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Die Frauensteiner Briefe

Aspekte der Auswanderung aus dem Herzogtum Nassau nach Australien im 19. Jahrhundert

Kathrine Reynolds

Dieses Buch beleuchtet die Auswanderung von nahezu 20% der Bevölkerung des Dorfes Wiesbaden-Frauenstein (im heutigen Hessen) nach Australien in den Jahren 1852-54, ausgehend von den Briefen und Tagebüchern der Dorfbewohner ebenso wie von formalen Dokumenten und Aufzeichnungen.
Die Frauensteiner Auswanderer wurden als sogenannte «Indentured Labourers» – von den Kolonialbehörden finanziell geförderte Kontraktarbeiter – für die aufkeimende Weinbauindustrie nach Australien gebracht, und ihre Geschichte verkörpert einen wichtigen Beitrag zu Fragen der Migration und Migrationsgeschichte, aber auch zur frühen Geschichte Australiens.
Die Stimmen einfacher Menschen, die im Schriftverkehr zwischen Europa und Australien – den «Frauensteiner Briefen» – zur Sprache kommen, geben neue Einblicke in den Migrationsprozess: Was bewegte diese Leute zum Auswandern? Wie dachten sie über die Auswanderung, und wie wurden sie davon berührt?
Der Frauensteiner Briefwechsel wurde größtenteils von den weiblichen Mitgliedern der Auswandererfamilien verfasst – von einfachen arbeitenden Frauen, deren Stimmen aus dieser Zeit sonst nur selten hörbar werden. Die Briefe haben anderthalb Jahrhunderte als gehütete Schätze überdauert und eröffnen nun den Blick auf die Lebenswelten ihrer Autorinnen. Der vorliegende Band zeigt, wie gerade von Frauen geschriebene Auswandererbriefe ein besseres Verständnis von historischen Ereignissen im Allgemeinen und ihrer persönlichen Wahrnehmung im Speziellen ermöglichen.

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Demographie 64

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64 Demographie89 Viel Aufmerksamkeit wird in der Migrationsforschung dem Faktor Ar- mut geschenkt, der sich in überfüllten Wohnräumen, Mangel an Kultur- land, hohen Geburtenraten und den Folgen des Wandels von der Agrar- zur Industriegesellschaft niederschlägt.90 Entsprechend wird im Folgen- den eine Übersicht über verfügbare Landflächen, Häuser-, Familien- und Einwohnerzahlen sowie Konfessionsstärken (Juden, Katholiken, Menno- niten und Protestanten)91 in den 806 Ortschaften des Herzogtums Nas- sau gegeben. Daraus lassen sich die Landfläche pro Kopf und die Anzahl Bewohner bzw. Familien pro Haus für jedes Dorf, Amt und das Herzog- tum insgesamt errechnen. So ergibt sich ein Bild der Bevölkerungsdichte und des Lebensstandards, und es lässt sich abschätzen, ob Überbevölke- rung oder Bodenknappheit schlimm genug waren, um die Menschen zum Auswandern zu bewegen. Die Daten von Vogel können als Grundlage für die Einschätzung der Situation in Nassau vor der Auswanderung dienen. Die Volkszählungs- daten für Frauenstein geben Auskunft über die Bevölkerungsfluktuation während der Migrationsphase.92 89 Struck, loc. cit.; Vogel, loc. cit. 90 Bade, „Conclusion: migration past and present – the German experience“ in People in Transit, German Migrations in Comparative Perspective 1820–1930, S. 400; Charles Tilly, „Socioeconomic determinants of mobility in the nineteenth century“ in Mobility and Modernity Migration in Germany 1820–1989, Steve Hochstadt (Hrsg.), Ann Arbor, University of Michigan Press, 1999, S. 178; Moch, op. cit., S. 148. 91 Im Amt Wiesbaden (einem von 28 Ämtern im Herzogtum Nassau...

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