Editorial
2 Pages
Open Access
Journal:
Jahrbuch für Internationale Germanistik
Volume 57
Issue 3
Publication Year 2025
pp. 121 - 122
Summary
Drei der folgenden Beiträge zum Thema Exilbrief (Asmus/Wurich, Schönborn, Strobel) gehen zurück auf Vorträge auf einer Tagung der Gesellschaft für Exilforschung und des Deutschen Literaturarchivs Marbach zum Thema Textualität, Materialität, (Inter)Medialität in Korrespondenzen des Exils, die vom 29.9. bis 1.10.2022 unter der Leitung von Roland S. Kamzelak, Vera Hildenbrandt und Sibylle Schönborn in Marbach am Neckar stattgefunden hat. Da der geplante Tagungsband infolge des tragischen Todes von Roland S. Kamzelak am 22. August 2023 bis Ende 2025 nicht realisiert werden konnte, wurden für ihre Publikation unter einem Themenschwerpunkt zum Exilbrief im Jahrbuch für Internationale Germanistik die Beiträge von Ingeborg Rebecca Mjelde Helleberg, Primus Heinz Kucher und Fabienne Suter hinzugefügt. Alle hier versammelten Aufsätze werfen ein Schlaglicht auf das breite Spektrum wissenschaftlicher Forschungen zum Exilbrief: Sibylle Schönborn plädiert am Beispiel der drei Lyrikerinnen Gertrud Kolmar, Else Lasker-Schüler und Mascha Kaléko für eine Lektüre von Exilbriefen, die Poetizität und Literarizität anstelle einer biographischen Lesart in den Vordergrund rücken. Primus Heinz Kucher zeigt anschaulich, wie der österreichische Dramatiker, Theaterkritiker, Regisseur und Übersetzer Franz Theodor Csokor mit seiner ausgedehnten Korrespondenz ein engmaschiges Netz in den verschiedenen Phasen und Ländern seines Exils unter gleichgesinnten Exilierten knüpft. Ingeborg Rebecca Mjelde Helleberg setzt sich mit der Mythisierung des jüdischen Opfers in der Nachgeschichte der Shoah am Beispiel der Rezeptionsgeschichte des Lebens und Sterbens der aus Österreich nach Norwegen emigrierten Ruth Maier auseinander, indem sie Maiers kritische Distanzierung von der ihr zugeschriebenen Opferidentität in den Briefen an ihre Schwester nachzeichnet. Fabienne Suter beschreibt in ihrem Beitrag, wie der Briefwechsel zwischen dem Schweizer Philologen Jonas Fränkel und dem Kunst- und Literaturkritiker Max Osborn u.a. zur literarischen Werkstatt für diesen wird, in der seine Erinnerungen an das Berlin der Zwischenkriegszeit für das Feuilleton und die spätere Publikation Der bunte Spiegel entstehen. Sylvia Asmus und Marc Wurich würdigen die Empfehlungsschreiben zur Stipendienvergabe der American Guild for German Cultural Freedom als zentralen Beitrag zur Förderung deutscher Kulturschaffender während des Nationalsozialismus und zum Aufbau eines Exilnetzwerks, bei dem Thomas Mann, Erika Mann und Heinrich Mann zentrale Rollen zukommen. Zum Abschluss zeigt Jochen Strobel am Beispiel des Exilbriefwechsels der Familie Mann, dass dieser zum einen der zentralen Aufgabe des doing family zu Zeiten ihrer Bedrohung und zum anderen zur Verarbeitung von Verlusterfahrungen im Sinne eines doing loss nach Andreas Reckwitz genutzt wird.
Details
- Pages
- 2
- DOI
- 10.3726/JIG573_121
- Open Access
- CC-BY
- Publication date
- 2026 (April)
- Product Safety
- Peter Lang Group AG