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Der Erzählraum als Reflexionsraum

Eine Untersuchung zur "Minnelehre</I> Johanns von Konstanz und weiteren mittelhochdeutschen Minnereden

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Susanne Uhl

Die mittelhochdeutschen Minnereden können als eine Modeerscheinung innerhalb der spätmittelalterlichen Literaturproduktion bezeichnet werden, an der sie vom Ende des 13. bis ins 16. Jahrhundert hinein mit mehr als 500 höchst unterschiedlichen Texten beteiligt sind. Nachdem sie in der Forschung lange als wenig origineller Nachklang der höfischen Epik und Minnelyrik gesehen wurden, versucht die vorliegende Arbeit anhand eines repräsentativen Querschnitts die spezifischen Eigenarten und Erzählstrategien, das Spannungsfeld von Tradition, Innovation und Reflexion und die kulturelle Leistung der Gattung herauszuarbeiten. Die Minnereden werden dabei als Teil des mittelalterlichen Minne-Diskurses begriffen, an dem sie mit einem spezifischen Reden und Reflektieren über Minne und über ein sich exemplarisch ins Zentrum stellendes Ich teilhaben. Dabei werden zum ersten Mal auch Texte berücksichtigt, die nicht aus der Perspektive eines männlichen, sondern eines weiblichen Ich verfasst sind.

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6 Die narrative Struktur der Minnelehre Johanns von Konstanz 159

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6 Die narrative Struktur der Minnelehre Johanns von Konstanz Eine intensive Auseinandersetzung und Kommentierung der ganzen Min- nerede kann als Desiderat bezeichnet werden. Lediglich in der Edition von Paula Hefti (1980) und Frederic Elmore Sweet (1934) finden sich einige Anmerkungen und kommentierende Hinweise, die im Folgenden einbe- zogen werden. Aufgrund der wenigen Beiträge, die bisher zur Minnelehre Johanns von Konstanz vorliegen, ist es notwendig, zunächst eine sehr textnahe Lektüre der einzelnen Erzählteile voranzustellen, um die stilisti- schen Besonderheiten der Minnereden und damit ihre Komplexität zu ver- deutlichen, die bisher entweder unterschätzt, nur in Bezug auf Einzelas- pekte oder in einem allgemeinen Überblick analysiert wurde.1 Es sind dies: 1. V. 1–45 Prolog 2. V. 46–155 Exposition des minnebetroffenen Ichs 3. V. 156–1045 allegorischer Traum 4. V. 1046−Ende Werbung In einem zweiten Schritt ist dann die narrative Struktur als erzähllogische Einheit zu beschreiben (Kap. 6.2). Diese Einheit des Erzählschemas soll dann im nächsten Kapitel unter den Stichpunkten der ‹Reflexion› und ‹Diskursivierung› eine Antwort darauf geben, welche Funktion diese Struktur innerhalb des Textes hat und was sie in Bezug auf die Minnereden als Gattung leistet. 6.1 Kommentierung und Interpretation der einzelnen Erzählteile 6.1.1 Der Prolog (V. 1–45) Die ersten 45 Verse der Minnelehre Johanns von Konstanz sind inhaltlich und formal den Prologen sehr ähnlich, wie sie in anderen umfangreicheren Werken der höfischen Literatur ab dem 12. Jahrhundert zu finden sind. Der Ich-Erzähler wendet sich direkt an...

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