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Die Stiftung

Jahreshefte zum Stiftungswesen 17. Jahrgang 2023

by Katharina Uffmann (Volume editor) Matthias Gantenbrink (Volume editor) Axel Janitzki (Volume editor) Karlheinz Muscheler (Volume editor) Markus Schewe (Volume editor) Sebastian Trappe (Volume editor) Katharina Uffmann (Volume editor) Sebastian Unger (Volume editor)
©2024 Edited Collection 86 Pages
Series: Die Stiftung, Volume 16

Summary

Der Verein „Fundare e.V., Gemeinnütziger Verein zur Förderung des Stiftungswesens“ hat sich zum Ziel gesetzt, zu einer aufblühenden Stiftungskultur in Deutschland beizutragen. Dazu sollen insbesondere die wissenschaftlichen und praktischen Grundlagen des Stiftens erforscht werden. Der Erfüllung dieser Aufgabe dient die Zeitschrift Die Stiftung – Jahreshefte zum Stiftungswesen. Sie beinhaltet in ihrer neuesten Ausgabe die Vorträge, die auf dem 15. Stiftungsrechtstag unter dem Globalthema „Stiftung und Verantwortung“ sowie auf dem 16. Stiftungsrechtstag unter dem Globalthema „Stiftungsrecht – neue Chancen und Risiken“, jeweils veranstaltet von Fundare e.V., gehalten wurden. Darüber hinaus haben noch weitere Beiträge Aufnahme gefunden. Es werden nicht nur eingehend zivilrechtliche, sondern auch verwaltungs- und steuerrechtliche Problematiken des Stiftungsrechts beleuchtet, wobei die aktuellen Themen im Stiftungs- und Stiftungssteuerrecht nicht vernachlässigt werden.

Table Of Contents

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Editorial
  • Inhalt
  • Konjunkturen, Kritik und Krisen – Stiftungen in der Geschichte
  • (Unternehmens-)Stiftungen krisensicher gestalten aus zivilrechtlicher Sicht
  • (Unternehmens-)Stiftungen krisensicher gestalten aus steuerrechtlicher Sicht
  • Aktuelle Probleme aus Sicht der Stiftungsaufsicht
  • Aktuelle Rechtsprechung im Stiftungsrecht

Michael Borgolte*

Konjunkturen, Kritik und Krisen – Stiftungen in der Geschichte

I. Vortrag vom 24.02.2023

II. Abstract

I. Vortrag vom 24.02.2023

Meine Damen und Herren,

Sie haben Ihren Stiftungsrechtstag 2023 unter die Überschrift „Stiftung und Krise“ gestellt. Als mich Professor Andrick im Mai letzten Jahres einlud, hier den Eröffnungsvortrag zu halten, wofür ich ihm und den Veranstalter*innen Frau Professorin Uffmann und Herrn Professor Unger, herzlich danke, habe ich zuerst irritiert zurückgefragt. Was sollte mit „Stiftung und Krise“ gemeint sein? Kollege Andrick, aus dessen Antwort ich sicher zitieren darf, gab eine doppelte Auskunft: Am ehesten käme ihm als Thema, wie er schrieb, „die Stiftung in Krisenzeiten“ entgegen, vielleicht sogar „der stabilisierende Charakter“ der Stiftung „in Krisenzeiten“; man wolle jedenfalls „nicht verengt die Krise der Stiftung in den Blick“ nehmen, obschon es Beispiele dafür gebe, dass Stiftungen in der Gegenwart in die Krise geraten könnten.1 Und in Ihrem Programm für heute lese ich, dass es unter anderem darum gehen solle, wie „(Unternehmens-) Stiftungen krisensicher“ zu gestalten wären, sei es aus zivilrechtlicher, sei es aus steuerrechtlicher Sicht.2 Es liegen also mehrere Deutungsangebote für das Thema Ihrer Tagung vor, zu denen ich eingangs Stellung nehmen muss; ich tue dies, wie Sie wissen, als Historiker, der, weiter einschränkend, Spezialist für die älteren, vormodernen Zeiten, aber kein Neu- oder gar Zeithistoriker ist.

„Krísis“, der antike griechische Begriff, meint im medizinischen Sinn eine Entscheidungssituation zwischen Leben und Tod, sonst auch zwischen Recht und Unrecht, Heil und Verdammnis. In der Geschichte dient er zur Bezeichnung von erwarteten oder erfahrenen Umbrüchen, die negativ oder positiv bewertet werden. Mit seinen Wurzeln in der Antike zählt „Krise“ seit der Moderne, etwa seit 1780, zu den historischen Grundbegriffen und drückt eine allgemeine Zeiterfahrung aus. Der Begriff gehört „zur strukturellen Signatur der Neuzeit“3. Während er in diesem Sinne ein Produkt des Revolutionszeitalters war, wurde er gleichzeitig auch schon verallgemeinert, so dass er „zum Dauerbegriff für ‚Geschichte‘“ schlechthin wurde. „Krise“ kann also historisch eine „kritische Übergangszeit“, eine bestimmte Periode oder die Geschichte selbst charakterisieren.4 Wenn ich Herrn Andrick richtig verstanden habe, beruht demnach die Konzeption der Tagung auf der Annahme, dass wir uns in einer besonderen Krisenzeit befinden; es müsste dann gesagt werden, was ihre Eigenart im Unterschied zu anderen Perioden ausmacht.

Das Adjektiv „krisensicher“ ist eine verhältnismäßig sehr junge Wortschöpfung; in der großen begriffsgeschichtlichen Analyse von Reinhart Koselleck vom Jahr 1982 wird sie noch nicht nachgewiesen5, und tatsächlich weist das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, das unter anderem auf den Textcorpora von Tageszeitungen beruht, einen zunehmenden Gebrauch erst seit 1987/1990 und einen (vorläufigen) Hype im Jahr 2022 nach.6 Zum Beleg wird aus der „Süddeutschen Zeitung“ aus dem Jahr 2001 zitiert, wo von „krisensicheren Jobs“ die Rede ist, und ein Artikel der „Zeit“ von 2010 aufgerufen, in dem schon die Sorge anklingt, die Unternehmen für die Zukunft krisensicherer zu machen. Offensichtlich geht es hier darum, die Krise zu vermeiden, weil ihr nur ein Verhängnis, aber keinerlei Chance zugeschrieben wird. Nun wird niemand behaupten, arbeitslos zu werden oder pleite zu gehen, sei eine wirkliche Option, aber man fragt sich doch, ob sich hinter dem Gebrauch des Adjektivs „krisensicher“ nicht eine Angst vor dem Leben selbst verbirgt. Noch deutlicher wird das beim Attribut „krisenfest“, das das Wörterbuch als Synonym zu „krisensicher“ nachweist. „Krise“, die auf Bedrohung verengt wird, kann nicht mehr als konstitutive Bedingung moderner Existenz oder allgemeines Kennzeichen von Geschichte verstanden werden. Ein ähnlicher Befund ergibt sich auch aus der Ankündigung eines Buches, das am 13. März unseres Jahres bei Herder erscheinen soll. Verfasst hat es der Freiburger Ökonom Lars P. Feld unter dem Titel „Krisensicher“.7 Nach der Verlagsanzeige geht es zwar um den Nachweis „mutiger Veränderungen“ und die Verbesserung der „Widerstandskraft von Wirtschaft und Gesellschaft“, aber eben auch darum, „für die kommenden Krisen besser gerüstet zu sein“.

Als Historiker, der Geschichte als zwar gelegentlich retardierten, im Prinzip aber unaufhörlichen Wandel versteht, neige ich dazu, Krise als Dauerzustand zu verstehen; ich möchte aber im Sinne ihres Vorhabens gern nach geschichtlichen Umbrüchen fragen, die Widerstände oder Änderungen im Stiftungswesen hervorbringen konnten. Ich beziehe dabei auch die „Kritik“ ein – eine Kategorie des Denkens, die dem Mittelalter eher fremd war. Man kann aber als moderner Zeitgenosse mit der „Krise“ kaum umgehen, ohne zu beachten, dass Kritik Krisen vorantreiben, begleiten oder reflektierend bewältigen kann.8 Schließlich erscheint es mir sinnvoll, auch den ökonomischen Begriff der „Konjunktur“ einzubeziehen. Bei näherer historischer Betrachtung zeigt sich nämlich, dass nicht nur Kritik und Krise von außen auf Stiftungen einwirken, sondern dass die Geschichte der Stiftungen Auf- und Abschwünge kennt und so oder so selbst krisenhafte Folgen für Staat und Gesellschaft haben können. Ihnen allen ist ja auch die Debatte über die politischen Auswirkungen von Megastiftungen in den Vereinigten Staaten gegenwärtig.9

Details

Pages
86
Publication Year
2024
ISBN (PDF)
9783631922644
ISBN (ePUB)
9783631922651
ISBN (Softcover)
9783631922231
DOI
10.3726/b22042
Language
German
Publication date
2024 (September)
Keywords
Stiftung Stiftungswesen Gemeinnützigkeit Fundare Stiftungsrechtsreform
Published
Berlin, Bruxelles, Chennai, Lausanne, New York, Oxford, 2024. 86 S.
Product Safety
Peter Lang Group AG

Biographical notes

Katharina Uffmann (Volume editor) Matthias Gantenbrink (Volume editor) Axel Janitzki (Volume editor) Karlheinz Muscheler (Volume editor) Markus Schewe (Volume editor) Sebastian Trappe (Volume editor) Katharina Uffmann (Volume editor) Sebastian Unger (Volume editor)

Die Herausgeber bilden den Vorstand von Fundare e.V.: Rechtsanwalt Prof. Dr. Bernd Andrick ist Vorsitzender Richter am VG a.D. Dr. Matthias Gantenbrink ist Syndikusrechtsanwalt in Bochum. Axel Janitzki ist Rechtsanwalt und Notar a.D. in Bochum. Prof. Dr. Karlheinz Muscheler war Inhaber eines zivilrechtlichen Lehrstuhls an der Ruhr-Universität Bochum und ist seit 2019 emeritiert. Dr. Markus Schewe ist Rechtsanwalt und Notar in Essen. Dr. Sebastian Trappe ist Regierungsrat bei der Finanzverwaltung NRW. Prof. Dr. Katharina Uffmann ist Inhaberin eines zivilrechtlichen Lehrstuhls an der Ruhr-Universität Bochum. Prof. Dr. Sebastian Unger ist Inhaber eines öffentlich-rechtlichen Lehrstuhls an der Ruhr-Universität Bochum.

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