Eisenbahn, Seidenraupen und Cixi als Guanyin. Intertextuelle Funde zur Chinabeschreibung in W. G. Sebalds Die Ringe des Saturn
14 Pages
Open Access
Journal:
Jahrbuch für Internationale Germanistik
Volume 58
Issue 1
Publication Year 2026
pp. 103 - 116
Summary
In den letzten Jahren erschien eine Reihe von literarischen Werken des bedeutenden deutschsprachigen Autors W. G. Sebald erstmals in chinesischer Übersetzung, was durchgehend eine positive Würdigung und sogar ein enthusiastisches Echo auslöste. Zum ersten Mal mögen nicht wenige chinesische Leser bemerken, dass Sebald in seinem 1995 erschienenen Prosawerk Die Ringe des Saturn – einer Erzählung über eine mehrtägige Fußwanderung durch die östliche englische Grafschaft Suffolk, die Landschaft und Globalgeschichte kunstvoll verknüpft – China über zwanzig Seiten hinweg ausführlich beschreibt und sich dabei mit „d[er] Geschichte von China“, insbesondere der späten Qing-Dynastie (1840‒1912), auseinandersetzt. Doch diese literarische Auseinandersetzung, die durch detaillierte Schilderung des Opiumkriegs, des Taiping-Aufstands sowie der Herrschaft von Kaiser Guangxu und der Kaiserinwitwe Cixi Sebalds fundierte Kenntnisse über China offenbart, wurde in der Sebald-Forschung zwar häufig erwähnt, aber bislang kaum erforscht. Trotzdem oder gerade deswegen drängt sich die Frage auf, auf welche Quelle Sebalds Chinabeschreibung zurückzuführen ist? Eine solche Quelle lässt sich zwar nicht immer mit Sicherheit eruieren, aber man kann zumindest, wie der Titel des vorliegenden Beitrags zeigt, eine intertextuelle Spurensuche unternehmen, da sich Sebalds Werke bekanntermaßen durch eine Poetik der Intertextualität auszeichnen. In diesem Sinne soll im Folgenden den Spuren der möglichen intertextuellen Bezüge in Sebalds Chinabeschreibung nachgegangen werden.
Details
- Pages
- 14
- DOI
- 10.3726/JIG581_103
- Open Access
- CC-BY
- Publication date
- 2026 (May)
- Product Safety
- Peter Lang Group AG