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Simpliciana XXXVIII (2016)

Series:

Peter Heßelmann

Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält 19 Vorträge, die während der interdisziplinären Tagung zum Thema «Schuld und Sühne im Werk Grimmelshausens und in der Literatur der Frühen Neuzeit» vom 23. bis zum 25. Juni 2016 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus fanden zehn weitere Beiträge Eingang in das neue Jahrbuch. In der Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» werden wie gewohnt Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu weiteren Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit veröffentlicht.

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Binarius der Spalter. Grimmelshausen und die Erbsünde (Friedrich Gaede)

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FRIEDRICH GAEDE (Freiburg)

Binarius der Spalter. Grimmelshausen und die Erbsünde

Zu Anfang seiner ersten Schrift Satyrischer Pilgram erwähnt Grimmelshausen, dass „Adam und Eva mitten im Paradeyß“ der „gifftig Schlang mehr als GOtt selbsten folgten und gehorsamten“.1 Da in der Genesis berichtet wird, Gott habe den vormenschlichen Zustand seiner Schöpfung als „sehr gut“ befunden, ist es die „gifftig Schlang“, die das Böse in die Welt bringt. Ihr Wirken hat die prinzipielle Erbsündigkeit zur Folge, die die menschliche Geschichte seit ihren Anfängen prägt und weiter prägen wird. Dazu schreibt der Alttestamentler Claus Westermann:

Zum Menschsein gehört es, daß der Mensch sich verfehlt; er kann nicht anders Mensch sein als in dieser Fehlsamkeit. Mit ihr hängt die Begrenztheit seiner Existenz zusammen; nicht so zwar, daß der Tod die Strafe für die von einem ersten Menschen begangene Verfehlung ist, wohl aber so, daß der sich verfehlende, der sich vergehende, der ungehorsame Mensch, der von Gott getrennte Mensch ist. Der von Gott getrennte ist der durch Tod, Leid und Mühsal begrenzte Mensch.2

Wenn Gott in der Genesis verlangt „von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben“, dann handelt es sich bei der Missachtung dieses Gebots durch das erste Menschenpaar nicht um eine individuelle Tat im Sinne einer einzelnen „Verfehlung“, sondern um eine allgemeine Situation: es geht um...

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