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Ioannes Stomius, Prima Ad Musicen Instructio

Edition, Übersetzung, Kommentar

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Ulrike Baumann

Das 1537 herausgegebene Musiklehrbuch des Salzburger Pädagogen, Musiktheoretikers und Komponisten Johannes Stomius liegt erstmals als vollständige Edition samt Übersetzung, Notentranskription und Kommentar vor. Im Mittelpunkt steht die Erforschung der hervorstechenden Merkmale des bisher wenig bekannten Traktats. Stomius teilt offenbar den Gesang in «mollis» und «durus», eine für die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts sensationelle Definition und gibt dazu praktische Singanweisungen.
Zudem wird die Biographie des Autors, soweit es die Quellenlage zulässt, umfassend dargelegt. Die langjährige Unterrichtstätigkeit des Stomius in dessen Poetenschule gab den Anstoß, die Entwicklung des Schulwesens mit besonderer Berücksichtigung der humanistischen Musikpädagogik zu beleuchten und bringt überdies wertvolle Einblicke in das Salzburger Kultur- und Geistesleben des 16. Jahrhunderts.

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3 Das Schulwesen im 16. Jahrhundert im deutschen Sprachraum – ein Überblick 39

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39 3 DasSchulwesenim16.Jahrhundertim deutschenSprachraum–einÜberblick1 Im16.JahrhundertgabesimdeutschenSprachraumzahlreiche Schulformen,diejedochzumGroßteilderkirchlichenObrigkeit unterstanden und daher dem christlichen Bildungsideal folg ten.EswarendiesKlosterundDomschulen,Pfarrschulenund Stadtschulen, die alle schon seit dem Mittelalter bestanden. Deutsche Schulen,Winkelschulen2 und Poetenschulen, die im allgemeinen später entstanden, versuchten sich außerhalb des kirchlichen Bereichs zu etablieren undwurden vor allem aus derNotwendigkeit unddemBedürfnis der Bevölkerung nach praxisbezogenemSachwissengegründet. DiechristlichdominiertenSchulenkönnteman,überspitzt formuliert, als Musikschulen bezeichnen. Hauptzweck des Unterrichtswar, natürlich neben demBestreben die zukünfti genGeistlichenauf ihrenBerufvorzubereiten,diegesangliche Gestaltung der Heiligen Messe. Deshalb kann man bis ins Spätmittelalter weitgehend eine Geschichte des Schulunter richtsmit einerGeschichte desMusikunterrichts gleichsetzen. Esmussbetontwerden,dasseshierumeineUnterweisungvon Kindern in vor allem praktischer Musiklehre geht. Beschäfti gung mit Musik als ars wurde im Schulunterricht nur sehr begrenztbetrieben. 1 Vgl. ausführlichdazu:Kogler,Ulrike:HumanistischeMusikpädagogik inSalzburgamBeispielderPrimaadmusicen instructio(1537)des Jo hannesStomius.Dipl.Arb.Univ.MozarteumSalzburg,Salzburg2000. Kap.1und2. 2 DieBezeichnungWinkelschulewurdevorallem innegativemZusam menhangfürPrivatschulengebraucht. 40 Wie stellte sichnundieSituation indererstenHälftedes 16.Jahrhunderts,alsdefinitivhumanistischeSchulengegründet wurden,dar? DadiehumanistischeStrömungimKulturundGeistesle beneinegroßeRollespielte,wurdennatürlichauchdieSchulen davon erfasst.Auchdie seit demMittelalter bestehendenund etablierten Schultypen der Kloster und Domschulen, die fest im christlichen Bildungsbegriff verankert waren, stellten teil weise Humanisten als Lehrer an. Dadurch wurden zwar die Unterrichtsmethoden modernisiert, aber an den durch Jahr hunderte gefestigten und erstarrten Strukturen wurde nicht gerüttelt. Offener gegenüber der neuen Geisteshaltung waren die vorallemseitdem13.JahrhundertgegründetenStadtschulen.3 Durch das wirtschaftlich immer stärker werdende und damit sehr einflussreiche Bürgertum gewannen diese Schulen an BedeutungundanQualität.Stadtschulenwarenzwarvonden Gemeindengegründetworden,warenaber immereinerPfarr kirche4untergeordnet.DerLehrstoff standsomitunterkirchli cher Kontrolle, den ersten Stadtschulen wurde nur erlaubt, Elementarstes zu...

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