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Das Verschwinden des Erzählers

Erzähltheoretische Analysen von Erzählungen Tayama Katais aus den Jahren 1902-1908

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Verena Werner

Erzähltheorie als Untersuchungsmethode ist in der Japanologie noch weitgehend unbeachtet. Die Autorin untersucht die Erzählungen des japanischen Schriftstellers Tayama Katai (1871-1930). Seine wichtigsten Werke entstanden in der Meiji-Zeit (1868-1912) an einer Bruchstelle der literarischen Entwicklung – dem Wechsel von der klassischen Schriftsprache zur modernen Literatursprache. Die Studie durchleuchtet die Erzählstrategie Tayama Katais und seinen Versuch, wahrheitsgetreu zu erzählen, woraus eine Ausschaltung des Erzählers resultierte. Ausserdem gibt sie Aufschluss über die Entstehung von Erzählformen in Japan um 1907-1908, die auch in Europa anfangs des 20. Jahrhunderts neu auftraten.

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Die Tayama Katai-Forschung

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1 Allgemeine Bemerkungen Die Geschichte der Tayama Katai-Forschung zeugt von einem steten Schwund der Wertschätzung dieses Schriftstellers. Dabei lässt sich verfolgen, wie Tayama von einem hochgelobten und bei seinem Tod als Altmeister verehrten Autor – je nach Einschätzung dessen, was Literatur sein oder bewirken sollte – zu einem der am wenigsten beachteten Schriftsteller des 20. Jh. wurde. In den einschlägigen Literaturgeschich- ten (Konishi, Katǀ1) findet er kaum Erwähnung, die Erzählung Futon wurde im Laufe der Zeit vom „epochemachenden“ Werk zu einer Erzählung, die kaum noch gelesen wird. Es gibt nur wenige Monografien zu Tayama Katai, da er meist als Exponent oder Vorläufer einer literarischen Richtung betrachtet wird. Dabei nimmt die 1907 entstandene Erzählung Futon eine zentrale Stellung ein, da sie einerseits als eines der wichtigsten Werke des Natu- ralismus und andererseits als Wegbereiter der als „japanische Sonder- form“ bezeichneten shishǀsetsu gilt. Die auf biografischen Stoffen beruhenden Erzählungen (auch Jnjemon no saigo wird dazu gezählt) werden sehr viel häufiger abgehandelt, Shǀjobyǀ meist als Vorstufe zu Futon betrachtet und die beiden Erzählungen Rinshitsu und Ippeisotsu – wenn auch als Meistererzählungen eingestuft – höchstens en passant erwähnt. Jnjemon no saigo gilt als Repräsentant des Frühnaturalismus 1 Konishi Jin’ichi (1985, Bd. 5) erwähnt Tayama gar nicht, Katǀ Shnjichi bemerkt zu Tayamas „unverblümter Beschreibung“: „To adopt [Izumi] Kyǀka’s [elegant] style would in any case have required a considerable knowledge of Edo literature,...

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