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Reisen in der deutschen Literatur: Realität und Phantasie

von Berta Raposo (Band-Herausgeber) Christian Prado-Wohlwend (Band-Herausgeber)
Sammelband 2021 342 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Autorenverzeichnis
  • Ein Vorwort (Reinhold Münster)
  • Einleitung (Berta Raposo/Christian Prado-Wohlwend)
  • Erecs âventiure-Fahrten – unterwegs mit got und wîp (Dennis Korus)
  • Von Damen- und Weibsbildern „Frauenskizzen“ im Reisetagebuch Thomas Platters d.J. (Eckhard Weber)
  • Valencia diacrónica: los tres viajes de Moritz Willkomm (Ingrid García-Wistädt)
  • Franz Lorinser en España: impresiones de un sacerdote católico (María José Gómez Perales)
  • Valencia entre el mito y la realidad en Eine Herbstfahrt nach Spanien de Rosa von Gerold (Mireia Vives Martínez)
  • Auf zur Kur – Die Russen kommen. Periplo literario con destino Meran / Merano (Olga García)
  • „Es war Reiselust, nichts weiter“ Imaginationen des Reisens in Thomas Manns Der Tod in Venedig. (Friedhelm Marx)
  • Reise und Erotik in Robert Müllers Werk (Mihaela Zaharia)
  • Lesabéndio, de Paul Scheerbart, como transformación del paradigma del relato de viajes (Francisco Manuel Mariño)
  • Hans Dominiks Zukunftsroman Die Spur des Dschingis-Khan. Reisen und Siedlung in Zentralasien mit einer Klimautopie im Hintergrund (Jesús Pérez-García)
  • Kontrollverlust erzählen in Thomas Manns Mario und der Zauberer: ein tragisches Reiseerlebnis (Francesca Teltscher Taylor)
  • Die Reise nach Spanien von Gunnar Gunnarsson und ihre literarische Bearbeitung für die deutsche Leserschaft durch Helmut de Boor (Macià Riutort Riutort)
  • Wir wechseln die Länder weit öfter als die Kleider: Reisen im Werk Erika Manns (Kathrin Holzapfel)
  • “Unser Verlangen nach den großen und flachen Horizonten”: imágenes de México en la narrativa de Max Frisch (Isabel Hernández)
  • Reiselärm und Schreibarbeit. Zu einer produktiven Koinzidenz im Schreiben Peter Handkes/Ein episches Ereignis (Tanja Angela Kunz)
  • Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus: eine außergewöhnliche Bildungsreise (Isabella Leibrandt)
  • Ferien für immer o la denuncia del turismo de masas a través de la moralidad dandi (Cristina Paneque de la Torre)
  • La fatiga del viaje: el Camino de Santiago en Hape Kerkeling (María Rosario Martí Marco/Pedro Hernández Verdú)
  • Utopische Gegenwelten: Christoph Ransmayr, Atlas eines ängstlichen Mannes (Rolf-Peter Janz)
  • Entre lo real y lo imaginario. El viaje al Ártico en Die Schrecken des Eises und der Finsternis de Christoph Ransmayr (Manuel Maldonado-Alemán)
  • Die Reisende als Erinnernde. Über Katja Petrowskajas Reise in den Osten als Reise in die Vergangenheit (Sanna Schulte)
  • Das Prinzip Reise: Sehnsucht nach dem eigenen Ich in den Werken von Christian Kracht (Şebnem Sunar)
  • Zwischen Bildungs- und Heimatliteratur Wolfgang Herrndorfs Tschick und Rolf Lapperts Pampa Blues – Das Motiv der Reise im deutschen Jugendroman der Gegenwart (Carlo Avventi)
  • „Nichts Menschengemachtes – nichts, was man interpretieren muss.“ Lanzarote als Handlungsschauplatz in den Romanen Nullzeit und Neujahr von Juli Zeh (Francisca Roca Arañó)
  • Destinationskrimis als identitätsstiftende Kulturräume. Die Stadt Valencia in Lokalkrimis deutscher Autoren (Isabel Gutiérrez Koester)
  • Reihenübersicht

Autorenverzeichnis

Francisca Roca Arañó

Universitat de les Illes Balears

Carlo Avventi

Pädagogische Hochschule Heidelberg

Olga García

Universidad de Extremadura

Ingrid García-Wistädt

Universitat de València

Isabel Hernández

Universidad Complutense de Madrid

Kathrin Holzapfel

Universidad del País Vasco

Rolf-Peter Janz

Freie Universität Berlin

Isabel Gutiérrez Koester

Universitat de València

Dennis Korus

Universität Passau

Tanja Angela Kunz

Humboldt-Universität Berlin/Universität Greifswald

Isabella Leibrandt

Universidad de Navarra

Manuel Maldonado-Alemán

Universidad de Sevilla

Francisco Manuel Mariño

Universidad de Valladolid

María Rosario Martí Marco

Universidad de Alicante

Mireia Vives Martínez

Universitat de València

Friedhelm Marx

Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Reinhold Münster

Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt

María José Gómez Perales

Universitat Politècnica de València

Jesús Pérez-García

Universidad de Valladolid

Christian Prado-Wohlwend

Universitat de València

Berta Raposo

Universitat de València

Macià Riutort Riutort

Universitat Rovira i Virgili

Sanna Schulte

Universität Wien

Şebnem Sunar

Istanbul Universität

Francesca Teltscher Taylor

Monash University

Cristina Paneque De La Torre

Universitat de València

Pedro Hernández Verdú

Universidad de Alicante

Eckhard Weber

Universitat de València

Mihaela Zaharia

Universität Bukarest/Rumänien

Ein Vorwort

Reinhold Münster

Hochschule für angewandte Wissenschaften
Würzburg-Schweinfurt

Seit seinen Anfängen in der dunklen Steinzeit war der Mensch unterwegs, wanderte als Nomade durch liebliche Auen, sumpfige Tundren, dichte Urwälder, durch Wüsten oder über die Gebirge, jagte, kämpfte, sammelte Früchte und Wurzeln, besuchte benachbarte Clans oder Heiligtümer, schweifte durch die Lande und erkundete dabei die Natur. Seine Heimat war da, wo er seine Zelte aufschlug. Die Tatsache, dass der Mensch unterwegs war und noch immer ist, real und in der Sprache und Kultur, könnte als eine anthropologische Konstante definiert werden. In der Philologie und Philosophie sprach man im 20. Jahrhundert vom „unbehausten Menschen“ und von dessen „transzendentaler Obdachlosigkeit“. Die Erfahrungen der displaced persons nach zwei grauenhaften Weltkriegen trugen zu einer solchen Bewertung bei.

Mit der Sesshaftigkeit des Menschen änderte sich sein Verhalten. Nun existierte ein festes Haus, ein Dorf, eine Stadt, ein Mittelpunkt, von welchem aus er seinen Horizont erweiterte, andere Kulturen und den Raum um sich herum wahrnahm. Zu diesem Zentrum kehrte er in der Regel zurück. Das konnte, einmal von zuhause aufgebrochen, eine kurze Strecke von kurzer Dauer sein, eine kleine Wanderung, ein Spaziergang oder Ausflug durch die Gärten, halb Zivilisation, halb Wildnis, rund um die Stadt liegend, oder aber eine lange Distanz, wobei der Weg manchmal eine gefühlte Ewigkeit dauern konnte. Manche brachen auf und kehrten nicht wieder zurück. (Sie traten vielleicht die Reise ins Jenseits an.)

Nicht nur der anthropologische Blick, auch unsere Sprachen verraten viel über das Reisen. Das Wort „Reise“ enthält in romanischen Sprachen den Weg in sich, der zurückzulegen war; im Lateinischen sagte man „iter facere“, eine Strecke zurücklegen. Im Deutschen erzählt es von einer anderen Herkunft: dem Kriegszug und, soll Jakob und Wilhelm Grimm geglaubt werden, auch von der Auferstehung. Ein Wanderer sammelte Erfahrungen und galt als „bewandert“, wenn er ritt als „sattelfest“ oder gar „gut beschlagen“. Erreichte er mit dem Schiff eine fremde Welt, dann lobte man ihn als „erfahren“. Später kam der Begriff des Touristen hinzu, zum ersten Mal in England um 1800, ab 1830 auch im Wörterbuch der Brüder Grimm anzutreffen. Das Wort „Tour“ verrät die Bewegungsrichtung; wie im Tanz dreht sich der Reisende, bricht auf und kehrt zurück. Um wegzugehen, benötigte der Ritter des Mittelalters die Erlaubnis seiner edlen Dame, den Urlaub. Schon die Römer kannten einen arbeitsfreien Tag, die Ferien. In der Regel brach man auf in die Fremde, man war weit weg, besonders als Legionär. Ex terra sagte der Römer übertrieben dazu.

Eine Reise konnte viele Funktionen erfüllen, dem Besuch von an fernen Orten wohnenden Mitmenschen dienen; unterwegs war man Gast in einem Gasthof. Sie konnte eine Pilgerfahrt, ein Kriegszug oder eine Flucht sein, in ←13 | 14→kaufmännischer Absicht erfolgen, eine Bildungs- und Studienintention aufweisen. Manche begaben sich auf der Suche nach Gesundheit ins Heilbad. Die Reise war oft Entdeckungsfahrt oder touristisches Ereignis. In dieser Eigenschaft befriedigte und befriedigt sie die Abenteuerlust, die allgegenwärtige menschliche Neugierde, manchmal auch die Sehnsucht oder einfach nur das Bedürfnis nach Ruhe und Stille. Sie dient dem Erinnern (an einen Erinnerungsort), der Selbstfindung und -erfahrung, der Erweiterung der eigenen Bildung oder der Ausbildung einer Identität. Sie kann Reise an die Orte und Zeiten der Kindheit oder Jugend sein, eine existentielle Form, auch als Fahrt ins Unterbewusste, annehmen, oder eine transzendentale Form entwickeln und an religiöse Stätten führen, um dort die Gottheit zu verehren. Sie kann aber auch der individuellen und gesellschaftlichen Aufklärung dienen, Wissenschaft und Erfahrungen in der Gelehrtenreise verbinden. Im interessantesten Fall verbindet sie Natur, Mensch und Transzendentes miteinander. Einige dieser Aspekte werden im vorliegenden Band ausgearbeitet und in unterschiedlicher Perspektive dargeboten.

Aus Trampelpfaden wurden befestigte Straßen, auf welchen gewandert, geritten, später gefahren und gerast wurde, aus Flüssen wurden Wasserstraßen; das Meer wurde mit verbesserten Schiffen auf festgelegten Routen durchsegelt, später mit dem Dampfer (auch über vom Menschen erbaute Kanäle wie den Suezkanal oder Panamakanal) durchquert. Über Luftstraßen erreicht man heute schnell viele touristische Ziele, die rund um den Globus verteilt liegen. Die Mobilität der Touristen erhöhte sich rasant, indem neue Techniken dank eines durchorganisierten Transportwesens und einer nützlichen Infrastruktur das Reisen erleichterten. Bahnhöfe, Raststätten, Flughäfen, Restaurants und Hotels, in der Regel „Nichtorte“ einer ungleichzeitig gewordenen Gleichzeitigkeit, die fast immer gleich aussehen und die gleichen Funktionen wahrnehmen, sollen das Reisen beschleunigen. Züge der Eisenbahn, Automobile, Schiffe und Flugzeuge eröffneten Wege in immer neue Regionen der Erde in immer kürzerer Zeit; Brücken und Tunnels halfen dabei. Raketen düsten in den Kosmos hinaus, brachten schon mehr als 550 Astronauten in das All und zwölf von ihnen landeten auf dem Mond. Derzeit bereitet sich die Menschheit auf einen bemannten Flug zum Planeten Mars vor.

Im Jahr 2018 waren rund 1,4 Mia. Menschen als Touristen unterwegs. Ungefähr die Hälfte von ihnen reiste nach Europa. Die Reiseindustrie gehört heute zu einem der wichtigsten Unternehmenszweige weltweit. Grenzüberschreitende Reisen machen im Dienstleistungsbereich bis zu 30 Prozent des Welthandels aus. Sieben Länder teilen sich derzeit die Hälfte aller Umsätze: USA, England, Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland und Österreich.

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Ohne Hilfsmittel lässt sich schlecht reisen. Der Koffer/Trolley wäre ein solches Utensil, ohne das die Reise heute kaum gelingen wird. Aber auch der Wohnwagen, das Campingmobil und das Zelt, der Rucksack, früher das Felleisen, die Wanderschuhe, die Zeitschrift aus der Buchhandlung am Bahnhof, der gute alte Fotoapparat oder heute das Smartphone, die Sonnencreme und -brille oder die Kreditkarte erleichtern das Unterwegssein. Und natürlich sollte man den Voucher des Reiseunternehmens und die Fahrkarten nicht vergessen. Für manchen wurden Packlisten im Internet obligatorisch für die Reisevorbereitung: Wie viel wiegen die Ohrstöpsel, um im Hotel in Ruhe schlafen zu können oder unterwegs Musik zu hören? Heute, so scheint es, will man unbeschwert durchs Leben reisen.

Schon früh dienten Portolane der Seefahrt, Straßenkarten für den Fußmarsch oder die Fahrt mit der Kutsche. Die älteste bekannte Karte ist die Tabula Peutingeriana, die immer wieder erweitert wurde, deren früher Kern aber schon den Weg nach Indien (Alexander d. Gr.) wies. Die Karte ist ein Itinerar und bezeichnet die Orte (Städte und Poststationen), die ein Reisender auf dem Weg aufsucht, verfügt schon über Einträge zu Gebirgen, Flüssen, Seen und Wäldern. Die Karten dienten der Orientierung, waren aber auch Wissensspeicher. Sie dienten nicht nur der politischen Macht, um Grenzen von Territorien aufzuzeigen, sie veränderten radikal das Wissen über die Welt. Die Erde als Scheibe: Das galt schon einem durchschnittlichen Stadtbürger im Spätmittelalter als eine lächerliche Idee.

Die Weltkarten der frühen Christenheit (Londoner Psalterkarte, Ebstorfer Karte) positionierten Jerusalem im Zentrum, die späteren Atlanten präsentierten die Welt als Theater (Abraham Ortelius, Gerhard Mercator). Martin Waldseemüller zeigte Gebiete, die bisher nicht kartographisch dargestellt wurden und gab „Amerika“ den Namen. Der älteste „Erdapfel“ von Martin Behaim aus Nürnberg (1493) oder die Schedel’sche Weltchronik aus dem gleichen Jahr kannten den neuen Kontinent noch nicht. Die Verbesserung der Messtechnik – Alexander von Humboldt vermaß auf dem Weg nach Madrid die spanische Meseta noch mit einfachen Mitteln – und die Einteilung der Erde in Längen- und Breitengrade ermöglichte unterschiedliche Projektionen für Atlanten, Globen und Landkarten und erleichterten vor allem die Seefahrt. Heute liefern Satellitensysteme wie das „Global Positioning System (GPS)“ exakte Daten für den Reisenden.

Das Reisebüro veranstaltet und vermittelt Reisen. Schon im alten Rom gab es Institutionen, die als Reisebüros agierten. Organisierte Reisen gab es im Spätmittelalter, vor allem die Pilgerfahrten nach Rom, Jerusalem und Santiago de Compostela. Das ähnelte durchaus unseren Pauschalreisen. Ein erstes, echtes Reisebüro richtete um 1630 der Arzt Théophraste Renaudot in Paris ein. Dessen Idee breitete sich in der Zeit der Aufklärung in Europa aus. Spezielle Zeitschriften informierten rund um das Reisen und die Reiseziele. ←15 | 16→Die ersten organisierten Gruppenreisen fanden im deutschen Harzgebirge in den 1780er Jahren statt.

Erfolgreich wurde die Institution erst mit Thomas Cook. Dieser bot 1841 die erste Gruppenreise mit der Eisenbahn, den high tea inklusive, an. Das Unternehmen wuchs schnell und zehn Jahre später ermöglichte es für mehr als 150.000 Engländer den Besuch der Londoner Weltausstellung. Seine Werbung richtete sich an wohlhabende Arbeiter und Angestellte. Erst 2019 meldete das bis dahin erfolgreiche Unternehmen Konkurs an.

Schnell entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jh. in Nordeuropa Reisebüros. Man bevorzugte als Destinationen den Süden, Italien, Griechenland und Ägypten; der Bildungsbürger reiste gerne an die Stätten des klassischen Altertums. Die Schönheit der griechisch-römischen Statuen hatte schon Johann J. Winckelmann fasziniert. Der Raum schrumpfte und Weltreisen wurden gerne unternommen. Jules Vernes Reiseroman In achtzig Tagen um die Erde (1875) kann als Ausdruck einer neuen Mentalität gewertet werden. Henry de Toulouse-Lautrec entwarf hochmoderne Werbeplakate für das Reisen, ihm folgten Pablo Picasso und viele andere Künstler. Neue Akzente setzte die Reisefotografie. Heutzutage buchen viele Touristen über Suchmaschinen im Internet ihre Reisen, die sie sich auf „Youtube“ in kurzen Werbeclips angesehen hatten. Dieses Geschäft hat sich extrem diversifiziert.

Der Reisende informierte sich vor und während der Fahrt mithilfe eines Reiseführers in Buchform. Als ältester „Reiseführer“ gilt Pausanias mit seiner Beschreibung Griechenlands (um ca. 170 n. C.). Seine Darstellung berichtet von Sitten und Kultur, von Geschichte und Natur; sie hatte einen enzyklopädischen Anspruch. Im Spätmittelalter stand die Pilgerfahrt im Mittelpunkt, in der Regel noch als Itinerar abgefasst. In der Folge entstanden unsäglich viele Reiseberichte, die von erlebten und gemachten Fahrten erzählten; sie regten Reisen zu fernen Zielen an, im 18. Jh. ins eisige Hochgebirge und an das wilde Meer.

Einen Neuanfang versuchte Karl Baedeker. Nach seiner eigenen Rheinreise ärgerte er sich über die ungenauen und vagen Informationen aus Reiseberichten und versprach Verbesserung. Seine qualitativ hochstehenden Hinweise wurden vor Ort durch eine Inaugenscheinnahme überprüft und immer wieder aktualisiert. Die Mitarbeiter vergaben auch die berühmten Sterne als Auszeichnung für Unterkünfte oder Hotels. Seine roten, goldgeprägten Bände gelten bis heute als Standard für den Reiseführer. Genauso beliebt waren die roten Reiseführer von John Murray, beginnend 1836, oder der Guide Bleu in Frankreich ab 1841. Heute haben sich Reiseführer an die jeweiligen Milieus und Lebensstile angepasst.

Den zentralen Beitrag für die Entwicklung des Genres der Reisebeschreibung, die nicht immer leicht von einer Reiseerzählung unterscheidbar ist, lieferten die reisenden Wissenschaftler und natürlich die Entdecker. Herodot ←16 | 17→von Halikarnassos gilt nicht nur als der Vater der Geschichtsschreibung, sondern auch als Verfasser eines spannenden Reisebuches. Im Raume las er die Zeit, besuchte Ägypten, Babylon, den Vorderen Orient, die Küsten des Schwarzen Meeres, das Land der Thraker, Makedonien und die Siedlungen der Skythen. Befremdliche Bräuche lernte er dort kennen. Frauen wählten sich dort die Männer für das erotische Abenteuer einer Nacht aus, eine für einen (patriarchal erzogenen) Griechen wie Herodot schreckliche Erfahrung.

Strabon erkundete Ägypten und Äthiopien; Ausonius beschrieb in seinem Band Mosella eine anmutige Flusslandschaft, die er selbst durchwandert hatte. Der chinesische Gelehrte Xuanzang erforschte im Frühmittelalter den indischen Kontinent. Im Reiseroman Der Weg nach Westen (aus dem 16. Jh.) begleiten ihn göttliche Tiere mit menschlichen Eigenschaften. Im Gegenzug reiste Marco Polo im Frühjahr 1275 in das China des Kublai Khan. Sein Bericht erfreute Generationen mittelalterlicher Leser, auch wenn sie ihm nicht in allen Dingen Glauben schenkten. Die umfangreichsten Reisen des Mittelalters unternahm Ibn Battuta aus Nordafrika, der in 30 Jahren 120.000 Kilometer zurücklegte. Doch den am häufigsten gelesenen Reisebericht des Mittelalters schrieb Jean de Mandeville, der (angeblich) nicht nur nach Ägypten, China und Äthiopien reiste, sondern auch auf seiner Fahrt Zwerge antraf, die sich vom Geruch der Äpfel ernährten, oder Menschen, die Hundeköpfe hatten. Sein Buch inspirierte Christopher Columbus zum Aufbruch in die Neue Welt.

Die Frühe Neuzeit war die Zeit der großen europäischen Entdecker, die mit ihren Berichten über den unglaublichen Reichtum und die Fremdartigkeit des neuen Kontinents Aufmerksam erregten: Christopher Columbus, Ferdinand Magellan, Hernán Cortés, Francisco Pizarro, Vasco da Gama, Amerigo Vespucci. Francisco de Orellana machte sich auf die Suche nach El Dorado und erkundete den Amazonas; Samuel de Champlain erforschte Kanada. Missionare folgten ihren Spuren. Erst im 18. Jahrhundert bereiste James Cook die Südsee und ankerte in Australien. Vitus Bering und Georg Streller betraten in dieser historischen Phase als erste Europäer Alaska. Die Berichte der Abenteurer und Entdecker erweiterten den Horizont des Zeitalters und sorgten für eine Neuordnung des Wissens über die Welt. In Wunderkammern wurden die Artefakte dieser Entdeckungen und Eroberungen ausgestellt.

Immer häufiger waren Naturwissenschaftler und Forscher an Bord oder auf sich gestellt unterwegs. Auf der zweiten Expedition 1772 begleiteten Reinhold und Georg Forster auf der MS Resolution Kapitän Cook in die Südsee. Forsters Reisebericht faszinierte die Zeitgenossen, unter ihnen Johann W. von Goethe. Dieser verfasste den Klassiker der Reiseliteratur mit seiner Italienischen Reise. Die Welt wurde katalogisiert und vermessen. Der junge Adlige und der reiche Bürgerssohn unternahmen ausgedehnte Reisen, um ←17 | 18→die Mode und Etikette des Adels nachzuahmen oder Handelsbeziehungen zu verbessern. Man reiste, um Bibliotheken einzusehen und mit Kollegen weit entfernter Universitäten zu disputieren. In seinem Buch The Voyage of Italy (1670) prägte Richard Lassel den Begriff der Grand Tour. Thomas Nugent gab in seiner mehrbändigen Grand Tour (1749) detailreiche Einblicke in touristische Stätten und zugleich moralische Ratschläge für das Verhalten unterwegs. Nun war das Thema des Verhaltenskodex für Reisende auf die Agenda gesetzt.

Im 19. Jahrhundert, dem Zeitalter des Fortschritts und einer anfangs vom Mittelalter begeisterten Romantik, wandten sich wagemutige Reisende in unbekannte und gefährliche Gebiete vor. Die zwei berühmtesten waren Alexander von Humboldt und sein Gefährte Aimé Bonpland mit ihrer Expedition nach Amerika (1799–1804); seine auf Französisch verfassten Reiseberichte sind leider noch immer nicht vollständig ediert. Alexanders Bruder Wilhelm reiste zweimal nach Spanien und machte auf das Baskische als aussterbende Sprache aufmerksam. Moritz Willkomm widmete sich etwas später der Beschreibung von Flora und Fauna Spaniens.

Im Zuge der Invasion Napoleons in Ägypten erreichte die mehrbändige Description de l’Égypte (erschienen 1809–1829) eine breite Öffentlichkeit. Der deutsche Reisende Carsten Niebuhr hatte das Land schon in seiner Beschreibung von Arabien 1772 bekannt gemacht. In Europa entstand eine starke Begeisterung für das Land der Pyramiden, deren malerischer Ausdruck der Orientalismus war. In Europa reiste man weiterhin nach Italien, doch viele entdeckten den Süden Spaniens als Ziel.

Die Forscher und Entdecker unternahmen immer gewagtere Expeditionen. Charles Darwin umrundete auf der MS Beagle ab 1831 den südlichen Teil des Globus. Mungo Park begab sich auf der Suche nach dem Verlauf des Nigerflusses (Reise ins Innerste Afrikas) in die unerforschten Tiefen Afrikas (1795, 1805). Das ewige Eis des Nordens und Südens lockte. Fritjof Nansen durchquerte Grönland, Robert E. Perry erreichte 1909 den Nordpol und Roald Amundsen 1911 den Südpol. Edmund Hilary bestieg 1953 den Gipfel des Mont Everest und 1960 sanken Jacques Piccard und Don Walsh mit der „Bathysphäre Trieste“ in die ozeanischen Tiefen des Marianengrabens hinunter. Schließlich erreichte Apollo 11 den Erdtrabanten am 20. Juli 1969 um 20:17 (UTC) und landete 53 Meter vom Krater Little West entfernt im Mondstaub. Neil Armstrong funkte an Houston: „Tranquility Base here. The Eagle has landed!“

Zwei Drittel des vorliegenden Bandes beschäftigen sich jedoch nicht mit Reisebeschreibungen, die auf konkrete Reisen zurückgreifen (Tagebucheinträge, Briefsammlungen, Notizen und andere Gedächtnisstützen). Sie betonen den fiktionalen Aspekt, hauptsächlich für das vergangene und unser derzeitiges Jahrhundert. Es sind Fragen und Themen der Literatur der Gegenwart, ←18 | 19→die vorgestellt werden. Das Verhältnis zwischen Fiktion und Wirklichkeit in der Literatur erweist sich als äußerst komplex. Umberto Eco und vor ihm die analytisch-pragmatische Sprachphilosophie hatten darauf aufmerksam gemacht. Jeder Poet scheint sein Text auch noch so fern und abgehoben von jeder Wirklichkeit zu sein, muss auf die Realität ausgreifen. Das tosende Meer, der bewölkte Himmel, der heiße Sand der Wüste, die Landschaft der Erde eben, aber auch die Flöhe im Bett des Reisenden, all dies war und ist Teil des täglichen Lebens. Selbst die Welt der Ideen und Gedanken, die Welt der Sprache und ihrer Strukturen, des Glaubens oder der Träume, ja des Wahns, sie gehören zu diesem Leben. Das schreibende Ich – die These vom Tod des (schreibenden) Subjekts ist schon längst überholt – und sein Blick in die Tiefen seines Inneren gehören zur Lebenswelt der Menschen. Denn nur in der Anerkennung einer miteinander teilbaren Welt kann der Autor den Weg zum Leser finden. Es gibt Autoren, deren Protagonisten und Figuren mit einem kleinen Raum auskommen, einer Gefängniszelle, einem Krankenbett; es finden sich aber auch diejenigen, die auf den gesamten Kosmos ausgreifen. Die Welt setzte von Anfang an der Phantasie keine Grenzen.

Die Reiseliteratur öffnete sich in der Utopie und der Science-Fiction der grenzenlosen Fiktion. Jules Verne regte mit zwei Romanen die Reise zum Mond an; Kurt Laßwitz, Paul Scheerbart und H. G. Wells beschrieben sogar Reisen zum und vom Mars. Fritz Lang drehte den Film Frau im Mond (1929) und wurde von dem Raketentechniker Hermann Oberth beraten, der zu einer realistischen Darstellung des Fluges anregte. Hans Dominik begeisterte kleine Jungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit seinen Sachbüchern und Erzählungen aus dem Weltraum und fremden Regionen.

Phantastisch waren schon die ersten Reisedichtungen: In der Odyssee treten Ungeheuer auf, einäugige und Felsen werfende; Odysseus besuchte die Unterwelt der Verstorbenen, bezirzte Zauberinnen und wurde von Göttinnen beschützt oder bedroht, hörte den bezaubernden Klang der Sirenen, Mischwesen aus Frau und Raubvogel, dank seiner klugen Listen, um nach zwanzig Jahren in Krieg und Ferne in die Arme seiner Ehefrau zurückzukehren, die sich mit weiblicher List ihrer Freier erwehrt hatte. Herakles und Theseus machten sich auf, um den Gürtel der Amazonenkönigin zu rauben; Jason raubte – unterstützt von seiner Geliebten und Magierin Medea – in der gleichen Region das goldene Vlies. Gilgamesch tötete auf seiner Abenteuerreise einen Riesen, verlor seinen Weggefährten, erhielt ein Kraut, das ihm das ewige Leben schenken konnte und verlor es im Schlaf an eine Schlange. Im Alten Testament machten sich viele Helden und Gottesfürchtige auf den Weg. Abraham zog an die östliche Levante, Moses von Ägypten ins Gelobte Land und lieferte mit dem Bericht vom Exodus viele Anregungen für aufregende Erzählungen (Sigmund Freud, Thomas Mann, Jan Assmann). Im Neuen Testament zog Jesus als Wanderprediger durch Galiläa; die Apostel ←19 | 20→Petrus und Paulus missionierten auf ihren Reisen, bis sie in Rom hingerichtet wurden. Tacitus, der nie in Germanien war, verfasste das einflussreichste Buch über die Germanen und half, den nationalen Mythos des Nordens zu formen.

Der Dichter Dante machte sich auf den Weg durch eine Wunderwelt des christlichen Glaubens. Er überquerte den Fluss Lethe, stand vor dem Berg der Hölle, der innen hohl war, besichtigte diesen Schreckensort und anschließend das genauso grausame Fegefeuer in Begleitung des römischen Dichters Vergil. Durch Beatrices Fürsprache durfte er sogar einen Blick auf den Glanz der Dreifaltigkeit werfen. Die Ritter des hohen Mittelalters zogen aus, das Heilige Land zu befreien, den Heiligen Gral zu finden, mit Heldentaten in der Ferne Ruhm zu erwerben, den Frauen und der Tafelrunde zu imponieren. Sie kämpften gegen eklige Drachen und gemeine Ungeheuer, gegen die Zauberer in der Welt, wenn man den Erzählungen ihrer Taten vertrauen möchte.

Sindbad der Seefahrer erfreute in Tausendundeine Nacht seit dem frühen 18. Jahrhundert nicht nur die jungen Leser in Europa. Lilliput, der Wohnort der Miniaturmenschen, machte die Abenteuer des Gulliver unvergesslich. Die Insel des Robinson Crusoe faszinierte ebenso wie die eisige Welt Frankensteins. Wildnis, Erhabenheit, Helden und bezaubernde Frauen besiedelten die Welt des frühen 19. Jh. Die Filmreihe Fluch der Karibik (Johnny Depp) erinnert an die Schatzinsel des Robert L. Stevenson. Bei Karl May verlockten der Orient und der Wilde Westen, Ardistan, Dschinnistan und das Land der Mescalero-Apachen dazu, sich als Junge als Held in diese Welt hineinzuträumen. Das Mädchen Dorothy verwehte es mit seinem Hund Toto durch einen Wirbelsturm in das Zauberland Oz (1900). Bei Bertolt Brecht sang 1927 Jenny mit ihren sechs Mädchen über die Stadt Mahagonny: „Show me the way to the next whisky bar!“ Der ruhelose Mensch fand 1933 in Shangri-La in Tibet (James Hilton, Lost Horizon) zu seinem Selbst zurück. Im Reise-Epos The Lord of the Rings (1954) entführt bis heute J. R. R. Tolkien seine Leser ins Auenland der Hobbits, nach Mordor und Gondor. Der Schriftsteller kehrte in die Welt Alt-Islands aber auch Richard Wagners zurück. Und noch immer wabern die Nebel um die Seen von Avalon. Heute kennt fast jedes Kind in Deutschland die Insel Lummerland oder Entenhausen, in welchem sich Donald Duck mit seinen drei Neffen Tick, Trick und Track durch alle Tücken des Lebens kämpft.

Der vorliegende Band beantwortet unterschiedliche Fragestellungen. Die Sichtweise des Mittelalters findet genauso Interesse wie die ästhetischen Haltungen des angehenden 21. Jahrhunderts. Genderaspekte, technische Entwicklungen, literarische Traditionen, nationale und kosmopolitische Ausrichtungen, gattungsspezifische Fragestellungen und vieles mehr ermöglichen es dem Leser und der Leserin, spannende Einblicke in die Literatur des Reisens zu erwerben.

Einleitung

Berta Raposo/Christian Prado-WohlwendUniversitat de València

Die Beiträge in diesem Band beschäftigen sich mit dem Themenkomplex Reise in all seiner Bandbreite, von der imaginierten Reise in phantastische oder reale Länder bis hin zur Niederschrift oder Chronik von Reiseimpressionen. Aufgrund dieser großen Vielfalt der Ansätze schien eine einfache chronologische Anordnung die geeignetste zu sein, da eine Einteilung nach Themenblöcken viele Überschneidungen und Sprünge verursacht hätte. So stehen am Anfang, als eine Art Vorspann, zwei Beiträge über Texte, die jeweils der vormodernen bzw. frühmodernen Zeit angehören und in zwei entgegengesetzten Bereichen der Phantasie und der Wirklichkeit angesiedelt sind: Dennis Korus geht der Frage nach, wie das Reisemotiv im Sinne der mittelalterlichen âventiure (dargestellt am Beispiel des Artusromans Erec Hartmanns von Aue) detailliert beschrieben werden kann. Eckhard Weber widmet seinen Beitrag der Wahrnehmung und Darstellung von Frauen in einem Reisebericht vom Ende des 16. Jahrhunderts.

Alle anderen Beiträge umfassen Texte des 19. bis 21. Jahrhundert. Die drei ersten von ihnen stehen in Zusammenhang mit mehreren an der Universität Valencia in den letzten Jahren gelaufenen Forschungsprojekten über deutschsprachige Spanienreisende und ihre schriftlichen Zeugnisse: Ingrid García-Wistädt, María José Gómez und Mireia Vives analysieren einige dieser Reiseberichte aus dem 19. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der Darstellung der Stadt Valencia im Zwiespalt zwischen romantischen Stereotypen und neuen Wegen der Wahrnehmung. García-Wistädt bespricht drei Werke des Botanikers Moritz Willkomm; Gómez stellt den katholischen Geistlichen Franz Lorinser vor; Vives die deutsch-österreichische Schriftstellerin und Salondame Rosa von Gerold. Am Ende dieser Zeit, d. h. um die Jahrhundertwende wurden die Reisen der höheren gesellschaftlichen Schichten erleichtert durch den Ausbau der Eisenbahnverbindungen kreuz und quer durch Europa, wie Olga García in ihrem Aufsatz eindrücklich darlegt; sie zeigt auch, wie die die Phantasie zahlreicher Autoren dadurch beflügelt wurde, wobei die südtirolische Stadt Meran einen besonderen Platz einnahm.

Die drei nächsten Aufsätze bewegen sich im Bereich der literarischen Reise am Anfang des 20. Jahrhunderts. Friedhelm Marx interpretiert Thomas Manns Der Tod in Venedig als Reisenovelle in mehrfachem Sinn: Der ←21 | 22→Protagonist reist in den Traum, in die „reale“ Stadt Venedig und in den eigenen Tod. Mihaela Zaharia betont die Suche des Ewig-Weiblichen im Reisedrang von Robert Müllers Romanhelden, die das Exotische und das Erotische gleichzeitig verfolgen, vergleichbar den „Erfahrungsräume(n) des Begehrens“, die Friedhelm Marx bei Thomas Manns Novelle ebenfalls entdeckt hatte. Zwischen literarischen Reisen und Science-Fiction können auch mehrfache Wechselbeziehungen bestehen, und so bringt Francisco Mariño ein frühes Beispiel dieser Romangattung in Lesabéndio. Ein Asteroiden-Roman von Paul Scheerbart, der eine Reise vom Bekannten ins Unbekannte thematisiert, wo letzten Endes der Weg zum Ziel wird und zur Selbstkenntnis führt.

Für die Zwischenkriegszeit zeigt Jesús Pérez, dass die fiktiven Migrationen, die im Zukunftsroman von Hans Dominik Die Spur des Dschingis-Khan dargestellt werden, den damals viel beschworenen deutschen Drang nach Osten widerspiegeln unter dem Vorzeichen der völkischen Ideologie. Die Nähe des Faschismus macht sich auch bemerkbar in Thomas Manns Erzählung Mario und der Zauberer. Ein tragisches Reiseerlebnis, die in Francesca Teltscher Taylors Aufsatz analysiert wird. Das Augenmerk ist hier eher auf das Reiseziel als auf die Reise selbst gerichtet, indem der Süden als Ort des Kontrollverlusts der deutschen Identität erscheint. Nach diesen literarischen Reisen stellt Macià Riutort Riutort die reale Reise des Isländers Gunnar Gunnarsson nach Spanien vor, sowie deren deutsche Literaturbearbeitung durch Helmut de Boor und ihre Beziehungen zur nationalsozialistischen Gemeinschaft Kraft durch Freude. Als Gegensatz dazu verkörpert Erika Mann den Typus des kosmopolitischen Reisenden, der nicht nur in ihren Reiseberichten, sondern auch in ihren Kinder- und Jugendbüchern vorkommt, wie in Kathrin Holzapfels Beitrag zu lesen ist.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts findet man in Max Frisch einen Autor, der im Lauf seines Lebens zahlreiche Reisen zwischen Europa und Amerika unternommen hat; Isabel Hernández erörtert die Frage, wie er die im Reisealbum aus Mexiko niedergeschriebenen Impressionen in seinen Romanen Stiller und Homo faber verarbeitet hat. Der Nobelpreisträger Peter Handke ist ebenfalls ein passionierter Reisender, in dessen Werk die weitesten Reisen stets Wahrnehmungsreisen ins Unmittelbare sind. Auf dieser Basis untersucht Tanja Kunz das Verhältnis zwischen Reisen, Reiselärm und Schreibprozess in seinem Werk auf einer poetologischen Ebene. Isabella Leibrandts Aufsatz über F. C. Delius’ Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus bringt eine völlig andere Perspektive als die übrigen Beiträge, da er eine Didaktisierung dieser Erzählung für den DaF-Unterricht beinhaltet; der Ausbruch des Protagonisten aus der DDR erscheint als Bildungsreise in der Tradition von G. F. Seumes Spaziergang nach Syrakus von 1802. Auf der entgegengesetzen Seite der Bildungsreise steht der Massentourismus, der in ←22 | 23→den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts ungeheure Ausmaße angenommen hat; Cristina Paneque geht darauf ein am Beispiel von Christian Krachts und Eckhart Nickels Werk Ferien für immer, wo die Textsorte des touristischen Reiseführers mit einem ironischen Blick betrachtet und als ein Instrument des Kolonialismus entlarvt wird.

Am Anfang des 21. Jahrhunderts erschien ein äußerst publikumswirksames Buch, das eine sehr alte Reiseform wiederaufgreift und modernisiert: die Pilgerfahrt. Das ist Gegenstand des Aufsatzes von María Rosario Martí und Pedro Hernández, die Hape Kerkelings Chronik seiner Wandlung auf dem Jakobsweg (Ich bin dan mal weg) als Darstellung einer Heterotopie, als Mittel zur Selbstkenntnis und als Möglichkeit zur Entdeckung des eigenen Körpers durch die Anpassung an die widerständige Landschaft betrachten.

Zwei Aufsätze in diesem Band beschäftigen sich mit Christoph Ransmayr. Rolf-Peter Janz analysiert seine Erzählung Atlas eines ängstlichen Mannes aus der Perspektive des Konflikts zwischen Natur und Zivilisation, der in allen vom Autor bereisten Weltgegenden begegnet. Manuel Maldonado-Alemán seinerseits sieht die Entmythifizierung der Polarexpeditionen sowie die Dialektik zwischen Realität und Fiktion im Roman Die Schrecken des Eises und der Finsternis als Mittelpunkt von Ransmayrs Überlegungen.

Die nächsten drei Beiträge stellen die Beziehung zwischen Reise und innerer Entwicklung der Figuren in den Vordergrund. In Sanna Schultes Aufsatz wird die Erinnerung an die Familiengeschichte im Prozess des Erzählens thematisiert. Hier wird demonstriert, dass in Katja Petrowskajas Debütroman Vielleicht Esther (der die Konventionen der Reiseliteratur und der Autobiographie in Frage stellt) das Schreibverfahren und die Rekonstruktion der familiären Vergangenheit linear und parallel verlaufen. In die entgegengesetzte Richtung, nämlich Zukunft, gehen die in den folgenden Beiträgen analysierten Werke. Şebnem Sunar untersucht Christian Krachts Romane, insofern sie die Selbstfindung, aber auch Selbstzerstörung der Protagonisten im Akt des Reisens problematisieren. Carlo Avventi setzt sich mit Wolfgang Herrendorfs Tschick und Rolf Lapperts Pampa Blues auseinander. Beide verbinden die physische Reise mit der Innerlichkeit der Protagonisten, deren Entwicklung aus der Perspektive des Bildungsromans betrachtet wird.

Am Ende des Bands stehen zwei Aufsätze, die sich mit Zielorten eher als mit eigentlichen Reisen beschäftigen, trotzdem aber die Beziehung zur Reiseliteratur nicht aus den Augen verlieren. Die Suche nach Abenteuer im Unbekannten, der Ausstieg aus der bürgerlichen Gesellschaft als Gründe für den Reisedrang und die innere Reise bilden die thematischen Schwerpunkte in Francisca Rocas Auseinandersetzung mit den Romanen von Juli Zeh Nullzeit und Neujahr, welche auf der Kanarischen Insel Lanzarote spielen, einer Landschaft, die für eine innere Reise besonders geeignet scheint. Im Zusammenhang mit den anfangs erwähnten Forschungsprojekten der Universität ←23 | 24→Valencia befasst sich Isabel Gutiérrez mit zwei deutschen Lokalkrimis, die in der Stadt Valencia spielen. Diese Romane fungieren als eine Art Reiseführer für die Leserschaft, indem sie das Publikum zum Kennenlernen der Schauplätze anregen können. Demnach wirken sie besonders interessant und anziehend für potentielle Touristen. So schließt sich der Kreis, der nach dem vormodern-frühneuzeitlichen Vorspann mit den Reiseberichten des 19. Jahrhunderts anfing und die Vielfalt an Perspektiven aufzeigte, unter denen die Reise als kulturelles Handeln zum Gegenstand der Literatur werden kann.

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Zum Schluss möchten wir uns bei dem Vizerektorat für Forschung der Universität Valencia bedanken, das die Publikation dieses Buchs im Rahmen der Forschungsförderungsmaßnahme UV-INV-AE18-783673 möglich gemacht hat.

Finalmente queremos agradecer al Vicerrectorado de Investigación de la Universitat de València el haber hecho posible esta publicación en el marco de la Acción especial UV-INV-AE18-783673.

Erecs âventiure-Fahrten – unterwegs mit got und wîp

Dennis Korus

Universität Passau

Abstract: In Hartmann’s Erec, the adventure journey fits into a unique arrangement of religious and erotic aspects. Beside the âventiure as the dominating structure element, Enite, Erecs wife, takes a key position in the narrative, too, because while she gains God’s grace, she also embodies the erotic component. Especially the sequence where the fictional audience interrupts the narrator’s description of Enite’s horse shows the way, Hartmann negotiates the constellation of adventure, avidity and deism.

Keywords: âventiure, travel motif, labyrinth, alterity, double cursus, Arthurian horses

1 Einleitung

Die Position, die dieser – im DieKern mediävistische – Beitrag in einem Band mit überwiegend neugermanistischen Artikeln innehat, lässt sich am ehesten damit begründen, dass hier der Roman eines Autors besprochen wird, der wohl wesentlich früher gelebt hat als die meisten (wenn nicht gar alle) Autorinnen und Autoren, die in den folgenden Abhandlungen besprochen werden. Gemeint ist Hartmann von Aue, ein rîter, der gelêrt was [Übersetzung: ein gelehrter Ritter; Iwein V. 341]. In der Rolle des Gelehrten adaptierte er Chrétien de Troyes’ Roman Érec et Énide und schuf so bekanntlich den ersten deutschsprachigen Artusroman: den Erec. Die zum Erec gehörende und „kaum […] zu überblickende Forschungslandschaft“2 wird im Folgenden nun mittels der – zunächst naiv angewandten – Denkfolie der ‚Reise‘ zumindest in Teilen neu akzentuiert.3 Als Rahmen des Reisemotivs verstehe ich ←25 | 26→dabei eine für Hartmanns Adaption4 spezifische Konstellation aus Abenteuer, Erotik und Religion, der folgendes abstraktes Arrangement zugrunde liegt:

Abb. 1: Die Rahmung der Reise5

Dieses Schema ist zunächst dergestalt formuliert, dass es sich auf unterschiedliche Romane unterschiedlicher Epochen beziehen kann – vorausgesetzt, dass die dahinterstehende Strukturierungsidee in der jeweiligen Erzählung umgesetzt wird. So lässt sich die dargestellte Struktur in Teilen u. a. auch in Thomas Manns Der Tod in Venedig wiederfinden. Hat man also einen literarischen Text gefunden, von dem man begründet vermuten kann, dass das vorgestellte Strukturschema auf ihn zutrifft, dann gilt es – so meine Idee bezüglich des Umgangs mit solchen Schemata – nun, herauszuarbeiten, wie diese Struktur in der Einzigartigkeit des Textes umgesetzt wird, um schlussendlich darüber Klassifizierungen von Romangruppen in Bezug auf das Schema vornehmen zu können.6

Insbesondere bei mittelhochdeutschen Texten (aber auch z. B. bei literarischen Texten der Frühen Neuzeit oder des Barock7) müssen dabei auch ←26 | 27→sprachhistorische und kulturgeschichtliche Besonderheiten beachtet werden. Im Falle des Artusromans ist das Abenteuer also die âventiure, die Erotik geht insbesondere vom wîp aus, und Religion meint hier vor allem die Hinwendung zu got. Um der Alterität des Textes also zumindest teilweise gerecht zu werden, lässt sich das obige Schaubild – auch im Sinne einer Anwendung des zunächst absichtlich abstrakt gehaltenen Schemas auf den konkreten Roman – wie folgt spezifizieren:

Abb. 2: Die Rahmung der Reise im Erec

Die hierbei stattfindende Berücksichtigung der historischen Sprachstufe betrifft zudem auch den in der zweiten Abbildung unangetasteten Begriff der Reise, denn im Alt- und Mittelhochdeutschen „meint das Wort ‚reise‘ die kriegerische Unternehmung bzw. sogar nur den Aufbruch hierzu, bezeichnet aber seit dem 9. Jahrhundert gleichermaßen auch schon die physische Bewegung an sich von einem Ort an einen anderen; das mhd. Wort ‚vart‘ bedeutet (ohne die Fortbewegungsart des Fahrens zwingend zu implizieren) teils die Reise, teils die Ankunft“.8

Dieser Spezifizierung des Schemas ist es im Grunde auch zu verdanken, dass das Abenteuer den zuoberst markierten Eckpunkt des Dreiecks bildet. Im Falle von Der Tod in Venedig würde ich hierfür beispielsweise eher die Erotik wählen und müsste zudem berücksichtigen, dass die erotische Versuchung für den Hauptprotagonisten gerade nicht zwangsläufig von einer weiblichen Figur ausgehen muss. Allerdings liegt es mir fern, daraus bereits einen Gegensatz zwischen mittelalterlicher und neuzeitlicher Literatur zu abstrahieren (und zwar ←27 | 28→nicht nur, weil dies statistisch unhaltbar wäre). Folgt man Rüdiger Schnell, so gilt nämlich: Eine mit den in der zweiten Abbildung vorgenommenen Veränderungen einhergehende Betonung der „‚Alterität des Mittelalters‘ legitimiert […] die Neuzeitspezialisten, die Mittelalterforschung zu ignorieren und schadet so der Mediävistik“9 und auch der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft.10 Eine Betonung der Kontinuität – auch beispielsweise bei der Wortwahl bzgl. der Reisesemantik – ist hier also auch gedacht als Einladung, diesen mediävistischen Artikel in Bezug mit jenen Analysen zu setzen, die ihn umgeben. Die zu diesem Zweck getroffenen Entscheidungen werden im Fazit reflektiert.

Bis dahin dient das zu Beginn vorgestellte Schema insbesondere als ‚Leitfaden‘, um das spezifische Verhältnis der gewählten Eckpunkte, wie es im Erec umgesetzt wird, auf der Basis einer anfänglichen Betrachtung des Reisemotivs selbst herauszuarbeiten. Jene Abschnitte, die den Eckpunkten des Strukturbildes entsprechen, werden dabei um weitere Kapitel darüber ergänzt, wie die zuvor in den Abbildungen dargestellte Konstellation in den Pferden als Zeichenträgern und der Erzählerrede jeweils umgesetzt wird. Ich schließe, wie üblich, mit einem Fazit.

2 Reise

Beginnen wir mit den grundsätzlichen ‚Reisedaten‘: Zentraler Reisender ist der Held Erec, der sich binnen der im Roman geschilderten Reisen vom Jüngling zum Herrscher entwickelt. Seine zeitweiligen Reisegefährten, die er während der Reisen trifft – wie z. B. seine (spätere) Partnerin Enite oder König Guivreiz –, übernehmen vor allem „die unterstützende Funktion des Helfers“11 bzw. der Helfer. Allerdings stellt sich gerade Guivreiz Erec bei ihrem Zusammentreffen auch zunächst als Gegner in den Weg, was jeweils in eine der beiden Guivreiz-âventiuren mündet, sobald sich die ‚Reiserouten‘ der beiden Ritter kreuzen. Bereist wird von ihnen – und in erster Linie von Erec – eine fremde Welt des Zufalls und der Gefahr, deren realer Kern, so wie die Artusfigur, von mehreren Fiktionalisierungsschichten überlagert wird. Dem Namen nach real existierende Ländereien – Irland, Britanje – werden von fiktiven Figuren regiert (Artus, Guivreiz).

←28 | 29→

Die meisten im Detail bereisten Orte – allen voran Wälder und Burgen – bleiben namenlos. Besitzen sie Namen, können diese als Anlehnung bereits bekannter Ortsnamen aus dem Artussagenkreis gelesen werden oder aber die Namen sind sprechend, beispielsweise zu verstehen als ein „Durchgang durch den Tod – symbolisch steht dafür der Name der Burg Limors“12 des Grafen Oringles. Für eine Verortung von Limors und erst recht für eine Kartographierung dieser fiktiven Welt fehlen im Roman indes die notwendigen lokaldeiktischen Angaben. Eine ‚Landkarte‘ kann sich folglich weder nach der realen Landkarte der britischen Insel noch sinnvoll nach einer kohärenten fiktiven Topographie richten. Stattdessen verstehe ich die ‚Reiseroute‘ als Auflistung der einzelnen ‚Reiseetappen‘. Allerdings verleihe ich dieser Liste dennoch auch eine Topologie, die ich noch zu erläutern habe.

Abb. 3: Die Reise im Erec als Doppelweg

Zunächst folgen einführende Hinweise zu den ‚Reiseetappen‘, die in x-Richtung chronologisch angeordnet sind: Als Start- und Endpunkt der ersten im Roman geschilderten Reise dient der Artushof in Karadigan, bei der zweiten Fahrt nimmt Erecs Heimat Karnant diesen (doppelten) Platz ein. Eine Reise von Karadigan nach Karnant, die aber nicht explizit geschildert wird13, dient der Verklammerung. Die beiden Hälften der zweiten Fahrt ←29 | 30→werden ihrerseits durch ein Treffen Erecs auf das ebenfalls reisende Artusgefolge getrennt.

Letzte Reiseetappe vor der erstmaligen Heimfahrt und damit ‚Reiseziel‘ der ersten Reise ist Tulmein, wo Erec seiner zukünftigen Ehefrau Enite begegnet. Bei der zweiten Reise dient – zählt man den Artushof nicht14 – Brandigan als finales ‚Reiseziel‘. Hier trifft Erec in der finalen âventiure auch auf seinen finalen Kampfgegner: Mabonagrin, der sich – vereinfacht dargestellt – aus Liebe zu einer Frau von den Freuden des Hofes abgewandt hat und darum auch nicht mehr reisen kann, sondern in einem Garten bei Brandigan verharren muss. Beide in der obigen Abbildung durch den Kursivdruck als solche gekennzeichnete ‚Reiseziele‘ – Tulmein wie Brandigan – wählt Erec nicht selbst aus: Nach Tulmein führt ihn der von ihm verfolgte Iders, nach Brandigan führen ihn der Zufall und menschlicher Irrtum.

Weil aber mit nahezu jedem Ortswechsel während der im Roman geschilderten Reise auch eine neue âventiure beginnt, verstehe ich ebendiese âventiuren – neben den Orten der Einkehr (Artushof, Karnant) – als die tatsächlichen ‚Reiseetappen‘. Mindestens aber sind sie die Träger des ‚Reiseprogramms‘; sie sind (auch etymologisch betrachtet) Ankünfte.

3 âventiure

Gemäß des âventiure-Programms sucht der fahrende Ritter „zwar […] ein bestimmtes Ziel, ein ideelles nämlich, nicht aber […] ein räumlich-konkretes“15 – zumindest nicht notwendigerweise. Den jeweiligen Ankünften folgt jeweils ein Aufbruch, wie er gemäß Helmut Hundsbichler im mittelalterlichen Verb reisen semantisch angelegt ist. Nun ist allerdings bei jeder âventiure die Weiterreise gefährdet, insbesondere, weil sich manche Gegner zunächst nicht als solche zu erkennen geben, sondern sogar Hilfe leisten und beispielsweise eine Reiseunterkunft anbieten. Gleichzeitig wird umgekehrt jedes Hindernis auch wieder zur Hilfe für den Reisenden, denn nur dadurch, dass Erec diese ←30 | 31→Hürden überwindet, kann es für ihn wieder ‚aufwärts gehen‘– was nun die entsprechende y-Richtung des Weges auf der ‚Landkarte‘ erklärt.16

Anhand dieser Argumentation entsteht dann eine ‚Reiseroute‘, die sich letztlich auch als Anlehnung an das von Hugo Kuhn eingeführte Doppelwegschema17 lesen lässt, ohne dass dieses zwangsläufig als Vorlage hergenommen worden sein muss. Den Doppelweg noch einmal als Folie in Erinnerung rufend18, kann die Handlung des Erec und damit Erecs ‚Reiseroute‘ wie folgt rekapituliert werden: „Stark vereinfacht ausgedrückt, besteht die Struktur des Textes aus der auslösenden Sperberkampfaventiure und zwei jeweils durch eine Einkehr am Artushof eingeleitete Aventiureketten aus je drei Einzelaventiuren, die sich parallelisieren lassen. In der ersten Aventiurekette sind das die Räuberepisode, die erste Grafenaventiure und der erste Guivreizkampf, in der zweiten Aventiurekette die Riesenepisode, die zweite Grafenaventiure und der zweite Guivreizkampf. Hinzu kommt die Schlussaventiure Joie de la curt, in der sich der gesamte Text und besonders die auslösende Sperberkampfaventiure spiegeln.“19

Wo bereits auf das Doppelwegschema eingegangen wird, ist auch ein Verweis auf Elisabeth Schmidts Aufsatz Weg mit dem Doppelweg20 angebracht, in welchem Schmidt die häufige Verwendung des Doppelwegs als zu vereinfachend kritisiert. Gerade die von Schmidt problematisierte Fokusverlagerung vom eigentlichen Textgebilde „auf das objektive gedankliche Schema ←31 | 32→hin“21 lässt sich aber dadurch vermeiden, dass von dem Ziel abgerückt wird, mithilfe der Einzeltexte das Schema erklären zu wollen, und stattdessen umgekehrt das Schema als Hilfe genutzt wird, um die spezifischen Charakteristika des Textes zu erfassen. Hierbei hat es sich als hilfreich erwiesen, das Doppelwegschema in einen größeren Bedeutungsrahmen zu stellen – so wie Armin Schulz es beispielsweise bei seinem eigenen Schema getan hat22 und wie auch ich es hier versuche, wenn ich Kuhns Ansatz in den größeren Rahmen der Reisemotivik stelle.

Als eine den Doppelweg nicht abschaffen wollende, sondern ihn „ergänzende Perspektive“23, die ihrerseits ebenfalls auf den Reisekomplex hindeutet, schlägt Hanno Rüther vor, „Erecs Irrfahrt unter einem neuen strukturellen Aspekt zu sehen, der eine andere Art von Organisation der Handlung beschreibt: eine Organisation in Form eines Labyrinths“.24 Dessen Gestalt wird insbesondere an solchen Textstellen deutlich, an denen auf den konkreten Weg Erecs verwiesen wird:

nach âventiure wâne

reit der guote kneht Êrec.

nû wîste si der wec

in einen kreftigen walt [Erec V. 3111–3114].25.

Auf Abenteuer hoffend, so ritt der tapfere Ritter Erec. Nun führte sie der Weg in einen dichten Wald.

Nicht nur an dieser Stelle kann aufgezeigt werden: „Der Weg führt Erec und Enite, nicht sie wählen den Weg“.26 Mit dem Bild des Labyrinths geht zudem einher, dass der Irrende selbst dann, wenn er sich bereits auf dem richtigen Weg befindet, diesen nicht erkennen muss. Dies setzt allerdings gerade dann, wenn der Reisende selbst gelenkt wird, ein gewisses Vertrauen darauf voraus, dass das Labyrinth auch mit einem (glücklichen) Ausgang konstruiert wurde.

←32 | 33→

Rüther benennt „fast 50 Stellen, an denen die Richtungswahl Erecs in irgendeiner Weise behandelt wird“.27 Dabei wird wiederholt deutlich: Erec lässt sich (einigermaßen) bewusst28 auf diese (geführte) Irrfahrt ein und von ihren Regeln leiten. Ebenjene Regeln – und auch Erecs Verhaltensweisen – zeichnen die geschilderte Reise nach einer von Hanns-Josef Ortheil29 vorgenommenen Klassifikation verschiedener Reisedarstellungen in der Literatur zumindest im Ansatz als Abenteuerreise aus. Eine solche ist nach Ortheil etwa von der prototypischen Pilgerreise30 zu unterscheiden, der nochmals andere ‚Reisevorschriften‘ zugrunde liegen.

Allerdings ist eine derartige Einordnung der âventiure-Fahrt als Abenteuerreise auch abseits der semantischen Unterschiede von âventiure und Abenteuer lediglich teilweise korrekt: Der nach Ortheil für Abenteuerreiseromane typische „episodische Charakter“31 ergibt sich im Erec zwar aus der Natur der âventiuren; Ortheil argumentiert allerdings weiter, dass ebenjene Episoden im Abenteuerroman „keine Verbindung zu einem übergeordneten Ganzen eingehen“32 würden. Doch im Erec entsteht aber ein solches Ganzes gerade durch die „finale Struktur“33 der âventiure-Kette.

Auf ähnliche Weise ist auch Erecs Rolle als Abenteuerreisender zu prüfen. Einerseits möchte Erec „höchstens aus Not, niemals aber aus eigenem Willen heraus Gast sein34 – ganz wie der nach Ortheil prototypische Abenteuerreisende. Würde Erec diese Rolle aber vollumfänglich erfüllen, so fände er andererseits in der Fremde dann auch „keinen Frieden, sondern nur fortschreitende, unendliche Reibung, die [vor allem] erst aufhört, wenn er wieder zu Hause […] ist“.35 Nun wartet aber auf Erec gerade daheim in ←33 | 34→Karnant eine besondere Form der Reibung, eine Gefahr namens gemach, d. h. Bequemlichkeit, denn

Êrec was biderbẹ unde guot

ritterlîche stuont sîn muot

ê er wîp genæme

und hin heim kæme:

nû sô er heim komen ist

do kêrtẹ er allen sînen list

an vrouwen Êniten minne [Erec V. 2924–2930].

Erec war tapfer und tüchtig gewesen, von ritterlichem Geist, bevor er seine Frau nahm und heimkam. Jetzt wo er heimgekommen war, richtete sich sein ganzes Streben auf die Liebe (Minne) der Herrin Enite.

Ortheil fragt bezüglich der Heimat als Reiseziel des Abenteurers allerdings auch: „Aber will er am Ende wirklich dorthin? Oder zieht es ihn dann nicht doch wieder hinaus?“36 Zumindest nach der ersten âventiure-Fahrt zieht es Erec wieder ‚hinaus‘, weil er – je nach Lesart – entweder keinen Frieden oder gar zu viel Frieden in Karnant findet. Durch die Krise in Karnant, wo Erec sich – als eine Spiegelung Mabonagrins – u. a. aus Gründen der minne von den Freuden des Hofes (und damit von seinen Pflichten als Herrscher) abwendet, wird nun die zweite Fahrt ausgelöst. Erst nach dieser Reise gelingt es Erec wieder, mit der Heimat besser ‚zurechtzukommen‘. Bedingung dafür ist allerdings, dass die Fremde Erec eben nicht „prinzipiell anders […] bleibt“37 – wie es für den Abenteuerreisenden jedoch üblich wäre –, sondern er dort immer wieder Spiegelungen seiner eigenen Geschichte findet.

Daher sind es ebenjene Spiegelpunkte, die auf der Reise Erec dazu verhelfen, nicht nur seine lokalisierbaren Reiseziele, sondern auch das ideelle Ziel der âventiure-Fahrt zu erreichen. Insbesondere in Brandigan, wo er in Mabonagrins Fehler seine eigenen wiederentdeckt, erweist sich Erec als ein „Reisender, für den sich das scheinbar Fremde immer wieder in etwas […] Vertrautes und Bekanntes verwandelt“.38 Nach Ortheil ist dies aber weniger typisch für den Abenteuerreisenden als vielmehr ein Merkmal des Pilgerreisenden. Zu einem solchen gehört es darüber hinaus, dass er sich Gott als ‚Reiseleiter‘ wählt – und genau das tut Erec, wenn er sich den labyrinthischen Pfaden des Weges vor ihm anvertraut.

←34 | 35→

4 got

Auch eine Charakterisierung von Erecs Fahrten als Pilgerreisen kann nur teilweise zutreffen, aber unbestritten sollte sein: Der im Zusammenhang mit der Welt der âventiure zuvor bereits erwähnte „Zufall ist [tatsächlich] aufgehoben in Gottes Handeln“39 sowie seinen Plänen. „Mittelalterliche Labyrinthdarstellungen“40, um Rüthers Ergänzung des Doppelwegschemas noch einmal aufzugreifen, lassen als „Abbild des Heilsweges“41 dabei auch „keine Irrwege“42 zu, solange Gott diesen Weg vorbestimmt. Lediglich dort, wo die Menschen „von Leid heimgesucht werden, sind sie selbst schuld, […] wie Erec in Karnant“.43 Dieses zentrale Beispiel menschlichen Irrtums im Roman ist aber gerade ein Beispiel, bei dem der Held nicht reist. Die Schuldabtragung bzw. die Wiederherstellung der êre44 kann indes nicht einfach durch eine beliebige Reise geschehen, sondern muss entlang des Labyrinths führen und stellt sich als Hybrid aus Abenteuer- und Pilgerreise dar.

Während der Reise ergibt sich dann auch ein weitestgehend „problemloses Zusammenwirken von Gott und Mensch“45, auch wenn der Reiseleiter seine Pläne nicht verrät. Eine âventiure-Fahrt trägt also auch Züge einer sogenannten ‚Fahrt ins Blaue‘. Gott tritt auf dieser Reise „als transzendente Instanz [auf], die die Vorstellungen der Menschen übersteigt“.46 So erweisen sich die fahrenden Ritter, wenn sie ihr Schicksal dem Zufall der âventiure anvertrauen, als „verkappte Mystiker, die […] Geheimnissen auf labyrinthischen und ihnen selbst unbekannten Wegen näher kommen“47 bzw. auf ebenjenen Wegen ihre êre wiedererlangen wollen. Versuche, diese Wege – also die sprichwörtlich unergründlichen Wege Gottes – nach gängigen Interpretationsmustern zu ‚entwirren‘, führen dabei ihrerseits wieder in die Irre. Ein zentrales Beispiel hierfür ist die Wegscheide vor Brandigan:

←35 | 36→

nû truoc si der huofslac

ûf einer schœnen heide

an eine wegescheide:

welh ze Britanje in daz lant

gienge, daz was in unerkant.

Die rehte strâze sie vermiten:

Die baz gebûwen si riten. [Erec V. 7816–7822].

Jetzt trug sie der Hufschlag über eine schöne Wiese [und] an eine Weggabelung: welcher [Weg] in das Land Britannien führte, das wussten sie nicht. Die rechte Straße vermieden sie; die besser ausgebaute ritten sie.

Nach der hier aufgerufenen „bivum-Motivik“48 müsste gerade der bequemere Weg eigentlich auch der ins Unheil führende Weg sein. Doch gerade dieser führt Erec an sein Ziel. Dieses Ziel ist allerdings auch nicht jenes, welches der Reisende im Sinn hatte (Erec wähnt sich hier bereits am Ende seiner Fahrt und glaubt, zum Artushof zurückkehren zu können), sondern Brandigan.

Im Hartmanns Iwein (seinem späteren, zweiten Artusroman) erweist sich im Übrigen gerade der rechte Weg für den Ritter Kalogrenant als der richtige Weg zur nächsten âventiure. So erzählt er am Artushof dann:

da waren die wege manecfalt.

dô chêrt ich nâch der zeswen hant

ûf einen stîc den ich dâ vant [Iwein V. 265–267].

Dort gab es mehrere Wege. Da wandte ich mich nach rechts auf den Pfad, den ich dort fand.

Abgesehen davon, dass Kalogrenant die Hindernisse, die ihn am Brunnen erwarten, nicht bezwingen kann (und daher zu fragen wäre, ob der Weg zum Brunnen für ihn bestimmt war), ist im Vergleich auch zu beobachten, dass er an dieser Stelle allein unterwegs ist, während Erec in Begleitung reist. Dieses Ergebnis eines Vergleichs zweier unterschiedlicher von Hartmann beschriebener Wegentscheidungen motiviert meine folgende Betrachtung der ‚Reisebegleitung‘ Erecs: Enite.

5 wîp

Eine Klassifizierung Enites als ‚Reisebegleiterin‘ anstelle einer vollwertigen Reisenden, kann dadurch legitimiert werden, dass ich hier explizit Hartmanns Version der Geschichte betrachte49 – denn immerhin hat Hartmann bekanntlich aus Chrétiens „Roman eines Paares [den] Roman eines ←36 | 37→Mannes“50 geformt. Als Reisebegleiterin dieses Mannes ist Enite zudem dann auch als eine ‚Gehilfin Gottes‘ zu verstehen. Gemäß der vorigen Festsetzungen ist es Gott, der den herumirrenden Erec scheinbar zufällig auf Enite treffen lässt. Enites Vater Koralus erweist sich im Anschluss daran als ‚Fremdenführer‘, der Erec über die Geschehnisse in Tulmein unterrichtet. Erst dank ihm und Enite kann Erec seine erste Reise abschließen. Während sich Erecs Weg zu Koralus‘ Heim noch – wie überhaupt seine gesamte Reise nach Tulmein51 – als verschlungener Pfad darstellt, wird Erecs Ritt zur Burg Tulmein und zum Schauplatz des dort stattfindenden Sperberkampfes bereits in zwei Versen abgehandelt.52

So, wie auch „vor einem allzu extensiven Gebrauch der Labyrinthmetapher […] gewarnt“53 werden muss, ist auch die Beschreibung Koralus‘ als ‚Fremdenführer‘ zunächst einmal mit Vorsicht zu behandeln. Allerdings überträgt sich die damit verbundene Funktion, den Reisenden über die Verhältnisse ‚vor Ort‘ aufzuklären, im weiteren Verlauf auf seine Tochter. In Karnant übernimmt sie diese Rolle noch unfreiwillig, als Erec ihre Klage darüber hört, Erec sei am Hofe in Ungnade gefallen. Auf der zweiten Fahrt informiert sie Erec aber in bewusster Entscheidung vor den Gefahren, die ihm in der Fremde begegnen – zumindest, bis er dies nicht mehr nötig hat54 und sich selbst zu helfen weiß.

Doch gerade zu Beginn der zweiten Fahrt versteht Erec Enite scheinbar nicht als Hilfe, sondern als Reiseballast – obwohl sie ihm auch hier wieder mehrmals hilft. Enites Mittel der Wahl, den vorzeitigen ‚Reiseabbruch‘ zu verhindern, ist dabei jeweils der Regelbruch: Sie setzt sich über ein von Erec verhängtes Redeverbot hinweg oder begeht scheinbare „Zungensünden“55, während sie redet. Unter anderem belügt Enite einen Grafen, der Erec umbringen möchte, da er diesen als Konkurrenz begreift. Zugleich ist nämlich gerade Enites Schönheit auch häufig erst Auslöser der Gefahr – der treulose Burggraf ist immerhin zunächst ein rechtschaffener Mann, bis er Enite verfällt.

←37 | 38→

Auch Erec ist – kurz gesagt – Enite verfallen. Davon abgeleitet erweist sich die Doppelwegstruktur als eine doppelte Konfrontation Erecs mit dem erotisch aufgeladenen Verlangen, Enite nahe zu sein. Auf der ersten Reise ist diese Konfrontation noch vom vermeintlichen Zufall geprägt. Bei der zweiten Reise bürdet sich Erec selbst Enite auf – und lässt sie, sodass er sein erotisches Verlangen stets im Blick hat, im besten Kleid vor sich herreiten. Dadurch drängt er sie allerdings wieder in die Rolle der ‚Fremdenführerin‘, die beispielsweise auch die Räuber im Wald noch vor Erec erblickt und ihn über diese aufklärt. Intim werden Erec und Enite indes erst wieder, als sie im Glauben sind, die zweite Fahrt erfolgreich beendet zu haben –, kurz bevor Enite ein Zelter, ein prachtvolles Pferd, zum Geschenk gemacht wird.

6 Pferde

Im ‚Reisegefährt‘ kommt nun der gesamte vorher beschriebene Komplex um Erecs Reise zusammen, denn als komplexe Zeichenträger ‚tragen‘ die Pferde diesen Zeichenkomplex mit (sich). Wie wichtig in der im Roman dargestellten Welt Pferde für eine Reise, insbesondere eine âventiure-Fahrt sind, kann man bereits daran erkennen, wie häufig es einem Ritter im Roman daran liegt, einem anderen Ritter ebenjenes Pferd zu stehlen. Neben dieser Anziehungskraft der Pferde auf Räuber erweist sich die starke Abhängigkeit des Abenteuerreisenden von ihnen als ein Nachteil der Pferde. Doch in der Not erweisen sie sich als dem Pilgerreisenden ausgesandte Gottesgeschöpfe:

dâ wart ime vor

sîn ros entgegen brâht,

[…]

ez vuoctẹ eht gotes wille [Erec V. 6709–6710; 6726].

Da wurde ihm sein Pferd gebracht. […] Es wirkte Gottes Wille.

Enite erweist sich, nachdem sie von Erec den Pferdedienst auferlegt bekommt, im Übrigen – auch aufgrund ihres bereits früh deutlich werdenden Gottesvertrauens – als gottesbegnadete „Pferdebändigerin“.56 Dieser Pferdedienst ist bekanntlich als Strafe für Enite gedacht und jener bestrafende Charakter sollte an dieser Stelle auch nicht marginalisiert werden. Zugleich irren Erec und Enite aber in gewisser Weise, wenn sie den Pferdedienst lediglich als Strafe verstehen.57 Aus der Warte des Reisens und Weiterreisens betrachtet, handelt es sich hierbei immerhin um einen besonderen Vertrauensbeweis an ←38 | 39→Enite: Ihr wird die Aufsicht über das wichtigste Fortbewegungsmittel des reisenden Ritters gegeben.

Doch sind es gerade nicht die Pferde des Helden, denen bei Hartmann besonders viel Erzählzeit zukommt, sondern Enites Pferde. Eine erste längere Beschreibung von Enites Pferd erfolgt, kurz bevor Erec und Enite gegen Ende der ersten Reise zum ersten Mal verliebte Blicke austauschen. Die knapp 500 Verse umfassende Beschreibung des ihr geschenkten Zelters erfolgt – wie bereits erwähnt – nicht lange, nachdem Erec und Enite erstmals auf der zweiten Reise intim geworden sind.

7 Erzähler

Joachim Bumke erklärt die intensive Beschreibung des Zelters damit, dass es sich hierbei um „ein Geschöpf der poetischen Fantasie, ein vom Dichter geschaffenes Pferd“58 handelt. So verstanden, lässt der Erzähler durch seine Beschreibung dieses nahezu göttliche ‚Reisegefährt‘ erst entstehen. In den durch die Beschreibungen eintretenden Phasen der intensiven descriptio kann sich der metadiegetische Erzähler, der hier als Sprecher zu einer fiktiven Zuhörerschaft auftritt, insbesondere als schöpferischer Dichter profilieren. So, wie Koralus als Erecs ‚Fremdenführer‘ bzgl. Tulmein fungiert, klärt der Erzähler – noch, bevor Erecs Treffen auf Koralus beschrieben wird – die Zuhörerschaft über den Sperberkampf und seinen Hintergrund auf. Er übernimmt damit auf der äußeren Kommunikationsebene also ebenjene von Koralus ausgeführte Rolle des ‚Fremdenführers‘. Vielmehr noch: Durch die Auswahl des Stoffes wird Hartmann – über die Erzählerfunktion – zu einem ‚Reiseleiter‘, der seine Zuhörerschaft durch die Welt der Artusgeschichte führt.

Dem mittelalterlichen Publikum, das dieser imaginierten Reise folgt, dienen indes âventiuren „als Lebenselixier, [und zwar] gleichermaßen als Taten wie als Erzählungen von Taten“.59 Da eine âventiure-Fahrt also nur dann, wenn von ihr berichtet wird, auch ihren Zweck erfüllt, wird Hartmanns reale Reiseerzählung selbst zum letzten Ziel der fiktiven Reise. Diesem kommt man aber in den langen Beschreibungspausen scheinbar nicht näher. In ironisierender Weise gibt der Erzähler zu Beginn der Zelterbeschreibung an, dass er diese „möglichst rasch […] beenden wollte“60, während aber die Zuhörerschaft dafür sorgt, dass diese Pause länger anhält. Dies geschieht zum ←39 | 40→einen durch detaillierte Nachfragen und zum anderen durch den Versuch eines Zuhörers, selbst die Beschreibung des Sattels zu übernehmen. Doch diese Aushandlung des Reisegefährts und der Reiseerzählung gewinnt der Erzähler: Der Zuhörer muss sich belehren lassen, er habe den Sattel falsch beschrieben.

Derartige Vorgänge auf der discours-Ebene unterstreichen die Bedeutung des Zelters für die histoire: Auf diesem göttlichen Zelter begleitet Enite ihren Mann und König Guivreiz nach Brandigan, zur finalen âventiure. Die Konstellation an der Wegkreuzung vor Brandigan stellt insgesamt eine Verdichtung des eingangs vorgestellten Schemas dar: Erec, der Reisende, kommt – begleitet (und dadurch auch gerahmt) von Enite, mit deren Erscheinung Erec nun umzugehen weiß, und Guivreiz, dem Repräsentanten der vergangenen âventiuren – an diese spezielle Wegkonstellation, die ihrerseits eine religiöse Konnotation aufruft. Zusammen mit dem Zelter lässt sich an dieser Stelle also eine doppelte Präsenz der eingangs dargestellten Struktur ausmachen.

8 Fazit

Wie ist also diese Reise, diese Fahrt zu charakterisieren? Vermeintliche Helfer erweisen sich schon bald auch als Gegner und umgekehrt; vermeintliche Regelverstöße erweisen sich wider Erwarten nicht immer als Sünde; Irrwege erweisen sich am Ende doch als jene Wege, durch deren Wahl man nicht irren konnte61 – und das trotz voriger Fehler des Reisenden (sowohl vor dem Aufbruch als auch während der Fahrt). Dies gilt insbesondere in Bezug auf den âventiure-Komplex: Schon zu Beginn der ersten Fahrt schlägt Erec immerhin die Bitte seiner Königin ab, doch bei ihr zu bleiben, und reitet auf seinem Pferd davon. So, wie aber die Zuhörer erst durch ihre Kompetenzüberschreitungen den Status des Erzählers legitimieren, erweist sich auch dieser Irrweg zuletzt wieder als „Königsweg“62 für den Protagonisten. Erec findet seine âventiure, das wîp findet zu Erec, und beide finden den Weg zum ewigen Leben: zu got.

Der Weg, über den ich zu diesem Fazit gelangt bin, wird sich dort, wo der von Rüther festgestellte „Überdruss an strukturalistischen Deutungen“63 vorherrscht, nicht vor einer dahin gehenden Kritik schützen können. Hierzu ist anzumerken, dass mein Ansatz darum zunächst auch als solcher verstanden werden möchte: als ein Ansatz, um eine Basis zu schaffen, auf deren Grundlage z. B. eine (nicht jeweils an der Grenze der Frühen Neuzeit aufhörende bzw. beginnende) Geschichte des Reisemotivs nachvollzogen werden ←40 | 41→kann.64 Bei einem dahin gehenden „Gespräch zwischen Mediävisten und Neuzeitspezialisten müsste allererst geklärt werden, ob sich für das 10. bis 21. Jahrhundert ein gemeinsamer konzeptioneller Kernbestand“65 bzgl. der Reisekonzeptionierung finden ließe. Hierzu gehört es auch, zunächst einmal (unter Betonung der Kontinuität) vergebenen Charakterisierungen wie z. B. die Bezeichnung Koralus‘ als ‚Fremdenführer‘, im zweiten Schritt erneut (unter Betonung der Alterität) einer kritischen Revision zu unterziehen. Für mich bleibt also – nicht nur in Bezug auf das konkrete Werk – die Frage, wie das Reisemotiv nun noch detaillierter beschrieben werden kann … und zwar mitsamt seiner Verknüpfungen zu Religion, Erotik und Abenteuer.

9   Literaturverzeichnis

Arndt, Paul Herbert: Der Erzähler bei Hartmann von Aue. Formen und Funktionen seines Hervortretens und seine Äußerungen. (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 23). (Dissertation). Kümmerle: Göppingen 1980.

Bumke, Joachim: Der „Erec“ Hartmanns von Aue. Eine Einführung. De Gruyter: Berlin 2006.

Cormeau, Christoph/Störmer, Wilhelm: Hartmann von Aue. Epoche – Werk – Wirkung. (Arbeitsbücher zur Literaturgeschichte). 3., aktualis. Aufl. C. H. Beck: München 2007.

Großmann, Stephanie/Krah, Hans: „Strukturalismus/Literatursemiotik. Zeichenordnungen und zeichenhafte Täuschungen in Der Sandmann“. In: Jahraus, Oliver: Zugänge zur Literaturtheorie. 17 Modellanalysen zu E. T. A. Hoffmanns Der Sandmann. Reclam: Stuttgart 2016, S. 71–83.

Haase, Gudrun: Die germanistische Forschung zum Erec Hartmanns von Aue. (Europäische Hochschulschriften 01). Peter Lang: Frankfurt am Main 1988.

Haupt, Barbara: „Literaturgeschichtsschreibung im höfischen Roman. Die Beschreibung von Enites Pferd und Sattelzeug im ‚Erec‘ Hartmanns von Aue“. In: Haupt, Barbara/Matzel, Klaus (Hrsg.): Festschrift für Herbert Kolb zum 65. Geburtstag. Peter Lang: Bern 1989, S. 202–219.

Hundsbichler, Helmut: „Spätmittelalterliches Reisen und ikonographische Überlieferung“. In: Ertzdorff, Xenja von/Neukirch, Dieter/Schulz, Rudolf (Hrsg.): Reisen und Reiseliteratur im Mittelalter und in der Frühen ←41 | 42→Neuzeit. (Chloe. Beihefte zum Daphnis 13). Editions Rodopi: Amsterdam/Atlanta 1992, S. 255–288.

Kuhn, Hugo: „Erec“ [1948]. In: Kuhn, Hugo/Cormeau, Christoph (Hrsg.): Hartmann von Aue. (Wege der Forschung Band 359). Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt 1973.

Kuhn, Hugo: „Allegorie und Erzählstruktur“. In: Haug, Walter (Hrsg.): Formen und Funktionen der Allegorie. J. B. Metzler: Stuttgart 1979, S. 206–218.

Ortheil, Hanns-Josef: „Schreiben und Reisen. Wie Schriftsteller vom Unterwegs-Sein erzählen“. In: Bernstorff, Wiebke von/Moennighoff, Burkhard/Tolen, Toni (Hrsg.): Literatur und Reise. (Hildesheimer Universitätsschriften 28). Universitätsverlag Hildesheim: Hildesheim 2013, S. 7–31.

Poser, Thomas: Raum in Bewegung. Mythische Logik und räumliche Ordnung im >Erec< und im >Lanzelet<. (Dissertation). Narr Franco Attempto: Tübingen 2018.

Rüther, Hanno: „Erec im Labyrinth“. In: Daumer, Matthias/Lickhardt, Maren/Riedel, Christian/Waldschmidt, Christine (Hrsg.): Irrwege: Zur Ästhetik und Hermeneutik des Fehlgehens. Universitätsverlag Winter: Heidelberg 2010, S. 35–53.

Schmidt, Elisabeth: „Weg mit dem Doppelweg. Wider eine Selbstverständlichkeit der germanistischen Artusforschung“. In: Wolfzettel, Friedrich (Hrsg.): Erzählstrukturen der Artusliteratur. Forschungsgeschichte und neue Ansätze. Max Niemeyer Verlag: Tübingen 1999, S. 69–85.

Schnell, Rüdiger: „Alterität der Neuzeit: Versuch eines Perspektivenwechsels“. In: Braun, Manuel: Wie anders war das Mittelalter? Fragen an das Konzept der Alterität. V & R unipress: Göttingen 2013, S. 41–94.

Schnell, Rüdiger: „Göttliches Handeln und menschliches Spekulieren. Erzähler, Protagonist und Rezipient in Hartmanns >Erec<, Wolframs >Parzival< und Gottfrieds >Tristan<“. In: Honegger, Thomas/Huber-Rebenich, Gerlinde/Lebbin, Volker (Hg.): Gottes Werk und Adams Beitrag. Formen der Interaktion zwischen Mensch und Gott im Mittelalter. (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung, Beihefte 1). De Gruyter: Berlin 2014, S. 340–367.

Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive. De Gruyter: Berlin/Boston 2012.

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1 Ich zitiere aus dem Iwein nach: Hartmann von Aue: Iwein. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Hrsg. u. übers. von Rüdiger Krohn. Kommentiert von Mireille Schnyder. Durchges. Ausg. Reclam: Stuttgart 2012 (RUB 19011).

2 Poser, Thomas: Raum in Bewegung. Mythische Logik und räumliche Ordnung im >Erec< und im >Lanzelet<. (Dissertation). Narr Franco Attempto: Tübingen 2018, S. 58.

3 Insbesondere Leserinnen und Lesern aus der Mediävistik bzw. der Älteren Deutschen Literaturwissenschaft werden einige der Grundlagen, auf die ich dabei zurückgreife, hinreichend bekannt sein. Im Sinne der Interdisziplinarität und Internationalität des Bandes werde ich derartig disziplinbedingten Grundlagen zwar knapp, allerdings auch umfangreicher als üblich, anreißen.

4 Ein Vergleich mit Chrétiens Roman kann hier aufgrund dieser Fokussierung leider nur im Ansatz durchgeführt werden, gehört aber sicherlich zum weiteren Horizont meines Beitrags.

5 Sämtliche Abbildungen sind nicht einer fremden Quelle entnommen, sondern wurden vom Autor selbst erstellt.

6 Eine solche bewusste Betonung meines Umgangs mit dem selbsterstellten Schema mag für diejenigen, die ein ähnliches Verhältnis mit solchen Modellen pflegen, irritierend sein, da für sie Selbstverständlichkeiten ausgesprochen werden. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass solche Hinweise helfen, um sich dem Verdacht zu erwehren, man wolle mit einem derartigen Schema gleich jeden Aspekt des untersuchten Textes in seiner Gesamtheit erklären.

7 Genaugenommen kann hier jeder Fall stehen, in dem es den Sprachwandel zu berücksichtigen gilt. Versteht man literarische Texte (im Sinne der Literatursemiotik) als „ein sekundäres, modellbildendes, semiotisches System“ (Großmann, Stephanie/Krah, Hans: „Strukturalismus/Literatursemiotik. Zeichenordnungen und zeichenhafte Täuschungen in Der Sandmann“. In: Jahraus, Oliver: Zugänge zur Literaturtheorie. 17 Modellanalysen zu E. T. A. Hoffmanns Der Sandmann. Reclam: Stuttgart 2016 S. 71–83; Zitat S. 72), so müssen die Bedeutungsspezifika der im untersuchten Text hergestellten semantischen Bezüge ohnehin in jedem Falle neu erfasst werden.

8 Hundsbichler, Helmut: „Spätmittelalterliches Reisen und ikonographische Überlieferung“. In: Ertzdorff, Xenja von/Neukirch, Dieter/Schulz, Rudolf (Hrsg.): Reisen und Reiseliteratur im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. (Chloe. Beihefte zum Daphnis 13). Editions Rodopi: Amsterdam/Atlanta 1992, S. 255–288; Zitat S. 257, Kursivdruck durch mich.

9 Schnell, Rüdiger: „Alterität der Neuzeit: Versuch eines Perspektivenwechsels“. In: Braun, Manuel: Wie anders war das Mittelalter? Fragen an das Konzept der Alterität. V & R unipress: Göttingen 2013, S. 41–49; Zitat S. 46–47.

10 Immerhin kann auch mit einiger Berechtigung festgehalten werden: „Man kann die Neuzeit […] nicht verstehen, wenn man nur die Neuzeit […] erforscht“ (Schnell 2013, S. 42).

11 Cormeau, Christoph/Störmer, Wilhelm: Hartmann von Aue. EpocheWerkWirkung. (Arbeitsbücher zur Literaturgeschichte). 3., aktualis. Aufl. C. H. Beck: München 2007, S. 176.

12 Haupt, Barbara: „Literaturgeschichtsschreibung im höfischen Roman. Die Beschreibung von Enites Pferd und Sattelzeug im ‚Erec‘ Hartmanns von Aue“. In: Haupt, Barbara/Matzel, Klaus (Hrsg.): Festschrift für Herbert Kolb zum 65. Geburtstag. Peter Lang: Bern 1989, S. 202–219; Zitat S. 207.

13 Ein Bericht von Erecs Reise vom Artushof nach Karnant wird bei Hartmann ausgespart. Zwar wird Erecs Aufbruchsentschluss expliziert, doch nach seiner Aufrüstung folgt die Erzählung dem Weg eines vorausgeschickten Boten. Jener kommt in Karnant an, wo später Erec und Enite von König Lac willkommen geheißen werden. Diese Konstruktion scheint mir ihrerseits einen weiteren Blick wert zu sein, inwiefern die Verklammerung der zwei dargestellten Reisen hier durch das Botenmotiv verstärkt wird.

14 Einerseits stellt der Artushof Erecs letzte Station vor der Heimkehr (nach Karnant) dar, was ihn als mögliches ‚Reiseziel‘ qualifiziert. Andererseits kann – auch unter Berücksichtigung weiterer Artusromane – gezeigt werden, dass die Bedeutung des Artushofs im Vergleich zu Chrétiens Fassung bei Hartmann abgeschwächt wird (vgl. Bumke, Joachim: Der „Erec“ Hartmanns von Aue. Eine Einführung. De Gruyter: Berlin 2006, S. 67–72), während die Bedeutung Brandigans nahezu unbestritten ist (vgl. Bumke 2006 S. 62–66).

15 Poser 2018 S. 66.

16 Ich sehe im Grunde noch eine weitere Möglichkeit, dieser Formulierung gerecht zu werden und daraus einen Graphen anderer Art abzuleiten. Diese erläutere ich hier kurz am Beispiel des ersten Aufenthalts in Karnant. Das verligen kann nämlich auch als jener Punkt charakterisiert werden, an dem Erecs Ansehen am stärksten sinkt. Dementsprechend könnte der erste Halt in Karnant entlang des Graphen dort markiert werden, an dem dessen Steigung minimal ist. Wählt man jenes Vorgehen für sämtliche Stationen, ergibt sich daraus allerdings ein Graph, dessen Deutung mir allerdings zu kontraintuitiv erscheint.

17 Kuhn, Hugo: „Erec“ [1948]. In: Kuhn, Hugo/Cormeau, Christoph (Hrsg.): Hartmann von Aue. (Wege der Forschung Band 359). Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt 1973.

18 Da das Doppelwegschema nicht im Zentrum meines Beitrags steht, muss diese kurze Einführung genügen. Für eine vertiefende Auseinandersetzung mit Kuhns Arbeit empfiehlt sich der in der Bibliographie aufgeführte Band von Armin Schulz.

19 Rüther, Hanno: „Erec im Labyrinth“. In: Daumer, Matthias/Lickhardt, Maren/Riedel, Christian/Waldschmidt, Christine (Hrsg.): Irrwege: Zur Ästhetik und Hermeneutik des Fehlgehens. Universitätsverlag Winter: Heidelberg 2010, S. 35–53; Zitat S. 41–42.

20 Schmidt, Elisabeth: „Weg mit dem Doppelweg. Wider eine Selbstverständlichkeit der germanistischen Artusforschung“. In: Wolfzettel, Friedrich (Hrsg.): Erzählstrukturen der Artusliteratur. Forschungsgeschichte und neue Ansätze. Max Niemeyer Verlag: Tübingen 1999, S. 69–85.

21 Kuhn, Hugo: „Allegorie und Erzählstruktur“. In: Haug, Walter (Hrsg.): Formen und Funktionen der Allegorie. J. B. Metzler: Stuttgart 1979, S. 206–218; Zitat S. 41.

22 Vgl. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive. De Gruyter: Berlin/Boston 2012; hier insbesondere S. 261 ff.

23 Rüther 2010, S. 52.

24 Rüther 2010 S. 35.

25 Ich zitiere aus dem Erec nach: Erec von Hartmann von Aue. Mit einem Abdruck der neuen Wolfenbütteler und Zwettler Erec-Fragmente. Hrsg. von Leitzmann, Albert, fortgeführt von Wolff, Ludwig. (Altdeutsche Textbibliothek 39). 7. Auflage besorgt von Gärtner, Kurt. Max Niemeyer Verlag: Tübingen 2016.

26 Rüther 2010, S. 42.

27 Rüther 2010, S. 40.

28 Einführende Hinweise auf die Problematik des Bewusstseins literarischer Figuren in der mittelalterlichen Literatur lassen sich bei Schulz 2012 finden, vgl. insbesondere S. 8–19.

29 Ortheil, Hanns-Josef: „Schreiben und Reisen. Wie Schriftsteller vom Unterwegs-Sein erzählen“. In: Bernstorff, Wiebke von/Moennighoff, Burkhard/Tolen, Toni (Hrsg.): Literatur und Reise. (Hildesheimer Universitätsschriften 28). Universitätsverlag Hildesheim: Hildesheim 2013, S. 7–31.

30 Neben der Abenteuer- und der Pilgerreise umfasst Ortheils Klassifikationsraster u. a. die Forschungsreise (als Spezialfall der Abenteuerreise) und die Bildungsreise. Auf eine vollständige Darstellung des Rasters wurde hier zugunsten seiner Verwendung als Folie, vor der ich Hartmanns Erec betrachte, verzichtet.

31 Ortheil 2013, S. 12.

32 Ortheil 2013, S. 9.

33 Cormeau/Störmer 2007, S. 177.

34 Ortheil 2013, S. 11.

35 Ortheil 2013, S. 9.

36 Ortheil 2013, S. 9–10.

37 Ortheil 2013, S. 10.

38 Ortheil 2013, S. 19.

39 Schnell, Rüdiger: „Göttliches Handeln und menschliches Spekulieren. Erzähler, Protagonist und Rezipient in Hartmanns >Erec<, Wolframs >Parzival< und Gottfrieds >Tristan<“. In: Honegger, Thomas/Huber-Rebenich, Gerlinde/Lebbin, Volker (Hg.): Gottes Werk und Adams Beitrag. Formen der Interaktion zwischen Mensch und Gott im Mittelalter. (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung, Beihefte 1). De Gruyter: Berlin 2014, S. 340–367; Zitat S. 345.

40 Rüther 2010, S. 36.

41 Rüther 2010, S. 37.

42 Rüther 2010, S. 36.

43 Schnell 2014, S. 347.

44 Diese beiden Interpretationsansätze unterscheiden sich in (manchmal auch mehr als) Nuancen, finden aber eventuell in der Charakterisierung der âventiure-Fahrt zwischen Abenteuer- und Pilgerreise einen gemeinsamen Nenner.

45 Schnell 2014, S. 345.

46 Schnell 2014, S. 344.

47 Ortheil 2013, S. 17.

48 Poser 2018, S. 70.

49 Dem gegenüber müsste die Rolle Enites – d. h. die Rolle von Enites Gegenstück bei Chrétien – also sicherlich anders charakterisiert werden.

50 Haase, Gudrun: Die germanistische Forschung zum Erec Hartmanns von Aue. (Europäische Hochschulschriften 01). Peter Lang: Frankfurt am Main 1988; S. 26.

51 Zu den Parallelen zwischen Erecs Weg nach Tulmein und seinem Weg innerhalb der Ortsgrenzen hin zu Koralus‘ Haus vgl. Rüther 2010, S. 40–42.

52 Vgl. Erec V. 624–625.

53 Rüther 2010, S. 38.

54 Hier sei die 2. Grafen-âventiure genannt.

55 Bumke 2006, S. 126; Begriffsverwendung in Anlehnung an die Lehren nach Thomas von Aquin.

56 Bumke 2006, S. 92.

57 Bei Chrétien lassen sich hingegen nach Bumke Hinweise dafür finden, dass Erec den Pferdedienst Enites schon von Beginn an als Bewährungsprobe begreift.

58 Bumke 2006, S. 132–133.

59 Schulz 2006, S. 127.

60 Arndt, Paul Herbert: Der Erzähler bei Hartmann von Aue. Formen und Funktionen seines Hervortretens und seine Äußerungen. (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 23). (Dissertation). Kümmerle: Göppingen 1980, S. 151.

61 vgl. Rüther 2010, S. 44–45.

62 Rüther 2010, S. 45.

63 Rüther 2010, S. 34.

64 Unter diesem Verständnis lassen sich Strukturalismus und Literatursemiotik weiter nunmehr „nicht als Theorie definieren“ (Großmann/Krah 2016 S. 71), sondern als in verschiedene Richtungen anschlussfähige Bündel an Grundannahmen, mit deren Hilfe „die Spielregeln der analytischen Wissenschaftstheorie“ (Großmann/Krah 2016 S. 72) eingehalten werden sollen.

65 Schnell 2013 S. 55.

Von Damen- und Weibsbildern „Frauenskizzen“ im Reisetagebuch Thomas Platters d.J.

Eckhard Weber

Universitat de València

Abstract: Between 1595 and 1600 Thomas Platter the Younger, a Swiss physician, travelled through Europe in times of immense religious conflict. About his life as a medical student in Montpellier and his later travels through France, Spain, the Netherlands and finally England he wrote a travel journal that provides detail on many aspects of the European culture around the year 1600. Naturally, the young traveller did not ignore the women of those to him foreign cultures. However, the way he displayed them in his journal might tell us as much about himself as about the women of the countries he visited.

Keywords: early modern age, travel journal, Platter, women, perception of others

Reise und Reisetagebuch

Die Reise Thomas Platters war ein 4,5 Jahre dauerndes Unternehmen (1595–1600) in einer Epoche, die enorm von konfessionellen Konflikten geprägt war. Die erste Etappe stellte seine Studienzeit in Montpellier dar, wo er sich zum Mediziner ausbilden ließ. Nach Beendigung seiner akademischen Studien begab er sich auf die eigentliche Bildungsreise. Sein Weg führte ihn ins höchst katholische Spanien in Zeiten der Heiligen Inquisition, noch einmal ausgiebig durch ein von den Hugenottenkriegen erschüttertes Frankreich, in die konfessionell gespaltenen Niederlande und schließlich über den Ärmelkanal ins anglikanische England Elisabeths I.

Platter entstammte dem bürgerlichen Milieu einer Basler Humanistenfamilie1 und seine Reise sollte der Fortführung seiner akademischen Studien und humanistischen Bildung durch Erfahrungen in der Fremde dienen.2 ←43 | 44→Platter bediente sich für seine Reisebeschreibung neben seinen Notizen und Erinnerungen nachweislich anderer Quellen. „Vieles hat er erfragt und vieles in irgendwelchen Kosmographien, Geschichtswerken und Reisebeschreibungen zusammengelesen.“3 Daneben stehen in seiner Reisebeschreibung meist deutlich unterscheidbar die persönlichen Eindrücke im Verlauf der Reise.4 Sein Reisetagebuch ist somit ein frühes Beispiel für die in der Reiseliteratur später so verbreitete Gewohnheit, eigenes Erleben mit später Gelesenem zu kompilieren.5 Somit liefern seine Aufzeichnungen sicherlich keinen faktischen Bericht. Sie sind Literatur, in der sich persönliches Erleben mit dem Bücherwissen der Epoche mischt.6

Zwar bemühte sich Platter stets um eine möglichst umfassende Darstellung der bereisten Länder, im Folgenden ist jedoch von Interesse, welchen Blick der junge Schweizer auf die Frauen warf und welche Bilder er in seinem Reisetagebuch von ihnen zeichnete. Man darf nicht annehmen, dass der Bildungsreisende ständig zur Bevölkerung, geschweige denn zur Damenwelt, Stellung nahm. Aber er vergaß dennoch nie, auch über Frauen aus den verschiedensten Milieus zu schreiben.

Frankreich

An seiner Reise durch Frankreich fällt auf, dass er trotz der konfessionellen Konflikte jener Epoche wegen seiner Religionszugehörigkeit offensichtlich keine nennenswerten Probleme hatte. Nur an einer Stelle beschrieb Platter, wie er als Reformierter diskriminiert werden sollte. Als er auf der Loire ein Schiff Richtung Orleans besteigen wollte, wurde er von den mitreisenden Damen aus religiösen Gründen abgewiesen. Sie befürchteten seinen schlechten Einfluss, womöglich würde er sie sogar am Gebet hindern.

←44 | 45→

Nachdem er den Damen Angst vor einem Sturm eingejagt und darauf hingewiesen hatte, wie hilfreich ein starker junger Mann wie er im Moment der Gefahr sein könne, wünschte er sarkastisch „glück ins badt“8, woraufhin die so religiös besorgten wie „eytel[n] weibsbilder“ ihren Widerstand schnell aufgaben. „Wie wier hinein kamen, entschuldigeten sie sich alle zum höchsten gegen mir, unndt aßem wier mitt ihnen kirsen; wahren guter dingen“.9 Die Angst vor dem Sturm war offenbar größer als die Furcht vor einem Reformierten und man aß lieber gemeinsam Kirschen, als sich wegen der Religion zu streiten.

Als angehender Arzt interessierte sich Platter natürlich für alle möglichen Heilmethoden. In einem Heilbad südlich von Montpelier (Balaruc-les-Bains) wurde er Zeuge eines ganz besonderen Spektakels. Offenbar wurde dort auf Anraten der Ärzte das Wasser getrunken, weil es stark abführende Wirkung hatte. Jedoch waren keine sanitären Anlagen vorhanden, sodass sich auch die weiblichen Patienten ungeschützt vor fremden Blicken im freien Feld erleichtern mussten.

Es badeten gar wenig im wasser […]; mehrertheil trancke es von 6, 8 biß auf die 12 gleser vol über einmahl […] Nach dem es dann yeglicher person füglich wahre auß raht der artzeten zu Montpelier; […] Daß waßer ist für sich selbs warm, gesaltzen gar vast undt schmutzig zetrinken schier wie ein warme, schmutzige, gesaltzene suppen. Nach dem yeder sein portz [Portion] außgetrunken, spazieret er in daß veldt; daß frauwenzimmer aber, sonderlich waß ettwas fürnembs ist, wirdt von ihren dienern oder liebhabern under den armen im feldt hin unndt wider geführet, unndt würket daß waßer gleich gar heftig durch den stulgang, da sihet einer wunder, wie sie zesamen im feldt zum zeil [Buchhecke] schiessen; es ist am see gelegen, sinndt keine beüm noch gebeüw da; man kan sich nirgendts verbergen.10

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Es muss ein sehr merkwürdiger Anblick gewesen sein, der sich Platter bot, der aber auch zeigte, dass unter gewissen Umständen auch vornehme Damen keine Privilegien genossen.

Im Allgemeinen scheint Platter von der französischen Kultur und den Manieren der Französinnen (und Franzosen) jedoch durchaus angetan gewesen zu sein. Über die französische Sitte, sich auf die Wangen zu küssen hat er allerdings seine eigene Theorie.

Allerdings würden die französischen Frauen (wie Männer) viel zu viel Wert auf Kleidung legen, die aus Eitelkeit ständig dem letzten Schrei folgen müsse.

Man vermeint, die Frantzosen […] sindt […] so wankelbahr in ihrer kleidung, daß wann man alle nationen mitt ihrer kleidung mahlet, so mahlet man für einen Frantzosen ein nackenden man, stehet der schneider bey ihme, hatt ein scher jn der handt unndt ein gantz stuck thuch vor ihm, dardurch an zezeigen, man kenne dem Frantzosen kein bestendige tracht zueignen. Dann sie stehts die kleider enderen unndt alle zeitt ein komblikeit der enderung fürwenden, wie sie dann in der hoffart gar spitzfindig unndt artlich darvon reden können. Sie sindt auch gar köstlich in derselbigen unndt schetzen die kleider nichts, welche lang wehren, mießen nur baldt brechen, ehe dieselbige tracht abgehet. Unndt ist diese enderung nicht allein bey den mannen, sondern auch dem frauwenzimmer gar gebreüchlich.12

Dass die Damen Frankreichs in dieser Zeit offenbar ein sehr tiefes Dekolleté trugen, verwirrte den jungen Schweizer jedoch ein wenig. Er fragte sich, wohin das noch führen solle und wie viel frau noch herzeigen wolle, wenn der Trend so weiterginge. „Die weiber zieren ihre haar unndt köpf gar schön auß, gehendt mitt offenen brüsten unndt bedecktem angesicht dahär, undt so sie also fortfahren mitt der oberen glideren zudeckung undt underer entblösung, so wird man entlich seltzame sachen offenbahren.“13 Die Freude an der Mode, die in Frankreich an den Tag gelegt wurde, war nicht Platters Sache. Zwar seien die Frauen in Montpellier sehr schön, sie hätten aber gar keinen Geschmack und kleideten sich so bunt, dass sie an Papageien erinnern würden.

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Spanien

Kaum hatte Platter die Grenze zu Spanien überschritten, bemerkte er den kulturellen Unterschied zu Frankreich. Nicht nur „die kleidung der weiber“, sondern auch „alles thun hebte an, spangisch unndt anderst beschaffen zesein“.15 An der Kleidung der Frauen fielen ihm unter anderem die „enge weiche unndt weite des rocks am boden“,16 also die enggeschnittene Taille und die langen weiten Röcke auf. Besonders erstaunt war er über die von den spanischen Damen getragenen „hohen schuen“.17 Derart „mechtig hohe weiber pantoflen“18 hatte er ganz offensichtlich noch nie gesehen. Diese waren zwar kunstvoll verziert und „gar schön gemahlet“,19 für ihren eigentlichen Zweck, dem Gehen, seien diese Pantoffeln allerdings denkbar ungeeignet gewesen. Auf ihnen haben die Damen „beschwerlich allein gehendt [können], sondern gemeinlich von ihren dieneren geführet werden [müssen], welche auf der rechten seiten gehendt, unndt die weiber ihnen auf beyden händen ligen“.20 Da sich die Trägerinnen dieser außergewöhnlichen Schuhmode schon beim Gehen schwer auf ihre Dienerinnen stützen mussten, sei es selbstverständlich unmöglich gewesen damit zu tanzen. Bei solcher Gelegenheit haben sich die Damen ihrer entledigt und sie kurioserweise gerne flugs zur Sitzgelegenheit umfunktioniert. „Kommen sie an die däntz, so ziehen ettliche die pantoflen auß undt sitzen darauf wie auf kleine stülin nider.“21

Im Allgemeinen würden die Spanierinnen den größten Wert auf Aussehen und Kleidung sowie den Eindruck legen, den sie damit hinterließen. So habe ihnen im Gespann mit den bereits erwähnten hohen Schuhen besonders die ←47 | 48→weiten und langen Röcke, die am Saum mit hölzernen Reifen verstärkt worden seien, zu einem eindrucksvollen Auftritt verholfen. „Die hispangischen weiber sindt sehr prächtig, richten sich auf den schein mitt einem reiff oder höltzinen bogen, den sie under die rök spannen noch bey dem boden, damitt sie scheinbarlich herein trättind, haben gemeinlich mannen hosen under den röcken an, gehendt auf überauß hohen pantoflen.“22 Platter zeigt sich hier überaus gut informiert, weiß er doch sogar zu berichten, dass die spanische Damenwelt unter diesen Röcken Männerhosen zu tragen pflegte. Ihm war auch die Sitte der Spanierinnen aufgefallen, sehr viel Schminke nicht nur im Gesicht, sondern auch auf Händen und Dekolleté aufzutragen: Sie „streichen unndt färben ihre angesichter, hendt unndt brüst mitt weißer farb […] unndt röte an“.23 Helle Haut im Kontrast mit Rot, das wohl damals ähnlich wie heute wie Rouge oder Lippenstift aufgetragen wurde, galt unter den spanischen Damen offensichtlich als schön. In den vornehmen Kreisen, die Platter schilderte, war helle Haut offenbar das erstrebenswerte Schönheitsideal.

Der junge Basler konnte dieser Neigung der spanischen Damenwelt zum ausgiebigen Gebrauch von Schminke jedenfalls nur wenig abgewinnen. Mit einigem Bedauern fügte er daher seiner Schilderung hinzu, dass selbst Frauen, die es aufgrund ihrer natürlichen Attraktivität doch gar nicht nötig hätten, ebenso tief in den Schminktopf greifen würden, denn „wann sie schon ohne daß von natur hüpsch werendt, haben sie doch solche anstrich im gebrauch.“24 Schließlich fügt er ein gehässiges Bonmot an, das ihm erzählt worden sei und die spanische Damenwelt in ein wenig günstiges Licht rückte. „Dahäro man sagt, welcher ein spangisch weib nemme, der hab 4 weiber: Ein lange, kurtze, schöne unndt häßliche. Am tag seye sie lang auf den pantoflen, schön, wann sie geferbt. Kurtz unndt häßlich am morgen, ehe sie angethan oder angestrichen seye.“25

Auf der Straße jedoch würden die Spanierinnen für gewöhnlich ihr Gesicht und auch die Formen ihres Körpers verbergen, indem sie „ein lange, schwarze kreppen über daß angesicht undt ganzen leib [werfen], dardurch sie andere sehen, aber sie nicht gesehen mögen werden, sie thüen dann die kreppen voneinanderen.“26 Außerdem würden die vornehmen Damen das Haus nur mit größerem Gefolge von Dienern und Mägden verlassen, die sie wie eine Eskorte umringten. „Sie gehend nitt für die thür hinaus, sie haben dann diener vor unndt neben ihnen, die sie füren, auch megt hinder ihnen ←48 | 49→här“.27 Oft seien sie auch „auf den gutschen in die statt“28 gefahren. Ihm sei aber berichtet worden, dass diese Sitte noch neueren Datums sei und sich etabliert habe, da die Damen zunehmend hinsichtlich der Größe des Gefolges in Wettstreit getreten waren. Um die Kosten zu minimieren, die ein standesgemäßes Auftreten in der Öffentlichkeit mit sich brachte, bediene man sich nun der Kutsche, mit der man ein mindestens ebenso prunkvolles Auftreten erzielen konnte. „Es sassen mehrtheils frauwenzimmer in gemelten gutschen, unndt berichtet man mich, es seye vor wenig jahren solcher gebrauch erst aufkommen. Dann zevor haben die fürnemme weiber gar viel mägdt lassen mitt ihnen gehen, unndt habe es ye eine der andern wellen vorthun; dem zufürkommen unndt umbkosten zespahren, haben sie dieß mittel erfunden, also daß wann yetz eine nur zwey maulthier, einen knecht unndt eine magdt erhaltet, kan sie ihren pracht mitt treiben, da sie zuvor 6 biß in die 10 megdt hatt miessen erhalten.“29 Platter ist offenbar von dieser von ihm konstatierten Neigung der Spanierinnen zur Effekthascherei wenig erbaut, „dann oftermahls ich zu Barselona schuster weiber hab gesehen bekleidet gehen, denen es die vom adel bey uns nicht zuthun mögen, wie sie gemeinlich pflegen“.30 Der großen Bedeutung, der man dem Eindruck beimaß, welchen man in der Öffentlichkeit hinterließ, mag auch der für gewöhnlich maßvolle Weinkonsum der Frauen geschuldet sein. Schließlich wollte man sich nicht blamieren. Platter konstatiert trocken: „Sie trinken wenig wein.“31

Mit deutlichem Missfallen beschreibt er jedoch das strenge Regiment, denen die Frauen seitens ihrer Männer ausgesetzt waren. „Unndt obschon daß frauwenzimmer daß gantze jahr durchauß gar sträflich eng unndt eingezogen gehalten wirdt, also daß sie schier gar nitt dörfen mit frembden männeren oder knaben sprach halten, also eyferig sindt sie; miessen nur von den fensteren in die gassen hinunder mitt mansbildern reden, daß alle für passierende hören, waß sie reden, sie kennen dann heimliche zeichen sprachen.“32 Der pikante Hinweis auf die „Zeichensprache“, derer sich die Damen mitunter bedienten, lässt vermuten, dass die Spanierinnen gewitzt genug waren, die strenge Kontrolle durch ihre Gatten bisweilen durchaus zu umgehen. Besonders während des Karnevals ergab sich nach Platters Darstellung für die Frauen die günstige Gelegenheit, unter dem Deckmantel der Maske, die gesellschaflichen Regeln auch gegen den Willen ihrer Männer etwas zu beugen. Denn dann waren sie „von solchem allem gefreyet, dörfen ←49 | 50→mitt iren gespilen unndt bekannten vermummet herumb laufen, wie ich dann der weiberen vil gesehen also vermummet […] Unndt miessen die mannen solches ihren weiberen, oft wider ihren willen, lassen passieren, weil sie es von alter also härgebrocht haben.“33

Platter wurde Zeuge der außerordentlichen Rolle, die beim Fastnachtsflirt im damaligen Barcelona Orangen spielten, die sich die maskierten Damen und Herren als Gunstbeweise zuwarfen. Gegenseitig hätten sich die Damen und Herren mit den Zitrusfrüchten beworfen und so ihren Präferenzen Ausdruck verliehen. „Es haben aber die vermummten alle seck voll linden, gelben pomerantzen, auch bißweilen tragen ihnen ihre diener laden oder secklin voll nach. Dieselben pomerantzen werfen sie dem frauwenzimmer under die fenster hinauf zu, welche sie in die hendt empfahen oder auch in die gemach hinein gehen lassen. Wann derselbige widerumb fürüber passieret, so wirft daß frauwenzimmer widerumb hinunder mitt pomerantzen auf ihn, oder wehr ihnen am besten gefallet, unndt auf welchen man am meisten pomerantzen wirft, derselbige ist am höchsten am brett; auch beschicht es gleichfahls mitt dem frauenzimmer.“34

Platter mag von dem Spektakel amüsiert gewesen sein. Derartig wilde Sitten waren dem Schweizer Protestanten aber offensichtlich noch nicht untergekommen und hatten einen Beigeschmack hinterlassen, der ihn zu einem fast gehässigen Kommentar zu den möglichen Konsequenzen des ausgelassenen Treibens veranlasste. Denn trotz allem angedeuteten Missfallen über das rigide Regiment, das die spanischen Männer über ihre Frauen ausübten, habe der Wechsel von zu strenger Zucht und wilder Fastnacht vor allem auch so manches „Kuckuckskind“ zur Folge gehabt, denn „da gibt es dann viel (cocus) gauchen, obschon der früling noch nitt vorhanden.“35

Niederlande

Von den Frauen der Niederlande war Thomas Platter geradezu begeistert. Bei seinem Besuch der Stadt Tournay notierte er überschwenglich: „So schön frauwenzimmer hatt es in dieser statt, als ich ye zevor in einerstatt in gantz Frankreich gesehen hatte, nach proportion der statt.“36 Die Niederländer ganz allgemein erscheinen ihm schöner und vor allem auch größer als die Völker des südlicheren Europas, wofür er etwas lapidar das feuchtere Klima verantwortlich macht. „Die Niderländer, mann unndt weibs personen, sindt ←50 | 51→gemeinlich größer und schöner dann die Italiener, Spangier oder Frantzosen wegen mehrerer feüchtigkeit deß landts, wie man vermeint, sonderlich die Holländer unndt Frießländer.“37

Was Platter aber besonders faszinierte, war der hohe Bildungsgrad der niederländischen Frauen. Die guten Sprachkenntnisse, die schon den Kindern in besonderen Schulen vermittelt wurden, beeindruckten ihn sehr. Er glaubte aber auch, einen praktischen Grund dafür ausmachen zu können. Für ein Gewerbe und internationalen Handel treibende Nation sei die Kenntnis von Fremdsprachen einfach essenziell.

Die weibsbilder sindt auch groß und schön, sehr geschickt unndt vieler sprachen woll erfahren, wie man dann in vielen stätten Niderlandts frantzösisch unndt niderländisch zugleich redet, auch daß landt für unndt für der gewerb unndt kaufmanschaft halben voll Spanier unndt anderer außländischen nationen ist, so tregt sich zu, daß man in den großen stetten als zu Antorff, Brüssel unndt anderstwoh sonderbahre sprachen schulen haltet, darinnen man dieselbigen nicht allein läsen unndt schreiben, sondern verstehen unndt reden lehrnet, so woll die töchteren als die jungen knaben; dahäro selten ein fürnemmer gesell oder tochter, die nicht neben ihrer mutersprach auch frantzösisch, italienisch unndt spangisch reden, als wann sie in denselben landen wehren gewesen, unndt sindt aber niemahlen auß ihrem vatterlandt kommen. Wie ich dann die übergeschriften solcher schulen, für die töchteren besonder unndt für die jüngling auch besonder, an denselbigen orten an heüseren angeschriben gesehen hab. Sie können auch nachmahlen solche sprachen stetigs mitt gemelten nationen, deren es yeder zeitt viel bey ihnen hatt, üeben, wie es ihnen auch hoch von nöten.38

Über die Sprachkenntnisse hinaus seien die Niederländerinnen so profund ausgebildet, dass sie nicht nur den eigenen Haushalt führen, sondern meist auch die Handelsgeschäfte übernahmen. Dabei seien sie viel geschickter als ihre zur Trunksucht neigenden Männer. „Unndt weil daß frauwenzimmer der sprachen, deß läsens, schreibens, rechnens unndt der kaufmanschatz so wohl erfahren sindt, mießen sie auch nicht allein in ihren heüseren derselbigen sich annemmen, sondern reißen von einem dorf zu dem andern oder von statt zu statt, zewaßer unndt zu landt, kaufen unndt verkaufen, erspahren viel mehr dann ihre mannen, weil sie gar niechter sindt, die mannen aber […] sehr vertrunken.“39 Da die Niederländerinnen so gut darin seien, würden ihnen die Männer die kaufmännische Tätigkeit gerne überlassen. Dies habe aber oft zur Folge, dass sich die Frauen zu den eigentlichen Herren im Haus aufschwingen und in der Beziehung die Hosen anhaben. „Unndt mießen also die weiber zu hauß die haußhaltung unndt in der frömbde den ←51 | 52→gewerb versehen, welches ihnen die mannen gern zulaßen, weil sie sich woll darauf verstehendt, aber daß folgt auch hernacher, daß sie nach unndt nach ihrer weiberen diener oder underthanen mießen werden.“40 Zur Illustration erzählt Platter folgende Anekdote.

[…] wie man dann ein history von einem großen herren saget, der habe wellen wißen, wie viel männer in Ambsterdam über ihre weiber meister seyen, daß derselbig habe seinem diener vier pferdt in ein karren gespannen, denselbigen voller eyer überliferet mitt angehenktem bevelch, er solle in Ambsterdam von hauß zehauß fahren, unndt in welchem hauß er befinden werde, daß der mann meister seye, solle er ihme ein pferdt verehren, da aber die weiber herrschen, solle er ein ey verehren, unndt seye der knecht mitt seinen vier hengsten, aber dem leren wagen, widerumb heimkommen, dann wann schon einer gesagt, er seye meister, unndt ihme der knecht daß pferdt hatt wellen deßwegen außspannen, hatt er ihn heißen verziehen, biß er sein weib gefraget, ob er es nemmen undt wohin er es stellen solle.41

England

Über England zitiert Platter ein Sprichwort, das besagt, „Engellandt seye der weiber paradeiß“.42 Denn ganz anders als etwa die Frauen in Spanien hätten die Engländerinnen weitgehende Freiheiten, die sie zu nutzen wussten und wogegen ihre Männer keine Handhabe hätten und sie dafür nicht züchtigen dürften. Ganz im Gegenteil seien es vielmehr die Frauen, die mitunter in häuslichen Konflikten zu Gewalt greifen. Dem Opfer, so berichtet Platter, sei dann eine ganz besondere Form des Spotts zuteilgeworden.

Unndt haben die weibsbilder, welche mehrtheils blauwe, mit grauw vermischte augen haben, auch weiß undt hüpsch sindt, in Engellandt viel mehr freyheit als ettwan an anderen orten, wissen sich auch deßen woll zegbrauchen, dann sie in kleideren überaus prächtig, mehrtheils müeßig spatzieren gehen oder auf gutschen fahren, unndt mießen es die mannen ihnen gar woll lassen gefallen, dörfen ihnen deßwegen nichts arges zufügen, sonder es schlagen woll oft die weiber ihre männer, welches so man es erfahret, setzet man den aller nechsten seinen nachbauren auf einen karren unndt führet ihn dem geschlagenen zu spott durch die gantze statt mitt vermeldung, daß seye sein straff darumb, daß er nicht seinem nachbauren seye zuhülf kommen, als ihn sein frauw geschlagen.43

Platter offenbart hier auch eine Vorliebe für helle Haut. Er findet die Engländerinnen zwar „weiß undt hüpsch“44, sie seien aber auch sehr eitel, sodass ←52 | 53→so manche prächtig gekleidet in der Öffentlichkeit auftrete, obwohl man zu Hause kaum etwas zu essen habe. „Sie legen sehr viel auf kröser, stercken sie blauw, damit sie desto weißer im angesicht scheinen; darf woll eine auf der gassen sammet, der bey ihnen gemein, tragen, die daheim im hauß, wie ich berichtet worden, ettwan daß trucken brot nicht gehaben mag.“45

Dass in England etwas freiere Sitten herrschten, erlebte Platter auf einem Empfang beim Bürgermeister von London. Ganz verblüfft notierte er: „auch empfiengen uns die weiber mitt einem kuß“.46 Noch deutlicher bemerkte er dies beim Besuch der Wirtshäuser, die sogar mehr von Frauen als Männern frequentiert würden. Dort würden die Engländerinnen sich nur zu gerne zum Wein einladen lassen und lustig zechen. Zudem seien die Ehemänner den großzügigen Spendern, die die eigene Ehefrau so betrunken und lustig gemacht haben, dafür auch noch dankbar.

Sehr viel wirdtsheüser, bier heüser unndt gartkuchen hatt es hin unndt wider in der statt, darinnen man auch viel kurtzweil mitt eßen, trincken, seitenspiel unndt sonsten hatt, wie dann auch vast alletag in unser losament die spilleüt kommen sindt. Unndt ist sonderlich zu mercken, daß die weiber so woll als die mannen, ya öfter pflegen in die wirdst- unndt bierheüser zegehen unndt sich da zeerlustigen. Sie halten es für gar ein große ehr, so man sie dahin führet unndt ihnen wein mit zuker zetrincken gibt; so einer nur ein weib ladet, bringt sie drey oder vier andere weiber mit sich; da trincken sie einanderen dapfer zu, unndt danket demnach der mann dem, der sein weib also lustig gemachet hatt; ist ihnen ein ebener dienst.47

Etwas enttäuscht ist Platter von den mangelnden Sprachkenntnissen der adeligen Damen, die nicht einmal des Französischen mächtig waren. Bei ihrem Besuch von Hampton Court wurden er und seine Begleiter von Frau und Töchtern des Verwesers durch das königliche Schloss geführt „unndt hatten wier einen dollmetschen bey uns, der uns alles auf frantzösisch saget, waß uns daß weib unndt die töchteren anzeigeten.“48

In der Fremdheitsforschung hat sich längst die Erkenntnis etabliert, dass das Fremdbild „immer aus dem Wahrnehmungshorizont des Eigenen“ und das Selbstbild erst „durch den Horizont des Fremden“49 konstruiert werden. Da Fremd- und Selbstbilder also in einem funktionalen Zusammenhang stehen, könnte man überspitzt formulieren, dass die dargestellten ←53 | 54→Bilder der fremden Damen mehr über den Autoren und dessen eigenen kulturellen Horizont verraten, als dass sie eine objektive Zeichnung Angehöriger einer anderen Kultur wären. Was erfährt man nun über Platter selbst? Er scheint ein etwas trockener Charakter gewesen zu sein, dem vor allem an guter Ordnung der Dinge gelegen war. Schnell wurde es ihm zu frei, zu wild oder zu bunt. Das mag an einer strengen protestantischen Sozialisierung gelegen haben, die für übermäßige Vergnügungen keinen Raum ließ und die womöglich Platters wenig wohlwollenden Blick auf die katholischen Spanierinnen erklärt. Er scheint auch eine Vorliebe für die hellen Augen und weiße Haut der Nordeuropäerinnen gehabt zu haben. Besonders die Niederländerinnen werden unabhängig von ihrer Konfessionszugehörigkeit idealtypisch gezeichnet und zwar nicht nur wegen ihrer Größe und Schönheit, sondern vor allem wegen ihres nüchternen Wesens, ihrer außerordentlichen Bildung und großer Geschäftstüchtigkeit. Dass er jedoch nur relativ Weniges über die Französinnen berichtete, wo er doch insgesamt mehr als vier Jahre in Frankreich verbracht hatte, ist doch einigermaßen erstaunlich.

Bibliographie:

Bonjour, Edgar: „Thomas Platter“. In: Historisches Lexikon der Schweiz, retrieved 30.12.2019, from https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/012204/2010-02-11.

Keiser, Rut (Hrsg.): Thomas Platter d.J. Beschreibung der Reisen durch Frankreich, Spanien, England und die Niederlande 1595 – 1600, Bd. 1 u. 2. Schwabe und Co Verlag: Basel/Stuttgart 1968.

Krümmer, Anne: Fremd – und Selbstbilder in der spanischen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. (Dissertation) Universität Konstanz: Konstanz 2005.

Kürbis, Holger: Hispania descripta. Von der Reise zum Bericht. Deutschsprachige Reiseberichte des 16. und 17. Jahrhunderts über Spanien. Ein Beitrag zur Struktur und Funktion der frühneuzeitlichen Reiseliteratur. (Europäische Hochschulschriften Reihe III: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften 994). (Dissertation) Peter Lang: Frankfurt a.M. et al. 2004.

Raposo Fernández, Berta: „Las fuentes del Cuadro de Valencia”. In: Raposo Fernández Berta (Coord.): Christian August Fischer. Cuadro de Valencia (Gemälde von Valencia). Biblioteca Valenciana: Valencia 2008, S. 33 – 41.

Voß, Andrea: Reisen erzählen. Erzählrhetorik, Intertextualität und Gebrauchsfunktion des adeligen Bildungsreiseberichts in der Frühen Neuzeit. Universitätsverlag Winter: Heidelberg 2016.

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Weber, Eckhard: „Pilger, Räuber, Heiden und Ketzermeister. Spanienbilder in Texten deutscher Reisender an der Wende zur Neuzeit (15./16. Jahrhundert)“. In: Raposo Fernández, Berta/Gutiérrez Koester, Isabel (Hrsg.): Bis an den Rand Europas. Spanien in deutschen Reiseberichten vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Vervuert: Frankfurt a.M. 2011, S. 15 – 75.

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1 Vgl. Bonjour, Edgar: „Thomas Platter“. In: Historisches Lexikon der Schweiz, retrieved 30.12.2019, from https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/012204/2010-02-11.

2 Vgl. Weber, Eckhard: „Pilger, Räuber, Heiden und Ketzermeister. Spanienbilder in Texten deutscher Reisender an der Wende zur Neuzeit (15./16. Jahrhundert)“. In: Raposo Fernández, Berta/Gutiérrez Koester, Isabel (Hrsg.): Bis an den Rand Europas. Spanien in deutschen Reiseberichten vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Vervuert: Frankfurt a.M. 2011, S. 59. Platters Reise wurde auch als eine den Kavalierstouren des 16./17. Jahrhunderts vergleichbare Reise einer nichtadligen Person diskutiert. Vgl. Kürbis, Holger: Hispania descripta. Von der Reise zum Bericht. Deutschsprachige Reiseberichte des 16. und 17. Jahrhunderts über Spanien. Ein Beitrag zur Struktur und Funktion der frühneuzeitlichen Reiseliteratur. (Europäische Hochschulschriften Reihe III: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften 994). (Dissertation) Peter Lang: Frankfurt a.M. et al. 2004, S. 51–66.

3 Keiser, Rut (Hrsg.): Thomas Platter d.J. Beschreibung der Reisen durch Frankreich, Spanien, England und die Niederlande 1595 – 1600, Bd. 1 u. 2. Schwabe und Co Verlag: Basel/Stuttgart 1968, S. XV.

4 Vgl. Kürbis 2004, S. 66.

5 Exemplarisch vgl. Raposo Fernández, Berta: „Las fuentes del Cuadro de Valencia”. In: Raposo Fernández Berta (coord.): Christian August Fischer. Cuadro de Valencia (Gemälde von Valencia). Biblioteca Valenciana: Valencia 2008, S. 33–41.

6 Zu den Ansätzen der literaturwissenschaftlichen Reiseberichtsforschung vgl. Voß, Andrea: Reisen erzählen. Erzählrhetorik, Intertextualität und Gebrauchsfunktion des adeligen Bildungsreiseberichts in der Frühen Neuzeit. Universitätsverlag Winter: Heidelberg 2016, S. 3–9.

7 Keiser 1968, S. 488.

8 Keiser 1968, S. 488.

9 Keiser 1968, S. 489.

10 Keiser 1968, S. 86f.

11 Keiser 1968, S. 614.

12 Keiser 1968, S. 613f.

13 Keiser 1968, S. 614.

14 Keiser 1968, S. 188.

15 Keiser 1968, S. 321.

16 Keiser 1968, S. 325.

17 Keiser 1968, S. 325.

18 Keiser 1968, S. 344.

19 Keiser 1968, S. 344.

20 Keiser 1968, S. 344.

21 Keiser 1968, S. 344.

22 Keiser 1968, S. 383.

23 Keiser 1968, S. 383.

24 Keiser 1968, S. 383f.

25 Keiser 1968, S. 384.

26 Keiser 1968, S. 384.

27 Keiser 1968, S. 384.

28 Keiser 1968, S. 384.

29 Keiser 1968, S. 340.

30 Keiser 1968, S. 380.

31 Keiser 1968, S. 384.

32 Keiser 1968, S. 373.

33 Keiser 1968, S. 373.

34 Keiser 1968, S. 373.

35 Keiser 1968, S. 373.

36 Keiser 1968, S. 653.

37 Keiser 1968, S. 699f.

38 Keiser 1968, S. 700f.

39 Keiser 1968, S. 701.

40 Keiser 1968, S. 701f.

41 Keiser 1968, S. 702.

42 Keiser 1968, S. 819.

43 Keiser 1968, S. 814.

44 Keiser 1968, S. 814.

45 Keiser 1968, S. 814.

46 Keiser 1968. S. 784.

47 Keiser 1968, S. 795.

48 Keiser 1968, S. 834.

49 Krümmer, Anne: Fremd – und Selbstbilder in der spanischen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. (Dissertation) Universität Konstanz: Konstanz 2005, S. 27.

Valencia diacrónica: los tres viajes de Moritz Willkomm

Ingrid García-Wistädt

Universitat de València

Abstract: The botanist Moritz Willkomm made three trips to Spain between 1844 and 1873 which resulted in the publication of numerous treatises on botany and three other descriptive works. These texts were fundamental for the dissemination of the knowledge on the Iberian Peninsula in Germany, in the more specific fields of botany, geography or geology and in historical, economic, social and cultural terms. On each of these journeys Willkomm visited Valencia and left some of the most emblematic descriptions of the city and its surroundings, in a unique testimony of the changes that took place in the region over almost thirty years.

Keywords: Valencia, Willkomm, travel literature, Romanticism.

Introducción

El botánico Moritz Willkomm, considerado uno de los científicos más relevantes de la segunda mitad del siglo XIX, dedicó gran parte de su vida al estudio de la Península Ibérica, que fue, además, el objeto principal de sus publicaciones más importantes. Willkomm realizó tres viajes de diversa duración a España entre los años 1844 y 1873 y en todos ellos recaló en Valencia. Fruto de estos viajes son numerosos tratados de botánica, que le han dado popularidad y reconocimiento también en el ámbito científico español.1 Sin embargo, no todas sus publicaciones relacionadas con España son textos puramente científicos. Como resultado directo de sus viajes publicó tres libros de viajes, obras de estilo narrativo con un carácter más divulgativo que, además de ofrecer resultados científicos concretos, incluyen ←57 | 58→la descripción del viaje, los lugares que visita, sus gentes, realiza disquisiciones históricas, trata aspectos políticos…2

Estos textos tuvieron muy buena acogida en el siglo XIX y fueron fundamentales para dar a conocer la Península en Alemania, tanto en el ámbito más específico de las ciencias naturales ‒siguiendo la estela de Alexander von Humboldt‒, como en términos históricos, económicos, sociales y culturales, e influyeron de forma determinante, sobre todo el primero, en los relatos de viajeros posteriores. Por un lado contribuyeron a promover el mito de la España romántica,3 ‒que hasta entonces habían impulsado sobre todo viajeros franceses e ingleses‒, pero por otro abrieron las puertas a la otra España: Andalucía, que hasta entonces había sido considerada de forma metonímica como representativa del conjunto del país, se convierte en una región más (cf. Wolfzettel 2000, p. 89), y el Reino de Valencia, hasta entonces relegado o simple lugar de paso, adquiere entidad propia. Todas estas obras dejan constancia de que el interés de Willkomm iba mucho más allá del meramente científico y al tiempo que nos legan algunas de las descripciones más emblemáticas de Valencia, son testimonio único del progreso y de los cambios que se produjeron en la región a lo largo de casi treinta años.

El primer viaje

El primer viaje de Willkomm a la Península duró algo más de dos años, entre la primavera de 1844 y 1846.4 En el prólogo al relato de este viaje, publicado en dos tomos y que lleva por título Zwei Jahre in Spanien und Portugal (1847), el autor explica que esta obra era una muestra pública ←58 | 59→de su agradecimiento a un pueblo desconocido, entre el que había pasado los momentos más felices de su juventud. Y su forma de mostrar este agradecimiento era ofrecer una descripción meticulosa de su país, su carácter y sus usos y costumbres; tras un largo periodo de convivencia en el que dice haber conocido a todos sus estamentos y haberse familiarizado con su lengua, considera que se encuentra autorizado para hacerlo. (1847, I, p. VI) Hasta aquí uno podría pensar que su relato se enmarca en la tradición puramente romántica, sin embargo, Willkomm afirma haber recorrido partes de la Península que ningún turista había pisado y había tenido ocasión de observar en la intimidad el carácter del pueblo, por lo que, aunque en la forma y en el estilo su obra se pudiera asemejar a otros relatos, contenía elementos desconocidos para el lector: “Ich bin nicht Belletrist […]. Ich bin und schreibe als Naturforscher; ich beobachte, examinire und analysire; Gründlichkeit und Wahrheit sind mein Bestreben”. (Willkomm 1847, I, p. VII)

A su llegada a Valencia el 5 de mayo de 1844, el autor confiesa que había anhelado conocer la famosa ciudad con sus maravillosos jardines; de hecho, el primer capítulo sobre Valencia comienza con un epígrafe, la primera estrofa de la canción de Mignon de la obra de Goethe Wilhelm Meisters Lehrjahre,5 en la que el limonero simboliza el paraíso del sur. Willkomm llega en barco desde Barcelona en un día nublado y tormentoso en el que soplaba un fuerte Garbí, lo que junto con las condiciones poco favorables del puerto de Valencia dificultaba el arribaje: “Vor uns lag der Grao oder Hafenort von Valencia, allein wir hatten in einer Entfernung von einer Viertelstunde vom Molo geankert, da das Wasser auf der Rhede von Valencia, die für den schlechtesten Ankergrund an der ganzen Südküste der Halbinsel gilt, zu seicht ist, als daß größere Fahrzeuge sich in den eigentlichen Hafen hineinwagen könnten. Die Rhede von Valencia ist berüchtigt wegen der Gefährlichkeit des Landens bei hochgehender See und häufig ist dies völlig unmöglich” (Willkomm 1847, I, p. 69).

Valencia se encontraba entonces a una distancia de tres cuartos de hora del Grao, desde allí una cuádruple avenida de álamos y olmos llevaba en línea recta hasta la ciudad, atravesando la famosa Huerta de Valencia. Willkomm queda maravillado: “Es ist unmöglich, den Anblick dieser eben im üppigstem Schmucke des Frühling prangenden Gefilde zu beschreiben!” (Willkomm 1847, I, p. 72). Su primera impresión al vislumbrar la ciudad de Valencia es la de una antigua ciudad romana, rica y noble −“Das Bild ←59 | 60→[…] ist Ernst; ‒ die gewaltige Stadt hat von außen etwas antik Römisches” (Willkomm 1847, I, p. 74)−, con sus puentes de piedra, sus murallas, torres, palacios, hermosos campanarios y ambas orillas del Turia ornamentadas con alamedas, bancos de piedra y fuentes. Sin embargo, el interior de la ciudad no se corresponde con las expectativas que despierta su exterior, pues recuerda más a un lugar de Oriente que a una ciudad europea: apenas se atraviesa la muralla6 y la Plaza de Santo Domingo7 se entra en un laberinto de callejuelas, estrechas y curvas, aprisionadas entre altísimas edificaciones, que al no estar pavimentadas, con tiempo seco provocan un polvo espantoso y cuando llueve están llenas de porquería. Por ello la ciudad de Valencia le produjo una impresión tan particular, porque conservaba ese carácter oriental tan exótico para los europeos del norte, lo que le confería un atractivo insólito, sobre todo si se rememoraban las escenas de las que estos lugares fueron testigo en una época romántica muy lejana: “Valencia, die Stadt des Cid! – Welche Erinnerungen knüpfen sich nicht an diesen Namen, wie viele Jahrhunderte war er der alleinige Focus, in welchem sich die Strahlen der gesammten poetischen Literatur Spaniens sammelten; mit welchem Stolz ruft noch jetzt der Valencianer aus: „Soy hijo de la ciudad del Campeadór!“ […] Noch heutigen Tages zeigt man das Thor, durch welches dieser berühmte Lieblingsheld des spanischen Volkes hereintritt,8 als er den Mauren die Stadt seiner Väter entriß.” (Willkomm 1847, I, p. 75).

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Al atardecer visita los paseos, por los que Valencia era famosa. Se dirige en primer lugar a la Alameda, donde se paseaba la gente distinguida de Valencia,9 pero considera que no merecía las pomposas alabanzas laudatorias de los escritores españoles, que la presentaban como una de las primeras alamedas de Europa. Es posible, escribe, que antes de la ocupación francesa, cuando el paseo estaba formado casi exclusivamente por árboles exóticos, pudiera haber sido de mayor interés para un norteño, pero estos habían sido talados y sustituidos más tarde por los llamados “árboles europeos” que, además, todavía eran demasiado pequeños para causar una gran impresión. Tampoco los jardines de recreo de rígido estilo francés antiguo que recorrían el lado izquierdo de la Alameda merecen para Willkomm grandes alabanzas, aunque reconoce que contenían hermosos rosales y arrayanes, por lo que llega a la conclusión de que los llamados jardines públicos en España estaban muy por detrás de los suyos, pues no ofrecían más que un gran derroche de naranjos, cipreses, mirtos y rosales que habían sido podados con formas geométricas descabelladas, siguiendo la antigua mala costumbre francesa. (Willkomm 1847, I. pp. 77, 78) Mejor valoración le merece la Glorieta, aunque también de estilo francés, uno de los jardines públicos más hermosos que recuerda haber visto en España y con verdadero carácter meridional.10

Otro aspecto que destaca en su relato es su reconocimiento a Valencia como uno de los centros principales en España de las artes y las ciencias: aunque ya no tuviera la relevancia literaria y artística que disfrutó en siglos anteriores,11 era una de las pocas ciudades de España que a pesar de ←61 | 62→todos los disturbios políticos había conservado el entusiasmo por las bellas artes y las ciencias, y Willkomm confía en que en un futuro, si al fin llegaran tiempos menos agitados, prometía dar los frutos más maravillosos. Esta afirmación contrasta con los reproches que con frecuencia se hacían a España por parte de casi todo el resto de Europa sobre su indiferencia ante todo lo que concernía a los más nobles frutos de la humanidad. Para contrarrestar este estereotipo el autor realiza un recorrido por las diferentes instituciones artísticas, como el Museo de Bellas Artes, la Real Academia de San Carlos, el Liceo Valenciano y el Palacio del Arzobispo.

De entre las cuantiosas edificaciones significativas de la ciudad, Willkomm destaca la universidad, considerada la segunda de España; describe la Lonja de la Seda, donde antiguamente estaba erigido el palacio de una princesa mora; las ocho puertas de la muralla, de entre las que por su arquitectura depuntaban las de Serranos y las de Cuarte; la Ciudadela, un bastión cerca de la Puerta del Mar, ahora una prisión militar… Subraya, asimismo, el gran número de plazas de la ciudad; la de la Constitución12 −“wo zuerst der Aufstand von Valencia gegen das französische Joch ausbrach” (Willkomm 1847, I, p. 98)−, ante la catedral y la Capilla de la Virgen de los Desamparados, la considera la más bonita. Por último, Willkomm describe la Plaza del Mercado, de la que destaca su actividad. El autor termina su capítulo sobre la ciudad con una referencia a su limpieza, pues a pesar de la falta de asfaltado y de la densidad de población, cuando terminaba el mercado, al anochecer, los trabajadores de la huerta recorrían con sus mulos todas las callejuelas, recogían la basura y se la llevaban para abonar los campos. (Willkomm 1847, I, p. 101)

Para abrir el siguiente capítulo, que lleva por título “Umgebungen von Valencia” y que trata los alrededores de la ciudad, Willkomm elige una cita de Milton, proveniente del canto IV de su Paradise Lost, en la que se describe el paraíso del Edén,13 y para hacerse una idea general de Valencia, en cuyas callejuelas laberínticas era tan difícil orientarse, subió al Miguelete. El panorama que se contemplaba desde la torre lo considera mágico, una de las ←62 | 63→vistas más hermosas de España: la ciudad con sus cúpulas, sus torres y palacios, sus oscuros y estrechos callejones, sus antiguas puertas y murallas, ofrecía un cuadro extraordinario que contrastaba con la frescura y las diferentes tonalidades de verde de la Huerta, que rodeaba la ciudad: “Wohin man die Blicke richtet, überall erblickt man dieselbe brillante Cultur; allenthalben gucken die schöngeformten Glockenthürme und die glänzenden Kuppeln der Kirchen von einer Menge von Flecken und Dörfern aus dem üppigen Gebüsch hervor; auf allen Seiten sieht man die Stadt von baumreichen Promenaden und blumenerfüllten Gärten umringt und in ihr selbst ragen die luftigen Kronen einer Menge von Palmen aus den Höfen und Gärten der Klöster über die graubraunen flachen Ziegeldächer empor.” (Willkomm 1847, I, pp. 102, 103).

A continuación, Willkomm explora los alrededores de la ciudad, empezando por la huerta y la Albufera, que incluso visita dos veces. En este contexto, explica cómo se imaginaban en el norte la exuberante vegetación del sur de Europa, sin embargo, contradice esta imagen, pues probablemente no hubiera lugares más áridos y secos que en el sur de la península; esa exuberante vegetación solo se encontraba donde había agua, por lo que considera la huerta de Valencia como una obra de arte de la ingeniería agrícola, por el aprovechamiento del agua a través de los miles de canales y zanjas provenientes del Turia.14 A la huerta se le llamaba con razón “el jardín de España”, escribe, y debía su surgimiento a la formación y a la laboriosidad infinita de los sarracenos, que construyeron este sistema de irrigación, y los valencianos habían heredado esta laboriosidad de sus antepasados orientales, lo que los diferenciaba de forma encomiable del resto de habitantes de la Península. (Willkomm 1847, I, pp. 106, 107).

El cuarto capítulo está dedicado a la Sierra de Chiva. Tras tres semanas en Valencia, Willkomm se dirige a la pequeña ciudad de Chiva para recorrer una de las cadenas montañosas más altas del Reino de Valencia. En este punto hace una referencia a la calidad de las carreteras, de la que desconfía, porque, aunque en ese momento la recién terminada carretera de Valencia y Chiva hacia Castilla la Nueva estaba construida de forma muy bonita, en pocos años podría acabar en tan mal estado como la mayoría de las carreteras de España, donde no se hacía prácticamente nada por su conservación. (Willkomm 1847, I, p. 141).

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El quinto y último capítulo dedicado a Valencia lo introduce con una cita del Wilhelm Tell de Schiller, unos versos en los que se hace referencia al paso del tiempo, a los cambios, a cómo lo viejo se desmorona y de las ruinas brota nueva vida.15 Willkomm no quiere abandonar Valencia sin hacer algunas observaciones sobre el carácter de sus habitantes, aunque antes de hablar de los valencianos en particular, habla del conjunto de la nación y se atreve a aventurar que hay pocos pueblos con un carácter tan marcado como los españoles, de los que destaca el sentimiento nacional y el sentido de la independencia, dos nobles cualidades que dice buscar en vano en su erudita e ilustrada Alemania: las naciones más civilizadas e ilustradas tenían mucho que aprender de la pobre España, tan denostada y vilipendiada. (Willkomm 1847, I, p. 144)

España no tenía nada que ver con 40 años atrás, quien la hubiera conocido entonces se sorprendería de las transformaciones producidas. En lugar del tradicional fanatismo y la mojigatería sin límites, había surgido un liberalismo socarrón, según Willkomm, tan poco deseable como lo anterior. El clero apenas tenía ya influencia, los monasterios habían desaparecido y no se veían imágenes de santos en las carreteras. Todavía se observaban las formas, pero las fiestas religiosas se percibían como un entretenimiento público. De hecho, era posible que no hubiera en ningún país mayor libertad religiosa y de conciencia que en España (aunque legalmente hubiera intolerancia). Las razones, explica, se remontaban a la guerra con Napoleón. También las relaciones sociales se habían transformado, habían caído las barreras que dividían las clases sociales y la nobleza había perdido poder. Otro fruto de la revolución era el interés por la política, que afectaba a todas las clases sociales, incluso los campesinos le preguntaban si en Alemania también tenían una constitución. Finalmente, Willkomm se refiere al carácter específicamente valenciano: “Wer sich den Spanier als einen ernsten, schweigsamen, steifen, auf Förmlichkeiten haltenden Menschen, erfüllt von Mißtrauen gegen alle Fremden, denkt – eine Vorstellung, die sehr häufig in den Köpfen der Ausländer spukt, − dürfte sich nicht wenig getäuscht und überrascht fühlen, wenn er nach Valencia käme. […] man findet in dem Valencianer stets einen heitern jovialen Menschen, welcher sich mit Jedermann gern und lebhaft unterhält und sich das Leben so angenehm als möglich zu machen sucht.” (Willkomm 1847, I, pp. 158, 159)

Pero no solo el habitante de la ciudad, en el que el refinamiento de las costumbres sería natural, se caracterizaba por su nobleza, también lo pudo constatar en el campo. Las clases bajas de la población de Valencia tenían ←64 | 65→en toda España muy mala fama por su carácter pasional, irascible y vengativo y la navaja valenciana era temida y tenía mala reputación. De hecho, durante su estancia en Valencia no ocurrieron menos de cinco asesinatos en los alrededores de la ciudad, algo cotidiano que, según Willkomm, merecía poca atención, por lo que no era recomendable moverse tras la puesta del sol fuera de la ciudad. Mucho menos aventurarse solo a las montañas. El campesino valenciano era austero y poco dado a la bebida, se caracterizaba por su agilidad, especialmente en el cabalgar: ver a un valenciano cabalgando hacía pensar que uno estaba entre los beduinos. (Willkomm 1847, I, p. 162). También la fisonomía del valenciano tenía algo africano: en ninguna parte de España, ni siquiera en Andalucía, había visto una tez tan oscura, casi marrón, y unos ojos negros tan punzantes. La ocupación árabe había supuesto un elemento determinante del carácter de los valencianos, que se hacía más evidente a medida que uno se acercaba al sur.

En el capítulo sexto Willkomm abandona Valencia y describe su viaje a Madrid. Este capítulo lo introduce con unos versos de Lord Byron del poema “La peregrinación de Childe Harold”, que adelantan el cambio que se va a producir en el paisaje, dejando atrás la exuberancia del vergel valenciano: “Bald schwinden nun die Hügel allgemach/Und minder üppig ist das Land zu schauen,/Und gränzenlose Ebenen folgen nach./Fern, ohne Ende reichen Spaniens Auen,/Soweit das Auge trägt!”16 (Willkomm 1847, I, p. 171). Sobre todo en esta parte del relato, en la que se describe el desplazamiento, el viaje “en movimiento”, la mirada objetivo-científica del narrador impersonal alterna sin cesura con la mirada subjetiva del viajero:

Neben den dunkelgrünen Reisfeldern der Albufera hinfahrend genießt man fortwährend den Anblick des höchst malerischen Sierra de Cullera jenseits des blauen Seespiegels, an deren Fuß die Thürme des Städtchens Sueca aus einem Walde von Fruchtbäumen hervorblicken. Sueca ist einer der Hauptorte des Reislandes, hat aber wegen seiner erhabenen Lage dicht am Fuße des Gebirges weniger von den schädlichen Ausdünstungen der Reisfelder zu leiden. Zur Rechten der Straße liegt auf einem kahlen Sandhügel ein alter viereckiger Thurm oder eine Atalaya aus der Maurenzeit […]. Man wird unwillkürlich an die romantischen Kämpfe zwischen Orientalen und Occidentalen erinnert, deren Schauplätz der spanische Boden so viele Jahrhunderte lang gewesen ist; und oft glaubt man beim Anblick der beduinenartigen Landleute Valencias den Turban eines Mauren hinter den zerbröckelten Zinnen einer Burg hervorgucken zu sehen. (Willkomm 1847, I, pp. 176, 177)

En sus descripciones destacan las sensaciones, las reacciones emocionales que provocan las impresiones visuales en el viajero, lo que aleja el texto del ←65 | 66→“descripcionismo vacío”17 que caracteriza muchos de los textos puramente científicos, en los cuales no existe una interpretación de la realidad, sino una enumeración objetiva de detalles y particularidades físicas del espacio descrito.18 Y también durante el trayecto el texto deja constancia de los efectos de la guerra sobre las infraestructuras, por ejemplo, a su llegada al valle del Júcar, que debe atravesar en barco porque solo quedan las ruinas de un puente inacabado. La guerra no solo paralizó las construcciones en curso, sino que supuso un retroceso en la red de caminos con respecto a finales del siglo XVIII, por lo que no sorprende que Willkomm buscara infructuosamente caminos que aparecían señalizados en los mapas. Aun así, mientras se encuentra dentro del Reino de Valencia las carreteras, en su mayoría orilladas de álamos y olmos, le parecen bastante buenas, pero cuando llega a Almansa y abandona finalmente la región, la descripción del paisaje evoca y da sentido a la cita inicial de Lord Byron: “Welch ein Contrast gegen die üppigen blühenden Fluren, die man so eben verlassen hat! – Niedrige kahle Felsenkämme von rothbrauner Farbe ohne alle Spuren von Vegetation umsäumen eine weite, öde, menschenleere Steppe, wo kaum hier und da eine dürftige immergrüne Eiche dem Wanderer Schatten gegen die Gluthstrahlen der Sonne gewährt […].” (Willkomm 1847, I, p. 180).

El segundo viaje

El segundo viaje a España lo realizó Willkomm en el verano de 185019 y lo inmortalizó en la obra Wanderungen durch die nordöstlichen und centralen Provinzen Spaniens, publicada en dos tomos en 1852. En esta ocasión Willkomm llega a Valencia por carretera desde Teruel, lo que le permite ser testigo de la mejora de las carreteras. En el valle del Palancia comienza, según él, una de esas zonas paradisiacas que en toda Europa solo se podía encontrar en el Reino de Valencia, porque no era la naturaleza la que proporcionaba a ese valle, como a tantas otras zonas de Valencia, su indescriptible esplendor, sino “die brillante Agricultur der Bewohner”. (Willkomm 1852, ←66 | 67→II, p. 156) Willkomm describe en detalle y con admiración todo el recorrido hasta llegar a la ciudad de Valencia, que se convierte en una experiencia sensorial sinestésica: “Ich konnte mich nicht satt sehen, an diesen wunderbaren Terrassen, deren weiße Stüzmauern im Lichte der untergehenden Sonne je nach ihrer Lage und Entfernung bald in zartes Rosenroth, bald in duftiges Violett getaucht erschienen. Es ist namentlich das vielfach nuancirte Grün, was dem Auge so wohl thut. […] diese mannigfachen, in Form und Colorit unendlich abwechselnden und contrastirenden Vegetationsgruppen, durchwebt von der farbenreichen Lichtglorie der südlichen Abendbeleuchtung, verliehen der Landschaft einen Zauber, der sich wohl empfinden, aber nimmermehr beschreiben läßt.” (Willkomm 1852, II, pp. 165, 166) “Prächtig”, “romantisch”, “malerisch”,20 “pittoresk”, “paradiesisch”, “reizend” son los adjetivos que utiliza una y otra vez para describir un paisaje que, por otro lado, considera indescriptible.

A medida que se acerca a la ciudad de Valencia, en la que permanecerá tres semanas, todo le resulta cada vez más conocido: “Den folgenden Morgen […] betrat [ich] nach einer mehr als vierjährigen Abwesenheit, zur ersten Male wieder die paradiesischen Gefilde der ewig grünen Huerta von Valencia. War es mir doch, als wäre ich erst gestern hier gewesen, so bekannt kam mir Alles vor! […] die Ortschaften der Huerta […], die […] mit ihren glänzend blauen, zwischen Palmen und üppigem Baumwuchs aufragenden Azulejoskuppeln; die zahllosen Bauernhäuschen mit ihren spitzen Reisstrohdächern: in Allem erblickte ich alte, liebe Bekannte, welche die halbvergessenen Erlebnisse einer längst entschwundenen, aber glücklichen Vergangenheit in den lebhaftesten Farben mir vor die Augen führten.” (Willkomm 1852, II, p. 171) Sin embargo, aunque todo le resultaba familiar, la huerta ofrecía un aspecto muy distinto a cuatro años atrás, el maíz y la verdura habían sustituido al trigo, melones recién cogidos se encontraban en los accesos a los huertos: era verano.

Willkomm se aloja en la misma fonda en la que se alojó en su viaje anterior y en ella puede observar ya las mejoras, que se repetirían en el resto de la ciudad: “Die Schelle der Metropolitankirche brummte eben ein Uhr, als ich durch die alterthümliche Puerta de Serranos in die geräuschvolle Stadt hineintritt, wo ich in demselben Gasthofe, in dem ich in den Jahren 1844 und 1846 logirt hatte, die am Platze des Erzbischofs gelegenen Fonda del Cid, die sich unterdessen in ein sehr elegantes und vortreffliches Hotel verwandelt hatte, und dessen Besitzer mich sofort als einen alten Bekannten begrüßte […].” (Willkomm 1852, II, p. 172, 173) Una gran cantidad ←67 | 68→de nuevos y hermosos edificios daban a la oscura ciudad una apariencia más alegre. La otrora polvorienta plaza del mercado ‒ “wo man früher entweder durch den Staub halb erstick wurde oder im Kothe stecken blieb” (Willkomm 1852, II, p. 173) ‒ había sido ampliada y solada con grandes láminas de piedra, y como algunos viejos edificios habían sido reconstruidos o sustituidos por otros nuevos, ofrecía un aspecto imponente. La ciudad, debido al alumbrado de gas, era ahora más segura: antaño uno no se atrevía a salir al anochecer, porque con la escasa luminosidad de las lámparas de aceite las calles, angulosas y estrechas, ofrecían múltiples vías de escape para los ladrones, sin embargo, ahora se podía pasear en las horas de la noche por toda la ciudad.

La fascinante Glorieta, ese verdadero jardín de las Hespérides en palabras de Willkomm, había sido transformada siguiendo un plan completamente nuevo, mucho más elegante, y al atardecer tenía un aspecto mágico. También los hieráticos jardines de flores de estilo francés de la Alameda tenían nuevas zonas ajardinadas de estilo inglés y en varios lugares en los alrededores de la ciudad se habían creado paseos completamente nuevos. Especial mención merecen los sorprendentes cambios producidos en el Jardín Botánico, que en 1844 solo era botánico por el nombre, y en el que había poco más que naranjas, limones, rosas y plantas ornamentales comunes, mientras que ahora contaba con más de 6000 tipos de plantas: “Gleichzeitig wird durch Bewässerung, Anlegung künstlicher Felsen und Gebüsche alles Mögliche gethan, um Pflanzen kälterer Klimate, als des valenciansichen, cultiviren zu können.” (Willkomm 1852, II, p. 175) Todas estas mejoras eran el mérito de un único hombre, explica Willkomm, el entonces rector de la universidad, Don Francisco Carbonell, que se había propuesto levantar el jardín perteneciente a su universidad a cualquier precio. También el gabinete zoológico, antes insignificante, había crecido de forma considerable bajo su rectorado.

Willkomm abandona Valencia el 23 de agosto y se dirige a caballo hacia Cuenca. La carretera pasaba por Chiva, donde en el año 1844 había permanecido dos semanas. Entonces la carretera solo llegaba hasta la Venta de Buñol. Ahora había una nueva, mucho más corta que la anterior, que pasaba por el Puerto de Almansa, Albacete y Ocaña. Esta nueva carretera, cuando dejaba atrás la Venta de Buñol, se dirigía a las estribaciones de la Sierra de Chiva o a las Montañas de las Cabrillas y a partir de allí discurría ininterrumpidamente por túneles, puentes y viaductos, y era la que tomaban todos los vehículos y arrieros que iban a Madrid. Y en paralelo a esta carretera corría la línea telegráfica entre Valencia y la capital: “Valencia hat sich seit meinem ersten Aufenthalte daselbst ungemein, aber zu seinem Vortheile, verändert”, concluye. (Willkomm 1852, II, p. 173)

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El tercer viaje

La tercera visita de Willkomm a Valencia, la última y la más breve, tiene un componente nostálgico, más sentimental que científico, y está impregnada de recuerdos de juventud. Este último viaje lo realiza en compañía de su hija y de otros tres botánicos. Casi había renunciado a una tercera visita a España, pero como consecuencia de una grave enfermedad los médicos le recomendaron pasar la primavera en el sur de Europa, por lo que decidió hacer realidad el deseo de las últimas décadas y el 1 de marzo de 1873 partió para su tercer viaje.

Durante dos meses recorrió las Islas Baleares estudiando las relaciones geográficas, geológicas, climáticas, fitogeográficas etc. de las islas, que incorporó en un anexo al relato de este viaje, Spanien und die Balearen, publicado en 1876. Sin embargo, en este viaje su ambición científica, sobre todo cuando abandona las Baleares, queda en un segundo plano frente al deseo de volver a ver los lugares que había visitado en sus viajes anteriores. Por ello, amplió su viaje al sudeste, al centro y al sur de la Península. (Willkomm 1876, p. VII) En esta obra destaca la comparación con los viajes anteriores, lo que paradójicamente, junto con la constante tensión entre la mirada retrospectiva nostálgica idealizada y la constatación positiva del progreso, proporciona a este tercer relato un atractivo casi romántico. (Wolfzettel 2000, p. 97)

La publicación de su obra se retrasó hasta 1876 y las circunstancias políticas en España habían cambiado considerablemente, de lo que deja constancia en el texto, pues con frecuencia inserta en el relato comentarios o explicaciones sobre acontecimientos ocurridos con posterioridad al viaje. Poco antes de partir Willkomm hacia España se había proclamado la República y a finales de 1874 se había vuelto a convertir en una monarquía constitucional; precisamente la descripción de la situación política, que a Willkomm le recordaba con frecuencia a los procesos del año 1848 en Alemania, le proporcionan a su relato cierto valor histórico.

Su viaje por la península apenas duró tres semanas y habría sido impensable sin la nueva red ferroviaria. Tras abandonar las Islas Baleares y llegar a Alicante, Willkomm pasó por Murcia y Madrid y se dirigió a Andalucía, desde donde retornó a Alicante; desde allí se dirigió en tren a Valencia, de donde partiría al día siguiente en barco hacia Barcelona y finalmente Marsella. Su idea original era hacer el trayecto de Alicante a Marsella en tren. Sin embargo, el viaje resultaba demasiado inseguro, pues poco antes los carlistas habían asaltado y saqueado Mataró y le habían llegado noticias de que habían aparecido bandas de carlistas en la provincia de Castellón.

Al igual que hiciera en su segundo viaje (cuando se dirigió a Valencia desde Teruel), Willkomm describe en detalle el recorrido en tren desde Alicante y ←69 | 70→una vez más describe el paisaje como “malerisch” y “reizend”, sobre todo el trayecto entre La Encina y Valencia. Como tenían que partir al día siguiente hacia el puerto, tomaron habitaciones en una fonda cerca de la estación. Willkomm solo tuvo tiempo de mostrarle a su hija las calles principales de la ciudad, la Plaza del Mercado, la Lonja de la Seda, la Basílica de Nuestra Señora de los Desamparados, la catedral con su alta torre, el Miguelete, al que subió para deleitarse por última vez con el paisaje de la Huerta. También visitaron la Glorieta y la Alameda, sin embargo, no describe este breve recorrido por la ciudad. Después se dirigieron a la estación para marchar al Grao, la zona portuaria de Valencia. En este punto se remonta a la situación en sus anteriores estancias en Valencia. Antiguamente era necesario alquilar una tartana para poder llegar a esta localidad, situada a una hora de camino de la ciudad. Desde entonces se había construido un ferrocarril especial que trazaba un arco alrededor de la ciudad y luego llevaba en línea recta a través de la huerta hasta una estación al lado del desembarcadero del puerto: “Sowie man aus demselben heraustritt, überschaut man den geräumigen Hafen mit seinen bunten Treiben und das Meer, eine herrliche Überraschung und ein prächtiger Anblick! Der Grao und der Hafen sind gänzlich umgestaltet, so daß ich mich hier kaum mehr zurechtfinden vermochte.” (Willkomm 1876, pp. 250, 251).

El Grao y el puerto habían cambiado tanto que apenas se pudo orientar. Willkomm explica cómo antiguamente no existía un puerto propiamente dicho, mientras que en su tercer viaje estaba señalizado por dos faros: el embarcadero era antaño una rada abierta expuesta a todas las tormentas, en cuya ancha playa, cuando la mar estaba picada, había tal oleaje que llegar a tierra en barco era con frecuencia extremadamente peligroso y no pocas veces imposible. Sin embargo, a lo largo de la playa habían construido un ancho muelle con una hilera de hermosas edificaciones que se extendía hasta el puerto y dos diques, que como dos brazos gigantes se adentraban en el mar, delimitando una espaciosa dársena que mediante el dragado se había hecho lo suficientemente profunda también para los grandes buques. Willkomm concluye afirmando que esta mejora del puerto había propiciado un enorme auge del tráfico marítimo y del comercio de Valencia. Finalmente suben al barco y tras una espera de casi dos horas este levó anclas para seguir su camino hasta Barcelona: “Lange blieben die von der Sonne hell beleuchteten Thürme von Valencia noch sichtbar, noch länger die schönen blauen Gebirge, welche über den grünen, mit Ortschaften besäten Küstenstreifen emporragen; gegen Sonnenuntergang aber entzog sich die stark zurückweichende Küste immer mehr unseren Augen und verschwand endlich in der nächtlichen Dämmerung gänzlich. Nur die an einzelnen Punkten aufsprühenden Leuchtthütme verriethen ihre Nähe.” (Willkomm 1876, p. 251)

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Conclusión

Los relatos de Willkomm, aunque pretenden ser descriptivos y servir como guía a otros viajeros, delatan al naturalista. Para el autor el paisaje tiene un valor en sí mismo, una percepción asociada al Romanticismo, pero él proporciona abundante información adicional, no es solo una cuestión estética o sentimental. En sus descripciones predomina con frecuencia el aspecto científico: están sistematizadas, ordenadas, aporta datos estadísticos, todo ello aspectos que relacionaríamos con el viaje ilustrado,21 sin embargo, aunque parte de la observación objetiva de la realidad, en ocasiones se deja seducir por el exotismo del entorno y encontramos resquicios de esa nueva sensibilidad romántica, por lo que podemos afirmar que si bien sus relatos guardan una evidente relación con las aspiraciones científicas del viajero del XVIII, se asientan en gran parte dentro de los moldes del viajero romántico.

Sobre todo en la descripción de los desplazamientos, del trayecto, alternan estos dos aspectos de forma más evidente, lo que se debe al movimiento, que exige inmediatez, concentración y capacidad de síntesis. Estos son los pasajes más espontáneos, en ellos prima una “ordenación progresiva de la realidad”, mientras que en otros encontramos una ordenación más clasificatoria, característica de los viajeros dieciochescos.22 El aspecto romántico también destaca en su rechazo a la rigidez del clasicismo francés en los jardines de la ciudad y en la huerta, en los que prima la simetría en un intento de ordenar la naturaleza, anteponiendo la variedad y la irregularidad, un ideal estético asociado al Romanticismo, así como en la búsqueda de lo pintoresco, como una cualidad formal de lo pictórico que además seduce los sentidos. Willkomm, sin embargo, en su búsqueda de lo pintoresco con frecuencia encuentra lo excepcional, por lo que no es el típico viajero entusiasta del romanticismo.

Huye de muchos de los estereotipos de la época y siempre marca la diferencia entre lo que ha visto y lo que ha oído o leído, que con no poca frecuencia matiza o directamente contradice. Visita lugares que nadie ha visitado y se aleja de los caminos más transitados. Estas observaciones únicas sirven precisamente para revisar las ideas preconcebidas. Willkomm elude las generalizaciones e intenta relativizar algunas afirmaciones o directamente las contradice, por ejemplo, sorprende el poco hincapié que hace en las diferencias religiosas (era hijo de un pastor protestante), presenta los ritos católicos con un profundo respeto y reconoce sus méritos en el ámbito artístico y ←71 | 72→cultural. No se percibe, como sí ocurre en otros muchos textos, una crítica a una clase popular supersticiosa y religiosa hasta el fanatismo.

Entre sus dos primeros viajes ya observó cambios importantes en el país y, por supuesto, los cambios producidos son abismales en el tercero. Las esperanzas de mejora que expresara en su primer viaje se habían hecho realidad y al final del segundo menciona que a España solo le faltaban diez años de paz y tranquilidad para alcanzar el nivel del resto de países europeos. Sin embargo, aunque la segunda mitad del siglo no se caracterizó precisamente por su estabilidad política, el progreso en otros ámbitos era evidente y España ya se podía contar entre el resto de países desarrollados. La alteridad de España, que en los dos relatos anteriores se había relativizado, llegaría en esta última obra, según Wolfzettel, a su fin. (2000, p. 97)

Bibliografía

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1 Rebok, Sandra: “Viajes y ciencia: los viajeros alemanes y sus investigaciones científicas en España durante el siglo XIX”. In: Raposo, Berta/García-Wistädt, Ingrid (eds.): Viajes y viajeros entre ficción y realidad. Alemania-España. PUV: Valencia 2009, pp. 107–117, aquí p. 111. Su Podromus Florae hispanicae (1861–1880), publicado en colaboración con el botánico danés Johan Martin Christian Lange, sigue siendo una obra indispensable para el estudio de las plantas vasculares de la Península (Devesa Alcaraz, Juan A./Viera Benítez, Mª Carmen 2001, p. 9; Mateo Sanz 1995, p. 16 e.o.), y su obra geográfica Die Halbinsel der Pyrenäen (1855) es un “texto básico para los estudios geográficos y una de las primeras descripciones de geografía física de la Península” (Romo 1985, p. 96).

2 Estos textos se pueden considerar literatura científica de viajes. En ellos se puede observar “un mayor grado de reflexión sobre los procesos de percepción y de representación”, una mayor competencia intercultural de los autores; su acceso a la realidad del país es diferente, “no se trataba de confirmar una imagen prefijada de España” ni buscaban principalmente impresiones de lo ajeno y exótico, en primera instancia buscaban hechos y datos científicos. Su acercamiento es más fiel a la realidad, incluyen menos elementos de ficción. (Rebok 2009, pp. 113, 114)

3 Según Wolfzettel, con esta obra Willkomm compensa el descubrimiento tardío de la España romántica en Alemania. La tradición del viaje ilustrado la excluía, lo que probablemente contribuyó al sentimiento de alteridad y convirtió a España en símbolo de un universo mítico, anterior a la Modernidad. (Wolfzettel, Friedrich: “Die Spanienreisen Heinrich Moritz Willkomms: Romantik, Naturwissenschaft und Fortschritt”. En: Rodiek, Christof (ed.): Dresden und Spanien. Frankfurt/M.: Vervuert 2000, pp. 85–100, aquí p. 87.

4 Willkomm debía inspeccionar el suroeste de la Península y recoger muestras para colecciones de botánica, por lo que la mayor parte del tiempo, veinte meses, estuvo en Andalucía. A su vuelta a Leipzig empezó sus estudios de botánica.

5 Willkomm altera, sin embargo, la cita original: „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,/Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,/Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,/Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?“ Llama la atención el hecho de que Willkomm altere la cita original, en lugar de “Wind” escribe “West”.

6 Willkomm accede a Valencia a través de la Puerta del Mar, que conducía a los poblados marítimos y tenía entonces forma de arco de triunfo romano. La puerta fue derruida junto con las murallas en 1868, por lo que en el tercer viaje de Willkomm había desaparecido. La que hoy se conoce como Puerta del Mar fue erigida en 1944 como monumento a los caídos y reproduce la antigua Puerta del Real (Olmedo de Cerdá, Mª Francisca: Callejeando por Valencia. Valencia: Carena 2003, p. 99).

7 Actualmente, Plaza de Tetuán, llamada así para conmemorar la toma de dicha población por los españoles en febrero de 1860. (Carboneres, Manuel: Nomenclator de las puertas, calles y plazas de Valencia… Avisador Valenciano: Valencia 1873, p. 4).

8 Esta observación contrasta con el relato de Alban Stolz publicado pocos años después, en el que cuenta que la mayoría de los habitantes de Valencia no sabía dónde estaba la Puerta del Cid: “Die meisten wußten es nicht, weil es schon sehr lange her ist, daß der Cid gestorben, und das Thor unterdessen zugemauert wurde. […] Da endlich ein gelehrterer Spanier dem Briten das ehemalige Thor wies, so war es gerade so prächtig anzusehen, als ein zugemauertes Scheuerthor.“ (Stolz, Alban: Spanisches für die gebildete Welt. Freiburg im Breisgau 1854, pp. 162, 163) Sobre la percepción de Valencia como la “ciudad del Cid” en los viajeros alemanes del siglo XIX, véase García-Wistädt 2017.

9 Las clases bajas y los campesinos de la huerta solían acomodarse en un largo banco de piedra que recorría la muralla que limitaba el cauce del río, donde también se encontraban los puestos de los vendedores de refrescos y golosinas de todo tipo, algo que los españoles amaban sobremanera. (Willkomm 1847, I, pp. 79, 80).

10 Dice, sin embargo, no estar de acuerdo con la pomposa descripción que realiza el autor del Manual de Valencia, que traduce al alemán para mostrar un ejemplo del estilo florido que parece haber heredado el español del sur de sus antepasados orientales. El texto al que hace referencia Willkomm es el Manual de forasteros en Valencia, de José Garulo, que dice así: “Dentro de la ciudad, en la plaza de Sto. Domingo, está el ameno paseo conocido con el nombre de la Glorieta. Puede compararse al jardín de las Hespérides, cubierto todo el año de verdeantes hojas, y vistosas flores y frutos, particularmente de naranjo que son muchos y hermosos; del atrevido almendro […], y millares mas de plantas, que dejan admirados á los estrangeros.” (1841, p. 173).

11 El autor explica que la escuela pictórica valenciana, que alcanzó su máxima perfección con Juan de Juanes y Ribalta, se había convertido en los últimos siglos en una de las más relevantes de Europa. Las mayores obras maestras de la Escuela de Valencia se encontraban en ese momento en el Real Museo de Madrid (actual Museo del Prado), y gran parte se había perdido durante la invasión francesa y en las guerras civiles posteriores, sin embargo, muchas aún se conservaban dispersas en iglesias y palacios y una parte significativa de las que habían albergado los monasterios desamortizados se pudieron salvar y habían sido guardadas en el Convento del Carmen, (Willkomm 1847, I, pp. 85, 86) que se convirtió así en la primera sede del Museo de Bellas Artes de Valencia.

12 Actual Plaza de la Virgen.

13 “Así este lugar era una mansión rural feliz de variadísimo aspecto: bosques de ricos árboles que lloraban bálsamo y resinas perfumadas; otros que ofrecían bondadosos sus frutos de delicioso sabor en sus cortezas de oro bruñido: fábulas de la Hesperia que á ser ciertas, lo fueron solo aquí.” (Milton, John: El Paraíso Perdido. Vanderhaeghen: Gante 1868, p. 133).

14 Willkomm realiza una descripción muy detallada de la huerta: dimensiones, calidad del suelo, las ocho acequias y todas las localidades que irrigaban cada una, los canales y zanjas, el escaso caudal del Turia, que obligaba a usar el agua de forma racional y ahorradora…, y para información más precisa sobre el caudal del Turia cita a Cavanilles, a cuya autoridad recurre en varias ocasiones. (Cf. Willkomm 1847, I, pp. 73, 108, 115; 1852, II, p. 154).

15 “Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit/Und neues Leben blüht aus den Ruinen!” (Schiller, Friedrich: Wilhelm Tell. Curti: Rapperswyl 1833, p. 193).

16 Byron, Lord: Ritter Harold’s Pilgerfahrt. Cotta: Stuttgart und Tübingen 1836, p. 31.

17 Pujalte Castelló, María de las Nieves: Lo valenciano visto por los viajeros de los siglos XVIII y XIX. Valencia: Diputació de València 2012, pp. 74, 75.

18 Wolfzettel considera que en este tipo de pasajes, observar, descubrir y comprender se convierten en la verdadera aventura, la descripción se dinamiza y adquiere en parte función narrativa. (Wolfzettel 2000, p. 92).

19 Su intención era permanecer dos años en el oeste de Europa, recorrer no solo toda la Península, sino también las Baleares, pero las circunstancias le obligaron a interrumpir su viaje, que había costeado con sus propios fondos a la espera de subvenciones que nunca llegaron, por lo que con la llegada del invierno tuvo que volver a Alemania.

20 Sobre el concepto de “malerisch” en las descripciones de los relatos de viaje alemanes, véase Gómez Perales 2017.

21 Gómez de la Serna, Gaspar: Los viajeros de la ilustración. Alianza: Madrid 1974, p. 84.

22 Jarvis, Robin: Romantic Writing and Pedestrian Travel. St. Martin’s Press: New York 1997, p. 46.

Franz Lorinser en España: impresiones de un sacerdote católico

María José Gómez Perales

Universitat Politècnica de València

Abstract: In this study, we discuss the singularity of Franz Lorinser’s travel stories. On the one hand, we focus on the importance of the eastern Spain’s light in his landscape descriptions. On the other hand, we contextualize his critiques —formulated from the perspective of a Catholic priest and theologian— of the general admiration for the Arab heritage in Spain at that time.1

Keywords: Franz Lorinser, travel story, landscape description, Catholicism

Introducción

Los relatos de viaje ocupan un lugar muy relevante en las investigaciones sobre las relaciones interculturales hispano-alemanas (Vega Cernuda 2002, p. 100–104; Raposo/Wistädt 2009, p. 13–15; Raposo/Bernecker 2017, p. 7–14), así como en los estudios sobre los estereotipos germano-españoles (Raposo/Gutiérrez 2011, p. 9–12). Concretamente durante el siglo XIX, gran parte de los viajeros alemanes que visitaron la Península Ibérica reflejaban en sus textos una clara influencia de la imagen que el Romanticismo alemán había instaurado sobre nuestro país, una España, que en su miscelánea de elementos extremadamente variopintos que incluían lo ibero, lo romano, lo árabe y lo germánico (godo) la convertían en el país anticlásico por excelencia y, por ende, romántico (Briesemeister 2004, p. 106). Según el historiador español J. Álvarez Junco (2015, p. 200) “en esa distribución de caracteres nacionales que hacía el romanticismo, España había quedado etiquetada como la representación del “exotismo europeo”; o para ser más precisos, del “orientalismo”, siendo contemplada como contrapunto oriental de Occidente. Paradójicamente, las características que durante la Ilustración se habían visto como negativas, aparecían ahora como signos de autenticidad: paisaje seco, clima ardiente, formación escasa, fervor católico e incluso las pobres condiciones de vida, todo es visto ahora desde un prisma ←75 | 76→diferente que se ha dado en llamar en la crítica literaria leyenda rosa, como contrapunto a la leyenda negra.

También durante el siglo XIX y desde el punto de vista estrictamente religioso, para muchos alemanes no protestantes, la España de los siglos XVI y XVII representaba el espíritu del ideal católico y una referencia ejemplar para Europa.2 Gran parte de las publicaciones de Franz Lorinser (1821–1893), teólogo, escritor y traductor, son un ejemplo de la importancia de España para este catolicismo decimonónico alemán, que “sensibilizado por una larga experiencia histórica, en la que el humanismo renacentista había preparado el cisma protestante y la ilustración había provocado la revolución francesa, […] soñaba mayoritariamente en la Edad Media y el Barroco, dos épocas teocráticas consideradas como modélicas.”3 Precisamente los dos viajes que F. Lorinser hace a España en los veranos de 1854 y 1857 están relacionados con su tarea de traducción de los Autos Sacramentales4 y de los dramas religiosos5 de Calderón, ya que pretendía recabar material bibliográfico sobre el autor. Sin embargo, no conseguirá este propósito: “Soll ich zum Schluß noch einen Rückblick auf die Resultate meiner Reise werfen, so darf ich sie, obgleich der eigentlich veranlassende Zweck, für das tiefere Verständnis der geistlichen Dramen Calderon´s literarische Hülfsmittel ←76 | 77→aufzusuchen, unerreicht geblieben, doch (für mich wenigsten) in hohem Grade befriedigende nennen.”6 El primer viaje de Lorinser a España, como hemos señalado anteriormente, tuvo lugar durante el verano de 1854 y duró seis semanas. En este periodo de tiempo visitó Barcelona, Montserrat, Valencia, Murcia -en el primer tomo- y las ciudades andaluzas de Granada y Córdoba, para pasar después a la Mancha, Madrid, Toledo, Castilla la Vieja y las provincias vascongadas -en el segundo tomo-. El segundo viaje, que tuvo lugar tres años después, en el verano de 1857, lo emprendió Lorinser para visitar, principalmente, dos ciudades que tenían mucho interés para él, pero no había podido ver durante su primer viaje a España: Sevilla y Santiago de Compostela. En ambos casos la publicación del relato de viaje se produce un año después de que éste haya tenido lugar, es decir, en 1855 aparecen los dos volúmenes titulados Reiseskizzen aus Spanien. Schilderungen und Eindrücke von Land und Leuten; y en 1858, de nuevo en dos volúmenes, Neue Reiseskizzen aus Spanien. En la introducción de su primer relato de viaje, y después de argumentar razonadamente cómo algunas expresiones lingüísticas alemanas hacen referencia a la distancia y extrañeza que todo lo español suscita en los alemanes, Lorinser explica, sin embargo, la afinidad que siente con el pueblo español. Y la forma en la que el autor expresa estas reflexiones sobre lo propio y lo ajeno revelan la claridad y lucidez con la que el autor ha experimentado la interculturalidad durante su viaje:

[…] daß uns Spanien mit Recht als das Land des Sonderbaren, Eigenthümlichen erscheint, wo Alles anders ist als anders wo, wo die Fremdartigkeit der Sitten und der Natur charakteristich geworden, woher sich denn auch die bekannte Redensart schreibt, die in Deutschland gebräuchlich, es komme etwas „spanisch“ vor, was uns fremdartig und sonderbar erscheint, und wovon man gar keine Vorstellung habe, das seien „spanische Berge“. Durch eine eigenthümliche Ideenassociation scheint diese Fremdartigkeit auch auf den Entschluß übertragen zu werden, dieses Land zu bereisen. Und dennoch, bei aller Sonderbarkeit, die Spanien charakterisirt, und uns scheinbar dasselbe zu entfremden geeignet ist, geht ein dem deutschen Geist und Gemüth tief verwandter Zug durch dieses Land und Volk hindurch, der vielleicht mehr wie jeden Anderen dort den Deutschen sich heimlich fühlen läßt, und seine Vorliebe rechtfertigt, mit der er in der Regel, wenn er nur einige Zeit sich dort aufgehalten, das Land verläßt, wo ein gleicher Instinkt ihm entgegen kommt und man den Deutschen lieber hat wie jeden anderen Fremden.7

También en lo que respecta a la forma y manera en que los españoles viven la religión y sus costumbres demuestra Lorinser una gran competencia intercultural cuando afirma:

←77 | 78→

Como podemos apreciar, el autor es sensible a las diferencias y sabe interpretarlas sin sancionarlas. En nuestro trabajo veremos, sin embargo, que el autor sí critica algunas ideas de sus contemporáneos alemanes sobre España.

La fascinación por la luz del Levante español

Una reseña sobre el primer relato de viaje de Lorinser que aparece en una revista de la época, hace referencia a la gran sensibilidad del teólogo ante el paisaje español: “Diese Skizzen sollen Land und Leute schildern, und man muß gestehen, daß sie namentlich für die Schilderung der landschaftlichen Natur das Aeußerste leisten, was überhaupt dem Worte möglich ist.”9 Posteriormente, ya en el siglo XX, otros críticos, como es el caso de Brüggemann, también habían afirmado que “Lorinser zu den wenigen Reisenden [gehört], die einen Totaleindruck der spanischen Landschaft zu geben versuchen”.10 Opiniones con las que estamos totalmente de acuerdo. Concretamente la luz, como veremos a continuación, juega un papel fundamental en la percepción del paisaje que conmueve al viajero/narrador. No obstante, nos interesa destacar primero la reflexión que respecto a este elemento indispensable para que exista el paisaje, escribe J. Maderuelo:

Details

Seiten
342
Jahr
2021
ISBN (PDF)
9783631839263
ISBN (ePUB)
9783631839270
ISBN (MOBI)
9783631839287
ISBN (Buch)
9783631808481
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (Dezember)
Schlagworte
Hodeporik Tourismus Erinnerung Fernweh Länderstereotype Utopie
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2021. 342 S., 4 s/w Abb.

Biographische Angaben

Berta Raposo (Band-Herausgeber) Christian Prado-Wohlwend (Band-Herausgeber)

Berta Raposo ist Professorin für deutsche Philologie und deutsche Literatur an der Universität Valencia in Spanien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die deutschsprachige Reiseliteratur über Spanien und die nationalen Stereotype, sowie die Mittelal-terrezeption in der deutschen Romantik. Christian Prado-Wohlwend ist Lehrbeauftragter für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Valencia in Spanien mit Forschungsschwerpunkt im Bereich der älteren deutschen Literatur unter besonderer Berücksichtigung der frühneuhochdeutschen Zeit.

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Titel: Reisen in der deutschen Literatur: Realität und Phantasie