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Die Bedeutung der Rezeptionsliteratur für Bildung und Kultur der Frühen Neuzeit (1400-1750), Bd. 1

Beiträge zur ersten Arbeitstagung in Eisenstadt (März 2011)

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Edited By Alfred Noe and Hans-Gert Roloff

Die Mittlere Deutsche Literatur zwischen 1400 und 1750 weist einen beträchtlichen Bestand an deutschsprachiger Rezeptionsliteratur auf, deren Vorlagen der antiken Literatur (griech. röm.), der Literatur Italiens, Frankreichs und Englands, vor allem aber der neulateinischen Literatur Europas und der europäischen Kirchenliteratur entstammen. Auf diesem Wege ergoss sich eine grosse Flut von neuen Informationen, Ideen und Formen über das lesebegierige Publikum, das zumeist keine andere Sprache als das deutsche Idiom verstand.
Die Sichtung, Aufarbeitung, funktionelle Definition und bildungsgeschichtliche Wertung der Rezeptionsliteratur gehört zu den historisch aussagekräftigsten Aufgaben der Erforschung der Kultur der Frühen Neuzeit. Die erste Arbeitstagung in Eisenstadt (März 2011) hat die Diskussion zu diesem Phänomen eröffnet und befasst sich mit Fragestellungen wie: Welchen Wirkungsraum und welche Funktion hatte die Rezeptionsliteratur? Wer sind die Übersetzer, die Produzenten und wer die Leser? Welche Rezeptionsvorgänge sind festzustellen? Weitere Tagungen zum Thema werden folgen.

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Daniel Syrovy – Georg Philipp Harsdörffer und Charles Sorel 307

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Georg Philipp Harsdörffer und Charles Sorel Daniel Syrovy (Wien) Es mag überraschen, wie viele Anknüpfungspunkte an das Werk Charles Sorels (1602–1674) sich bei näherer Betrachtung in den Schriften Georg Philipp Harsdörffers (1607–1658) finden; besonders auch deshalb, weil diesem der Name des Franzosen wohl nicht geläufig war. Trotzdem sind über jede Anonymität und Pseudonymität hinweg unterschiedliche Bereiche von dessen Produktion vor allem in Harsdörffers Gesprächspiele eingeflos- sen, was gelegentlich bemerkt, jedoch nie systematisch dargestellt wurde. Im Folgenden soll also der Versuch angestellt werden, die Verbindun- gen zwischen den zwei Autoren etwas zu ordnen.1 Erst seit wenigen Jahr- zehnten widmet sich die Forschung vermehrt den Texten beider; ihr Ge- samtwerk (vor allem im Vergleich zu dem mancher Zeitgenossen) darf noch immer als weitgehend unbekannt betrachtet werden, ist also auch wissen- schaftlich kaum erschlossen. Dabei ist auffällig, wie ähnlich die zwei Fälle gelagert sind: das Attribut des Charles Sorel polygraphe, das auf die zentra- le Studie von Émile Roy (1891) zurückgeht und noch als Titel eines neueren Sammelbandes (2006) zu finden ist, trifft ebenso sehr auf den Nürnberger zu: „Kein anderer deutscher Barockschriftsteller reicht an das Ideal des uomo universale so nah heran wie er,“ heißt es im Vorwort eines soeben erschienenen Bandes zu Georg Philipp Harsdörffers Universalität.2 Die Erwähnung dieser beiden Titel deutet bereits an, daß sich die Lage vor allem in den letzten Jahren zum Besseren wendet. Gibt es nach wie vor...

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