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Simpliciana XXXVIII (2016)

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Peter Heßelmann

Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält 19 Vorträge, die während der interdisziplinären Tagung zum Thema «Schuld und Sühne im Werk Grimmelshausens und in der Literatur der Frühen Neuzeit» vom 23. bis zum 25. Juni 2016 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus fanden zehn weitere Beiträge Eingang in das neue Jahrbuch. In der Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» werden wie gewohnt Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu weiteren Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit veröffentlicht.

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„[W]eil GOtt auch durch Sünder die Warheit zu reden […] pflegt.“ Überlegungen zur Dialektik von Sünde und Gnade in Grimmelshausens Das Wunderbarliche Vogel-Nest I (Peter Klingel)

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PETER KLINGEL (Münster)

„[W]eil GOtt auch durch Sünder die Warheit zu reden […] pflegt“.Überlegungen zur Dialektik von Sünde und Gnade in Grimmelshausens Das Wunderbarliche Vogel-Nest I

Der augustinischen Gnadenlehre und mehr noch, so scheint es, ihrer radikalen Auslegung durch Martin Luther liegt ein Problem zugrunde, das jeden, der in existentiellem Maße an Theologie interessiert ist, beinahe zwangsläufig in eine Krise stürzen muss. Um dieses Problem genauer zu bestimmen, ist es jedoch zunächst sinnvoll, besagte Gnadenlehre kurz zu rekapitulieren.

Alles beginnt mit Augustins Auslegung des Römerbriefs. Dort ist die Rede von der freien Gnadenwahl Gottes, die besagt, dass es nicht auf unser „Wollen oder Laufen“ (Röm 9, 16) ankommt, Gott im Gegenteil Gnade gewährt, wem er Gnade gewähren will: Und zwar nach Kriterien, die zu durchschauen uns nicht gegeben ist, ja, nach denen zu fragen uns auch gar nicht zusteht (Röm 9, 20) – und ohne dass wir uns in irgendeiner Weise hierzu anders als passiv verhalten könnten. Denn so wie es auf der einen Seite „keinerlei vom Menschen ausgehende Vorbereitung zur Begnadung gibt“, gibt es auf der anderen Seite „auch keinen Widerstand gegen sie“. Einmal empfangen, ist sie „unwiderstehlich“, lässt sich ihr „nicht zuwiderhandeln“.1 Der Mensch wird bei Augustin zur bloßen Marionette in den Händen Gottes.

Dieser Gedanke, dass es keine „Wechselwirkung“2 zwischen Gott und Mensch gibt, geht mit einer fundamentalen Entwertung des freien...

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