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Simpliciana XLII (2020)

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Edited By Peter Hesselmann

Der XLII. Jahrgang der Simpliciana enthält die Vorträge, die während der Tagung der Grimmelshausen-Gesellschaft zum Thema „Dispositionsformen und Ordnungsvorstellungen bei Grimmelshausen und in der Literatur der Frühen Neuzeit“ Anfang August 2020 in Münster gehalten wurden. Zusätzlich werden fünf Beiträge veröffentlicht, die sich dem Werk Grimmelshausens aus verschiedenen Perspektiven nähern.

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Geometrische Ordnungsvorstellungen bei Grimmelshausen

Geometrische Ordnungsvorstellungen bei Grimmelshausen

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PETER KLINGEL (Münster)

Die Vorstellung, dass Gott bei der Erschaffung der Welt nach geometrischen Regeln verfahren ist, ist seit der Antike fest im christlichen Glauben verankert. Ihre wohl ausführlichste Darstellung findet sich im Timaios,1 dem für die Entwicklung des Christentum bis ins Mittelalter hinein wichtigsten der platonischen Dialoge.2 Im hellenistisch geprägten Buch der Weisheit (11, 21) heißt es wesentlich knapper, jedoch keineswegs weniger einschlägig, 3 Gott habe die Welt nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet. Berühmte mittelalterliche Darstellungen zeigen Ihn als Deus Geometra4 mit Zirkel ausgestattet und noch für Galilei, Kepler und Leibniz gilt es als ausgemacht, dass – wie Kepler es formuliert – „die gantze Natur […] in der Geometria symbolisirt sey“.5

Über den Bereich der Naturphilosophie und Kosmologie bzw. ab dem 17. Jahrhundert der modernen Naturwissenschaften hinaus prägt ←15 | 16→die Vorstellung einer geometrischen Ordnung der Dinge auch solche Wissensgebiete, die sich auf den ersten Blick kaum auf mathematische Begriffe bringen lassen. Ganz explizit begegnet man ihr etwa in den Bereichen der Ökonomie, der Staatstheorie und auf dem Feld der Regierungskunst: In den geometrischen „Proportionen, die im Kosmos herrschen“, wird hier „Vor- und Urbild einer zu erlangenden Harmonie weltlicher Einrichtungen“6 erkannt, in welcher, so die dezidiert christliche Interpretation, der menschliche Wille mit demjenigen Gottes konvergieren soll.

Kontinuität und Proportion – es sind diese beiden Grundprinzipien der Geometrie, welche ihre enorme Anschlussfähigkeit erklären, verweisen sie doch auf „die Allmacht […] eines bestimmten Programms...

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