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Simpliciana XLII (2020)

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Edited By Peter Hesselmann

Der XLII. Jahrgang der Simpliciana enthält die Vorträge, die während der Tagung der Grimmelshausen-Gesellschaft zum Thema „Dispositionsformen und Ordnungsvorstellungen bei Grimmelshausen und in der Literatur der Frühen Neuzeit“ Anfang August 2020 in Münster gehalten wurden. Zusätzlich werden fünf Beiträge veröffentlicht, die sich dem Werk Grimmelshausens aus verschiedenen Perspektiven nähern.

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Natürliche Ordnung. Zur Monatsdisposition als Gliederungs- und Fortsetzungsprinzip in der Kalender- und Zeitschriftenliteratur der Barockzeit

Natürliche Ordnung. Zur Monatsdisposition als Gliederungs- und Fortsetzungsprinzip in der Kalender- und Zeitschriftenliteratur der Barockzeit

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JÖRGWESCHE (Göttingen)

Natürliche Ordnungen dienen seit jeher als Dispositionsmuster der Künste, seien es etwa der Sonnenumlauf als Einheit der Zeit in der Tragödie, die Jahreszeiten als Kompositionsschema der Violinkonzerte Vivaldis oder der Stand der Gestirne als mögliches Ordnungsprinzip von Grimmelshausens Simplicissimus Teutsch. Gerade die Barockliteratur bewegt sich indessen auch vielfach im Monatsrhythmus. Simplicissimus erscheint als Kalenderfigur, Johann Rist gliedert die Monatsgespräche im Takt von monatlichen Blührhythmen und Gottfried Zenner zieht in seiner periodischen Novellensammlung aus den Monaten „Quintessence(n) mannigfaltiger Gelehrsamkeit“.1 Vor diesem Hintergrund sondiert der folgende Beitrag, inwiefern Monatsrhythmen als Dispositionsmuster in der vergleichsweise wenig erforschten Kalender- und Zeitschriftenliteratur der Barockzeit dienen.2 Was leisten sie als Gliederungs- und Fortsetzungstechniken, und wie werden sie in der historischen Perspektive hinsichtlich ihrer Erzähl- und Periodizitätsfunktion reflektiert? In den Blick genommen werden dazu Grimmelshausens Ewig-währender Kalender und Monatsschriften, die gerade im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts auch über die vergleichsweise gut erforschten Periodika Johann Rists, Erasmus Franciscis und Christian Thomasiusʼ hinaus Konjunktur haben.3

Gemäß der Textsorte ist bei Grimmelshausen der Kalender nach Monaten disponiert.4 Sie stellen sozusagen die natürliche Ordnung von Kalendern dar. Hier ist das Monatsdispositiv geradezu textsortenkonstitutiv und hat ebenso eine untergliedernde (zwölf Segmente) wie einheitsstiftende (das Jahr) Funktion. Werkgeschichtlich genießt Grimmelshausens Kalender allgemein eine herausgehobene, auch poetologisch bedeutsame Stellung innerhalb der simplicianischen Schriften, indem er u. a. nach dem Vorbild von Johann Fischarts Aller Practick Großmütter (1572) nicht nur...

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