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Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur für Bildung und Kultur der Frühen Neuzeit (1400-1750), Bd. 1

Beiträge zur ersten Arbeitstagung in Eisenstadt (März 2011)

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Edited By Alfred Noe and Hans-Gert Roloff

Die Mittlere Deutsche Literatur zwischen 1400 und 1750 weist einen beträchtlichen Bestand an deutschsprachiger Rezeptionsliteratur auf, deren Vorlagen der antiken Literatur (griech. röm.), der Literatur Italiens, Frankreichs und Englands, vor allem aber der neulateinischen Literatur Europas und der europäischen Kirchenliteratur entstammen. Auf diesem Wege ergoss sich eine grosse Flut von neuen Informationen, Ideen und Formen über das lesebegierige Publikum, das zumeist keine andere Sprache als das deutsche Idiom verstand.
Die Sichtung, Aufarbeitung, funktionelle Definition und bildungsgeschichtliche Wertung der Rezeptionsliteratur gehört zu den historisch aussagekräftigsten Aufgaben der Erforschung der Kultur der Frühen Neuzeit. Die erste Arbeitstagung in Eisenstadt (März 2011) hat die Diskussion zu diesem Phänomen eröffnet und befasst sich mit Fragestellungen wie: Welchen Wirkungsraum und welche Funktion hatte die Rezeptionsliteratur? Wer sind die Übersetzer, die Produzenten und wer die Leser? Welche Rezeptionsvorgänge sind festzustellen? Weitere Tagungen zum Thema werden folgen.

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Winfried Woesler – Opitz’ Übersetzung von Senecas Troades 225

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Opitz’ Übersetzung von Senecas Troades Winfried Woesler (Osnabrück) Senecas Tragödie Troades (Troerinnen)1 behandelt mythische Geschehnisse nach dem Fall Trojas, insbesondere die Leiden der trojanischen Frauen. Seneca stützt sich als Nachdichter dabei auf griechische Gestaltungen des Stoffes. Die beiden Hauptmotive Polyxenas Opferung und Tod des Astyanax sind von Euripides in zwei erhalte- nen Tragödien behandelt, jenes in der Hekuba, dieses in den Troades, aber ebenso von Sophocles in der Polyxena und in den Gefangenen. Ersichtlich ist die Benutzung der Hekuba, weniger die der Troades. Doch scheint anderes auf die Benutzung des Sophocles zu deuten.2 Grundlage dieses Vortrags soll Opitz’ Übersetzung von 1625 sein: L. Annaei Senecae Trojanerinnen; / Deutsch übersetzet / und mit leichter Außlegung erkläret; / Durch / Martinum Opitium. Sie erschien bei Zacharias Schürer in Wittenberg als selbstständige Schrift.3 Eine weitere veränderte Auflage erschien erst postum 1644 in einer Werkausgabe der Weltlichen Poemata, in Tübingen 1975 nachgedruckt von Erich Trunz. Die verbreitete Meinung, dass man diese Auflage der Trojanerinnen nicht zu beachten brauche, be- friedigt nicht, denn der Kommentar ist überarbeitet worden.4 Es gibt z. B. 1 Die Tragödien, die unter dem Namen des Seneca bekannt sind, sind in zwei Überlieferungssträngen, α und ε, erhalten; dazu im Folgenden mehr. In der α- Klasse wird die Tragödie:Troas genannt, womit die Trojanerin Hecuba gemeint ist, in der ε-Klasse heißt sie Troades, was allgemein die trojanischen Frauen be- zeichnet. Der deutsche Titel Troerinnen lehnt sich an die griechische,...

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