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Ethik in der Palliative Care

Theologische und medizinische Erkundungen

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Lea Siegmann-Würth

Palliative Care ist eine Antwort auf grundlegende Fragen der modernen Medizin: Wie weit wollen, sollen oder mMedizin: Wie weit wollen, sollen oder müssen wir Leben erhalten, verlängern und verbessern, wenn es von unheilbarer Krankheit, Alter oder Sterben begrenzt wird? Was wird für ein der menschlichen Würde und Freiheit gerecht werdendes Leben und Sterben gefordert? Ist alles medizinisch Machbare zu tun, oder widerspricht dies persönlichen und gesellschaftlichen Vorstellungen von einem guten Leben und Sterben? Und dort, wo die heutige Medizin an ihre Grenzen stösst, wie gehen wir mit dem Leiden und Sterben um? Welche Bedürfnisse stehen in diesen Situationen im Vordergrund? Wie kann ihnen für möglichst alle entsprochen werden? Was ist wesentlich in der Beziehung, in Haltung und Verhalten zueinander zwischen jenen, die unheilbar krank sind, die gehen müssen, vielleicht wollen, und jenen, die sie in dieser Situation betreuen und begleiten? Das Buch «Ethik in der Palliative Care» gibt Antworten auf diese Fragen, indem es umfassend die historischen, medizinischen, ethischen und theologischen Hintergründe von Palliative Care beschreibt und ihren Stellenwert im Schweizer Gesundheitssystem dokumentiert.

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3. Wesentliche Elemente in der Palliative Care 31

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31 3. Wesentliche Elemente in der Palliative Care 3.1 Gesundheit und Krankheit Gesundheit und Krankheit sind zwei nicht absolut gegensätzliche Be- griffe. Gesundheit ist nicht nur das Fehlen von Krankheit und Krankheit nicht einfach die Abwesenheit von Gesundheit. Beide weisen auch posi- tive Gehalte auf, können als Zustände nebeneinanderstehen oder gehen ineinander über und sind vielmehr als Prozesse verstehbar. Gesundheit und Krankheit treffen sich, indem sie „gemeinsam Erscheinungen des Lebendigen“ sind (Engelhardt 1998: 113). Definition und Bedeutung der beiden Begriffe können an dieser Stelle nicht ausführlich behandelt werden.6 Hervorzuheben ist, dass sich diese Aspekte historisch im Zu- sammenhang mit dem medizinisch-wissenschaftlichen Fortschritt, den sozialen Rahmenbedingungen und den religiös-kulturellen Werten in der Gesellschaft verändert haben. Obwohl die Medizin seit ihrer zuneh- menden naturwissenschaftlich-technischen Ausrichtung ab dem 19. Jahr- hundert eine Deutungshoheit über die Begriffe von Gesundheit und Krankheit erreichte, bestimmt nicht nur die Medizin als Wissenschaft, wer krank und wer gesund ist, sondern ebenso die Gesellschaft und der einzelne Mensch – je nachdem, welche Bedeutung und welcher Wert den physisch-psychischen, geistig-seelischen und sozialen Befindlich- keiten zugemessen werden. Eine rein naturwissenschaftliche und natu- ralistische Sichtweise auf Gesundheit und Krankheit würde zu kurz greifen. Umgekehrt können in der Medizin auch nicht nur soziale und geisteswissenschaftliche Konstrukte mit der Erwartung einer Lösung von gesellschaftlich-sozialen und lebensweltlichen Problemen und Aufgaben einhergehen (Engelhardt 1998, Lanzerath 1998). 6 Vgl. dazu z. B. aus theologischer Perspektive und der Sicht des einzelnen Men- schen und seinem gesellschaftlichen Umfeld die Darstellung...

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