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Simpliciana XLII (2020)

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Edited By Peter Hesselmann

Der XLII. Jahrgang der Simpliciana enthält die Vorträge, die während der Tagung der Grimmelshausen-Gesellschaft zum Thema „Dispositionsformen und Ordnungsvorstellungen bei Grimmelshausen und in der Literatur der Frühen Neuzeit“ Anfang August 2020 in Münster gehalten wurden. Zusätzlich werden fünf Beiträge veröffentlicht, die sich dem Werk Grimmelshausens aus verschiedenen Perspektiven nähern.

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Frühneuzeitliche Kapitalethik in Grimmelshausens Rathstübel Plutonis

Frühneuzeitliche Kapitalethik in Grimmelshausens Rathstübel Plutonis

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Im Legendenroman Proximus und Lympida, den Grimmelshausen nach Valentin Leuchts Viridarium Regium Illustrium miraculorum et historiarum. Daß ist königlicher Lustgart (Köln, Mainz 1614) nacherzählt hat und im Gesprächsspiel Rathstübel Plutonis in einem intraliterarischen Diskurs wiederkehren lässt, wird das Beispiel des Proximus angeführt, der auf sein väterliches Erbe freiwillig verzichtet und die Heirat mit der reichen Lympida eingeht, um die Wahrheit des Bibelworts Mt 6, 33 unter Beweis zu stellen, in dem Jesus sagt: „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen.“1 Im Gesprächsspiel wird allerdings das Zitat umgedeutet, insofern „dass statt der elementaren Bedürfnisse pauschal Reichtumserwerb gesetzt wird.“ (B 209)

Grimmelshausen zieht auch einen zweiten Spruch zu diesem „finanziell gedeuteten, ja überdeuteten ,Spruch‘ […] aus dem Matthäus-Evangelium“ aus Lk 6, 38 heran (B 209), der lautet: „Gebt/ So wird euch gegeben.“ Der simplicianische Erzähler lässt ihm eine Auslegung des Gesprächsteilnehmers Alcmaeon folgen, wonach der Spruch bedeutet, dass „der Tugend-Weg gegangen werden soll“.2 Dieser idealistischen Deutung widerspricht die finanzielle Auslegung, wonach das Trachten nach Gerechtigkeit eine Vermehrung des finanziellen Reichtums nach sich zieht; die „Kapitalakkumulation“ muss allerdings „vmb der Liebe Gottes willen“ geschehen, wie es bei Franz von Sales in der Philothea oder gottliebende Seel (Dillingen 1669) heißt, da sie sonst Gefahr liefe, sich in Geiz zu verkehren (B 214). Die Auslegung Augustins zur Stelle unterscheidet zwischen einem frui und uti. Das nach Ciceros...

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