Show Less
Restricted access

Simpliciana XXXVIII (2016)

Series:

Edited By Peter Heßelmann

Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält 19 Vorträge, die während der interdisziplinären Tagung zum Thema «Schuld und Sühne im Werk Grimmelshausens und in der Literatur der Frühen Neuzeit» vom 23. bis zum 25. Juni 2016 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus fanden zehn weitere Beiträge Eingang in das neue Jahrbuch. In der Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» werden wie gewohnt Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu weiteren Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit veröffentlicht.

Show Summary Details
Restricted access

Simplicii Teilhabe an „Gottes ewiger Glory“. Grimmelshausen und die augustinische Gnadenlehre (Torsten Menkhaus)

Extract

TORSTEN MENKHAUS (Hamm)

Simplicii Teilhabe an „Gottes ewiger Glory“. Grimmelshausen und die augustinische Gnadenlehre

Bereits zu Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit legt Grimmelshausen im Satyrischen Pilgram dar, wie die menschliche Torheit durch die (noch größere) Narrheit gezähmt und kuriert werden kann.1 Die Duldung der Lüge führt Simplicius im Alltag in ständige Konflikte, so dass der Regimentskaplan ihn am Ende seiner Ausführungen konsequenterweise auch einen „Gottvergessenen“2 nennen kann, weil er der menschlichen Zwecksetzung, sich an Gottes Geboten zu orientieren, nicht folgt. Trotz dieser Gottvergessenheit regt sich bei Simplicius in regelmäßigen Schüben das schlechte Gewissen; vor allem, wenn er entgegen dem göttlichen Auftrag, recht zu handeln, bewusst fehl geht. Es meldet sich stets im Nachhinein ein Verantwortungsgefühl und dieser letzte Funken von Moralität kann als ein redlicher Selbstbezug der Figur verstanden werden, weil Simplicius die christlichen Leitmaximen der Nächsten- und der Gottesliebe noch nicht völlig abgeschrieben hat, sondern sie trotz aller Widrigkeiten diese auf sich selbst bezieht, obgleich er mehr als „Vieh“ (ST 324) seinen Alltag verbringt. Simpli-cius hat also durchaus ein Gewissen. Dieses Gewissen der Hauptfigur, das sich im Verlauf des Romans immer wieder meldet, muss als rückversichernder Selbstbezug verstanden werden, den Grimmelshausen seiner Figur einschreibt und folglich den Leser somit nötigt, die zugrundeliegenden Rollenmaximen des guten Menschen auch auf sich selbst zu beziehen. Hierin besteht gewissermaßen die moraldidaktische Funktion des Romans. Aber solange der Figur im Roman die innere...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.