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Magie und Sprache

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Edited By Carlotta von Maltzan

Im Zeitalter der Globalisierung und nach der kulturwissenschaftlichen Wende verdient eine Auseinandersetzung mit den Bedeutungsdimensionen der Magie und Sprache in der Literatur im Kontext afrikanisch-europäischer Beziehungen erneute Aufmerksamkeit. Untersucht wird deshalb die Wahrnehmung von Praktiken der Magie und sprachlichen Handlungen in verschiedenen Gesellschaften. Unterliegt sie kulturellen Deutungsmustern? Wie interpretiert der nach Afrika reisende Europäer Lebensweisen dortiger Einwohner wie etwa in Texten von Ilija Trojanow (Ostafrika), Olaf Müller (Namibia), Yoko Tawada oder Ruth Weiss (Südafrika)? Wie bewertet er Rituale und magische Praktiken in Kenia (Loesch), wie blutige Auseinandersetzungen in Ruanda (Bärfuss, H.C. Buch) oder sprachliche Handlungen wie die der Namensgebung? Eine andere Umsetzung finden Magie und Sprache im europäischen Kontext, von der Rolle des Sprachmagiers bei Thomas Mann, Joseph Roth und Johannes Bobrowski bis zur Sprachmagie im Sinne Benjamins, als Beschwörung bei Paul Celan, im magischen Denken bei Alissa Walser und als Entzauberung bei Wolfgang Koeppen. Dieser Band präsentiert Ergebnisse der Tagung «Magie und Sprache», die im April 2011 an der Universität Pretoria in Südafrika stattfand.

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Jan Assmann – Magie und Sprache in Thomas Manns Josephsromanen 259

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Magie und Sprache in Thomas Manns Josephsromanen Jan Assmann (Universität Heidelberg) Thomas Mann hieß in der Familie der ‚Zauberer‘. Der Spitzname erklärt sich aus seiner viel bezeugten Gabe, seine Zuhörer als genialer Vorleser in Bann zu schlagen. Meine Frage ist nun, wie sich diese Gabe sprachlicher Verzauberung in dem Erzählwerk, speziell den Josephsromanen, ausdrückt, und zwar nicht so sehr, wie sie praktiziert wird, mit welchen Mitteln also Thomas Mann seine Leser zu verzaubern sucht, als vielmehr, wie sie thema- tisiert wird, wie also im Roman über Magie und Sprache gehandelt wird. So ganz säuberlich lassen sich aber diese beiden Aspekte nicht trennen. Zunächst aber gilt es, sich über den Begriff ‚Magie‘ zu verständigen. ‚Magie‘ ist, genau wie ‚Mythos‘, ein ambivalenter Begriff, der zwischen zwei Verwendungen, einer polemisch-kritischen und einer deskriptiv- religionswissenschaftlichen schillert. Bei Mythos konstruiert der polemisch- kritische Begriff einen Gegensatz zu ‚Wirklichkeit‘ im Sinne rationaler Welterklärung: der Mythos muss verschwinden, um einer realistischen Sicht der Dinge Platz zu machen; der deskriptive Begriff dagegen versteht unter Mythos eine fundierende Erzählung, wie es sie immer und überall gibt, ein Medium individueller und kollektiver Sinnproduktion, ohne das wir gar nicht leben könnten. Bei ‚Magie‘ stellt der polemisch-kritische Begriff Ma- gie im Sinne von Zauberei, Hexerei und Wahrsagerei in einen doppelten Gegensatz: einerseits, genau wie ‚Mythos‘, in Gegensatz zu rationaler Welt- erklärung im Sinne von ‚Wissenschaft‘, andererseits zu ‚Religion‘. Hier geht es um den Gegensatz zwischen manipulativer Machtausübung gegenü-...

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