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Simpliciana XXXVIII (2016)

Series:

Peter Heßelmann

Dieser Jahrgangsband der Simpliciana enthält 19 Vorträge, die während der interdisziplinären Tagung zum Thema «Schuld und Sühne im Werk Grimmelshausens und in der Literatur der Frühen Neuzeit» vom 23. bis zum 25. Juni 2016 in Oberkirch und Renchen gehalten wurden. Darüber hinaus fanden zehn weitere Beiträge Eingang in das neue Jahrbuch. In der Rubrik «Rezensionen und Hinweise auf Bücher» werden wie gewohnt Besprechungen von Neuerscheinungen zum simplicianischen Erzähler, zu weiteren Autoren und zur Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit veröffentlicht.

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Gattungshybridisierung und Geschlechterausdifferenzierung in Hieronymus Dürers Schelmenroman Lauf der Welt und Spiel des Glücks (1668) (Maren Lickhardt)

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MAREN LICKHARDT (Greifswald)

Gattungshybridisierung und Geschlechterausdifferenzierung in Hieronymus Dürers Schelmenroman Lauf der Welt und Spiel des Glücks (1668)

In Deutschland war dem frühneuzeitlichen Schelmenroman bekanntlich nur eine kurze Tradition beschieden. Er wurde vergleichsweise spät rezipiert und übersetzt. Die erste deutsche Übersetzung des Lazarillo ist eine Handschrift aus dem Jahr 1614; eine weitere, gedruckte Fassung stammt aus dem Jahr 1617; Aegidius Albertinus’ deutscher, stark modifizierter Gusman wurde 1615 publiziert, und der Buscón wurde erst 1671 von Moscherosch ins Deutsche übertragen. Verschlungene Überlieferungswege, vor allem über Frankreich,1 und eine Anpassung an die deutschen Verhältnisse sorgen bereits bei diesen übertragenen und bearbeiteten Texten für Modifikationen. Aber während es sich bei diesen natürlich mehr oder weniger um die bekannten Schelmenromane handelt, erfährt die Gattung als Ganzes bereits gegen Ende des 17. Jahrhunderts eine starke Transformation und Hybridisierung, die genealogische und typologische Zuordnungen erschwert. Jürgen Mayer konstatiert, dass im „letzten Drittel des 17. Jahrhunderts […] die Tradition des pikaresken Romans unübersichtlich“ wird.2 Vielleicht löst sich die Pikareske aber auch schon auf, bevor sie als Gattung in Deutschland überhaupt etabliert war.3 Und so handelt es sich bei dem 1668 erschie ← 561 | 562 → nen Roman Lauf der Welt und Spiel des Glücks von Hieronymus Dürer, einem Nachfahren von Albrecht Dürer, der in Glückstadt oder Tychopolis beziehungsweise Fortunopolis geboren wurde,4 um einen der ersten originalen Schelmenromane in deutscher Sprache,5 der aber bereits kein klassischer Schelmenroman6...

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