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Topographien der Antike in der literarischen Aufklärung

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Edited By Annika Hildebrandt, Charlotte Kurbjuhn and Steffen Martus

«Die Antike» als eine der zentralen Referenzen der deutschen Aufklärung ist keineswegs homogen, sondern zeichnet sich durch ihre Pluralität aus. Namen und eben auch Lokalitäten implizieren auf kompakte Weise ästhetische Konzepte, anthropologische Programme, ethisch-moralische Normen, Gesellschaftsmodelle, politische Orientierungen oder Ideale literarischer Kommunikation. Die antike Tradition verfügt über eine interne Topographie mit verschiedenen anspielungsreichen Orten; und sie wird von bestimmten Orten aus adressiert und vereinnahmt. In Poetiken und Vorreden, in Bildprogrammen von Titelkupfern und Vignetten oder in Entscheidungen für Gattungen, Sujets und Motive trägt der Rekurs auf die Antike dazu bei, wiedererkennbare Profile zu etablieren. Dabei interagieren literarische Projekte mit einer Vielzahl von Faktoren, die sich aus den regionalen Bedingungen herleiten.

Die Beiträge dieses Bandes analysieren die Ordnungen, die dieser Pluralität der Antike im 18. Jahrhundert zugrunde liegen. Sie fragen danach, wie die literarische Aufklärung auf das vielfältige Angebot der Überlieferung zugreift, um Positionen in den Konkurrenzen und Allianzen des literarischen Feldes zu kennzeichnen.

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Antonomastische Indienstnahmen antiker Dichter im Halberstädter Dichterkreis um Johann Wilhelm Ludwig Gleim (Achim Aurnhammer)

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ACHIM AURNHAMMER

Antonomastische Indienstnahmen antiker Dichter im Halberstädter Dichterkreis um Johann Wilhelm Ludwig Gleim

In der poetologischen Lyrik, insbesondere in sogenannten Dichtergedichten, spielen antonomastische Identifikationen seit jeher eine wichtige Rolle. Ein Dichter wird – meist mit zusätzlichem Ethnikum – mit dem Namen eines Dichtervorbilds benannt oder reklamiert diesen Namen für sich selbst. Erstaunlicherweise ist dieses Teilphänomen der Synkrisis weder überzeitlich noch epochenspezifisch systematisch erforscht. Zwar werden antonomastische Indienstnahmen immer wieder erwähnt, ohne aber hinreichend zu differenzieren, ob es sich bei solchen Anleihen um Selbst- oder Fremdzuschreibungen handelt, um Kanonisierungen oder Dekanonisierungen, um Referenzen auf Person, Werk oder Werkteil, um Identifikationen zu Lebzeiten, Nachfolgeansprüche oder um bloße postume Analogien, um private oder öffentliche Referenzen.

Vor allem in Umbruchsphasen oder in Neuformierungen des literarischen Feldes legitimierten sich die Autoren, indem sie sich durch Synkrisis-Formeln wie ‚deutscher Horaz‘ oder ‚deutscher Petrarca‘ als imitatorische oder konkurrienzielle Nachfolger kanonischer Musterautoren im neuen Sprachgewand inszenierten.

Das Phänomen wird zunächst kursorisch in einem historischen Überblick über die lateinische Dichtung sowie die deutsche Barockliteratur erhellt, bevor ich die antonomastischen Indienstnahmen antiker Dichter in der deutschen Aufklärung, speziell im Halberstädter Dichterkreis um Johann Wilhelm Ludwig Gleim, untersuche. Ziel ist es, die Formen und Funktionen solcher deutsch-antiker Synkrisis-Formeln zu bestimmen.1 ← 283 | 284 →

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