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Simpliciana XXXVIII (2016)

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Edited By Peter Heßelmann

Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält 19 Vorträge, die während der interdisziplinären Tagung zum Thema «Schuld und Sühne im Werk Grimmelshausens und in der Literatur der Frühen Neuzeit» vom 23. bis zum 25. Juni 2016 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus fanden zehn weitere Beiträge Eingang in das neue Jahrbuch. In der Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» werden wie gewohnt Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu weiteren Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit veröffentlicht.

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Schuld und Schulden. Zu einem ökonomischen Faustbuch-Exkurs in der Schwarzkünstler-Episode des Simplicissimus Teutsch (Maximilian Bergengruen)

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MAXIMILIAN BERGENGRUEN (Karlsruhe)

Schuld und Schulden. Zu einem ökonomischen Faustbuch-Rekurs in der Schwarzkünstler-Episode des Simplicissimus Teutsch

1.    Schuld ohne Entschuldung

Von Doktor Faustus sagt der Erzähler des anonym1 erschienenen Faustbuchs (Erstdruck 1587), dass jener die „H. Schrifft […] vnter die Banck gelegt“ habe,2 was Luther, ursprünglich am Papsttum, zeit seines Lebens kritisierte („also thut man auch, das das Evangelium […] wol mussig unter der banck […] ligt“).3 Der streng lutheranische Erzähler4 macht damit deutlich, dass die Figur Faustus als ein Gegenspieler Luthers fungiert, dies nicht zuletzt deswegen, da sich Luther seinerseits als ein Gegenspieler des historischen Faustus inszeniert hatte. „Da vber Tisch zu abends eines Schwartzkünstlers Faustus genant gedacht ward“, heißt es bei Aurifaber, „saget Dr. Martinus ernstlich/ der Teufel gebraucht der Zauberer dienst wider mich nicht […]. Er hat mich wol oftmals schon bey dem kopff gehabt/ aber er hat mich dennoch mussen ← 75 | 76 → gehen lassen“.5 Luther wirft also sein eigenes Beispiel in die Waagschale, um zu zeigen, dass ein gottgefälliges Leben keineswegs auf der Gnade beruht, nicht vom Teufel heimgesucht zu werden, sondern darin, ihm zu trotzen, und stilisiert sich so zum Antipoden des historischen Faustus.

Der Reformator bezieht sich mit seiner Argumentation höchstwahrscheinlich auf Math 4, 7, also die Versuchungen Jesu durch den Satan, deren erste jener mit den Worten aus 5 Mos 6, 16 beendet: „Du solt Gott deinen HERRN nicht versuchen“.6 Dieser Satz steht im Alten Testament im...

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