Show Less
Restricted access

Simpliciana XXXVIII (2016)

Series:

Peter Heßelmann

Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält 19 Vorträge, die während der interdisziplinären Tagung zum Thema «Schuld und Sühne im Werk Grimmelshausens und in der Literatur der Frühen Neuzeit» vom 23. bis zum 25. Juni 2016 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus fanden zehn weitere Beiträge Eingang in das neue Jahrbuch. In der Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» werden wie gewohnt Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu weiteren Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit veröffentlicht.

Show Summary Details
Restricted access

Scham in Grimmelshausens Simplicissimus (Dirk Niefanger)

Extract

DIRK NIEFANGER (Erlangen)

Scham in Grimmelshausens Simplicissimus

Unzweifelhaft dürfte für die Frühneuzeitforschung inzwischen sein, dass Grimmelshausens Simplicissimus auch außerhalb theologischer Diskurse diskutierbar ist. Wer den Roman auf eine christliche Bekennergeschichte reduziert, missversteht schlicht seine immer wieder betonte Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit. Nicht zuletzt Grimmelshausens „Ideal des ‚sinnreichen Poeten‘, des Erzählens auf mehreren Sinnebenen“1 lässt es keineswegs zu, eine theologische Lektüre des Romans als einzig glaubhafte herauszustellen. Dies gilt natürlich auch für die Verhandlung von Schuld und Sühne in der Lebensgeschichte des Simplicius. Schuld muss hier nicht immer in Relation zu theologisch gedeuteter Gnade und möglicher innerer Umkehr gesetzt werden, sondern enthält selbstverständlich ganz weltliche Momente (juristische, anthropologische, politische, ,policeyliche‘, militärische, philosophische und viele mehr), die in nicht wenigen Passagen des Simplicissimus das Verständnis primär sichern. Dass die weltlichen Momente immer – wenn auch nicht immer evident – im Rahmen einer theologischen Weltsicht verstanden werden können, mag dabei genauso eine Binsenweisheit sein, wie die Erkenntnis, dass religiöse Überlegungen unabhängig von sozialen Praktiken und emotionalem Befinden im Simplicissimus überhaupt nicht vorkommen. Den Roman also als verkapptes Traktat zu lesen, aus dem man unabhängig von fiktionalem Setting und erzählter Handlung (relativ beliebig) religiöse Positionen herausfiltern kann, erscheint mir daher der falsche Weg einer ideengeschichtlich überinspirierten Forschung zu sein. Grimmelshausen-Philologie ist keine „verborgene Theologie“,2 heute schon gar nicht und bestimmt nicht im dogmatischen Sinn. Den Komplex ‚Schuld und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.