Show Less

Magie und Sprache

Series:

Edited By Carlotta von Maltzan

Im Zeitalter der Globalisierung und nach der kulturwissenschaftlichen Wende verdient eine Auseinandersetzung mit den Bedeutungsdimensionen der Magie und Sprache in der Literatur im Kontext afrikanisch-europäischer Beziehungen erneute Aufmerksamkeit. Untersucht wird deshalb die Wahrnehmung von Praktiken der Magie und sprachlichen Handlungen in verschiedenen Gesellschaften. Unterliegt sie kulturellen Deutungsmustern? Wie interpretiert der nach Afrika reisende Europäer Lebensweisen dortiger Einwohner wie etwa in Texten von Ilija Trojanow (Ostafrika), Olaf Müller (Namibia), Yoko Tawada oder Ruth Weiss (Südafrika)? Wie bewertet er Rituale und magische Praktiken in Kenia (Loesch), wie blutige Auseinandersetzungen in Ruanda (Bärfuss, H.C. Buch) oder sprachliche Handlungen wie die der Namensgebung? Eine andere Umsetzung finden Magie und Sprache im europäischen Kontext, von der Rolle des Sprachmagiers bei Thomas Mann, Joseph Roth und Johannes Bobrowski bis zur Sprachmagie im Sinne Benjamins, als Beschwörung bei Paul Celan, im magischen Denken bei Alissa Walser und als Entzauberung bei Wolfgang Koeppen. Dieser Band präsentiert Ergebnisse der Tagung «Magie und Sprache», die im April 2011 an der Universität Pretoria in Südafrika stattfand.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Isabel dos Santos – Die unerklärliche Magie des Wortes. Zu Joseph Roths Roman Beichte eines Mörders 211

Extract

Die unerklärliche Magie des Wortes. Zu Joseph Roths Roman Beichte eines Mörders Isabel dos Santos (University of Stellenbosch) Magie ist ein Wort, das im Zusammenhang mit Joseph Roth oft zu lesen ist. Ein 2009 erschienener Artikel im Spiegel bezeichnet ihn als „magische[n] Hüter einer untergegangenen Welt“, dessen Erzählungen jedoch „überra- schend aktuell“ sind.1 Seine Sprache wird als bildhaft, musikalisch oder bezaubernd gerühmt, sein Stil mit Dostojewskij und Flaubert verglichen. Roths Thema ist die Sehnsucht, die Sentimentalität, die Nostalgie. Als Zeu- ge von Glanz und Elend eines Epochenbruchs erzählt er im Radetzkymarsch vom greisen Kaiser, von altmodischen Beamten, von einer Generation ohne Jugend und von Söhnen ohne Zukunft. Ein vernunftgläubiger Jude soll Roth gewesen sein, der „um die Kraft der Religion wusste“ und dessen Poesie unsterblich sei.2 Roths Zeit- und Leidensgenosse Walter Benjamin,3 dessen Werke um solch divergierende Kräfte wie Materialismus und Romantik, um Positivis- mus und Magie kreisen, entwarf in seiner Übersetzungslehre die Theorie zur Sprache der Dinge und formulierte eine in der Tradition der Frühroman- tik stehende Theorie der Sprachmagie. Den Aspekt der ‚Magie der Sprache‘ bezeichnete Benjamin als das „Urproblem der Sprache“.4 Jede Äußerung menschlichen Geisteslebens könne als eine Art der Sprache aufgefasst wer- den. Sprache sei nicht notwendig wortgebunden, sondern umfasse jegliche wahrnehmbare Artikulation und bedeute „in solchem Zusammenhang das auf Mitteilung geistiger Inhalte gerichtete Prinzip in den betreffenden Ge- genständen“.5 Die Form der Artikulation ist für Benjamin...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.