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Topographien der Antike in der literarischen Aufklärung

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Edited By Annika Hildebrandt, Charlotte Kurbjuhn and Steffen Martus

«Die Antike» als eine der zentralen Referenzen der deutschen Aufklärung ist keineswegs homogen, sondern zeichnet sich durch ihre Pluralität aus. Namen und eben auch Lokalitäten implizieren auf kompakte Weise ästhetische Konzepte, anthropologische Programme, ethisch-moralische Normen, Gesellschaftsmodelle, politische Orientierungen oder Ideale literarischer Kommunikation. Die antike Tradition verfügt über eine interne Topographie mit verschiedenen anspielungsreichen Orten; und sie wird von bestimmten Orten aus adressiert und vereinnahmt. In Poetiken und Vorreden, in Bildprogrammen von Titelkupfern und Vignetten oder in Entscheidungen für Gattungen, Sujets und Motive trägt der Rekurs auf die Antike dazu bei, wiedererkennbare Profile zu etablieren. Dabei interagieren literarische Projekte mit einer Vielzahl von Faktoren, die sich aus den regionalen Bedingungen herleiten.

Die Beiträge dieses Bandes analysieren die Ordnungen, die dieser Pluralität der Antike im 18. Jahrhundert zugrunde liegen. Sie fragen danach, wie die literarische Aufklärung auf das vielfältige Angebot der Überlieferung zugreift, um Positionen in den Konkurrenzen und Allianzen des literarischen Feldes zu kennzeichnen.

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Sparta vs. Athen Topographien der Antike im französischen und deutschen Geschichtsdiskurs des 18. Jahrhunderts (Elisabeth Décultot)

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ELISABETH DÉCULTOT

Sparta vs. Athen

Topographien der Antike im französischen und deutschen Geschichtsdiskurs des 18. Jahrhunderts

Schon in der Antike repräsentierten Sparta und Athen mehr als nur geographische Standorte, sie waren regelrechte Topoi, denen – über die realen räumlichen und historischen Verhältnisse hinaus – jeweils unterschiedliche symbolische Deutungen, ob politischer, kultureller oder sittlicher Art, zugewiesen wurden.1 Sie blieben auch weiterhin, bis in die Anfänge der frühen Neuzeit, im Geschichtsdiskurs präsent, erlebten aber ab ca. 1700 eine neue Konjunktur und dies ganz besonders in Frankreich, wo sie als topographische Pole – oder vielmehr Gegenpole – mit höchst brisanter politischer, ökonomischer und kultureller Bedeutung fungierten. Für die häufige Bemühung des Sparta/Athen-Paares im Frankreich des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts lassen sich zahlreiche Gründe anführen, die – um es kurz zu fassen – mit dem politischen Kontext der Herrschaft Ludwigs XIV. zu tun haben. Vielen Akteuren oder Beobachtern der Kulturpolitik der französischen Monarchie bot der Rückgriff auf das topographische Paar u. a. die Möglichkeit, sich über den Antike-Bezug zu Fragen der gegenwärtigen Politik – besonders der Kulturpolitik – des monarchischen Regimes zu positionieren.2

Wie das antike Athen in der französischen Geschichtsschreibung zwischen 1750 und 1850 gedeutet und instrumentalisiert wurde, haben schon ← 41 | 42 → Nicole Loraux und Pierre Vidal-Naquet in einem mittlerweile einschlägigen Aufsatz untersucht.3 Im vorliegenden Beitrag werden zunächst einige Schlaglichter auf eine frühere Phase der Deutung und Instrumentalisierung des...

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