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Topographien der Antike in der literarischen Aufklärung

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Edited By Annika Hildebrandt, Charlotte Kurbjuhn and Steffen Martus

«Die Antike» als eine der zentralen Referenzen der deutschen Aufklärung ist keineswegs homogen, sondern zeichnet sich durch ihre Pluralität aus. Namen und eben auch Lokalitäten implizieren auf kompakte Weise ästhetische Konzepte, anthropologische Programme, ethisch-moralische Normen, Gesellschaftsmodelle, politische Orientierungen oder Ideale literarischer Kommunikation. Die antike Tradition verfügt über eine interne Topographie mit verschiedenen anspielungsreichen Orten; und sie wird von bestimmten Orten aus adressiert und vereinnahmt. In Poetiken und Vorreden, in Bildprogrammen von Titelkupfern und Vignetten oder in Entscheidungen für Gattungen, Sujets und Motive trägt der Rekurs auf die Antike dazu bei, wiedererkennbare Profile zu etablieren. Dabei interagieren literarische Projekte mit einer Vielzahl von Faktoren, die sich aus den regionalen Bedingungen herleiten.

Die Beiträge dieses Bandes analysieren die Ordnungen, die dieser Pluralität der Antike im 18. Jahrhundert zugrunde liegen. Sie fragen danach, wie die literarische Aufklärung auf das vielfältige Angebot der Überlieferung zugreift, um Positionen in den Konkurrenzen und Allianzen des literarischen Feldes zu kennzeichnen.

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„Hier sei denn ihr Athen!“ Zur politischen Funktion des Rekurses auf die Antike im Hamburger Theater des 18. Jahrhunderts am Beispiel von Theaterprologen (Bernhard Jahn)

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BERNHARD JAHN

„Hier sei denn ihr Athen!“

Zur politischen Funktion des Rekurses auf die Antike im Hamburger Theater des 18. Jahrhunderts am Beispiel von Theaterprologen

Der Rückgriff auf das antike Theater stellt eine der wesentlichen Begründungsfiguren für die Theaterpraxis wie für das Sprechen über das Theater im 18. Jahrhundert dar, eine Figur, die in zahlreichen Varianten eingesetzt wurde. Die Katalysator-Funktion, die etwa der Poetik des Aristoteles zukommt, wenn es um die Entwicklung und Legitimierung neuer Dramen-Konzepte geht, ist in der Forschung hinlänglich beschrieben worden.1

Der folgende Beitrag wird sich mit einem Spezialfall des Antike-Rekurses beschäftigen: mit dem Rückgriff auf die Antike, um eine bestimmte politische Funktion des Theaters zu begründen. Formen und Funktionen eines solchen Bezugs sollen am Beispiel von Hamburger Theaterprologen aus dem Zeitraum zwischen 1727 und 1827 veranschaulicht und analysiert werden. Hamburg stellte im 18. Jahrhundert, sowohl was die politische Verfassung der Stadt, wie auch, was die Theatersituation betrifft, einen vielbeschworenen Sonderfall2 dar. Die Bedingungen der Hamburger Theaterlandschaft sind besondere, da wir es in Hamburg im 18. Jahrhundert nicht mit einem Hoftheater, sondern mit einem Stadttheater zu tun haben, das als Wirt ← 129 | 130 → schaftsunternehmen3 schon von den Zuschauerschauereintritten leben musste, als die Hoftheater ihrem Publikum noch kostenlosen Zugang zu den Vorstellungen ermöglichen konnten und wollten.4 Der Sonderfall Hamburgs im Hinblick auf die Hamburger Theatersituation relativiert sich allerdings auch schnell wieder, wenn man sich den einzelnen Theatern im deutschen Sprachraum zuwendet...

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