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Ethik in der Palliative Care

Theologische und medizinische Erkundungen

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Lea Siegmann-Würth

Palliative Care ist eine Antwort auf grundlegende Fragen der modernen Medizin: Wie weit wollen, sollen oder mMedizin: Wie weit wollen, sollen oder müssen wir Leben erhalten, verlängern und verbessern, wenn es von unheilbarer Krankheit, Alter oder Sterben begrenzt wird? Was wird für ein der menschlichen Würde und Freiheit gerecht werdendes Leben und Sterben gefordert? Ist alles medizinisch Machbare zu tun, oder widerspricht dies persönlichen und gesellschaftlichen Vorstellungen von einem guten Leben und Sterben? Und dort, wo die heutige Medizin an ihre Grenzen stösst, wie gehen wir mit dem Leiden und Sterben um? Welche Bedürfnisse stehen in diesen Situationen im Vordergrund? Wie kann ihnen für möglichst alle entsprochen werden? Was ist wesentlich in der Beziehung, in Haltung und Verhalten zueinander zwischen jenen, die unheilbar krank sind, die gehen müssen, vielleicht wollen, und jenen, die sie in dieser Situation betreuen und begleiten? Das Buch «Ethik in der Palliative Care» gibt Antworten auf diese Fragen, indem es umfassend die historischen, medizinischen, ethischen und theologischen Hintergründe von Palliative Care beschreibt und ihren Stellenwert im Schweizer Gesundheitssystem dokumentiert.

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1. Hospizbewegung und Palliative Care: historische Entwicklung einer Idee 13

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13 1. Hospizbewegung und Palliative Care: historische Entwicklung einer Idee 1.1 Einleitung Palliative Care – der englische Ausdruck lässt es vermuten: Es geht um ein neues, noch junges Konzept in der Behandlung und Betreuung von kranken Menschen. Dieses Konzept knüpft an die Geschichte der Hospize an, die weit in die Vergangenheit zurückreicht, als moderne Hospizbewegung aber mit der Eröffnung des St. Christopher’s Hos- pice 1967 in London beginnt. Bewegt durch ihre Erfahrungen mit Sterbenden und dem Umgang mit ihnen in Kliniken Mitte des 20. Jahr- hunderts, wollte Cicely Saunders mit dem Hospiz unheilbar, weit fort- geschritten an Krebs erkrankten und sterbenden Menschen professionell in einem umfassenden Sinn und einer guten, menschenwürdigen Atmo- sphäre beistehen bis zuletzt, also auch in ihrem Sterben. Das Ziel war und konnte nicht die Heilung der Krankheit sein, sondern die Linde- rung der Schmerzen und Beschwerden der Patienten, das Dasein für ihre Fragen, Sorgen und Ängste. Ein Anliegen Cicely Saunders war es zudem, der Tabuisierung von Sterben und Tod in Gesellschaft und Medizin entgegenzuwirken. Ihr war es wichtig, Angehörige und ehren- amtlich Mitarbeitende in die Begleitung Sterbender einzubeziehen. Von Grossbritannien ausgehend, verbreitete sich die moderne Hospizidee international. 1990 fand die grundlegende Zielsetzung der Hospiz- bewegung unter dem Begriff ‚Palliative Care‘ Eingang in eine erste entsprechende Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das Konzept der Palliative Care formuliert gewissermassen eine Antwort auf die verstandesorientierte Rationalität, Individualität und zunehmende Ausdifferenzierung der Gesellschaft in der Moderne. Un- ter wirtschaftlich und sozialpolitisch g...

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