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Business Improvement Districts

Erfolgreicher Politikimport aus den USA?

Annette Vollmer

Business Improvement Districts bieten einen neuartigen Ansatz zur Stärkung gewachsener Geschäftsbereiche, der die spezifschen Schwächen der in Deutschland bislang genutzten Instrumente überwindet. Mittlerweile haben sechs Bundesländer entsprechende BID-Gesetze verabschiedet und es gibt mehr als 25 BIDs in Deutschland.
Die BID-Idee stammt ursprünglich aus Nordamerika und ist ein geradezu idealtypisches Beispiel für die US-amerikanische Grundhaltung, sich selbst zu helfen, statt nach dem Staat zu rufen. Angesichts dieses Gegensatzes im Staatsverständnis sowie weiterer gesellschaftlicher und ökonomischer Unterschiede zwischen den beiden Ländern stellt sich die Frage: Warum konnten BIDs erfolgreich nach Deutschland importiert werden?
Dazu werden im ersten Schritt zunächst die sozioökonomischen Rahmenbedingungen in den USA und Deutschland und die Einbettung von BIDs in ihrem jeweiligen Kontext analysiert. Aus dem «Varieties of Capitalism»-Ansatz wird dazu ein Vergleichsrahmen entwickelt. Im zweiten Schritt wird dieser mit Ansätzen des Politiktransfers verschränkt, um daraus Thesen ableiten zu können, die sich auch zur Erklärung des Transfers anderer Instrumente eignen. Die Arbeit liefert außerdem erstmals einen Überblick über US-amerikanische BIDs und eine ausführliche Darstellung des ersten deutschen BIDs in Hamburg.

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V Schlussfolgerungen 519

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519 V Schlussfolgerungen Mit Hilfe des Varieties of Capitalism-Ansatz (VoC) (Kapitel II3) konnte die Einbettung von Institutionen und Instrumenten in den jeweiligen ökono- mischen Kontext analysiert werden. Besonders wertvoll am VoC-Ansatz ist, dass damit die Aufmerksamkeit auf die unterschiedlichen Koordinierungs- mechanismen der economic governance gelenkt wird. Es wurde herausgearbei- tet, dass in der liberalen Ökonomie der USA marktliche Koordinierungs- formen überwiegen, während diese in der koordinierten Marktwirtschaft Deutschlands ergänzt werden durch hierarchische und netzwerkförmige Mechanismen. Da sich der VoC-Ansatz auf den ökonomischen Kontext und die Wechselwirkungen beschränkt, wurde der Ansatz um weitere Krite- rien aus dem gesellschaftlichen und politischen Kontext ergänzt. Auch für diese Bereiche konnten die gleichen zugrunde liegenden Koordinierungs- strukturen wie im ökonomischen Bereich nachgewiesen werden. Aus dem VoC-Ansatz ergibt sich unmittelbar, dass eine Übertragung von Instrumenten in andere gesellschaftliche und wirtschaftliche Kontexte nicht effizient sein kann bzw. die Effizienz anderer Institutionen bein- trächtigt. Die Einführung von BIDs, einem politischen Instrument aus dem US-amerikanischen Kontext der liberalen Marktwirtschaft nach Deutsch- land scheint daher im Widerspruch zu diesem Ansatz zu stehen. Um diesen Widerspruch aufzulösen, wurden aus der Verschränkung des VoC-Ansatzes mit Ansätzen des Politiktransfers vier Thesen (vgl. Kap. II7) entwickelt. Die Analyse der Kontexteinbettung von BIDs im deutschen und US- amerikanischen Kontext mit Hilfe des aus dem VoC-Ansatz entwickelten ergänzten Analyserahmens hat offen gelegt, welche Veränderungen des BID-Modells als kontextbedingte Anpasungen zu interpretieren sind. An- hand der Ergebnisse dieser Analyse werden im Folgenden die Thesen...

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