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Pseudowissenschaften und Verschwörungstheorien

Eine Gefahr für Demokratie und Wissensgesellschaft

by Andreas Beyer (Volume editor) Matthias Roser (Volume editor) Markus Mühling (Volume editor)
©2026 Edited Collection 170 Pages

Summary

Solange es Wissenschaft gibt, gibt es auch Pseudowissenschaften – oft gepaart mit Verschwörungstheorien, die in diesem Buch aber nur Nebenthema sind. Dieser Band unternimmt keine historische Betrachtung, sondern eine inhaltliche Einordnung aus verschiedenen Blickwinkeln. Die ersten beiden Beiträge definieren Pseudowissenschaft und grenzen sie ab, einmal aus allgemein-wissenschaftlicher und dann aus psychologisch-soziologischer Sicht. Es folgt ein Beitrag über Kreationismus als Beispiel für eine aktuelle Pseudowissenschaft. Anschließend wird eine theologische Analyse kreationistischer Ideen anhand des Bibel- und Schöpfungsmuseums Wuppertal als konkretem Beispiel vorgenommen. Den Abschluss bildet zunächst eine philosophische Analyse der gesellschaftlichen Faktoren, die die Ausbreitung von Pseudowissenschaften begünstigen. Daran schließt sich eine theologische Betrachtung des Gottesbegriffs an sowie die Frage, wie sich pseudowissenschaftliche Strömungen in der Theologie fassen und definieren lassen.

Table Of Contents

  • Abdeckung
  • Vorsatzseite
  • Titelblatt
  • Copyright-Seite
  • Inhalt
  • Vorwort
  • Pseudowissenschaft: Was ist das eigentlich? – eine Annäherung
  • Warum manche Menschen Wissenschaften misstrauen, warum manche Menschen Pseudowissenschaften glauben?
  • Warum Kreationismus eine Pseudowissenschaft ist?
  • Kreationismus und Intelligent Design als schwache Theologie: Anmerkungen in praktisch-theologischer Perspektive
  • Gott denken und erfahren jenseits von Pseudowissenschaft und Naturalismus
  • Über die Autoren

Vorwort

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das aktiv versucht, die Welt, in der es lebt, zu verstehen und nicht bloß, mit ihr zurecht zu kommen. Wir sind auf diesem Planeten ferner die einzigen, die überall Wirkursachen vermuten und Sinnhaftigkeit sehen. Wir sind die einzigen, die für alles, was sie tun und für alles, was sie denken und glauben, vernünftige Gründe angeben können – oder besser gesagt: Das bilden wir uns ein … Der Mensch ist das einzige irdische Lebewesen, das in hohem Umfang die Fähigkeit zu symbolischem Denken entwickelt hat und davon tagtäglich Gebrauch macht. Dass dies zu unserer menschlichen Natur gehört, davon zeugen über 40.000 Jahre alte Höhlenmalereien; Körper- und Objektschmuck werden seit über 100.000 Jahren hergestellt, ebenso alt sind Bestattungsrituale.

Die längste Zeit unserer Existenz stellte sich unsere Welt als einheitlich, als homogen dar: Naturwissenschaft (wenn man das damalige, empirische Erfahrungswissen einmal sehr großzügig so nennen will), Glaubensvorstellungen und die Regeln der menschlichen Gemeinschaft: Dies alles war Eines. Erst in Mesopotamien begann man mit gezielten Naturbeobachtungen – aber freilich verbargen sich hinter den Naturphänomenen immer noch Gottheiten und Geister. Erst die Denker der griechischen Antike versuchten, eigenständige Lehren – man darf sagen: Wissenschaften – zu etablieren, z. B. die Philosophie, die Heilkunst, die Geometrie. Zwar hat es niemals einen „Big Bang“ der Wissenschaften gegeben, aber wenn man eine entscheidende Phase in der Entstehung der Wissenschaften der westlichen Zivilisationen nennen sollte, dann wäre es eben jene.

Mit der Differenzierung der Wissenschaften tat sich unweigerlich ein gesellschaftliches Konfliktfeld auf: das der Deutungshoheit. Sicher: Konflikte um die Macht sind uralt und spätestens seit Bestehen der Hochkulturen im östlichen Mittelmeerraum gibt es die zwei institutionellen Machtsäulen – die (weltlichen) Herrscher und die Priester1 –, die zwar in enger Verbindung standen und üblicherweise kooperierten, die aber auch immer wieder um Macht rangen: Die Geschichte um Echnaton (Mitte 14 Jh. v. Chr.), der die autochthone Priesterkaste entmachten wollte, ist ein eindrückliches Beispiel.

Gleichwohl änderte sich durch diese „Gewaltenteilung“ zunächst wenig an der Einheit der Weltsicht; erst die griechische Antike änderte dies nachhaltig: Ab dann gab es Gelehrte, die dem Staatsapparat oder dem Klerus mehr oder eben auch weniger eng verbunden waren; Gelehrte, die Schulen gründeten und sich – in größerem oder kleinerem Umfang – auch direkt an die Mitmenschen wandten: Sokrates war dafür berühmt-berüchtigt, dass er seine Mitmenschen gerne in Dialoge verwickelte und sie damit dazu brachte, scheinbar sicheres Wissen zu hinterfragen. Überhaupt war die Öffentlichkeit – die Agora (Marktplatz) und das Gymnasion (öffentliche Sportstätte) – für die griechischen Philosophen ein zentraler Ort ihres Wirkens. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass damit eine „Kaste“ erschienen war, die seitdem neben den weltlichen und geistlichen Führern einen Machtfaktor darstellt – jedenfalls, was das Verstehen und die Ausdeutung unserer Welt anbelangt: Denkschulen waren stets (zumindest partiell) unabhängig von Staatsherrschaft und Klerus, und sie beeinflussten auch mehr und mehr den öffentlichen Diskurs.

Nachdem die Mathematik und die Geisteswissenschaften schon in der Antike dabei waren, sich zu entfalten, bekamen die Naturwissenschaften erst mit Beginn der Neuzeit einen deutlichen Entwicklungsschub. Je mehr die Wissenschaften für die Menschen relevant und auch ganz praktisch bedeutsam wurden (man denke nur an die „Heilkunst“, also die Medizin), umso mehr wurde dieses Feld auch selbst zum Kampfgebiet, einerseits natürlich zwischen verschiedenen, konkurrierenden Denk-und Wissenschaftsschulen. Andererseits drängen seitdem auch andere Strömungen in wissenschaftliche Felder, um sich den Nimbus der Wissenschaftlichkeit dienstbar zu machen – aber aus anderen Gründen, wie z. B.

Details

Pages
170
Publication Year
2026
ISBN (PDF)
9783631945605
ISBN (ePUB)
9783631945612
ISBN (Hardcover)
9783631945599
DOI
10.3726/b23341
Language
German
Publication date
2026 (April)
Keywords
Pseudowissenschaft Verschwörungstheorien Kreationismus Schöpfung Wissenschaftskritik Theologie Religionswissenschaft Philosophie Gesellschaft Psychologie Soziologie Wissenschaftsgeschichte Abgrenzung Wissenschaft/Pseudowissenschaft
Published
Berlin, Bruxelles, Chennai, Lausanne, New York, Oxford, 2026. 170 S., 3 s/w Abb.
Product Safety
Peter Lang Group AG

Biographical notes

Andreas Beyer (Volume editor) Matthias Roser (Volume editor) Markus Mühling (Volume editor)

Andreas Beyer ist Professor für Molekulare Biologie an der Westfälischen Hochschule im Ruhrgebiet. Seit über 20 Jahren publiziert er popularwissenschaftliche Beiträge, mit denen er sich am gesellschaftspolitischen Diskurs beteiligt. Ferner ist er Sprecher der „AG EvoBio - Evolution in Biologie, Kultur und Gesellschaft". Matthias Roser ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal. Er wurde mit einer Arbeit über evangelikale Privatschulen promoviert. Für sein Habilitationsprojekt forscht er über nachvolkskirchliche Christentumspraxen. Weitere Forschungsbereiche sind die Frage nach der Normativität in der Praktischen Theologie sowie Modelle und Strukturen eines nachvolkskirchlichen, schulischen Religionsunterrichts. Markus Mühling ist Professor für Systematische Theologie und Philosophie der Kirchlichen Hochschule Wuppertal. Zuvor war er Professor in Heidelberg, Aberdeen und Lüneburg. Er ist Mitglied des Center of Theological Inquiry Princeton und Vorsitzender der Karl-Heim-Gesellschaft.

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