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Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium Cambridge 2017

Natur, Technik und das (Post-)Humane in den Schriften Alfred Döblins

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Edited By Steffan Davies and David Midgley

Das Verhältnis Mensch – Natur und das Leben in einer technisierten Welt sind Themenbereiche, die Alfred Döblin in seinen Erzählwerken und Essays immer wieder – und in mannigfaltigen Beziehungen – erkundet hat. Die hier versammelten Beiträge bieten neue Einsichten in die Entwicklung von Döblins Natur- und Weltauffassung. Sie befassen sich mit seiner Aufarbeitung der mit der Technik verbundenen Wissenskultur und sozialer Praxis, mit den Beziehungen zwischen seiner Thematik und aktuellen Erörterungen des ‚Posthumanen’ sowie mit Aspekten seiner Erzählpraxis und ethischen Orientierung, die mit diesen Themen verbunden sind. Der Band dokumentiert das 21. Internationale Alfred-Döblin-Kolloquium, das 2017 zum Thema „Natur, Technik und das (Post-)Humane in den Schriften Alfred Döblins" in Cambridge, England, tagte.

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Gabriele Sander: „Damals gehörten […] die Frauen zu den aktivsten Elementen.“ Die Geschlechterproblematik in Alfred Döblins Roman Berge Meere und Giganten

„Damals gehörten […] die Frauen zu den aktivsten Elementen.“1 Die Geschlechterproblematik in Alfred Döblins Roman

Berge Meere und Giganten

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Gabriele Sander

Abstract: Döblins Zukunftsszenario Berge Meere und Giganten (1924) eröffnet ein fiktionales Experimentierfeld, auf dem eine Vielzahl politischer und sozialer Konflikte ausgetragen wird. Der Roman führt die Entwicklung einer multikulturellen Massengesellschaft im posthumanistischen Zeitalter vor Augen und zeigt die Exzesse unkontrollierter Technisierung der Lebens- und Arbeitswelt einschließlich der Auswirkungen der Modernisierungsprozesse auf das Zusammenleben der Menschen in den Metropolen. Neben der Entstehung einer hybriden Bevölkerung infolge globaler Migrationsbewegungen stellen auch die sich neu formierenden Geschlechterverhältnisse einen wichtigen Themenkomplex dar.Ausgehend von Döblins Frühwerk und theoretischen Äußerungen zur ‚Frauenfrage‘ und zur Krise der Männlichkeit, beleuchtet der Beitrag die Geschlechterproblematik in Berge Meere und Giganten unter Einbeziehung zeitgeschichtlicher Diskurse. Ferner wird aus der Gender-Perspektive zum einen das breite Spektrum an Weiblichkeitsimaginationen vorgestellt, die zwar teilweise traditionelle literarhistorische Muster variieren, aber auch unkonventionelle Typisierungen bzw. neuartige Geschlechtsidentitäten darbieten, zum andern werden die im Roman präsentierten Liebeskonzepte vorgestellt.

Keywords: Gender, Geschlechterproblematik, Hybridität, Masse, Migration, Multikulturalität, Posthumanismus, Rasse, Weiblichkeitsimaginationen

In Döblins frühen Erzähltexten spielen Frauen vielfach nur Nebenrollen, sie werden sogar wie im „chinesischen Roman“ Die drei Sprünge des Wang-lun (1915/16) und im Wallenstein (1920) geradezu marginalisiert.2 Damit entsprach der Autor seiner 1917 in den Bemerkungen zum Roman ←213 | 214→ausgegebenen Parole: „mulier taceat“.3 Döblin fürchtete offenbar den Rückfall in traditionelle literarische Muster, wenn Weiblichkeitsimaginationen und der Darstellung von Geschlechterbeziehungen zu viel Raum gegeben werde, zumal ihm...

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