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Frühe Neuzeit – Späte Neuzeit

Phänomene der Wiederkehr in Literaturen und Künsten ab 1970

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Edited By Alexander Kosenina and Steffen Martus

Die ‘Frühe Neuzeit’ ist eine Reflexionsepoche der Moderne. Besonders in den letzten Jahrzehnten variieren Zeitdiagnosen das Konzept der ‘Wiederkehr’ von historischen Phasen der Vormoderne, um die Gegenwart im Licht der Vergangenheit zu erkennen, um etablierte Selbstbilder zu hinterfragen und alternative Entwürfe zum ‘Projekt der Moderne’ zu ermöglichen.
Die vorliegenden Beiträge fragen danach, ob und inwiefern diese Rückgriffe über vage Anspielungen hinausgehen, auf welche Epochenmerkmale sie rekurrieren und welche kulturelle Funktion die historische ‘Wiederkehr’ im Intervall von ‘Früher’ und ‘Später Neuzeit’ übernimmt. Sie legen den Akzent auf die Analyse von Literatur und Kunst, beziehen aber vielfach philosophische, politische, soziale u. a. Kontexte ein.
Die Aufsätze gehen auf eine internationale und interdisziplinäre Tagung zurück, die 2010 im Aby-Warburg-Haus Hamburg stattfand und vom Nordverbund Germanistik veranstaltet wurde, einer Kooperation der Universitäten HU-Berlin, Bremen, Flensburg, Greifswald, Hamburg, Hannover, Rostock und Vechta.

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Grotte, Park und WunderkammerZur ‚Wiederkehr‘ barocker Szenographien 109

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MATTHIAS BAUER Grotte, Park und Wunderkammer Zur ‚Wiederkehr‘ barocker Szenographien Die ‚Wiederkehr der Frühen Neuzeit‘ stellt ein kulturelles Ereignis dar, das zumindest im Rahmen wissenschaftlicher Erörterungen einer Beob- achtung zweiter Ordnung bedarf. Was in der Beobachtung erster Ord- nung als eine ‚Wiederkehr‘ erscheinen mag, die sich gleichsam von selbst ergeben hat oder gar naturwüchsig ist, erweist sich in der Beobachtung zweiter Ordnung als Ergebnis einer Konstruktion – sei es auf der mate- riellen Ebene der Gegenstände, Sachverhalte oder Ereignisse, sei es auf der mentalen Ebene ihrer Deutung, z. B. als ‚neobarock‘. Dabei gibt es auf der Objektebene eine Vielzahl von Möglichkeiten der Reanimation, der Reaktualisierung und der Rekonfiguration frühneuzeitlicher Phäno- mene. In den meisten Fällen werden einzelne oder mehrere Merkmale der Epoche respektive des Epochenstils unter veränderten Vorzeichen zitiert, imitiert und reflektiert. Im Folgenden soll es jedoch um eine ‚Wiederkehr der Frühen Neu- zeit‘ gehen, die weder als Stilzitat noch als Imitation verstanden werden kann, gleichwohl aber eine Reflexion in Gang setzt, in der sich mit der Vergangenheit auch die Gegenwart ‚spiegelt‘. Möglich wird diese Art der Reflexion durch die Reanimation, Reaktualisierung und Rekonfiguration von Überresten, die tatsächlich aus der Frühen Neuzeit stammen und auf eine Szenographie verweisen, die ihrerseits mit einer bestimmten Semantik und Pragmatik verknüpft war. ‚Szenographie‘ ist ein bereits in der Antike auf Gemälde, Bühnenbil- der und Theateraufführungen angewandter Begriff, der spätestens in der Renaissance auch zur Beschreibung jener architektonischen...

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