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Frühneuzeitliche Stereotype. Zur Produktivität und Restriktivität sozialer Vorstellungsmuster

V. Jahrestagung der Internationalen Andreas Gryphius Gesellschaft Wrocław 8. bis 11. Oktober 2008

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Miroslawa Czarnecka, Thomas Borgstedt and Thomasz Jablecki

Im allgemeinen Sprachgebrauch sind Stereotype vereinfachte, schablonenhafte Vorstellungen von Menschen, die weniger auf der eigenen Erfahrung gründen. Sie transportieren eher ein mit Wertungen durchsetztes, geronnenes Erfahrungswissen innerhalb der Kulturen. Im Sinne der historischen Semantik und Stereotypenforschung sind sie nicht ausschliesslich als Vorurteile zu verstehen, sondern mehrwertig zu bestimmen. Dieser Band vereinigt Beiträge zur V. Jahrestagung der Internationalen Andreas Gryphius Gesellschaft, die vom 8. bis 11. Oktober 2008 in Wrocław stattfand. Er befasst sich mit Formen und Funktionen von nationalen, sozialen, anthropologischen, konfessionellen und Gender-Stereotypen sowie von begrifflichen und metaphorischen Stereotypen. Es gilt zu zeigen, wie sie in den Medien der Frühen Neuzeit vermittelt wurden – sei es in künstlerischen Ausdrucksformen wie Grafik, Malerei und Skulpturenkunst, sei es in der Gebrauchsliteratur, in medialen Mischformen des Flugblatts und der Emblematik. Die interdisziplinäre und internationale Ausrichtung dieses Themas erscheint gerade heute – in einem nach der EU-Erweiterung erneut veränderten Europa – als besonders aktuell und wichtig.

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Nationale Stereotypen als narratologische Spannungserzeugerim Roman des 17. Jahrhunderts. Am Beispiel von Philipp von Zesens Adriatischer Rosemund (1645) Ferdinand van Ingen 103

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Nationale Stereotypen als narratologische Spannungserzeuger im Roman des 17. Jahrhunderts. Am Beispiel von Philipp von Zesens Adriatischer Rosemund (1645) Ferdinand van Ingen An der Gestalt der Adriatischen Rosemund, der Titelheldin von Zesens Ro- man (1645), hat man vielfach herumgerätselt. Die biographische Forschung hat sich im Sande verlaufen und ihre Problemstellungen sind nunmehr mar- ginalisiert. Der Amsterdamer Germanist Jan Hendrik Scholte war der Erste, der 1949 auf ihren Symbolwert aufmerksam gemacht hat und damit vom Biographischen abrückte.1 Die Gestalt der Rosemund zieht sich durch das ganze Werk. Sie hält alles zusammen, sie tritt mit ihrem Markhold in den sprach- und literaturtheoretischen Schriften Rosen-mând (1651) und Heliko- nische Hechel (1660) auf und figuriert in mehreren Mustergedichten der Poetik Deutscher Helikon.2 Sogar in dem gelehrten lateinischen Werk Coe- lum astronomico-poeticum („Dichterischer Sternhimmel“) ist ein deutsches Gedicht an Rosemund enthalten, das sich sonst nicht identifizieren lässt.3 Für 1 Jan Hendrik Scholte: Zesens Adriatische Rosemund. In: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte XXIII (1949). S. 288–305. 2 Etwa O allerschönste Rosemund/ mein allerliebstes Leben (Helikon D von 1656), S. 257; später in die große Sammlung Rosen- und Liljen-tahl von 1670 aufgenommen (Nr. 17), Rosemund/ mein selbst-eigenes hertze (etwa Helikon D, S. 580 und in den Dichterischen Jugend-Flammen von 1651, S. 122). Das kleine Gedicht Wer hat so süsses sprächen erschien im Helikon D (S. 166). 3 Philipp von Zesen: Coelum astronomico-poeticum. Amsterdam 1662. Dr. Rein- hard Klockow (Berlin) bereitet für die...

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