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Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur für Bildung und Kultur der Frühen Neuzeit (1400-1750), Bd. 1

Beiträge zur ersten Arbeitstagung in Eisenstadt (März 2011)

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Edited By Alfred Noe and Hans-Gert Roloff

Die Mittlere Deutsche Literatur zwischen 1400 und 1750 weist einen beträchtlichen Bestand an deutschsprachiger Rezeptionsliteratur auf, deren Vorlagen der antiken Literatur (griech. röm.), der Literatur Italiens, Frankreichs und Englands, vor allem aber der neulateinischen Literatur Europas und der europäischen Kirchenliteratur entstammen. Auf diesem Wege ergoss sich eine grosse Flut von neuen Informationen, Ideen und Formen über das lesebegierige Publikum, das zumeist keine andere Sprache als das deutsche Idiom verstand.
Die Sichtung, Aufarbeitung, funktionelle Definition und bildungsgeschichtliche Wertung der Rezeptionsliteratur gehört zu den historisch aussagekräftigsten Aufgaben der Erforschung der Kultur der Frühen Neuzeit. Die erste Arbeitstagung in Eisenstadt (März 2011) hat die Diskussion zu diesem Phänomen eröffnet und befasst sich mit Fragestellungen wie: Welchen Wirkungsraum und welche Funktion hatte die Rezeptionsliteratur? Wer sind die Übersetzer, die Produzenten und wer die Leser? Welche Rezeptionsvorgänge sind festzustellen? Weitere Tagungen zum Thema werden folgen.

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Barbara Lafond – Kulturelle Transfers am Beispiel von Thüring von Ringoltingens Melusine (1456) 47

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Kulturelle Transfers am Beispiel von Thüring von Ringoltingens Melusine (1456) Barbara Lafond (Straßburg) Die Stoffgeschichte der Melusine zeigt, dass sie sich als besonders repräsen- tatives Beispiel für die Rezeptionsliteratur eignet, insofern sie Motive aus verschiedensten Mythen und Sagenkreisen in sich verbindet, und Transfers in verschiedene Sprach- und Kulturbereiche geleistet hat. Zuerst gelangte sie unter christlichem Vorzeichen ins lateinische klerikale Schriftgut, dann wurde sie als Ahnfrau der Familie Lusignan im Poitou verortet und im Dienst der Genealogie in zwei französischen Fassungen literarisiert. 1456 erschien Thüring von Ringoltingens Übersetzung der Melusine ins Früh- neuhochdeutsche,1 die als „Bestseller“ ihr Faszinosum über Jahrhunderte hin auf die Leser ausübte, wie Hans-Gert Roloff treffend feststellt: Wir wissen leider noch nicht, welche Kreise an der Geschichte des Hauses Lu- signan so großes Gefallen fanden und was sie vornehmlich daran interessierte. Es steht nur fest, dass der Text zu einem der beliebtesten des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts gehörte, wie die stattliche Anzahl seiner Auflagen beweist. [...] So hat sich die Melusine in ziemlich konstanter Form durch Jahr- hunderte hin die Gunst des Publikums erhalten. So gab es vor 1500 bereits sechzehn Handschriften, bis 2005 galt der Melu- sinendruck von Johann Bämler in Augsburg von 1474 (2.11.1474) als editio princeps mit 72 Holzschnitten für 99 Seiten Text,2 doch es hat sich heraus- gestellt, dass es eigentlich die 1473/74 von Bernhard Richel in Basel ge- druckte Fassung ist.3 Von ihrem Erfolg zeugen auch die vierundzwanzig Drucke...

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