Studien zur Frühgeschichte der Umweltphilosophie in Deutschland und Skandinavien
Summary
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Table Of Contents
- Abdeckung
- Titelblatt
- Copyright-Seite
- Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Literaturverzeichnis
- KAPITEL 1 Die Grundlegung der Mensch-Natur-Problematik bei Kant
- Der junge Kant: Kein Recht auf Natur?
- Literaturverzeichnis
- Kant und die Umweltwissenschaften
- Geologie
- Geographie
- Biologie
- Zum Schluss
- Literaturverzeichnis
- Philosophie, Geographie, Geschichte: Eine „kosmopolitische“ Vermittlung von Natur und Freiheit bei Kant
- Der humanistische Kern von Kants Philosophiekonzeption
- Kants Humangeographie
- Geographie, Geschichte und die Verbindung von Natur und Freiheit
- Literaturverzeichnis
- Die Achtung der Natur bei Kant: Ethische und ästhetische Skizzen zum Frieden mit der Natur
- „Ökologische Sicherheit“: wie und für wen?
- Positive Voraussetzungen des Friedens und die Umweltfrage – ist die Fragestellung Kants noch aktuell?
- Die Kulturautonomie und der Wert der Umwelt
- Literaturverzeichnis
- Die frühe Kritik der anthropozentrischen Metaphysik bei Kant und ihr Einfluss auf Herder
- Einleitung
- Geschichtlicher Kontext
- Der junge Kant und die Grenzen des Menschen
- Die Lehren aus dem großen Erdbeben von Lissabon 1755–1756
- Der junge Kant und Herder
- Literaturverzeichnis
- KAPITEL 2 Die Romantische Naturphilosophie, Zivilisationskritik und die Anfänge des Naturschutzes
- Rationalistische Hintergründe der Romantik: Spinoza und Leibniz
- Die Idee des Organischen und die innere Zweckmäßigkeit der Natur: von Kant zu Schelling
- Die Sprache der Natur verstehen: Novalis
- Die Grenzen der Naturbeherrschung und die ersten Forderungen nach Naturschutz: Kant, Herder und Hölderlin
- Der ästhetische Wert der Natur
- Natur und Gesellschaft in der konservativen Zivilisationskritik der Romantik: Schelling, Novalis, Schlegel
- Literaturverzeichnis
- KAPITEL 3 Hegel: Zur Geschichtlichen Dialektik von Natur und Kultur
- Der junge Hegel und die Alpen: Auf den Spuren der frühen Naturauffassung und Ästhetik
- Berner Periode
- Die frühe Ästhetik Hegels und die Despotie des Erhabenen
- Die Landschaftsästhetik des Reisetagebuchs
- Mensch und Natur in den Alpen
- Landschaftsästhetik in der späteren Ästhetik Hegels
- Die landschaftlich bedeutenden Künste
- Ein kritisches Schlusswort: Die Schönheit im Dienst des absoluten Geistes
- Literaturverzeichnis
- Identität mit der Natur: Kritische Perspektiven in Hegels Vorlesungen über die Philosophie der Religion
- Einleitung
- Kritik der unmittelbaren Identität
- Die Natur als solche
- Ist eine Versöhnung mit der Natur noch möglich?
- Literaturverzeichnis
- Zeitliche Tiefenstrukturen der Geschichte: Zur Vermittlung von Natur, Kultur und Geschichte bei Hegel
- Naturphilosophische Grundlagen der Kultur und Geschichte: Assimilation und der tierische Organismus
- Gattungsprozess und die Entstehung des Sozialen
- Nicht nur Geistesgeschichte?
- Leidenschaften als Triebkraft der Geschichte
- Geographische Grundlagen der Geschichte
- Ein kurzes Schlusswort: die geistige Bedeutung der Natur
- Literaturverzeichnis
- KAPITEL 4 Der junge Engels und Marx: Kapitalismus und Umwelt
- Der junge Engels und die Entstehung der marxistischen Ökologie
- Der frühe Pantheismus und die Landschaftsästhetik
- Natur und Ökonomie in Engels’ Skizze „Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie“
- Die Aufhebung der Populationstheorie von Malthus
- Fazit: Die Bedeutung der „Umrisse“
- Literaturverzeichnis
- Ökologische Wende der Geschichte: Marx, Engels und die naturwissenschaftliche Diskussion über die Bodenfruchtbarkeit
- Literaturverzeichnis
- Stadt-Land-Antagonismus als eine Kategorie der marxistischen Ökologie und des historischen Materialismus
- Einleitung
- Urbanisierung im politischen Denken: Adam Smith und die Romantiker
- Urbanisierung, Kapitalismus und Umwelt: der Stadt-Land-Antagonismus in den frühen Skizzen des historischen Materialismus bei Friedrich Engels
- Die ökologische Problematik des „Stoffwechsels“ in den Städten
- Literaturverzeichnis
- KAPITEL 5 Tierethik und Ökophilosophie in Skandinavien
- Edvard Westermarck und die Tierrechte
- Einführung
- Evolutionismus und moralische Emotionen
- Ansichten über Tiere in der Geschichte des moralischen Denkens
- Kritik des christlichen Anthropozentrismus
- Literaturverzeichnis
- Zur Spinoza-Deutung von Arne Næss
- Spinoza in der Ökophilosophie
- Die metaphysische Begründung
- Mensch, Natur und ökologische Tugenden
- Kritische Schlusskommentare
- Dynamik der lebendigen Natur?
- a) Die Interpretation der Emotionen
- b) Ethischer Elitismus in der Perfektionsethik? Zur Auslegung des Tugendbegriffs Spinozas
- Literaturverzeichnis
- Georg Henrik von Wright und das Umweltproblem: Auf dem Weg zu einem kritischen Gesamtbild
- Von Wrights philosophische Position und der Weg zur Umweltphilosophie
- Die integrative Bedeutung der praktischen Philosophie
- Zur Geschichte des westlichen Umweltdenkens
- Umweltprobleme und die Möglichkeit einer Umweltpolitik
- Kritik
- Geschichtsbegriff
- Verhältnis zu Umweltwissenschaften und Umweltphilosophie
- Umweltwerte und Ethik
- Pessimismus und umweltpolitische Modalitäten
- Methodische Ansatzpunkte
- Gesamtbewertung der Bedeutung von Wrights
- Literaturverzeichnis
Vorwort
Die vorliegende Sammlung von Aufsätzen und Reden fasst meine dreißigjährigen Untersuchungen zur Geschichte der Philosophie der Umwelt in der klassischen deutschen Philosophie von Kant bis Marx und in der skandinavischen Ökophilosophie zusammen. Im Jahr 2006 habe ich eine umfassende (die indische und chinesische Philosophie mit einbeziehende) Geschichte der Philosophie der Umwelt auf Finnisch veröffentlicht (Ympäristöfilosofian historia maaäitimyytistä Marxiin; auf Deutsch: „Geschichte der Philosophie der Umwelt von Mutter Erde bis Marx“).1 Die vorliegende Sammlung vertieft und erweitert die Analysen des wichtigsten Teils dieses Buches, der sich mit dem klassischen deutschen Idealismus, der Romantik und dem Marxismus befasst, mit Originalartikeln und einigen neuen Beiträgen. Insbesondere der klassische deutsche Idealismus und die Romantik wurden aus umweltphilosophischer Perspektive noch nicht gründlich erforscht. Ich hoffe, dass diese Sammlung einen ersten Schritt zur Neubewertung dieser entscheidenden Periode der Geschichte der Philosophie darstellen kann.
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Die Philosophie der Umwelt betrachtet die Geschichte der Philosophie aus einer neuen Perspektive, in der die metaphysischen und ethischen Voraussetzungen der traditionellen Philosophie fundamental infrage gestellt werden. Die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur, Kultur, Gesellschaft und Umwelt werden zu zentralen Fragen, die eine Neubewertung der Schwerpunkte der traditionellen Philosophie erforderlich machen. Insbesondere die klassische Metaphysik und Ethik sind weitgehend anthropozentrisch und isolieren den Menschen aus seinen natürlichen Bindungen, seiner Körperlichkeit und seinen komplexen Vernetzungen mit der Umwelt.
Aus diesem Grunde ist insbesondere die abendländische Philosophie zum Teil stark kritisiert worden. Alternative Denktraditionen wie die Mythologie, die Weisheit der Ureinwohner, die indische und chinesische Philosophie wurden dagegen als fruchtbar für die ökophilosophische Neubestimmung angesehen. Als Klassiker eines neuen, umweltfreundlichen Denkens wurden auch einige naturalistische und monistische Denker der abendländischen Theologie und Philosophie betrachtet, zum Beispiel Franz von Assisi und Spinoza. Die abendländische Tradition hat sich jedoch im Laufe der näheren Beschäftigung mit der Thematik als ziemlich komplex erwiesen: Es gibt auch materialistische, naturalistische und sogar biozentrische Denker, die eine Rehabilitierung verdienen. In meinem 2006 erschienenen Buch betone ich diese Komplexität der abendländischen Tradition und wende mich im Kern gegen eine zu wenig differenzierte Kritik des abendländischen Anthropozentrismus.
Welche besondere Bedeutung hat die klassische deutsche Philosophie – von Kant bis Marx – für die Philosophie der Umwelt? Die Aufklärung brach mit der religiösen Tradition, die den Menschen als Krone der Schöpfung sah und die Natur nur als leblose Materie, als bloßes Mittel für den Menschen betrachtete. Die naturalistische Tradition der Aufklärung wurde durch Immanuel Kant rezipiert und durch die naturalistische und pluralistische aristotelische Ontologie bereichert. Auch der radikale, umweltphilosophisch besonders interessante Pantheismus von Spinoza wurde schon durch den jungen Kant zu einer Inspirationsquelle für dessen Schüler (wie Herder) und Nachfolger (Schiller, die Romantiker, Fichte, Hegel).
Man muss mit Ernst Cassirer2 betonen, dass die „tiefere Aufklärung“ – Rousseau, Diderot, Kant – nicht im Gegensatz zur Romantik steht, sondern im Grunde eine holistische und vitalistische Ontologie entwickelt, in der die Idee einer komplexen Wechselwirkung von Mensch und Umwelt bereits in Grundzügen vorhanden ist. Diese Bewegung hebt einerseits die einfache anthropozentrische Physikotheologie auf, akzeptiert aber andererseits nicht den einfachen mechanistischen Materialismus und progressiven Optimismus der populären Aufklärung (Holbach, Condorcet). Auf diese Weise bereiteten die deutschen Idealisten und Romantiker den Boden für Hegels dialektisches Gesamtbild des Menschen und der Natur sowie für die Entstehung des Marxismus, also die Ideen des jungen Marx und Engels.
Diese philosophische Bewegung begründet den Eigenwert der Natur auf vielfältige Weise. Die Natur wird nicht mehr nur als ökonomisch wertvolles Material begriffen: Sie besitzt auch intellektuelle, religiöse, ästhetische und vitale Werte, die sehr wichtig für die Kultur und Bildung des Menschen sind. Diese Werte haben auch gesellschaftliche und politische Bedeutung; durch das vielseitigere Bild des Menschen, das den homo oeconomicus der Konkurrenzgesellschaft infrage stellt, begründen sie sogar die spätere Kapitalismuskritik von Engels und Marx. In ihrer Dynamik und ihrer schönen, erhabenen Diversität wird die Natur als eine Sphäre der wirklichen Freiheit angesehen, die die schaffenden Kräfte der Menschen stützt und inspiriert. Diese Möglichkeit zur Freiheit ist nicht nur ein Privileg der Künstler, wie die Romantik betonte, sondern ein Bestandteil des nicht entfremdeten, authentischen Alltagslebens jedes Menschen. Die frühe marxistische Kritik an der Entfremdung stützt sich somit auf das kulturelle Erbe des deutschen Idealismus und der Romantik, wenn auch mit radikal- demokratischen Akzenten. Eine solche humanistische Grundlage, die auch die Natur miteinbezieht, ist auch heute noch aktuell, wenn man die ontologischen Grundlagen der Environmental Humanities, also umweltbezogenen Geistes- und Sozialwissenschaften, betrachten will.
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Die skandinavische Ökophilosophie3 stützt sich weniger direkt auf das deutsche Erbe als der amerikanische Transzendentalismus (Emerson, Thoreau). Arne Næss bezieht sich auf Spinoza und Goethe und neigt in seiner „Tiefenökologie“ (deep ecology) zu einem ähnlichen Holismus wie die Romantiker. Die philosophischen Grundlagen von Edward Westermarck und Georg Henrik von Wright in Finnland liegen im angloamerikanischen Positivismus und der analytischen Philosophie. Von Wright entwickelte seine umweltphilosophischen Thesen jedoch auf einer breiteren Grundlage: Er wurde bereits im Gymnasium von Oswald Spengler inspiriert und stützte sich später teilweise auf die Frankfurter Schule und den Marxismus. Diese radikalen deutschen Kritiker der abendländischen Zivilisation und kapitalistischen Konsumgesellschaft inspirieren sein umweltphilosophisches Denken. Deutsche Philosophie, Wissenschaft und Kultur dominierten in Finnland bis zum zweiten Weltkrieg. Es ist daher anzunehmen, dass von Wright seine humanistische Position vorwiegend unter diesem Einfluss ausbildete. Seine spätere theoretische Philosophie – Logik, Sprachphilosophie und Metaethik – ist davon unabhängig und umweltphilosophisch uninteressant.
Die Tierethik von Westermarck, der sich stärker auf die empiristische Philosophie, zum Beispiel Hume, und die Darwin’sche Evolutionstheorie stützte, wurde durch die deutsche Diskussion bereichert, vor allem Schopenhauer. Die Sympathieethik, auf die er seine Argumentation stützt, war auch für die Tierethik Kants (offenbar via Hume und Rousseau) von Bedeutung.4 Es ist auch wichtig, daran zu erinnern, dass das Naturschutzdenken von Hugo Conwentz (1855–1922) am Anfang des 20. Jahrhunderts in Finnland und Schweden von zentraler Bedeutung war. Es lässt sich vermuten, dass Westermarck als radikaler politischer Denker die damals aktuelle Diskussion gekannt hat.
Westermarck und von Wright sind beide aufgeklärte Humanisten, die auch gesellschaftlich aktiv waren. Beide waren weniger radikale Naturalisten als Arne Næss und andere Tiefenökologen oder als der finnische Radikalökologe Pentti Linkola, der sich in seinem politischen Denken sogar ökofaschistischen Positionen annäherte. Man kann daher wohl sagen, dass Westermarck und von Wright Klassiker der Environmental Humanities sind.
Im vorliegenden Buch geht es im Kern um eine Neubestimmung der umweltbewussten Klassiker der Philosophie. Die zentralen hier behandelten Denker sind keine lange Zeit vergessenen Alleingänger wie die amerikanischen Klassiker der Ökophilosophie, David Thoreau oder Aldo Leopold, die heute als zentrale Klassiker des Umweltdenkens betrachtet werden. Es handelt sich vielmehr um seit Langem etablierte große Denker (darunter einige der größten überhaupt, wie Kant oder Hegel), die in der Philosophie der Umwelt jedoch noch nicht allgemein als Klassiker anerkannt sind. Meine Untersuchung unternimmt es, das Gesamtbild dieser Denker zu bereichern und insbesondere zu verhindern, dass sie als uninteressante Anthropozentriker stigmatisiert werden. Das Buch verdeutlicht, dass die Geschichte der Philosophie der Umwelt ein noch weitgehend zu wenig untersuchtes Feld ist. Ich hoffe, dass die vorliegende Sammlung weitere Untersuchungen in diese Richtung inspirieren wird.
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Noch einige Worte zu meinem persönlichen Hintergrund. Mein Interesse an der Philosophie der Umwelt entwickelte sich aus meiner Begegnung mit Umweltfragen Anfang der 1970er-Jahre, zuerst im Gymnasium, wo ich mich für indische Philosophie, Nietzsche, Spengler, Scheler und Marcuse interessierte. In meiner Studienzeit an der Universität Jyväskylä (1974–1980) beschäftigte ich mich mit Kant, Hegel und Marx, und der klassische deutsche Idealismus wurde bis heute zum zentralen Feld meiner Forschung. Um 1990 weckte der bereits erwähnte finnische Ökophilosoph Georg Henrik von Wright mein Interesse an der Philosophie der Umwelt. Durch ein Projekt der Finnischen Akademie an der Universität Oulu (1993–1995) begann ich, mich stärker in die Thematik zu vertiefen. Professor Timo Järvikoski und Dozent Jouko Jokisalo weckten damals mein Interesse an der marxistischen Ökologie. Meine Studien über die Philosophie der Geschichte, deren Grundlagen schon im Gymnasium durch die Lektüre von Spengler, Toynbee und von Wright gelegt wurden, weckten mein Interesse an Umweltgeschichte als radikal neues Paradigma der Geschichtsforschung. Der Geschichtsdozent Esa Ruuskanen hat in diesem Feld eng mit mir zusammengearbeitet.5
Meine Position in der Philosophie der Umwelt wird einerseits durch das Forschungsgebiet geprägt, das im Englischen als Environmental Humanities bezeichnet wird.6 Mein Hauptwerk über die globale – indische und chinesische Tradition mit einbeziehende – Geschichte der Philosophie der Umwelt7 basiert auf einer Auffassung der Wechselwirkung von Mensch und Natur, in der ethische und ästhetische Werte, Geschichtlichkeit, spiritualistische Voraussetzungen der Weltreligionen und Umwelterziehung wichtige Dimensionen bilden. Das Buch kritisiert das zu einfache Bild eines totalen Anthropozentrismus der abendländischen Philosophie und geht tiefer auf die naturalistischen und humanistischen Traditionen ein, die eine fruchtbare Wechselwirkung mit der Natur und ihre tiefere Achtung betonen. Eine solche Einstellung ist bereits in der vorsokratischen Philosophie begründet. Die klassische deutsche Philosophie von Kant bis Marx bildete dann den eigentlichen Höhepunkt dieser Entwicklung einer positiveren Naturauffassung.
Andererseits betone ich die Zusammenarbeit mit den Gesellschaftswissenschaften. Die marxistische Ökologie war in diesem Bereich bahnbrechend und bietet noch heute fruchtbare Weiterentwicklungen, zuletzt in der kritischen Diskussion über das Anthropozän. Auch die Erziehungswissenschaften müssen eine breitere, ökosoziale Bildung als Ausgangspunkt einnehmen.8 Natürlich muss man auch in der humanwissenschaftlichen Umweltforschung mit Naturwissenschaften arbeiten können, um die Gefahren des Anthropozentrismus zu vermeiden. Die Philosophie der Biologie und Ökologie, die Bedeutung der geschichtlichen Klimaforschung und Geographie für die Umweltgeschichte, das Verhältnis von Mensch und Tier in der Geschichte und andere Forschungsbrennpunkte sind weitere philosophisch interessante Themen.
Die Philosophie der Umwelt ist zutiefst „konkret“ im Sinne Hegels; sie versucht, eine „Einheit durch die Vielheit“ dialektisch zu bestimmen. Erst eine solche, fundamental praktische und an Umweltproblemen orientierte Philosophie kann für die Lösung der theoretischen und praktischen Probleme der Umweltforschung etwas leisten. In diesem Feld ist es nicht möglich, ethischen und politischen Fragen aus dem Weg zu gehen und eine scheinbar neutrale Distanz behalten. Dialektische Philosophie ist eine Philosophie der Praxis, wie schon Hegel betonte (Marx, Gramsci und andere entwickelten diese Idee weiter), und eine solche Einstellung ist ein fruchtbarer Ausgangspunkt für die Lösung der Umweltfragen.
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Alle Übersetzungen der Artikel aus dem Finnischen und Englischen stammen von mir. Die bereits früher gedruckten deutschen Artikel wurden für das Buch leicht angepasst. Sprachlich haben meine Arbeit Mag. Phil. Kerstin Jokisalo, Ph.D. Georg Gangl und Felix Schoen betreut, der auch wertvolle inhaltliche Hinweise und Anmerkungen zum Text beigesteuert hat. Bei der Übersetzung der Artikel über Edvard Westermarck und Georg Henrik von Wright habe ich auch künstliche Intelligenz als Hilfsmittel benutzt. Ich danke allen Freunden, Kollegen und anonymen Referenten, die in verschiedenen Phasen meiner Arbeit nützliche Kommentare und Kritiken abgegeben haben. Ich danke dem Peter Lang Verlag für die Publikation meiner Arbeit in der Reihe Studies in Literature, Culture, and the Environment / Studien zu Literatur, Kultur und Umwelt und seinen Mitarbeitern für die wertvolle Unterstützung bei der Vorbereitung des Manuskripts für die Publikation. Reihenherausgeber Professor Hannes Bergthaller danke ich für wertvolle Kommentare in der letzten Phase der Vorbereitung des Manuskripts für die Publikation.
Oulu, im März 2026
Kari Väyrynen
Literaturverzeichnis
- Cassirer, Ernst: Die Philosophie der Aufklärung. Mohr: Tübingen 1932.
- Dürbeck, Gabriele/Nesselhauf, Jonas (Hrsg.): Repräsentationsweisen des Anthropozän in Literatur und Medien. Peter Lang: Berlin 2019.
- Ruuskanen, Esa/Väyrynen, Kari: „The philosophy and theory of environmental history“. In: Tucker, Avizier/Cernin, David (Hrsg.): The Bloomsbury Handbook of the Historical Sciences and Big History. Bloomsbury Academic: London 2025, S. 489–504.
- Ruuskanen, Esa/Väyrynen, Kari: „Theory and Prospects of Environmental History“. In: Rethinking History 21/2017, S. 456–473.
- Väyrynen, Kari: „Ecological Wisdom as a Challenge for the Philosophy of Education“. In: Heikkinen, Anja et al. (Hrsg.): Disciplinary Struggles in Education. Tampere University Press: Tampere 2019, S. 195–214.
- Väyrynen, Kari: Ympäristöfilosofian historia maaäitimyytistä Marxiin (Geschichte der Philosophie der Umwelt von Mutter Erde zu Marx). Eurooppalaisen filosofian seura: Tampere 2006.
- Väyrynen, Kari: „Zur Geschichtsphilosophie der Umweltgeschichte“. In: Losurdo, Domenico/Tosel, André (Hrsg.): Die Idee der historischen Epoche / L’idée d’époque historique. Peter Lang: Frankfurt am Main 2004, S. 435–447.
- Väyrynen, Kari: Der Prozess der Bildung und Erziehung im finnischen Hegelianismus. Societas Historica Finlandiae: Helsinki 1992.
Details
- Pages
- 350
- Publication Year
- 2026
- ISBN (PDF)
- 9783631937754
- ISBN (ePUB)
- 9783631937761
- ISBN (Hardcover)
- 9783631937747
- DOI
- 10.3726/b23354
- Language
- German
- Publication date
- 2026 (May)
- Keywords
- Philosophie der Umwelt Ökophilosophie Geschichte der Philosophie Tierethik Umweltästhetik Zivilisationskritik Deutscher Idealismus Marxismus Immanuel Kant Johann Gottfried Herder Friedrich Wilhelm Joseph Schelling Novalis Georg Wilhelm Friedrich Hegel Friedrich Engels Edvard Westermarck Arne Næss Georg Henrik von Wright
- Published
- Berlin, Bruxelles, Chennai, Lausanne, New York, Oxford, 2026. 350 S.
- Product Safety
- Peter Lang Group AG