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Simpliciana XXXVIII (2016)

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Peter Heßelmann

Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält 19 Vorträge, die während der interdisziplinären Tagung zum Thema «Schuld und Sühne im Werk Grimmelshausens und in der Literatur der Frühen Neuzeit» vom 23. bis zum 25. Juni 2016 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus fanden zehn weitere Beiträge Eingang in das neue Jahrbuch. In der Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» werden wie gewohnt Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu weiteren Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit veröffentlicht.

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„Zudem war ich allbereit ohne diß ungläublich curios worden“. Erzählen schuldhafter Verstrickung in die Welt in Grimmelshausens Vogel-Nest I (Miriam Seidler)

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MIRIAM SEIDLER (Köln/Oppenau)

„Zudem war ich allbereit ohne diß ungläublich curios worden“. Erzählen schuldhafter Verstrickung in die Welt in Grimmelshausens Vogel-Nest I

Die Möglichkeit der Bekehrung der Figuren in Grimmelshausens Romanen ist laut Dieter Breuer auf eine besondere Disposition zurückzuführen: Sie sind neugierig und verfügen damit über die „Triebkraft auf dem notwendigen Weg durch das Weltleben“, zugleich haben sie aber auch die „Fähigkeit zu ‚betrachten‘“1, die es den Figuren ermöglicht, das Erfahrene im Rahmen ihrer intellektuellen Möglichkeiten zu reflektieren. Die Dialektik von „Erfahrung und Betrachtung“2 ist – laut Breuer – nicht nur konstitutiv für die Romane Grimmelshausens, sie ermöglicht dem zur Selbsterkenntnis bereiten Helden zugleich die Gnade der Vergebung – so verwundert es nicht, dass diese Gnade dem uneinsichtigen Springinsfeld verwehrt bleibt.

Die Bedeutung der „Weltneugier“ für Grimmelshausens Figuren wurde auch an anderer Stelle betont,3 aber selten wurde ihrer Bedeutung für die Figurenkonzeption und vor allem für deren theologischen ← 261 | 262 → Gehalt explizit untersucht. Mit der Betonung der Neugier seiner Figuren stellt Grimmelshausen diese in die Tradition der Prosaromane des 15. und 16. Jahrhunderts. Melusine, Fortunatus und Faust setzen beim Leser ein „praktisches Interesse an glaubwürdigem Wissen“4 voraus und statten die Figuren mit einer „ungerichteten Neugier“5 aus, um dem Bedürfnis nach Neuem nachkommen zu können. Zentral ist daher bereits in den Prosaromanen das Moment der ,erfarung‘ als zentrales Merkmal der Erkundung der Welt und...

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