelbandes darstellen, kurz skizziert werden:
Für die Philosophie spricht Maurizio Ferraris 2012 in seinem Manifesto del nuovo realismo vom Gespenst des ‚Realismus‘, das in Europa erneut umgehe.3 In der Tat häufen sich aktuell die Anzeichen, dass das „Pendel des Denkens, das im 20. Jahrhundert Richtung Antirealismus und dessen verschiedene Formen (Hermeneutik, Postmodernismus, sprachliche Wende etc.) schwang,“ sich etwa seit der Jahrtausendwende wieder in „Richtung Realismus bewegt“.4 In dieser Fluchtlinie haben zuvor schon die beiden US-amerikanischen Philosophen Thomas Nagel5 und Paul Boghossian6 sowie der französische Philosoph Quentin Meillassoux7 argumentiert. – Eine Art vorläufige Summa bietet Markus Gabriel:
Es gibt also letztlich gar keine allgemeine, metaphysische oder erkenntnistheoretische Alternative zwischen ‚Wirklichkeit oder Konstruktion‘, da einiges Wirkliches konstruiert und anderes Wirkliches nicht-konstruiert ist.8
Gemeinsam ist diesen Positionen die Absicht, den als strikten ‚Relativismus‘ verstandenen Poststrukturalismus mit seiner „Entwertung von Wirklichkeitserfahrung überhaupt“9 zu verabschieden. Dessen Leitthese, es gebe nur sozial/kulturell ‚konstruierte‘ Zusammenhänge, deren Verständnis ihre Dekonstruktion voraussetze, wird die Annahme ‚absoluter‘ Fakten entgegengehalten,10 und in der Tat sieht es so aus, als ob die „Ablehnung einer denk- und sprachunabhängigen Wirklichkeit“, in der sich „Nietzsche und Foucault, Luhmann und Derrida“ einig waren, als ‚intellektueller Gemeinplatz‘ mittlerweile „falsch und gefährlich“11 geworden sei.
Marcus Willaschek zufolge
spricht deshalb alles dafür, zu jener naiven Auffassung zurückzukehren, die sich die schlichteren Gemüter unter uns ohnehin bewahrt haben: nämlich die uns umgebende Realität als etwas objektiv Gegebenes, von Denken und Sprache weitestgehend Unabhängiges zu verstehen.12
Dieses philosophische Bedürfnis, sich wieder auf ‚harte‘, weil vernünftig-allgemeingültig begründete Wahrheiten zu stützen, ohne den ‚Metaphysik‘-Vorwurf13 weiterhin scheuen zu müssen, kommt ohne die Dialektik aus, in der Friedrich Nietzsche seinerzeit die Objektivismus/Subjektivismus-Problematik reflektiert hat.14 Eine Notiz von Botho Strauß hat diese Stoßrichtung früh in ihrer Aporie erfasst:
Wie gewissenhaft und prunkend gedacht wurde, noch zu meiner Zeit! es ist, als seien seither mehrere Generationen vergangen. | (Ohne Dialektik denken wir auf Anhieb dümmer; aber es muß sein: ohne sie!)15
Primärer Gegner ist die ‚Ironie‘, weil sie gemeinsam mit Desublimierung und Entgegenständlichung das Kraftzentrum postmodernen Denkens bildet16 und sich in ihrer Offenheit für Kontingenz leicht unter Nihilismus-Verdacht stellen lässt.17 Ist der ‚linguistic turn‘ an seinem Ende angelangt, wie Ferraris meint,18 dann kann Jacques Derridas poststrukturalistische Kernformel „Il n’y a pas de hors-texte“19 ad acta gelegt werden:
Details
- Seiten
- 258
- Erscheinungsjahr
- 2025
- ISBN (PDF)
- 9783631923559
- ISBN (ePUB)
- 9783631923566
- ISBN (Hardcover)
- 9783631817803
- DOI
- 10.3726/b22696
- Sprache
- Deutsch
- Erscheinungsdatum
- 2026 (Januar)
- Schlagworte
- Epochenwandel Neuer Realismus Ernst-Diskurse Ernst Ironie-Kritik Literatur um 1900 Ironie Literatur der Romantik Literatur nach 2000 Gegenwartsliteratur
- Erschienen
- Berlin, Bruxelles, Chennai, Lausanne, New York, Oxford, 2025. 258 S., 2 s/w Abb.
- Produktsicherheit
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