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Zensur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert: Begriffe, Diskurse, Praktiken

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Edited By Florian Gassner and Nikola Roßbach

Die Erforschung der frühneuzeitlichen Zensur ist nach wie vor ein Desiderat. Fragen nach ihrer theoretisch-begrifflichen Diskursivierung, ihrer praktischen Umsetzung und Effizienz sind von der Forschung bislang weder umfassend noch systematisch beantwortet worden. Der vorliegende Band behandelt Zensurbegriffe, -diskurse und -praktiken im Kontext feudaler und absolutistischer Gesellschaftssysteme mit Schwerpunkt auf dem deutschsprachigen Raum des Alten Reichs und schlägt die mediengeschichtliche Brücke vom 16. ins 21. Jahrhundert: vom Index zum Algorithmus. Die Studien analysieren Zensur im Hinblick auf Begriffsgeschichte und Rechtspraxis, in Konstellation mit dem Magiediskurs und als Herrschaftsinstrument und bieten Untersuchungen zu verschiedenen Textgenres – Chronik, Flugschrift, Moraltraktat, Theater(kritik), Index – von der Reformationszeit bis zu Aufklärung.

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Einführung (Florian Gassner / Nikola Roßbach)

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Florian Gassner und Nikola Roßbach

Zensur ist in der Frühen Neuzeit der Normalfall. Das Erwünschte, das Gute, das Notwendige. Sie schafft Ordnung, Sicherheit und Frieden, so lauten jedenfalls die Argumente ihrer Befürworter. Dass es eines Regulierungsinstrumentes bedürfe, das gesellschaftliche Ordnung, außen- und innenpolitische Sicherheit, Religions- und Konfessionsfrieden sowie politischen Frieden, gedeihliches Zusammenleben und persönliches Seelenheil gewährleisten soll, wird nicht in Frage gestellt.

Der Gedanke, dass Literatur ein Sicherheitsrisiko für Individuum und Gesellschaft darstellen könnte, das zu regulieren und zu unterbinden sei, ist ohne Zweifel so alt wie die Literatur selbst. Verschärft stellte sich die Frage nach der Zensur dann mit der Medienrevolution des ausgehenden 15. Jahrhunderts.1 Die Verbreitung des Drucks mit beweglichen Lettern ermöglichte eine Distribution von Texten, von Ideen und Wissen in zuvor ungekannten und ungeahnten Dimensionen. Geistliche und säkulare Herrscher versuchten die entfesselte Rede zu bändigen – mit den Mitteln der Zensur, die über die Jahrhunderte zunehmend systematischer und professioneller wurde.

Prinzipiell in Frage gestellt wurden der Sinn der Zensur, ihre Rechtmäßigkeit und ihr Nutzen lange Zeit nicht, auch nicht von der Gelehrtenwelt, deren Rede- und Schreibfreiheit immerhin massiv durch sie beschränkt wurde. Aufklärer wie Leibniz und Wolff setzten sich „vehement für eine an ethischen Maßstäben orientierte Censur“2 ein. Auch im 18. Jahrhundert ging es den meisten am Zensurdiskurs beteiligten Akteuren immer darum, das Gute zu stärken und das Böse...

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