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Mysterium Venedig

Die Markusrepublik als politisches Argument in der Neuzeit

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Martin Fröhlich

Unübertroffen war die Markusrepublik darin, sich selbst in Wort und Bild immer wieder neu in aller Pracht und Herrlichkeit zu erschaffen. Der entstandene Mythos zeigte Wirkung – im positiven wie im negativen Sinne. Wer im 16. und 17. Jh. in der Kontroverse um die beste Staatsform über Republiken schrieb, meinte Venedig. Wie kein anderer Staat vermochte die Markusrepublik Bewunderung, Neid, ja Abscheu hervorzurufen. Gleich der klassischen Trias von Entstehung, Aufstieg und Fall verlief auch Venedigs «Karriere» in der politischen Literatur. Anknüpfend an grosse Namen wie Gasparo Contarini, Niccolo Machiavelli, James Harrington und Montesquieu beschreibt die Forschung Aufstieg und Höhepunkt im 16. sowie den Fall im 18. Jahrhundert.
Die vorliegende Studie eröffnet mit bislang nicht gestellten Fragen eine neue Sichtweise auf den Mythos Venedig: Anstatt wie bisher die Venedig-Bilder der einzelnen Staatsdenker zu vergleichen, rücken nun die Argumentationsketten der besagten Autoren ins Zentrum der Analyse. Die akribisch herausgearbeiteten Widersprüche und Paradoxien innerhalb der jeweiligen Staatstheorien lassen die Rolle Venedigs als Argumentationsstütze in neuem Lichte erscheinen.

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D. Montesquieu und sein Bild Venedigs 189

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189 D. Montesquieu und sein Bild Venedigs 1. Das Frankreich Montesquieus Louis XIV., König von Frankreich, stirbt 1715. Damit geht eine überaus lange, wenn nicht die längste Regierungszeit eines europäischen Monar- chen zu Ende. Ein Seufzen der Erleichterung geht durch Frankreich. Mit einer wahren Kriegswut, die letztlich eine Koalition gegen Frank- reich auf den Plan ruft, seiner enormen Bautätigkeit und dem damit ver- bundenen Repräsentationsgehabe hat der ehrgeizige „Sonnenkönig“ die Kräfte des Landes langfristig überspannt; beim Tode des Monarchen hat das Staatsschiff in finanzieller Hinsicht bedenklich Schlagseite.1 Die Auf- hebung des Ediktes von Nantes zieht nicht nur wirtschaftlich und kultu- rell negative Konsequenzen nach sich, sondern sorgt im Ausland für Em- pörung und bringt Louis XIV. einen Guerillakrieg in den Cevennen und eine langsam wachsende Opposition ein.2 Nach Holland flüchtet der Hu- genotte Pierre Bayle, eine der prominentesten Figuren der Frühaufklä- rung. In seinem “Commentaire philosophique“ kritisiert er den regelrechten Wahn religiöser Verfolgung.3 Gleichzeitig jedoch fördert der König zweck- mässig die Künste jeglicher Form und versucht zugleich durch Zensur kritische Stimmen zu unterdrücken.4 Seine Machtentfaltung bereitet in der Tat nicht allen Freude, insbesondere nicht dem Pariser Parlament. Dieses verliert während der Herrschaft von Louis XIV. sämtliche politi- sche Einflussnahme. Auch der Adel findet sich seit seinem letzten Auf- bäumen in der so genannten „Fronde“ (1648–1653) mit dem scheinbar Unvermeidlichen ab. Am Hofe zu Versailles ringt er unter tausenderlei...

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