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Ungarn vererben?

Intergenerationelle Tradierung von Zugehörigkeit am Beispiel ungarischer Immigranten in der Schweiz

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David Zimmer

In der Schweiz aufgewachsene Kinder von Immigranten fühlen sich oft stark der Herkunftskultur bzw. dem Herkunftsland ihrer Eltern verbunden, obwohl sie diese(s) nicht oder nur sehr bedingt aus eigener Anschauung kennen. Wie kommt dieses – oftmals diffuse – Gefühl der Verbundenheit und Zugehörigkeit zustande?
Im vorliegenden Buch wird dieser Frage am Beispiel ungarischer Immigranten in der Schweiz nachgegangen. Auf der Grundlage von sozialwissenschaftlichen Interviews mit drei Dutzend ungarischen Immigranten der ersten, zweiten und dritten Generation werden verschiedene Felder sozialer Interaktion untersucht, in denen sich das Zugehörigkeitsgefühl zur ungarischen Kultur bzw. zu Ungarn herauskristallisiert: Sprache, Name, Familie und Verwandtschaft, Ungarnaufenthalte, Kontakte zu Ungarn in der Schweiz, Vereine und Institutionen, Ehepartner, Brauchtum und Religion, bildungsbürgerliche Kultur, Staatsangehörigkeit, Alltag.

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8. Kristallisationskerne ungarischer Zugehörigkeitim Generationenvergleich 325

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325 8. Kristallisationskerne ungarischer Zugehörigkeit im Generationenvergleich Name Dass Menschen mit individuellen, möglichst unverwechselbaren Ei- gennamen bezeichnet werden, ist eine universale Erscheinung593 und lässt sich in der Menschheitsgeschichte weit zurückverfolgen. Erst durch seinen Namen wird der Mensch zur Person; erst indem er be- nannt und bei seinem Namen genannt wird, existiert er als Individu- um.594 Dadurch, dass der Mensch sein Leben lang mit seinem eigenen Namen konfrontiert ist – indem er sich Unbekannten gegenüber mit Namen vorstellt, von Bekannten mit Namen angesprochen wird, mit seinem Namen unterschreibt, seinen eigenen Namen liest etc. – ver- schmelzen Name und Persönlichkeit im Lebensverlauf immer stärker 593 Bernard Saladin d’Anglure: Names and naming, in: Barnard/Spencer 1996, S. 390–391, hier S. 390: «the attribution of personal names has been recorded in all known human societies». 594 Dies gilt in doppelter Hinsicht. Erstens auf einer erkenntnistheoretischen Ebene: Für den philosophischen Standpunkt, dass nur das existiert, was wir sprachlich – und damit gedanklich – fassen können, gibt es gute Argumente. Dinge existieren demnach erst dann (im menschlichen Bewusstsein), wenn sie einen Namen erhalten haben, wenn sie klassifiziert worden sind. Zweitens auf einer soziopsychologischen und anthropologischen Ebene: «Wenn ich von je- mandem weiss, dass er unter den Begriff ‹Mensch› fällt, reicht das noch nicht, um eine Beziehung zu ihm herzustellen. Erst der Name macht ihn mir nenn- bar; durch den Namen ist der andere gleichsam in das Gefüge meiner Mit- menschlichkeit eingetreten, kann ich ihn rufen. So bedeutet und bewirkt...

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