Show Less

Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium Saarbrücken 2009

Im Banne von Verdun. Literatur und Publizistik im deutschen Südwesten zum Ersten Weltkrieg von Alfred Döblin und seinen Zeitgenossen

Series:

Edited By Ralf Bogner

Der Erste Weltkrieg ist eines der wichtigsten Themen der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Jahrzehntelang beschäftigte er Schriftsteller, Journalisten, Drehbuchautoren und Publizisten. Von besonderem Interesse ist die künstlerische und publizistische Auseinandersetzung mit dem ‘Mythos Verdun’, der das sinnlose Hinschlachten ganzer Legionen im beinahe bewegungslosen Stellungskampf an der Westfront versinnbildlicht. In den Beiträgen dieses Bandes werden die verschiedensten Formen von Beschäftigung mit diesem Mythos während des Kriegs und kurz danach untersucht. Im Zentrum stehen Schriftsteller, die sich im deutschen Südwesten aufgehalten und gearbeitet bzw. in unterschiedlichen Funktionen gedient haben. Alfred Döblin, als Militärarzt in Saargemünd stationiert, spielt dabei eine besondere Rolle. Aber auch die Blickwinkel weiterer bekannter oder weitgehend vergessener Autoren auf die Kriegsgeschehnisse werden detailliert im historischen Kontext analysiert. Hinzu kommen kulturgeschichtliche Beiträge, etwa zum wilhelminischen Kriegsspielzeug oder zu Kriegsliedern der Zeit. Der Band dokumentiert die Ergebnisse des Internationalen Alfred-Döblin-Kolloquiums an der Universität des Saarlandes im Juni 2009.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Die Metaphern für Geschichte in Alfred Döblins Geschichtsepos November 1918 Von Adriana Cuteriu 371

Extract

Die Metaphern für Geschichte in Alfred Döblins Geschichtsepos November 1918 Adriana Cuteriu Die Frage nach der Funktion der Metaphern ist von großer Bedeutung, inso- fern die Metaphern schon immer sowohl in der Geschichtsschreibung als auch in der Dichtung als besondere Formen zur Darstellung und Erklärung der Wirklichkeit auftauchen. Sie stillen das ontologische Bedürfnis des Men- schen, die Welt, aufgrund der Einsicht der Ähnlichkeiten zwischen Dingen und Phänomenen, als Kosmos wahrzunehmen. Die fremde, amorphe Welt wird durch die metaphorische Sinnübertragung zu einer gezähmten Welt, in der auch die Geschichte als sinnvolle und darstellbare Wirklichkeit er- scheint. Die Metaphern für Wirklichkeit und Geschichte, die in einem Roman er- scheinen, befinden sich in einem dialektischen Verhältnis: Einerseits sind sie ein „Paradigma für die Erklärung“1 des Wirklichkeitsbildes, das im Werk herrscht und zum Erfassen der ideologischen Vorentscheidung des Schrift- stellers führt,2 anderseits liefert die im Werk dargestellte Wirklichkeit selber „den Schlüssel zur Metapher“.3 Die Entschlüsselung der Metaphern und das Verstehen des Wirklichkeitsbildes bedingen sich infolgedessen gegenseitig; nur ihr dialektisches Verhältnis vermag ein vollständiges Sinnverstehen eines literarischen Werkes, hier von Alfred Döblins Geschichtsepos Novem- ber 1918, zu vollenden. Die metaphorische Verbindung zwischen zwei gewöhnlich weit aus- einanderliegenden Elementen der Wirklichkeit lässt die Welt „als ein Gewe- be geheimnisvoller Fäden und Beziehungen“4 erscheinen: In der Herstellung dieses geheimnisvollen Gewebes liegt die Erkenntnisbedeutung der Metapher. Laut Ernesto Grassi können die Metaphern...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.