Show Less
Restricted access

Zensur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert: Begriffe, Diskurse, Praktiken

Series:

Edited By Florian Gassner and Nikola Roßbach

Die Erforschung der frühneuzeitlichen Zensur ist nach wie vor ein Desiderat. Fragen nach ihrer theoretisch-begrifflichen Diskursivierung, ihrer praktischen Umsetzung und Effizienz sind von der Forschung bislang weder umfassend noch systematisch beantwortet worden. Der vorliegende Band behandelt Zensurbegriffe, -diskurse und -praktiken im Kontext feudaler und absolutistischer Gesellschaftssysteme mit Schwerpunkt auf dem deutschsprachigen Raum des Alten Reichs und schlägt die mediengeschichtliche Brücke vom 16. ins 21. Jahrhundert: vom Index zum Algorithmus. Die Studien analysieren Zensur im Hinblick auf Begriffsgeschichte und Rechtspraxis, in Konstellation mit dem Magiediskurs und als Herrschaftsinstrument und bieten Untersuchungen zu verschiedenen Textgenres – Chronik, Flugschrift, Moraltraktat, Theater(kritik), Index – von der Reformationszeit bis zu Aufklärung.

Show Summary Details
Restricted access

Heimliche Angriffe auf die christliche Religion: Johann Lorenz Mosheims Bestandsaufnahme subversiver Textstrategien (Magdalena Fricke)

Extract

Magdalena Fricke

Abstract: Der Beitrag diskutiert anhand des protestantischen Theologen Johann Lorenz Mosheim (1693–1755), wie in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts über gefährliche Schriften und subversive Formen des Angriffs auf das Christentum nachgedacht wurde. Im Mittelpunkt der Analyse stehen dabei zwei der Vorgehensweisen, die Mosheim in seinem Katalog verdeckter Angriffsstrategien identifiziert: die subversive Verwendung weiblicher Geschlechterklischees und die Darstellung nichtchristlicher Tugendhaftigkeit. Die Herausforderung liegt vor allem darin, die Autoren und Texte zu rekonstruieren, auf die sich Mosheim bezogen haben könnte. Abschließend wird skizziert, wie sich die apologetisch motivierte Bestandsaufnahme des Theologen selbst als eine von Verstellungskunst geprägte Intervention in der weltanschaulichen Konkurrenzsituation des frühen 18. Jahrhunderts erklären lässt.

Keywords: Subversive Literatur, Apologetik, Johann Lorenz Mosheim, Religionskritik, Aufklärung

In dem vorliegenden Aufsatz soll es um die Wahrnehmung von subversiven Textstrategien und den Umgang mit ‚gefährlichen‘ Schriften gehen. Als subversiv wird hier ein Verhalten oder Handeln verstanden, das sich intentional gegen eine bestimmte Ordnung richtet, wobei das Moment des Angriffs verdeckt bleibt – der Angriff gibt sich als solcher nicht direkt zu erkennen. Als ‚Textstrategie‘ lässt sich ein Verhalten oder Handeln im Sinne eines sprachverwendungsorientierten Ansatzes verstehen, wenn es planvoll und komplex in Texten schriftlich organisiert ist. Der drohende Akt der Zensur war nicht das einzige, sicherlich aber ein wichtiges Motiv dafür, subversive Textstrategien zu kultivieren und zur Anwendung zu bringen. Dennoch hieße es, eine nicht ausreichend komplexe Vorstellung dieser kulturellen Praxis...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.