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Frühneuzeitliche Stereotype. Zur Produktivität und Restriktivität sozialer Vorstellungsmuster

V. Jahrestagung der Internationalen Andreas Gryphius Gesellschaft Wrocław 8. bis 11. Oktober 2008

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Edited By Miroslawa Czarnecka, Thomas Borgstedt and Thomasz Jablecki

Im allgemeinen Sprachgebrauch sind Stereotype vereinfachte, schablonenhafte Vorstellungen von Menschen, die weniger auf der eigenen Erfahrung gründen. Sie transportieren eher ein mit Wertungen durchsetztes, geronnenes Erfahrungswissen innerhalb der Kulturen. Im Sinne der historischen Semantik und Stereotypenforschung sind sie nicht ausschliesslich als Vorurteile zu verstehen, sondern mehrwertig zu bestimmen. Dieser Band vereinigt Beiträge zur V. Jahrestagung der Internationalen Andreas Gryphius Gesellschaft, die vom 8. bis 11. Oktober 2008 in Wrocław stattfand. Er befasst sich mit Formen und Funktionen von nationalen, sozialen, anthropologischen, konfessionellen und Gender-Stereotypen sowie von begrifflichen und metaphorischen Stereotypen. Es gilt zu zeigen, wie sie in den Medien der Frühen Neuzeit vermittelt wurden – sei es in künstlerischen Ausdrucksformen wie Grafik, Malerei und Skulpturenkunst, sei es in der Gebrauchsliteratur, in medialen Mischformen des Flugblatts und der Emblematik. Die interdisziplinäre und internationale Ausrichtung dieses Themas erscheint gerade heute – in einem nach der EU-Erweiterung erneut veränderten Europa – als besonders aktuell und wichtig.

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„ut pictura poesis“? Arbeit am Topos in Georg Philipp Harsdörffers Seelewig Nicola Kaminski 367

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„ut pictura poesis“? Arbeit am Topos in Georg Philipp Harsdörffers Seelewig Nicola Kaminski 1. „Redendes Gemähl“, „stumme Poëterey“ und der topische blinde Fleck „Ut pictura poesis“ lautet ein wirkungsgeschichtlich folgenreiches Diktum aus der Ars poetica des Horaz, das Bildkunst und Wortkunst in eine Relation der Vergleichbarkeit setzt und, mißverständlich auf diese Formel verkürzt, spätestens seit dem 16. Jahrhundert zum kunsttheoretischen Topos geworden ist.1 Die 1531 durch Andrea Alciatos Emblematum liber begründete Emble- matik hat sich dieser topischen Wendung im Zeichen der Komplementarität ebenso versichert wie, beginnend mit seinem Archegeten Martin Opitz, zum Zwecke theoretischer Diversifizierung der frühneuzeitliche poetologische Dis- kurs.2 Dabei erfährt die Vergleichspartikel ‚wie‘ (zu welcher in der Verkür- zung das horazische „ut“ geworden ist), zunächst verhalten, prosopopoieti- sche Ausgestaltung: „Poesia tacens“ und „Pictura loquens“ werden einander emblematisch zur Seite, poetologisch gegenübergestellt. Ja, aus dem geselli- gen Miteinander, wie es der emblematische Verbund annonciert, erwachsen * Für wichtige Anregungen zu diesem Beitrag danke ich Robert Schütze (Bochum). 1 Horaz: De arte poetica 361. Zitiert nach: Q. Horati Flacci opera. Recognovit brevique adnotatione critica instruxit Eduardus C. Wickham. Editio altera curan- te H. W. Garrod Collegii Mertonensis socio. Oxford 1906, S. 264. Vgl. hierzu Henryk Markiewicz: Ut Pictura Poesis… A History of the Topos and the Pro- blem. In: New Literary History 18 (1987), S. 535–558. Zur Rezeption bei Hars- dörffer: Peter Hess: „Nachäffin der Natur“ oder „aller Völker Sprachen“? Zur...

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